13.02.2016 – 23.02.2016 / 360. – 370. Tag 

thumb_IMG_4864_1024 thumb_IMG_7961_1024Auf dem Vorplatz des Airports wartet bereits ein Shuttlebus nach Alice Springs und wie angekündigt die vielbeschriebene Fliegenplage. Die Luft ist so drückend heiß wie ich es selbst im südlichen Outback noch nicht erlebt hatte. Alle erkennbaren Körper verschmelzen mit schwirrenden Silhouetten in eine gelb-braun-graue, ausgetrocknete, -gezerrte Landschaft. In Alice Springs angekommen ändert sich dieses Bild, das Empfinden für meine Umgebung nicht. Die wenigen Menschen die ich auf meinem Weg zum Supermarkt treffe, die außergewöhnlicher weise zu Fuß unterwegs sind, schleichen in dieser abartigen Hitze ihrem Ziel entgegen. Ansonsten fährt auch hier jeder, jede noch so kurze Strecke, bei voll aufgedrehter Klimaanlage mit dem Auto. Am nächsten Morgen geht es nun einmal mit dem Auto Richtung Uluru. Für australische Verhältnisse und im Besonderen für das zentrale Outback ist die Strecke bis zum Uluṟu-Kata Tjuṯa Nationalpark mit 400 km nicht wirklich lang.

Der weiterer Eindruck abseits großer Ansiedlungen im Angesicht der Uluru ist:

DIE FLIEGEN SIND NERVTÖTEND, ECKLIG, PENETRANT, IMMER IM MILLIONENHEER AUFTRETEND UND OHNE GESICHTSNETZ NICHT EINE MINUTE ZU ERTRAGEN !!!!

Die Fliegen sind 24 h am Tag aktiv und ohne ein Netz über den Kopf geht fast allen Anwesenden nichts. Immer wieder frage ich mich, wie es die Einheimischen hier aushalten. Selbst Essen, egal ob am frühen Morgen oder spät am Abend, ausserhalb des Zelts ist ohne Kopfnetz für mich nicht möglich. Ich hatte ja bereits im südwestlichen Teil im Busch erste Erfahrungen mit den Plagegeistern gemacht. Doch so schlimm wie hier, dass hatte ich so nicht erwartet.

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Am Morgen heißt es dann im Dunkeln aufstehen und mit den ersten Sonnenstrahlen an der Uluru sein. Das Sonnenaufgang-Szenario wollen natürlich auch noch anderen zig hundert Touristen bestaunen und so erlebt man doch einen ziemlichen Menschenauflauf natürlich wieder mit, den sich rücksichtslos verhaltenden Chinesen. Bei der Wanderung um die Uluru sind wir dann aber doch fast alleine. Geniessen diese erhabene Landschaft, lassen uns von dem Zauber der Uluru fesseln, einfangen. Hier draussen im Umfeld dieses Naturwunders ist die Magie direkt zu spüren, ist es für mich durchaus vorstellbar wie die Aborigines seit 1000en von Jahren ihre Zeremonien abgehalten haben.

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Der weite Weg hier raus an diesen zentralen Punkt Australiens, einerseits so abgelegenen aber auch zugleich so wichtigen Ort für die Aborigines hat sich auf jeden Fall gelohnt. Natürlich akzeptiere ich die Bitte der Ureinwohner und besteige die Uluru nicht. Obwohl mich das Erleben des Sonnenauf-/untergang oben auf dem Felsplateau mit all der Faszination, der Magie, dem Grandiosen die von dieser Kultstätte ausgehen durchaus reizen würde. Klettert in den christlichen Kirchen in z.B. Europa jemand auf den Altaren herum, was würde das für ein Entsetzen, Geschrei, eine Missbilligung auslösen. Und es gibt immer wieder Touristen, die das kleinste Taktgefühl aufbringen. Nun ja es ist ja auch niemand da, der sie direkt anklagt, da es ja schließlich die Touristeneinnahmen wichtiger sind.

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Am kommenden Tag starten wir wieder recht früh, die Wanderung um den Kata-Tjuta, so wird immer wieder darauf hingewiesen, sollte man in den frühen Morgenstunden bei angenehmen Temperaturen beginnen. Es kann auch durchaus passieren, dass der Walk ab 10:00 Uhr, wenn die Temperaturen auf 35 Grad klettern und es bis zum Mittag dann durchaus 45 Grad werden können, gesperrt wird. Am Einstiegspunkt erwartet uns bereits die Fliegeninvasion und da genug von den Quälgeistern für alle Touristen in Australien vorhanden sind, begleitet uns unserer Teil den ganzen tag über. Eine Wanderung ist wieder nur mit Fliegennetz über den Kopf möglich.

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Diese Felsformation gleich in feinster Weise dem Uluru-Felsen. Wild, zerklüftet ist der Fels. Die Farben sind ein Spiel aus gelb, orange und brau in allen Schattierungen, wobei gelb eindeutig die vorherrschende Farbe ist. Phantastisch! Der Trail ist anstrengend und so sind auf dem Trail nur wenige Leute unterwegs. Immer wieder geht es über große Geröllfelder bergan/-ab. Ein wenig Kühlung findet man in den Schluchten zwischen den hoch aufragenden, massiven Wänden. Dort gibt es dann sogar kleine Seen in denen sich die umliegenden Gipfel spiegeln. Der hintere Teil des Walk führt dann nach einem steile Aufstieg über das Felsplateau mit grandiosen Ausblicken in tiefe Schluchten und Weitblick in die schirr endlose Ebenen Zentralaustraliens.

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Den Katja Canyon, unseren letzten Punkt in diesem Zentralgebiet, erreichen wir nach 170 km Autofahrt. Steige ich aus dem Auto schlägt mir immer eine Hitzewand, auch hier sind es  wieder Temperaturen um die 40 Grad, entgegen. Natürlich geniesse ich die Fahrt in einem klimatisierten Auto durch dieses Gebiet. Trotzdem entwickelt sich in meinem Kopf eine Idee, kreisen meine Gedanken immer wieder um die Frage, könnte ich hier auch mit dem Rad unterwegs sein? Ist eine Durchquerung von Nord- (Darwin) nach Südaustralien (Melbourne) mit dem Rad für mich realisierbar?

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Na die Fliegen wäre jedenfalls schon mal eine große Plage. Dazu kommen Sonne, Hitze, Ödnis, Monotonie, endlose Einsamkeit, selten vorhandene Versorgungsmöglichkeiten, Schlangen, Skorpione und schlechte Kommunikation. Na da werde ich noch weiter drüber nachdenken müssen.

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Das Gebiet des Katja Canyon kennzeichnen Felsen die aussehen als hätte sie ein Urwesen wahllos, eine Systematik der Natur ist nicht erkennbar, dort abgeworfen. Als wären sie aus dem Himmel gefallen oder jemand hätte sich seine Zeit mit Bóle spielen vertrieben.

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19.02.2016, ich bin nun seit einem Jahr unterwegs. Das sollte ein wenig gefeiert werden und das machen wir dann auch.

Richtung Osten geht in den folgenden Tagen über endlos erscheinende Pisten, mal mit Asphalt, oft mit Schotter bedeckt. Die Gegend beidseitig der Route ist trostlos, gleichbleibend trist. Nur die Tankstops an den Radhäuser unterbrechen den Tunnelblick. Jeder hängt seinen Gedanken nah und träumt sich in seine Welt. Ankunft und Übernachtung in irgendwelchen, namenlosen Orten. Schnell etwas zu essen besorgen, einen Platz für das Auto, das Zelt finden und wenn vorhanden duschen. Der neue Morgen beginnt mit der Weiterfahrt wie der Abend des vergangenen Tages endete. Mitunter endet eine Straße, die Piste, wechselt der Belag ohne einen Hinweis.

Ich träume mit seitlichem Blick in die Zukunft und komme zu der Einsicht, dass meine Art zu reisen, für mich doch die bessere Art der Fortbewegung ist. Jetzt sitze ich in einer mich von der Umgebung abschottenden Blechbüchse, die Klimaanlage vermittelt mir ein falsches Gefühl und ich rase sicher auch an vielen Dingen, die ich auf dem Rad wahrgenommen hätte vorbei. Fotomotive habe ich schon lange nicht mehr entdeckt. Natürlich ist es super komfortable mit dem Auto, dem Bus, einem Zug zu reisen. Weite Strecken zurück zulegen. Nur im Moment ticket meine Uhr anders. Ich freue mich auf mein Rad, kehre gedanklich in die Gegenwart zurück und suche nach neuer Musik vom iPod.

Nach gefühlten und sicher auch zurückgelegten tausenden Kilometern erreichen wir Cairns. Ausgangspunkt für alle Touristen die das Great Barrier Reef bestaunen wollen und glaubt mir, dass wollen alle Touristen die nach Australien reisen.

Das GBR liegt vor der Nordostküste Australiens . Es ist das größte Korallenriff der Erde. Von der UNESCO wurde es im Jahr 1981 zum Weltnaturerbe erklärt. Pro Jahr besuchen etwas zwei Millionen Touristen, Tendenz steigend, das Riff.  2003 gaben sie über vier Milliarden Australische Dollar aus. Entsprechend wichtig ist der marine Tourismus für das nördliche Queensland. Es gibt etwa 820 Anbieter von Fahrten zum Riff, die ungefähr 1.500 Boote, Hubschrauber und Kleinflugzeuge für Touren zum Riff bereitstellen. Sie operieren von den Küstenstädten aus, wobei sich 85 % des Tourismus auf die beiden Städte Cairns und Airlie Beach konzentriert. In den Städten bieten die Unternehmen Ausflüge an, von Tagestouren bis zu mehrwöchigen Segeltörns. Die Fahrzeuggröße reicht von kleinen Segelbooten bis hin zu großen Katamaranen mit über 400 Plätzen. Ungefähr 40 % des Tourismusgeschäfts liegt dabei in den Händen der zehn größten Anbieter.Trockenen Fußes kann man das Riff sowohl durch eine Fahrt mit einem Glasbodenboot oder einem Halb-U-Boot bestaunen, als auch durch einen Besuch eines der unzähligen Unterwasserobservatorien. Die am meisten nachgefragte Art des Rifferlebnisses ist allerdings das Schnorcheln oder Tauchen. https://de.wikipedia.org/wiki/Great_Barrier_Reef

Ich…., nein bitte nicht.

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Cairns, ein trostloser Ort in der vortouristischen Ära, wurde dann in wenigen Jahren aus dem Nichts der Ödnis gestampft und bietet alles was das Touristenherz begehrt. Sogar einen innerstädtischen, kostenlos nutzbaren Pool, umgeben von einem großzügig angelegten Arenal aus Kneipen, Bars, Restaurants. Ein riesiger Terminal für die zahlreichen Travel-Agenturen die Tauch-, Boots- und alle beliebten Urlauberunterhaltung anbieten, kennzeichnet das Zentrum.

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In Cairns trennen sich dann die weiteren Wege von zwei Individualisten, zwei Einzelreisenden. Es gab lustige, abwechslungsreiche Tage und es gab Tage die ich schnell, bereits am nächsten Tag, vergessen habe. Die erste Maschine Richtung Melbourne startet am folgenden Tag um 05:00 Uhr. Ein Platz ist für mich gebucht.

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