13.12.2015 – 298. Ankunft in Entikon – 19.12.2015 – 304. Tag Ankunft in Pangkalan Bun 

West-Kalimatan j
West-Borneo (Kalimantan)

Erwartungsgemäß war heute morgen die Feuchtigkeit des Dschungels alles durchdrungen. Die Bodenfeuchtigkeit hatte sich durch die Zeltunterlage und den Zeltboden einen Weg gesucht. Schnell habe ich eine Dusche im nahen Bach genommen, die Sachen gepackt, mein Müsli runtergeschlungen und mich den Weg zurück auf die Strasse gekämpft.

IMG_4068
..immer tiefe in den Dschungel, weg von der Strasse

Durch den schlammigen Dschungelboden war der Weg eine reine Rutschpartie und ich lag das eine und andere mal auf den Knien um das Rad vorwärst zu bekommen bzw. es nicht wieder den Hang runterrutschen zu lassen.

IMG_4065
durch den Dschungel zum Schlafplatz
IMG_4069
Nachts allein im ….

Dann ging es wieder und wieder über kurze, ziemlich steile Wellen Richtung Grenze. Nachdem es sich gestern durch den bewölkten Himmel angenehm fahren lies, ist heute wieder stechende Sonne, wolkenlosen Himmel und kein Schatten angesagt.

Die letzten 16 km musste ich dann wieder eine vielbefahrene Strasse benutzten und stand dann, allerdings für mich unerwartet, vor dem malayischen Grenzposten. Huch, das ging jetzt aber schnell, von der Grenzstadt habe ich nichts gesehen. Schnell bekam ich meinen Ausreisestempel und dann stieg ein bisschen die Anspannung in mir. Würde ich nun ohne weiteres mein indonesisches Visum bekommen oder musste ich wieder zurück ?

Wie so oft an ländlichen Grenzübergängen so lungerten auch an diesem eine Menge Leute in Zivil rum, die ich nie so richtig einordnen kann. Sind das Grenzbeamte, Geldwechsler, Schlepper, Schmuckler oder was? Jedenfalls winkten mir schon einige auffordernd zu. Unter ihnen allerdings auch Uniformierte. Ich musste das Rad abstellen und in einem Häuschen 165 RM für einen Visumschein bezahlen. Ok, das ist ja schon mal gut. Dann weiter in einen Immigrationsraum. Dort fragte mich ein Grenzbeamter nach woher, wohin, wie lange usw. Nebenbei sollte ich eine Karte ausfüllen und mit meinem Pass und der ID-Karte verschwand er dann in einen Nebenraum. „ Ok, das entwickelt sich recht positiv”, so meine Gedanken. Nach einigen Minuten kam ein ranghöherer Beamter dann mit meinem Pass raus, fragte noch einmal die selben Sachen. Haute schwungvoll dem Einreisestempel in den Pass, machte mich auf die 30 Tage Aufenthaltsdauer aufmerksam, gab mir meinen Pass und verschwand.

Draussen hatte sich in der Zwischenzeit eine Menschentraube um mein Rad versammelt, darunter auch Zollkontrolleure. Wieder viele Fragen, meine Sachen werden durchleuchtet, noch mehr Fragen. Mit grossem Erstaunen hörten sich alle meine Geschichte an, noch schnell einige Erinnerungsfotos und dann konnte ich auch die letzte Linie überfahren und stand in West-Kalimantan, dem indonesischen Teil von Borneo.

IMG_4076
Malysia-Indonesien, Grenzdurchtritt
IMG_4079
Erste Eindrücke

Jupp bestens, das hat geklappt. So schmunzelte ich froh und verschwand schnell nach draussen.

Wieder ist alles neu und da es bereits 15:00 Uhr ist, beschließe ich den ersten Tag im neuen Land in einem Hotel zu beenden. Schnell finde ich eine, naja ich bezeichne es mal als einfache Unterkunft für bedürftige Reisende. Finde eine Garküche, bin noch nicht wirklich satt, kehre dann also noch in eine weitere ein und falle müde ins ameisenumwimmelte Bett. An andere Tierchen will ich gar nicht denken, wünsche mir und allen Mitbewohnern eine ruhige Nacht.

auf u ab
bis zum Horizont geht es gefühlt aufwärts…

Zum späten Nachmittag des nächsten Tages hielt die Strecke noch einmal alles für mich bereit. Regen, Berge, Schotterpiste, Staubwolken, noch mehr Schotterpiste, Baustellen und ja wie herrlich, ein Hotel. Der Reihe nach:

Es hat mich dann doch recht schnell aus dem Zimmer getrieben. Die ganze Zeit hing ein dermassen stechender Uringeruch im Zimmer, die Klotür konnte ich nicht schliessen, aber daher kam der Gestank irgendwie auch nicht. Bewölkter Himmel, schön zum Fahren. Über weite Strecken ging es wieder hoch und runter. Allerdings durch die kühle Luft angenehm. Ich bin ja nun in Kalimantan, dem indonesischen Teil von Borneo unterwegs. Auch hier, wie bereits im malayischen Teil von Borneo, leben Moslems, Buddhisten, Christen friedlich miteinander. Stehen Kirchen unweit von Moscheen und Tempelanlagen, fahre ich an Friedhöfen der einzelnen Religionen vorbei. Allen gemeinsam ist die Freundlichkeit, die Offenheit und die Neugierde mit der diese Menschen mir begegnen. Egal ob Männer oder Frauen (mit und ohne Kopftuch). Sie alle winken mir zu, rufen mir ein freundliches „Hallo“ zu, fragen wie es mir geht.

Am Nachmittag setzt dann Regen ein und die Strassen stehen teilweise hoch unter Wasser. Der Verkehr ist auch in Indonesien größtenteils ruhig, rücksichtsvoll. Einige rasen im Zentimeterabstand allerdings auch durch tiefe Wasserlachen auf der Strasse und dann gibt es für mich immer wieder eine „Schmutzwasserdusche“.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
regennasse Schmutzpiste

Die Piste ist zwar als befestigte Strasse auf der Karte eingezeichnet, entpuppt sich dann allerdings als Schotterpiste mit Baustellencharakter. So ziehen sich die letzten 28 km arg hin und ich stelle mich schon auf eine Nacht im Zelt ein. Allerdings sieht es lange Zeit nicht wirklich gut mit einer Übernachtungsstelle aus. Alles ist doch immer wieder besiedelt bzw. wird als Anbauflache genutzt.

schule
einige zeigen Mut, andere halten doch lieber Abstand zu dem ….

Immer wieder halte ich an Hütten die etwas verkaufen, nur Lebensmittel, also Brot und irgendwelche Büchsen mit Fisch/Fleisch finde ich nicht. Ich bin nicht wirklich hungrig, obwohl ich einmal wieder den ganzen Tag nur eine Rolle Kekse gegessen habe. Meine Konzentration liegt im Moment mehr auf der Suche nach einem ruhigen Platz für die Nacht und auf der Buckelpiste.

Gegen Abend finde ich doch noch einen offenen Supermarkt und kaufe ein wenig labbriges Toastbrot und eine Büchse mit …? Vor mir an der Kasse bezahlt ein junger Man mit Karte. Das scheint ein ungewöhnlicher Vorgang zu sein, denn der zieht sich wirklich ewig hin. Er muss irgendwelche Formulare ausfüllen, mehrfach Quittungen unterschreiben und dann auch noch warten bis die Sache online bearbeitet ist. So stehen wir nebeneinander, schauen und kurz an, warten auf den Abschluss der Datenwanderung.

Draussen treffe ich den Mann wieder und wir kommen doch noch irgendwie ins Gespräch. Woher, wohin usw. sind seine Fragen an mich. Es ist bereits dämmrig und ich habe immer noch nichts zum Schlafen gefunden, also frage ich ihn spontan, ob es hier irgendeine Übernachtungsmöglichkeit gibt. “Ja klar, dort hinten gibt es ein Hotel“, sagt er und bringt mich auch noch gleich dort hin. Es ist schon wirklich immer wieder erstaunlich, wie schnell sich doch die Situationen ändern, denn nun stehe ich vor einem blitzsauberen, neuen Hotel und das Zimmer ist für umgerechnet 8 Euro zu haben. Idon, regelt auch noch alles mit dem Hotelmanager und dann steht das Rad im Zimmer und ich unter der Dusche. Später, auf Nachfrage wo ich eine gute Garküche finde, fährt mich auch noch ein Mann mit seinem Moped dorthin. In der Garküche unterhalte ich mich mit der gesamten Belegschaft und einigen Gästen, eine Frau mit ihren zwei Töchtern spricht ein wenig englisch und alle wollen gemeinsame Fotos. In der Zwischenzeit wird mein Essen kalt, aber egal für diese freundlichen Menschen esse ich auch kalten Reis mit Chilifisch.

frau
Herzliche, offene Menschen

Zurück im Hotel wartet schon der Eigentümer des Hotels auf mich, lädt mich zum Essen und Kaffee ein, erzählt von seiner Deutschlandreise und das er das Hotel erst vor zwei Monaten eröffnet hat und eigentlich noch keine Lizenz hat. Daher fehlt auch noch ein Hinweis an der Hauptstrasse.

Alles fügt sich an dem heutigen Abend zu einer wunderschönen runden Sache. So geniesse ich dies alles und schlafe dann selig ein.

faehre
ungewöhnliche Fähre

Die neu gebaute Brücke sah ich in der Ferne, wollte aber doch die Fähre benutzen. Eine genaue Abfahrtszeit konnte ich trotz mehrfacher Nachfrage nicht in Erfahrung bringen. Nach einer Stunde Wartezeit waren dann genügend Fahrzeuge versammelt, so das es sich lohnte überzusetzen. Bezahlen musste ich für die Fahrt nichts. Auf der anderen Seite ging es dann gleich auf rotbraunem Sand an ein paar Hütten vorbei, steil bergan. Immer wieder musste ich mich eine Steigung nach der anderen hoch treten.

Auch gegen Nachmittag wurde es nicht leichter und so hielt ich schweißgebadet neben einem Moped mit zwei Frauen die mir zugewinkt hatten. „Mr. one picture please?“ Ja klar, das war ja bereits Routine, da in jedem Supermarkt in jeder Garküche die Leute Fotos mit mir machen wollen. Ich fragte dann noch, wie weit es ca. bis zur nächsten größeren Stadt wäre bzw. ob auf der Strecke ggf. ein Hotel zu finden wäre. Das wäre alles noch ca. 4 Stunden entfernt, war die Antwort. Ok, dann heute wieder Zelt.

Maedchen
Leben im Dorf

Nach einer weiteren Stunde Berg- und Talfahrt und einer Mittagspause, standen die beiden Frauen plötzlich wieder am Strassenrand und winkten mir zu. Also hielt ich noch einmal an und die Muslime von den beiden erklärte mir, dass ich bei der anderen Frau in ihrer einfachen „simple“ Hütte schlafen könnte. Ja klar, gerne erwidert ich und es ist auch kein Problem, dass dort nur eine Schotterpiste hinführt, erklärte ich als sie mir das mit einem Hinweis auf den Seitenstreifen andeuteten. Jedenfalls bis dahin dachte ich noch es wäre kein Problem. Also wieder rauf aufs Rad und weiter über die Strassenwellen. Die beiden tuckerten die ganze nächste Stunde hinter mir her und das trieb mich doch ziemlich an bzw. machte mich ein wenig nervös. Irgendwann fuhren sie dann doch an mir vorbei, hielten aber gleich nach der nächsten Kurve und dort ging es an einer Schranke vorbei links rein in die Palmplantage. Schotter-/Rüttelpiste mit groben, recht grossen Schottersteinen und immer wieder kurzen, anstrengenden Steigungen. Unterwegs tauchten ein paar Ansiedlungen auf, Leute hockten davor im Sand staunten mich an, aber immer noch waren wir nicht am Ziel. Und immer wieder ging es mir durch den Kopf, “…das muss du morgen alles wieder zurück zur Strasse fahren…“!

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Hüttendorf im Plantagenall….

Dann endlich hinter einer weitere Schranke tauchte eine etwas größere Siedlung mit zwei Langhäusern, wir würden sie als Baracken bezeichnen, auf. Davor, hinter der Schranke ein Checkpoint, wo ich mich in ein Buch eintragen musste. Die Security begrüsste mich mit Handschlag und weiter ging es an den Baracken entlang. Am Ende standen ein paar Typen mit ihren Mopeds und staunten mich an. Aus der Gruppe sprang plötzlich einer hervor, stellte sich mir in den Weg, deutet an ich sollte anhalten, hielt das Rad fest. Dickes aufgequollenes Gesicht, die Augen hinter einer Sonnenbrille versteckt, so stand der schwankende Typ vor mir, unschöne Situation, dass wird eskalieren, dachte ich mir. Also bin ich runter vom Sattel, habe ihm klar gemacht, dass ich bereits bei der Security eingetragen, registriert bin und er mich doch bitte weiterfahren lassen möchte. Die beiden Frauen standen in einiger Entfernung mit ihrem Moped. Er ging kurz zur Seite aber nur um gleich wieder von hinten auf mich loszustürzen und das Rad noch intensiver festzuhalten. Ok, jetzt wurde ich dann doch etwas lauter. Machte deutlich, dass niemand mein Rad festhält und wenn er etwas zu melden hätte, möchte er doch bitte erst einmal seine Sonnenbrille abnehmen. Gedanklich hatte ich den falschen iranischen Ganoven vor mir. Auch von diesen konnte ich wegen der dunklen Sonnenbrille, damals nicht die Augen sehen. Das der Typ ziemlich betrunken war und somit auf Krawall aus war, bekam ich nun doch mit. Also bin ich erst einmal ganz vom Rad runter, auf ihn zu und habe ihm deutlich klar gemacht, dass jetzt Schluss ist mit lustig und ihm dabei gleich die Sonnenbrille von der Nase gezogen. Meine Vermutung war richtig, der Typ war sogar ziemlich betrunken und suchte nur Streit. Mittlerweile gab es eine ziemliche Ansammlung von Leuten, die sich schützend vor mich stellten und mir klarmachten, ich sollte jetzt einfach weiterfahren. Dies tat ich dann auch schnell bis zur Hütte der Frau. Ich hatte das Rad vor der Tür abgestellt und wollte gerade in die Hütte gehen, da stand der Typ wieder, auf einem Moped sitzend, vor mir. Stürzte wieder, diesmal mit einem langen Brett, auf mich los. Nun war das Brett, doch ziemlich lang und schwer und er verlor beim Ausholen das Gleichgewicht, wobei wohl auch sein alkoholisierter Zustand eine erhebliche Rolle spielte, und schlug samt Brett in den Strassendreck. Natürlich hatte es zuvor bereits eine riesige Menschenansammlung gegeben und alles lachte nun herzlich. Das machte den Typen allerdings noch wütender und wäre jetzt nicht die Security eingeschritten, ich weiss nicht wo das noch geendet hätte. Jedenfalls nahmen die ihn dann mit festen Griff mit und so hatte ich endlich vor diesem Typen meine Ruhe.

Natürlich stand aber noch das ganze Dorf samt aller Kinder in der Hütte und staunte mich weiter an.

Kinder
grosse Augen zu kleinen Geschichten

Einer jungen Frau, die ein wenig englisch verstand erzählte ich meine Geschichte und sie übersetzte es dann den anderen Leuten. Leider werte die Freunde und Entspannung nicht lange, denn wenig später stand wieder einer der Security-Leute in der Tür und teilte mir mit, dass ich zum Plantagenmanager kommen sollte. Ok, was kommt jetzt?.

kinder
alle lauschen interessiert meine Geschichten

Der Manager liess mich sofort sein Misstrauen spüren, war sehr distanziert und förmlich. Mir war sofort klar, dass hier nicht die Neugierde eines Mannes über meine Reise im Frage-Antwort-Spiel gestillt werden sollte.

Dies wäre Privatbesitz und ich würde mich ohne Berechtigung / Lizenz der Compagnie hier aufhalten. Ob ich Journalist wäre, war die immer wieder gestellte Frage. Wie ich hierher gekommen wäre ? Wie ich das Dorf gefunden habe usw. ? Offensichtlich hatte man ihm nur informiert, dass ich hier wäre, nicht wie und mit wem ich hier eingetroffen sei. Kurz und gut, ich merkte schnell, dass ich hier keinerlei Sympathie und Hilfe zu erwarten hätte und so kürzte ich die Sache mit einer klaren Frage ab. „ Kann ich heute Nacht hier schlafen oder nicht?“ Da ich keine Lizenz hätte natürlich nicht, so seine Antwort. Also stand ich auf, diskutieren war zwecklos, verliess den Raum der sich hinter mir während des Gespräches wieder mit zig Personen gefüllt hatte, ohne mich zu verabschieden, ging schnell in die Hütte, nahm mein Rad und schob es kraftvoll auf den Hauptweg zurück. Es war bereits 18:15 Uhr und viel Zeit bleibt mir nicht mehr, um noch mit dem wenigen Tageslicht zurück auf Strasse und raus aus dem Gebiet der Palmpflanzung zu kommen. Der Manager hatte mir noch mit auf dem Weg gegeben, dass die Plantage der Compagnie 18.000 ha gross wäre und ich natürlich auch nicht einfach im Zelt in der Plantage übernachten dürfte. Die Schilder mit den schießenden Wachposten, die ich immer wieder an den Strassenrändern gesehen hatte, kamen mir sofort in den Sinn. Nein den Gefallen, mich als Zielscheibe zu benutzen, werde ihm ganz gewiss nicht tun.

Ein Security Mitarbeiter begleitete mich auf seinem Motorrad bis auf die Strasse zurück, verabschiedete sich vielmals entschuldigend für diese Massnahme. Ich sagte ihm, dass das ja nicht seine Entscheidung sei, er doch sehr freundlich zu mir war und verabschiedete mich, wie bereits auch zuvor von den beiden helfenden Frauen, mit einer herzlichen Umarmung.

secur
aufgezwungene Doppelbewachung

Es war bereits ziemlich dämmrig und jetzt musste ich doch wirklich spurten. Ich stand inmitten der Plantage, die sich beidseitig der Strasse kilometerlang hinzog. Immer wieder hielt ich in der Dunkelheit kurz an, wenn ein Auto/LKW von hinten näher kam und stellte mich im blendenden Scheinwerferlicht abseits der Strasse auf den Standsteifen. Dann wieder rauf auf’s Rad und weiter. Das alles kostete natürlich viel Zeit, erschien mir allerdings sicherer als im Dunkeln umgefahren zu werden.

Irgendwann hoffte ich, aus dem Bereich der Compagnie raus zu sein, fand im Dunkel der Nacht einen Weg in den Dschungel, eine kleine ebene Fläche für mein Zelt und beeilte, mich den Ansturm der Mücken erwehrend, mein Ziel aufzubauen. Wütend und stachelfletschend surrte das Heer der Millionen Moskitos um das Zelt herum. Kurz darauf setzte ein heftiger Wind ein und es fing unter erhellenden Blitzen an zu regnen.

Was für ein Tag, welche Menge an Erlebnissen?! Ermüdet schlief ich in dieser Nacht doch recht schnell ein.

huette
selten genug ist noch ein wenig Wald zu sehen

Ankunft in Sangai am Fluss Sungai Ketapang. Immer wieder erstaunt es mich wie sich nach stundenlanger Quälerei doch am Abend vieles zum Guten fügt. Ich bin um 09:00 Uhr auf der Strasse und irgendwie doch noch recht müde.  Milch zum Müsli finde ich etwas weiter im Ort, der sich dann doch nach einer Kurve als größere Ansiedlung darstellt. Dann geht es wie schon die Tage davor immer auf und ab. Kein einziger Kilometer ohne mindestens 3 Anstiege. Es raubt mir nun doch echt Kraftreserven, die ich im Moment wohl auch nicht im Überfluss habe. Die Steigungen sind langgezogen und doch recht steil. Mitunter schaffe ich durch den Schwung aus der Abfahrt die halbe Auffahrt. Meist stehe ich aber im unteren Drittel der Steigung, wenn ich nicht sofort antrete, auf der Stelle. Keinen Tritt darf ich auslassen, nicht den Druck auf die Pedale vermindern. Sofort fehlt der Antrieb und ich stehe. So geht es nun schon seit Tagen und wenn es mir dann am Tage nach Stunden der Quälerei endlich reicht, gibt es einen gewaltigen Brüller, lautes Fluchen, extrem Frust ablassen, dass der Strassenheilige „Roadius“ doch jetzt endlich mal mit dem Schei…. aufhören kann. Die Konzentration auf die kommende Steigung läßt dadurch etwas nach, ich lenke mich einen Moment lang ab und der Anstieg ist etwas schneller überwunden.

hoch u runter
Trostlosigkeit

Im Rückspiegel sehe ich eine Scharr von Mopeds auf mich zukommen. Ah, die Schule ist aus und die älteren, mopedbesitzenden Schüler fahren nach Hause. Als die Meute mich erreicht hat, bricht ein grosses Jubeln und die pure Neugier bei den Jungen und Mädchen aus. Ich werde von allen Seiten in den Mopedtross eingeschlossen und bejubelt. An der nächsten Steigung greife ich mir ein Moped mit zwei Jungen, mache ihnen klar, dass sie mich schleppen sollen und nach einigen Fehlstarts klappt es dann doch ganz gut. So überwinden wir gemeinsam einige Anstiege. Nach ein paar Kilometern ist dann der Spass vorbei. Wir erreichen einen Ort, nach und nach verschwinden die Jugendlichen links und rechts in den Seitenwegen, die immer rotbraune Schotterpisten sind und immer gleich mit 20 % Steigung in die Palmpflanzungen führen. Na da ist ein Moped wirklich mehr als notwendig, wenn sie diesen Schulweg jeden Tag bewältigen müssen.

moped
lustige Horde

Wie gestern bereits, so setzt auch heute im Laufe des Nachmittag eine mächtiger Gewitterregen, begleitet von heftigem Wind, ein. Innerhalb von Sekunden bin ich völlig, nicht von Regentropfen, sondern von der Wasserwand eingeschlossen. Durchnässt vom Schweiss war ich ja bereits vorher durch, ab jetzt ist jede Faser triefend nass. Aus meinen Schuhen fliesst das Wasser in kleinen Bächen aus dem Zehenbereich. Nach einer Stunde läßt der Starkregen etwas nach. Auf der Strasse liegen jetzt viele Äste, Blätter und allerlei Unrat. Teilweise sind Bananenstauden umgebrochen und liegen über den Seitenstreifen hinaus halb auf der Strasse.

schild

Den ganzen Nachmittag regnet, nieselt es dann weiter. Mehrfach halte ich an, wringe mein Shirt, auch schnell meine Radhose aus und versuche meine völlig aufgeweichten Füsse irgendwie trocken zu bekommen. Die sehen seit Tagen aus wie 6 h in eine heiße Badewanne gehalten.

Gegen 16:00 Uhr sind es laut GPS noch 34 km bis Tayap. Ob das ein größerer Ort ist kann ich nicht erkennen, nur steht er bereits seit etlichen Kilometern auf den spärlich vorhandenen Hinweisschildern.

tor
eine der vielen Passhöhen ist erkämpft

An bei meinem Tempo von im Schnitt 9 km/h schaffe ich das nicht mehr vor der Dunkelheit, geht es mir durch den Kopf. Bargeld habe ich auch nicht mehr allzu viel und so richte ich mal wieder so langsam auf eine Nacht im Dschungelzelt ein. Also halte ich an einer der Hütten die vor der Brücke über den Sungai Ketapang stehen, kaufe mir Wasser für die Nacht und frage so nebenbei, ob eventuell in der Umgebung oder auf der weiteren Strecke ein Hotel zu finden wäre. „Ja klar, gleich hier hinter der Brücke rechts rein, die Strasse weiter, die nächste….., ach ich fahre mit dem Moped vor und bringe sie hin.“ So getan steigt der gute Indonesier auf sein Moped und bringt mich in einen Ort, an dem ich im Leben nicht vermutet hätte, dass sich dort eine doch recht große Ansiedlung befindet und es sogar mehrere Hotels und Pensionen gibt. Es erstaunt mich wirklich immer wieder aufs Neue, wo sich diese Ansiedlungen befinden, denn von der Strasse, der Hauptstrasse deutete absolut nichts darauf hin, dass sich dort dieser Ort befindet. Eine Lodge mit einfachstem Standart für 60.000 Real (4Euro) mit Flußwasserdusche, wird für diese Nacht mein Zuhause. Nachdem ich allerdings gesehen habe, was da alles so stromabwärts im Fluß treibt, mir dann das Wasser in dem Duschbecken ansehe, mir kurz meinen Top Gesundheitszustand vor Augen führe, dies alles ins Verhältnis zu meinem Körpergeruch setze, den ja nur ich alleine ertragen muss!!!! Ok, lasse ich heute die Dusche ausfallen.

flussbad
Flussbad

Es gibt auch so etwas ähnliches wie eine Einkaufsstraße, also eine Ansammlung von Geschäften jedweder Art der Ware. Ich streife durch die Gemischt-Warenläden, das Angebot mischt sich aus Lebensmitteln, Motorölen, Benzin in kleinen Kanistern, Eisenwaren, Werkzeug, Getränken, Schuhen, Schlappen und Bergen von Säcken mit Mehl, Reis, Viehfutter. Überall stehen Türme von Kartons im Weg, es ist kein Durchkommen. Aber irgendwie auch wieder schön. Nicht so steril wie in unseren Supermärkten. Die Besitzen sitzen meistens an der Kasse und eine Heerschar von Jugendlichen, Jungen wie Mädchen, wuselt in und mit der Ware rum. Ich frage nach Müsli, Cornflakes, Knabberzeug. Leider versteht sie mich nicht und ich sie auch nicht. Also rein in den Warenwahnsinn und suchen. Und wirklich, ich werde fündig. Das Müsli ist zwar kurz vor dem Verfallsdatum, aber was besagt das schon, wenn die Notwendigkeit des Erwerbs besteht. Für mich, NICHTS!!! Im nächsten Laden, im großen Chaos finde ich Milch, auch nicht mehr mit aktuellem Datum und es gibt sogar einen Obst-und Gemüsestand. Endlich einmal wieder Apfel und Naschibirne zum Müsli. Ich bin rundum glücklich, die Überwältigung für heute ist bei mir vollkommen.

fluss dunkel
Nacht über dem Fluss….
nacht
..und der Siedlung

Mit dem Abendessen wird es leider nicht so recht etwas. Ich steife durch die Gassen. Komme in den Marktbereich des Ortes und gehe an den Fleischständen mit frisch geschlachteten Schwein oder so ? und Hühnern vorbei. Das das alles überseht von Fliegen ist, ja ok, daran kann man sich gewöhnen. Doch die gerupften, nackten Hühner mit den Geschwülsten an vielen Stellen und daneben die Käfige mit den noch lebenden, nicht wirklich gut aussehenden Hühnern schrecken mich dann doch wirklich endgültig ab. Ok, ich bin bekennender Fleischesser, doch mitunter, gerade auch in Asien, könnte ich echt zum Fleischverzichter werden. Nun gut, dann gibt es heute Abend Kekse, Brötchen mit „Gemüse- und Fisch irgendwas Füllung.“ Der Hunger bleibt und wird dann erst morgen früh etwas gestillt werden können. Na dann gute Nacht.

WAS FÜR EINE FU….ING PISTE !!! Für die letzten 33 km habe ich 3,5 h gebraucht. Die Steigungen wollten einfach kein Ende nehmen. Die letzten 5 km bin ich nur noch gekrochen. Der Ofen war völlig aus.

morgens
mitunter lässt es sich am Strassenrand besser frühstücken

Ich hatte mich gegen 09:00 Uhr auf die Piste gemacht und die ersten zwei Stunden lief es ganz gut. Es war noch nicht allzu warm und die Strasse zeigte ein angenehmes Profil. Ab Mittag dann wurde selbst das GPS ungenau, denn ich lag irgendwie immer neben der eigentlichen Route. So musste ich dann auch einmal direkt fragen, wo es denn nun weiter geht. Die Leute selber waren sich ziemlich uneinig und wir brauchten gemeinsam einige Zeit den richtigen Weg zu deuten. Ja und dann ging es auch ans Eingemachte!

hoch hoch
hinauf….
verflucht
…und weiter mit kräftezerrenden…..
Spiegel
…Tritten…

Ein Anstieg jagte den nächsten. Die Abfahrten reichen bei weitem nicht mehr aus um auf der anderen Seite wenigstens bis auf die Hälfte der Steigung zu fahren. So stand ich auch einmal ziemlich in den Pedalen, als vor mir um die Kurve ein Moped geschossen kam und der Junge im Ausgang der Kurve völlig die Kontrolle über seine Fahrt verlor. Er jagte, schoss mehrfach von der Strasse auf den Seitenstreifen und zurück, knallte dann seitlich auf die Strasse und kam von der rechten Seite auf mich zu gerutscht. Blitzschnell sprang ich vom Rad und versuchte schiebend aus dem Gefahrenbereich zu kommen. Das Moped bleib in der Mitte der Strasse liegen, der Junge etwas weiter an der Kante. „ Oh man, auch das jetzt noch, der muss sich echt weh getan haben “, ging es mir durch den Kopf. Mit kurzen Hosen, T-Shirt und Sandalen auf dem Asphalt knallen! Doch falsch vermutet ! Fehlanzeige ! Er stand auf, hob das Moped hoch, schob es an den Rand und kümmerte sich überhaupt nicht um meine Fragen, ob er verletzt wäre. Nahm mich irgendwie nicht wahr. Es war auch augenscheinlich nichts an grossen Verletzungen zu sehen. Ein weiterer Mopedfahrer, den er wohl kannte, kümmerte sich um ihn, gab  mir den Hinweis, dass ich weiterfahren könnte und das tat ich dann auch. Schock !!!

Dann ging es auch noch in der Nachmittagshitze bei 36* einen Pass hinauf. Ab Mitte des Anstiegs bei 14 %, konnte ich das auch echt nicht mehr treten und so schob ich das Rad bis auf die Passhöhe. Oben zeigte mir der Höhenmesser ca. 900 m an. Nicht viel aber auf der kurzen Strecke und bei dem Steigungswinkel mega hart.

nasse strasse
lange anhaltender Sturzregen

Ich war mittlerweile auch völlig durch und musste mich höllisch konzentrieren, dass mir bei den Abfahrt nicht etwas ähnliches wie dem Mopedfahren passiert. Jedesmal erreichte ich eine Anstiegshöhe völlig geschlaucht, nach Luft hechelnd und mit rasenden Puls. Danach ging es dann mitunter ebenso steil abwärts und die Verlockung den größtmöglichen Schwung mitzunehmen war immer ziemlich groß. Nur sind die Strassen sehr eng und auch der mir entgegenkommende Verkehr will den Schwung seiner Abfahrt nutzen und schneidet sehr die Kurven. Und so rauschte ich auch einmal knapp an einem entgegenkommenden Kleinbus ziemlich weit nach rechts getrieben, vorbei.

Ich habe es dann doch irgendwie geschafft mich selbstständig bis nach Kudangan zu kämpfen, obwohl ich mehrfach sehnsüchtig nach einem Pickup Ausschau gehalten habe. Ich habe mehrfach die Strasse, die Gegend und die Strassenerbauer verflucht, so eine Piste gebaut zu haben. Alles war heute nicht so wirklich auf meiner Seite. Extrem warm, extrem (Endmass) vorhandene Piste und endlos lange Entfernungen mit wenig Abwechslung.  Wie lange ich mir das noch antue weiss ich noch nicht. Sicher nicht mehr ewig, denn es zerrt alles aus mich raus.

frust
alles geben…., reichte nicht

Heute hat es mir dann gerecht. Wieder ging es ohne Unterbrechung steil bergauf und ich hatte so was von schwere Beine, dass ich einfach auch keinen Spass mehr erkennen konnte. Also Daumen raus und der erste Pickup hielt auch sofort. Schnell war hinten etwas Platz zwischen den Durian für das Rad und mich geschaffen und schon ging es in einem Affentempo über die Berg.

durian
..Platz ist auf der kleinsten Fläche …

Glücklich, erleichtert mir, meinem Körper diese Erleichterung zu gönnen, sah ich natürlich auch was da noch an Profil auf mich zugekommen wäre. Das hätte mir echt den absoluten Rest gegeben. Nein, da wäre ich ohne „Blut“ nicht rübergekommen. Richtige Entscheidung, gute Sinnhaltigkeit in Bezug auf den weiteren Verlauf meiner Tour.

nicht leichter
…und immer wieder Anstiege bis zu Horizont

Gemächlich radelte ich ins Zentrum von Pangkalan Bun, dem Ausgangspunkt meiner lange geplanten Orangutan-Tour. Nach meiner Rückkehr von einem kurzen Bummel durch die Stadt kehrt ich in das Hostel zurück. Ich hatte zuvor nach einer Agentur für die Nationalpark-Tour gefragt und so stand zu meiner Verwunderung bei meiner Rückkehr die Tourmanagerin im Foyer. Dessy strahlte mich an und wir waren uns, das kann ich rückblickend sagen, sofort sympathisch. Ich buchte sofort die Tour und wir verabredeten uns dann für den kommenden Morgen.

hochzeit
.. nun ja ….
verbeugung
…nur Förmlichkeiten…, keine Party….

Am Abend wurde ich dann noch auf einer indonesischen Hochzeit eingeladen. Ein Riesenaufgebot, viele Gäste, mit Essen überladene Tafeln, viele Förmlichkeiten, aber sonst wirklich keine ausgelassene Feier. Nicht zu vergleichen mit den Hochzeiten in Usbekistan/Tadschikistan.

cool
verschworene Gemeinschaft

Alles sehr sehr steif, keine ausgelassene Freude, kein Tanz, nur Massen an Menschen, die an dem Paar und den Brauteltern vorbei zogen und ihnen gratulierten.

wir allein
…er zog auch an mir vorbei…..

Morgen geht es dann für drei Tage in den Nationalpark zu den Organ Utan.

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.
Menü