Borneo j
meine Hauptroute an der Küste

29.11. – 12.12.2015 – 284. – 297. Tag

Brunei-Darussalam, ein kleines Sultanat im Nordosten von Borneo, die zu den Großen Sundainseln zählende Insel des Malaiischen Archipels. Der kleine, zweigeteilte Staat ist für seinen unvorstellbaren Reichtum, beruhend auf den größten Ölfeldern Südostasiens, bekannt, durchfahre ich in wenigen Tagen. Die Hauptstadt Bandar Seri Begawan liegt im größeren, westlichen Teil des Sultanats und ist geprägt von prunkvollen Bauten, einem Gemisch aus islamischer, westlicher Architektur. Die breiten Strassen werden von wenigen, aber oft neuen, sauberen Autos, LKWs und Bussen genutzt. Alles läuft sehr gemächlich, geregelt, sofort erkennbar festgelegt ab.

Die erste Durchfahrt durch diese „ Insel der islamischen Glückseligkeit “, dauert nur ein paar Stunden.  Mit der Ankunft in Limbang bin ich wieder in Malaysia und mein Reisepass ist um zwei Ein-/Ausreisestempel reicher.

Brunei j
kurz durch das Sultanat

Bereits in diesem östlichen Teil Brunei erkenne ich sofort hinter der Grenze einen Grundsatz des Sultanats. Das Ölgeld, der damit einhergehende Reichtum verschont, schützt die Umwelt, den Dschungel. Der dichte, intakte Dschungel reicht bis dicht an die Strasse. Kahlschläge, Brandrodungsflächen sind nicht auszumachen. Es gibt weniger Siedlungen entlang der Strasse und wenn dann bestehen diese aus wenigen Hütten mit kleinen Ackerflächen. Immer sieht nun die Vegetation wirklich noch sehr intakt aus. Ich höre entlang der Strasse immer wieder Affen durch die Baumwipfel springen. Allerdings sehe ich auch hier auf der Strasse viele Schlangenkadavern, plattgefahren! Morgen geht es weiter zur nächsten Grenzdurchfahrt, zum westlichen, größeren Teil Brunei-Darussalams. Die Nacht verbringe ich so also wieder in Malaysia. Am Abend schaue ich mir noch einmal die Karte an und entdecke eine kleine Strasse auf der anderen Uferseite des Sungai-Limbang-Rivers, welche auch zur Grenze führt.

Boot
am Morgen geht es mit einem schnellen Boot weiter

Am Morgen mache ich mich rechtzeitig auf zum Hafen und komme mit einer am Fährkai wartenden Frau ins Gespräch. Ich erzähle ihr das ich mit dem Rad auf die andere Seite will und von dort auf der Strasse zur Grenze. Sie winkt einen Kahn, verhandelt für mich mit dem Eigentümer den Preis aus, entschuldigt sich das es doch recht teuer ist, da er ja auch das Rad mitnehmen muss, ich zahle die ca. 25 Cent, wuchte das Rad, knöcheltief im Wasser stehend, einen Anlagesteg gibt es nicht, ins Boot. Meine Gesprächspartnerin steigt ebenfalls ein und erklärt dem Bootsführer wo er mich anbringen soll und was ich dort will. Er legt ab und beschleunigt den kleinen Kahn, der mit seiner Bordwand nur wenige Zentimeter über der Wasseroberfläche liegt, in die Mitte des trägen, mit trübem Wasser dahin fliessenden Flusses.

Die beiden Malaien unterhalten sich angeregt und an den Blicken merke ich das sie über mich unterhalten. In der Mitte des Flusses nimmt dann der Bootsführer plötzlich den Speed raus und schüttelt den Kopf. „Nein da komme ich nicht über die Grenze…“ teilt mir die Malaiin mit. Der Grenzübergang ist nur für die Bewohner in dem Gebiet als Übergang zulässig bzw. wird auch oft gesperrt und dann nur illegal genutzt. Es gibt wohl jetzt auch wieder keine Polizei vor Ort. Also gibt es auch keinen Ausreisestempel.

Sabah Malysia j

 

 

 

Ok, gut das ich das jetzt erfahre und mir nicht den weiten Weg umsonst machen, an der Grenze wieder umkehren, muss. Allerdings muss ich ihm jetzt nicht nur die Hin- sondern auch die Rückfahrt bezahlen. 50 Cent, ok komme ich  mit klar. Nach einigen Kilometer bin ich dann auf direktem Weg an der Grenze. Wieder verläuft der Grenzübertritt ohne Probleme. Heute will allerdings der burmesische Grenzbeamte muss ich noch viele persönliche Fragen des Grenzpolizisten beantworten. Er wundert sich über die vielen Stempel/Länder im Pass und so muss ich ihm alles erklären/erzählen.  Es stört ihn und auch die anderen Reisenden nicht, dass sie nun warten müssen bis alles erklärt ist. Ich hinterlasse ihm noch Hinweise auf meine Onlinekontakte. Er ist zufrieden, lächelt, winkt mir noch hinterher und kehrt dann gemächlich zu seinem Häuschen zurück.

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immer wieder Begegnungen mit freundlichen, offenen Menschen

Die weitere Fahrt auf direktem  Weg nach BSB wurde lediglich noch durch einen Melonenkauf unterbrochen. Ich hatte noch kein Geld tauschen können und so will ich mit RM bezahlen. Nach langem Hin und Her will die Marktfrau 15 RM, ca. 3 Euro, für die kleine Melone. Ziemlich teuer denke ich, habe aber Heisshunger und bezahle, dann allerdings packt sie mir für das Geld zwei Melonen in die Tüte. Das breite Lächeln in meinem Gesicht zaubert auch ein freundliches, offenes Lachen auf ihr Gesicht. Ich finde einen schattigen Platz am Strassenrand unter einem riesigen Baum und verschlinge eine Melone genussvoll.

In Serikin ist dann die Strasse zu Ende, endet am Ufer eines Flusses, einer großen Wasserfläche. An den Ufern, teilweise im Wasser, stehen Stelzen-Häuser. Eine Brücke auf die andere Seite, nach BSB gibt es nicht. Schnelle, kleine Fährboote fliegen auf der Wasserfläche umher. Ein Wink und schon finde ich eines dieser Boot das mich und das Rad für 1 B$ durch die Wasserwege auf die andere Seite nach BSB bringt. Dort finde ich dann auch nach einigem Suchen einen ATM, kann Geld ziehen und den Fährmann bezahlen. Ein Zimmer das meinen Vorstellungen entspricht, finde ich im Zentrum von BSB. Es ist noch früh am Tag und so fahre ich in die Aussenbezirke, finde dort aber auch nicht wirklich etwas. Große Städte liegen mir nicht wirklich, rufen in mir immer eine gewisse, innere Anspannung hervor. Der Autoverkehr ist auch immer aggressiver als allgemein im Land, egal in welchem. Da mir die Stadt mit ihren neuen, geschmacklosen Monumentalbauten eh nichts gibt, fahre ich geradewegs weiter Richtung Küste. Brunei-Darussalam ist ein sonderbares Land, eine Insel inmitten des asiatiaschen, betriebsamen Treibens. Der Unterschied zwischen den Philippinen und Malaysia war schon erheblich, deutlich spürbar im Strassenverkehr und beim Auftreten der Menschen. In Brunei-Darussalam geht es noch untypischer als man es in Asien erwarten würde zu. Die Menschen bewegen sich sehr ruhig durch ihren Alltag. Alle sehen sehr zufrieden aus. Erledigen alles mit einer unerschütterlichen Ruhe, Gelassenheit und ja auch Gleichgültigkeit bis auf natürlich, wie so oft einige Autolenker, die auch hier mit Nachdruck auf die Macht des Autos hinweisen wollen.

Mir ringt die Stadt und der Umfeld nicht wirklich Interesse ab, veranlasst mich nicht hier zu verweilen. BSB hat keinen Charme, hat keine Historie, ist mir zu glatt, zu steril. Was ich sehe ist nüchtern in der Architektur und lieblos  in der Anordnung. Ich habe große, alte Moscheen gesehen, die mich mit ihrer Architektur begeistert, eingefangen, eingenommen haben. So etwas finde ich hier nicht.

Ich komme durch viele Grünanlagen, kleine Wäldchen innerhalb der Stadt und sehe dann einzelne Bebauungsgebiete, bestehend aus ein paar Häusern, ein Einkaufszentrum mit vielen als Restaurant ausgezeichneten chinesischen Garküchen. Alle diese Wohnbereiche sind nur zweckmäßig, für mich ohne Charme.

Ich entschliesse mich in jedem weiteren Ort zum weiterfahren, es wird ein langer Tag und mir bleibt mit Einbruch der Dunkelheit nichts anderes übrig als in einem Hotel ein Zimmer zu nehmen.

Früh bin ich dann am kommenden Morgen auf der Strasse und fahre Richtung Grenze. Keine Abzweige mehr, direkter Weg, schliesst es mir durch den Kopf. Auf der Autobahn zur Grenze kümmert es niemanden das ich mit dem Rad darauf unterwegs bin. Warum auch, es ist genügend Platz auf dem Seitenstreifen, niemand wird behindert, niemand füllt sich zur Maßregelung veranlasst, Polizeiwagen fahren gemächlich an mir vorbei und ja es ist auch die einzige Straße zur Grenze.

Es geht stur gerade aus, ohne weitere Abwechslung. Mit kleinen Unterbrechungen um gegen die unsägliche Hitze etwas Kaltes zu geniessen,mir Eisbeutel auf den Kopf, den Körper zu legen, erreiche ich zum letzten mal die Grenze zwischen BD und Malaysia.

Meine Sachen triefen, können keine weitere Feuchtigkeit, keinen Schweiß mehr aufnehmen und so läuft mir dieser am Körper in nicht versiegenden Rinnsalen, entlang den Beinen in die Schuhe und füllt diese. Die Hitze ist stechend.

Gegen 16:30 Uhr erreiche ich die Grenze, komme schnell durch die ersten Kontrollen und sehe im Niemandsgebiet vor dem malayischen Kontrollpunkt ein Hotel. Ok, dann ist hier Schluss für heute. Schnell ist der Preis verhandelt, sind meine B$ getauscht und ich stehe unter der kalten, erfrischenden Dusche. „Ich muss etwas Essen“, geht es mir durch den Kopf. Nein !!! „Ich muss jede Menge essen”, meldet sich meine Zentrale. Ich habe den ganzen Tag wieder nichts gegessen und ich spüre meine leeren Tanks, meine Beine, meine Knie. Ich bin durch die Hitze und Strecke ziemlich alle. Ich bestätige meinem Kopf meiner Zentrale die Meldung und sitze wenig später in einer nahen Garküche. Anfängliche, kleine Irritationen zwischen mir und dem Koch über die Größe und dem Preis der Essenportionen sind schnell beseitigt. Hunger ist schlimm und was er nicht wusste war, dass ich großen Hunger hatte und so schlimm werden konnte, energisch werden musste. Allgemeines Kopfnicken der anderen männlichen Gäste bestätigten meine Reklamation und so stopfe ich alles in mich rein, was das Tagesangebote hergab. Als ersten Gang Reis mit Fleisch und Gemüse, dann 2 x Calamari mit Reis. Melonen, Eis und einige kalte Biere. Eine Sättigung stellt sich nicht wirklich ein. Trotzdem falle ich müde, zufrieden und ruhig ins Bett.

In der Nacht, etwas später als gewöhnlich, werde ich vom täglichen Gewitter, von Blitz und Donner, dem Prasseln des Tropenregen, der an den Fenster-Lamellen aus Glas rüttelt, geweckt.

„Wie schön, ich liege im Trockenen“, denke ich, drehe mich um und schlafe sofort wieder ein.

Heisses Wasser für meinen Morgenkaffee gibt es nicht. Also fällt Frühstück aus und ich fahre direkt zur Grenzkontrolle, zur erst einmal letzten Einreise nach Malaysia in der Nähe der Stadt Sungai Tujah. Innerhalb der letzten 4 Tage habe ich nun zehn!!! Ein- bzw. Ausreisestempel bekommen. Auch in Asien kennt die Bürokratie keine Grenzen oder doch, hier kennt sie jede Grenze und nutzt sie!

Ich habe mich für die Route entlang dem Meer entschieden. Ich hoffe, dass dort weniger Verkehr, durch das Meer eine frische Brise weht. Ich auch wieder einmal ins Meer springen kann, wenn ich schon die ganze Zeit auf einer Insel unterwegs bin.

Als ich mich dann endlich dazu entschliesse Pause zu machen ist der Strand mindestens 1 km weit weg. Ok, ich biege trotzdem rechts rein in ein Palmöl-Plantage und fahre auf den Wirtschaftswegen kreuz und quer durch die grüne Monotonie der Palmen. Als ich dann endlich die Küste erreiche, liegt das Meer weit unter mir und es ist nicht möglich an den Strand zu kommen. Enttäuscht mache ich mich auf den Rückweg und verfranze mich total in dem Gewirr der Wege. Wiederholt laufe ich im Kreis, komme immer wieder an einen Bach, den ich schwer überwinden kann. Wütend schiebe ich das Rad steile, matschige Wege hoch, um dann wieder zu erkennen, dass ich doch irgendwie über diesen Bach muss. Vorher hatte ich Warnschilder mit Krokodilen gesehen. „Na hoffentlich sind die satt und in der Hitze zu träge“, denke ich so bei mir. Verrückt was mir so alles durch den Kopf geht, wie schnell sich meine Welt doch durch so ein Schild beeinflussen läßt.

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eine Begegnung wäre für einen von uns nicht schön geworden

Jedenfalls mache ich sicherheitshalber tüchtig Krach, warte etwas und kämpfe mich dann durch das Wasser, den knöcheltiefen Matsch. Auf der anderen Seite geht es dann noch einmal tüchtig steil bergan und endlich finde ich auch den richtigen Weg zurück zur Straße. Alles ist dreckig, beschmiert mit dem gelblich, grauen Schlamm.  In der Hitze hat mich die ganze Aktion ziemlich geschlaucht, viel Zeit gekostet und eine Abkühlung wie erhofft, habe ich auch nicht bekommen. Nach einer oberflächlichen Reinigung vom Rad und Mensch, ist mein anfänglicher Ärger (über mich selber) verfolgen und weiter geht es über die, seit dem Vormittag vorhandenen, Straßenwellen.

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Schlammschlacht in der Palmölplantage

Schatten gibt es wenig und so schwitze, keuche und krieche ich der nächsten, nächsten und nächsten Kilometermarkierung entgegen. Versuche immer wieder die Schilder rechtzeitig zu ignorieren, die verbleibenden Kilometer zur nächsten Stadt zu vergessen, um bloss nicht zu wissen, dass ich nicht wirklich gut voran komme.

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bis zum Anschlag ausgezehrt

Gegen späten Nachmittag bin ich dann dem Hitzekollaps nahe. Ich habe heute noch nicht wirklich viel gegessen und so leuchtet einmal mehr die rote Körperschutz-Warnleuchte vor meinem Augen auf. Doch wie so oft in solchen Momenten, wenn ich denke es geht nichts mehr, kommt ein helfender Mensch, eine erlösender Hinweis, in diesem Fall eine Garküche. 1,5 l eiskalte Cola mit Eis und eine riesige Portion Reis mit Hühnchenfleisch und Gemüse verschlinge ich unter den stauenden Blicken der anderen Gäste in wenigen Minuten. Sie denken sicher, dass ich auf der Flucht bin oder ich befürchte, dass mir jemand das Essen streitig machen will.

Ich trinke und esse so schnell, da ich auf der einen Seite die Energie brauche, schreckliches Verlangen nach kalten Getränken habe, mich innerlich abzukühlen muss. Anderseits mich diese Pausen, das Essen, die Ruhe immer ziemlich müde, träge, kraftlos machen und ich wieder auf dem Rad sitzen will bevor mich die Trägheit ereilt. Trotzdem des Hinunterschlingens bin ich nicht immer schneller und dann muss ich mich in der Mittagshitze wieder auf Rad, in den Sattel zwingen.

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“Einhundertsternehotel”

Eine temperiertes Zimmer werde ich heute nicht finden, dies war mir bereits am Nachmittag klar. Die Distanz bis zur nächsten Stadt war einfach zu gross. Am späten Nachmittag, hinter dem Abzweig nach Baut Niah, halte ich nach einem geeigneten Zeltplatz Ausschau. Nach langer Zeit schlafe ich wieder einmal im Zelt. In einer Plantage, nahe der Straße, finde ich schnell einen guten Platz. Leider kann ich auf Grund der Mücken die sich sofort auf mich stürzen und der erdnahen Kriech-/Schlängel-Fauna nie wirklich mal in Ruhe vor dem Zelt sitzen oder das Zelt in der Nacht für einen Luftdurchzug offen lassen. Ich muss mich immer gleich ins Zelt verkriechen und schweissgebadet nicht nur den Tag, sondern dann auch die Nacht überwinden. Bis Mitternacht verbringe ich die Zeit dann mit der 360 Grad-Drehungs-Suche nach der richtigen Schlaflage, Wachliegen, Handtuchwedeln, Schwitzen. In den tropischen Nächten wird es nicht wirklich kühler. Erst gegen 4 Uhr morgens, wenn auch wieder das tropisches Gezirpe, Gezwitscher und Quaken der Frösche einsetzt, wird es etwas angenehmen. Doch dann ist auch bald die Nacht vorbei und so sind die notwendigen Erholungsphasen im Moment eher spärlich vorhanden.

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Plantagenübernachtungsplatz

Um wenigstens etwas Kühlung zu bekommen, baue ich immer nur das Innenzelt auf und natürlich fing es in dieser Nacht auch noch zu regnen an. So musste ich im Stockdunklen raus, das Überzelt aufbauen.

Um 08:00 Uhr ist es noch angenehm kühl und ich treibe mich wie schon die Tage zuvor, über die Strassenwellen vorwärts. Und ich glaube es nicht, in der Mittagshitze hält heute doch wirklich einmal ein Auto an und der Fahrer reicht mir ein Flasche Wasser heraus, fragt nach woher und wohin, hebt den Daumen, gibt Gas und weg ist er.

Unweit von Bintulu bin nicht nur ich mal wieder platt wie eine Flunder, sondern diesmal auch mein Hinterrad. Einen kleinen Augenblick war ich auf der Strasse ein wenig unaufmerksam. Habe nur noch gehört, wie etwas Metallenes weg geflogen ist und dachte noch, „Na mein guter Reifen, das hat er wohl ausgehalten.” Leider „nicht und wenige Meter danach war dann allerdings, wie bei mir schon seit Stunden, die Luft raus.

Erwähnen möchte ich allerdings an dieser Stelle, dass dies auf Grund der hervorragenden Qualität des Schwalbe-Marathon-Reifens erst mein zweiter Platten auf ca. 18.000 km war.

Ich habe keine Lust in dieser unsäglichen Hitze den Schlauch zu reparieren und so halte ich den Daumen hoch und gleich der erste Pickup hält an. Schnell wuchten wir das Rad auf die Ladefläche, ich springe auch hinten rauf und nach 15 Minuten sind wir in Bintulu. Ich hätte für die Strecke heute sicher noch ewig gebraucht. „…und wenn Du denkst es geht nicht mehr, ….“. Ich werde vor dem örtlichen Guesthouse abgeladen, bedanke mich, nehme mir ein Zimmer, doch eher eine Kabine, stelle meine  Sachen ab und gehe erst einmal etwas essen.

Ich verspreche mir, meinem Körper, meinem Kopf einen Tag Pause !

Die kommenden Tage vergehen im Wechsel von Hitze, leichtem Tagesregen, langan-haltenden Tagesregen und ganzen Tag Tagesregen.

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Die ersichtliche, vollflächige, mich entsetzende Vernichtung des Regenwaldes wechselt nicht. Die Erkennbarkeit, das Offensichtliche dieser Katastrophe nimmt zu. Seit ich BD verlassen habe fahre ich täglich, ununterbrochen, beidseitig an Palmöl-Plantagen, an Brandflächen und/oder an Kahlschlag-Flächen vorbei.

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Und das ist nur die Katastrophe, die Vernichtung des Lebensraumes von tausenden von Tieren, letztendlich auch die Vernichtung des menschlichen Lebensraumes für die Eitelkeiten der Menschen, die ich von der Strasse aus wahrnehmen kann. Das Grün der Palmplantagen erstreckt sich immer bis weit an den erkennbaren Horizont. Nichts ist vor der Abholzung, vor der Gier, vor der Zerstörung sicher. Kein Gesetz kann die Abholzung, die Vernichtung aufhalten. Die Gier der Machthaber, der Industrie, der Menschen ist zu gross. Ist unersättlich.

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Kahlschlag für den Dschungel

So berichtete mir ein malaiischer Freund, andere Menschen mit denen ich darüber gesprochen habe, dass die zurückliegenden Brände in 2015, auf die die Welt aufmerksam gemacht wurde, die einige, wenige Menschen in der Welt wachrüttelten, verzweifeln lassen, wegen der Ignoranz der globalen Schäden wütend gemacht haben, zu fast 100 % auf Brandstiftung zurück zu führen sind. Sind die wenigen, noch verbliebenden Regenwaldgebiete, sie sind laut Gesetz unter Schutz gestellt, erst einmal abgebrannt, ist der Gier der internationalen Konzerne nach neuem Plantagen keine Grenze mehr gesetzt. Die regionalen Politiker halten die Taschen auf, die Korruption ist allgegenwärtig und es winken für die internationalen Agra-Großkonzerne (z.B. Nestlé) riesige Profite. Die noch wenigen tätigen Kleinbauern wird das Land abgepresst, sie werden gezwungen es unter Wert zu verkaufen, anschliessend müssen sie ihr vormaliges Land roden und später wenn sie Glück hatten, auf den neuen Plantagen für einen Niedriglohn schuften. Die Kleindörfer werden ebenfalls zerstört. Es entstehen weit im Inneren, weit ab vor irgendwelchen Städten, Barackensiedlungen für die Arbeiter und mitunter für die ganzen Familien und so haben die neuen HERREN alle unter Kontrolle.

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Die Zufahrtswege in das Innere der Plantagen sind mit Schlagbaum abgesperrt und werden von Uniformierten mit Waffen bewacht. Große Tafeln zeigen an welcher Compagnie, welchem Konzern diese Gebiete gehört. Gleich daneben und weiter in regelmäßigen Abständen zeigen anderen Tafeln an, dass mit Waffengewalt gedroht wird, sollte man das Eigentum unberechtigt betreten.

Grau, kahl ohne jegliches Grün stehen dann einige wenige, letzte Baumstämme, das Ende des Regenwaldes verkündend, in dem monotonen Palmöl-Wald. Und weiter fahren die Holztransporter jeden Tag, jede Stunde, in kurzen Abständen hoch mit Tropenholz beladen, an mir vorbei.

Auf meiner Route komme ich in den weiteren Tagen durch Situ am Batang Rajang (Fluss), Saratok am Sungai Brian (Fluss), Sri Aman am Bartang Ai (Fluss) und erreiche schliesslich Kuching, die Hauptstadt der nordwestlichen Provinz Sarawak, am Südufer des Sungai Sarawak Flusses gelegen.

An manchen dieser Tage bin ich vom Regen und Schweiß nach wenigen Minuten, nach 2-3 Kilometern, bereits völlig durchnässt. Die Nässe des Regens bringt aber auch Kühle in die Luft, bringt Abkühlung für die Menschen, für Radfahrer. Nun ja, für einen Radfahrer!!! Der Rest der Menschen in dieser Gegend ist motorisiert unterwegs oder liegt im Schatten der Hütten.

In den Garküchen finde ich jetzt auch immer wieder bestes, leckeres Essen und der allgemeinen Tradition folgend, man darf sich selber den Teller mit soviel Essen füllen, wie man möchte, werde ich auch immer von meinen aufgehäuften Portionen satt. Dazu gibt es dann noch einen kalten Maiscocktail. Super lecker.

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leckerrrrrrrr

Halte ich in der Hitze des Tages, tropische 38*,  um mich mit 1,5 l kühlende Flüssigkeit innerhalb von wenigen Minuten innerlich abzukühlen, komme ich danach auch immer wieder mit den staunenden, freundlich blickenden Ladeninhabern ins Gespräch. Ok, natürlich geht es immer um die selben Fragen, aber natürlich bin ich froh immer auf freundliche, offene, hilfsbereite, wissbegierige Menschen zu treffen und nicht auf bedrohlich blickende, distanzierte Leute. So beantworte ich auch immer gerne die gleichen Fragen. Zeige ihnen auf der Karte woher ich komme, wohin ich fahre, wo sich ihr Dorf befindet. Bekomme jetzt auch mal ein paar Bananen, ein Wasser, ein Zeichen der Anerkennung geschenkt. Wichtig für mich ist, dass ich mich sicher, gut fühle. Das ich auch auf der Strasse über den Tag als schwaches Glied, unterlegener Reisender, akzeptiert werden. Denn da hatte ich in einigen Ländern zuvor oft angstvollere Tage, Stunden und gefahrvollere Strecken zu bewältigen.

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tolle Gastgeber

In einer moslemischen Garküche lasse ich mir vom Besitzer ein paar Gerichte empfehlen und werde nicht enttäuscht. Mit dieser Methode liege ich immer richtig, denn wer will schon als muslimischer Gastgeber einen seiner Gäste, enttäuschen. Ich habe noch keinen getroffen. Wir sitzen gemeinsam am Tisch. Ich erzähle von meiner Reise und Achmed ist sehr weltkundig. Er ist mit Geografie vertraut und ist auch an meinen allgemeinen Information interessiert. Hinterfragt viele Fakten. Warum wundere ich mich immer wieder, bin erstaunt, wenn ich auf Menschen in ärmlichen Ländern treffe, über deren Wissen um die Welt? Warum trage ich in diesem Punkt solchen Hochmut in mir? Ich sollte mir dieses Denken, diese Denkweise wirklich schnell abgewöhnen.  Nach dem reichhaltigen Essen und den köstlich kühlen Getränken will ich bezahlen und bekomme auf den überreichten 50 RM 38 RM zurück. Auf meine Hinweis, dass er sich da wohl vertan hat, lächelt er mit offenen, zahnbefreiten Mund, blickt mich an nickt kurz und ich weiss Bescheid.

Anders als in Iran und den Stan-Staaten passiert es mir doch recht selten, ist es doch ungewöhnlich und selten das ich hier eingeladen werde. Mit Einladungen zum Essen oder Teetrinken wird hier nicht so großzügig, so selbstverständlich umgegangen. Sicher bestimmt die Tradition der Normaden-Völker diesen schönen Brauch. Immer ist Zeit, musste Zeit für einen Tee sein. Immer bekam und bekommt der Reisende Wasser, Nahrung, Hilfe. Wurde und wird zu Neuigkeiten auf seiner Reiseroute befragt, bekommt helfende Hinweise, stillt aber auch die Neugier der Menschen in abgelegenen Gebieten nach dem Geschehnissen in der Welt. Eine wundervolle und nie lästig erscheinende Zeit der Ruhe, der erfahrenen Hilfe und Unterstützung.

Leichte Bewölkung und Nieselregen verheissen einen entspannten, erholsamen Tag. Die Strassen sind noch nass, strahlen nicht wie sonst schon frühen am Morgen grosse Hitze ab und so fuhr ich gelassen und nicht gleich nass geschwitzt die 10 km bis zur Kreuzung nach Kuching vor. Die Frauen aus dem Hotel, obwohl Muslime, waren sehr aufgeschlossen und gar nicht distanziert. Wir haben vor meine Start viele gemeinsame Fotos gemacht und ich war doch ziemlich erstaunt über die Ungezwungenheit.

Viel Verkehr und dazu viele aus den Seitenfenstern rausgestreckte Daumen, Anfeuerungsrufe usw. Es macht Spass diese Bestätigungen zu erhalten. Auch an den Obstständen, die ausschließlich von Frauen und/oder Kindern betrieben werden, winkten mir diese immer wieder fröhlich, lächelnd zu.

Viele Malaien Ich habe dann auch einmal diese Kokosnuss ähnliche, stachlige Frucht probiert und muss sagen,…..ne nicht mein Geschmack. Irgendwie rauchig, pelzig und nicht wirklich lecker.

Die Strecke die ich dann bis Sari…. zurück gelegt habe, sollte eigentlich heute nicht so lang werden und wie so oft kamen dann auch zum Ende noch einmal langgezogene Auffahrten. In Sari… habe ich dann aus Mangel an Auswahl das einzige Hotel für 65 RM nehmen müssen. Die Typen an der Rezeption waren ziemlich barsch, ja unfreundlich. Es gab ein Riesentheater wegen meinem Rad in der Lobby, bei der Bude für mich nicht nachvollziehbar. Als ich dann allerdings einen Brüller losgelassen habe, machte sich der „Türaufhalteheld“ schnell von dannen. In Japan habe ich einmal mein Rad bis 22:00 Uhr auf der Strasse stehen lassen, mir sicher, dass sich nie ein Japaner daran zu schaffen machen würde. Nicht aber im tiefsten Malaysia, wie es der Typ in barschem Ton versuchte anzuweisen. Nicht das ich den Malaien etwas unterstelle, nur die Mentalität ist doch eine komplett andere.

Ich hatte den ganzen Tag über nichts, wirklich nichts, gegessen und so fiel das heutige Abendmahl zur Bewunderung aller weiteren, anwesenden Gäste in der Garküche entsprechend reichhaltig aus. Zwei Hauptgerichte, zwei Omelett, zwei Gemüseplatten und zwei Portionen Reis. Danach ging es mir wesentlich besser.

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Ankunft Kuching, die Hauptstadt von Sarawak am Südufer des Sungai gelegen.  In Sarawak an der  Uferpromenade geniesse ich den Blick auf das Astana (seit 1869 offizieller Sitz des Gouverneurs von Sarawak), dem Fort Margherita und dem weithin sichtbaren, golden glänzenden Dach des Sarawak State Assembler. Gönne mir einen Tag Ruhe, bevor ich dann Richtung Indonesien/West-Kalimantan zur Grenze aufbreche. Unklar ist mir noch immer, da die Informationen doch sehr unterschiedlich sind, ob ich dann an dem Landgrenzübergang auch ein Visum bekomme.

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offenes Grenztor

Am nächsten Tag stehe ich gegen Mittag, nachdem ich die letzte auf der Karte vermerkte Ortschaft durchfahren hatte, irgendwo in der Landschaft vor einem offenen Grenztor. Doch es gibt kein Grenzterminal, keine Grenzposten, nichts. Das ist definitiv der falsche Grenzübergang bzw. kein offizieller Übergang. Kurz überlege ich doch einfach weiterzufahren, doch dann entscheide ich mich einen Grossteil des Weges zurückzufahren und einen Übergang weiter östlich zu benutzen. Auf kleinen Strassen, wunderschön ruhig und in schöner Landschaft fahre ich gemütlich zurück. Der anfängliche Ärger über mich selber, mich einmal wieder nicht vorab richtig informiert zu haben, verfliegt mit der Zeit. Ich zelte im Dschungel. Ein Bach rauscht neben meinem Zelt, der beruhigende Krach der Tiere im nächtlichen Wald, erstaunt mich immer wieder aufs Neue.  Wie immer bei der Hitze kann ich nicht schlafen, es ist einfach zu heiss, und stickig im geschlossenen Zelt, trotzdem es sich etwas abgekühlt hat. Ein Schuss zur späten Stunde, schreckt mich dann kurz vor dem Ersehnten Einschlafen wieder hoch. Da werde dann wohl auch noch die letzten verbliebenen Tiere erlegt, denke ich und schlafe dann doch irgendwann ein.

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