Im Zentrum auf der Prachtalle des Präsidenten angekommen, sehe ich einen unscheinbaren, sympathischen Mann stehen und frage in gebrochenen Russisch nach einem Hotel.  Где я могу найти недорогой отель? Er fragt mich darauf in englisch, was für ein Hotel ich denn suche. Erstaunt antworte ich: ” Na, ein günstiges Hotel.” Und blicke in sein lächelndes Gesicht. “So etwas gibt es hier nicht. Du bist in Dushanbe.” erwidert er mir. Eine Weile reden wir entspannt und lustig so hin und her. Er führt an, dass ja wohl in Las Vegas die Hotels auch sehr teuer wären, ich schaue mich um und entgegne mit gespielten Erstaunen, dass ich den Vergleich jetzt nicht ganz nach vollziehen kann, da lacht er und deute an, ich solle mal mitkommen. Insgeheim denke ich, dass der Vergleich mit den Hotelpreisen hingt, wohl aber die Städte mit der Ganovendichte vergleichbar wären und Dushanbe da sicher respektable, vom selbsternannten Präsidenten akzeptiert, abschneiden würde. Das Rad schiebend gehen wir also die sogenannte Pachtallee von Duschanbe, war für mich so nicht erkennbar, entlang. Alle ca. 50 m u. an jeder Kreuzung stehen Polizisten, um den Machthabern zu jeder Zeit freie Fahrt zu gewährleisten. An den Kreuzungen liefern sich die SJV-Diebe Formeleinsstarts bzw. nutzen die freie Straße zu aller Beweis ihrer Wichtigkeit als Beschleunigungsstrecke bis zur nächsten 200 m entfernten Rotampel. Aber zurück zu meinem freundlichen Helfer. Auf meine Frage welcher Nationalität er sein antwortet er….! na was wohl? Genau Iraner!!!

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Mohamed, der Gute !

Ich hätte ihn, was ich dann später noch getan habe, gleich in die Arme schließen können. Glaubt mir, es ist wirklich unglaublich wie freundlich, hilfsbereit und uneigennützig diese Menschen, selbst im Ausland sind. In Turkmenistan ist es mir ja ähnlich ergangen. Mohamed, wir hatten uns auf unserem Weg vorgestellt, ruft dann irgendwann jemanden an. Fragt nach seiner genauen Adresse u. erläutert mir dann, dass er einen Dienstleister kennt, der auch kleine Wohnung im Zentrum vermietet. Der ist allerdings gerade auf dem Bazar und erst in zwei Stunden wieder im Büro. Nun erst merke ich das heute Sonntag ist. Mohamed nimmt sich natürlich die Zeit und wartet gemeinsam mit mir auf die Rückkehr von Eraj, seinem Bekannten.

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Eraj, der nächste Helfer

Die Wohnung liegt über seinem Büro im Zentrum, in der Nähe des für mich wichtigen OVIR Büros und soll 30$ die Nacht kosten. Mohamed hatte mir vorab die Preise der Hotelüber-nachtungen im Zentrum mitgeteilt und so schlug ich sofort in den mündlichen Kontrakt ein. Dies alles fiel, und auch der anschließende Kauf eines Telefons mit tadschikischer SIM Karte, Mohamed sei Dank, völlig stressfrei ab. Für den Abend verabredete ich mich mit Mohamed zum Essen in einem Café in der Nähe.

Herrlich in einem Bett auszuschlafen. Ich denke kurz über meine gestrigen, ziemlich starken Rückenschmerzen nach und vermisse sie nicht. ” Schnell vergessen, dass ich welche hatte” denke ich. Draußen ist es warm und hell, schnell springe ich in Shirt und Hose, flitze aus dem Haus in den nächstgelegenen Supermarkt, kaufe Milch, Obst, Kaffee, Kuchen, Saft und Brot. Das Frühstück am Tisch ist oberlecker! Nach drei Tassen Kaffee strecke ich die Beine aus und bin zufrieden. Obwohl ich das Draussenschlafen auch genieße, wenn ich für die Nacht mein Zelt irgendwo sicher aufbauen kann, ist es dem Wohlfühlen sehr zuträglich nach einer Woche auch mal wieder Dusche, Bett, Tisch u. Stuhl benutzen zu können. Tage, an denen ich den Morgen herbei sehne, um endlich aus dem Schlafneigungswinkel von 10 % Schräglage aufstehen zu können befinden sich außerhalb der Zeltkomfortzone.

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Gegen 10:00 Uhr klopft es an der Wohnungstür und Eraj fragt, ob er ein Foto für sein Office mit mir machen könnte. Ja, klar gerne. Ich schleppe das Rad vor die Tür, dort stehen schon alle seine Freunde und einer macht dann die Fotos von uns. Lässt diese gleich drucken und bitte mich noch um eine Signatur. Auch diesen Gefallen tue ich ihm und nutze die Gelegenheit um ihn nach dem OVIR Büro zu fragen. Ein paar Telefonate später schließt er sein Büro, hängt draußen einen Zettel an die Tür, ich denke, Komme gleich wieder, steht drauf und schon begleitet er mich zum Büro der Ausländerbehörde. Die Glückssträhne reißt zu meiner Freude nicht ab. Er dolmetscht, hilft und erklärt. Erkundigt sich über die Abläufe, geht mit mir zur Bank die Gebühr einzahlen und so kann ich am kommenden Morgen das Permit für den Pamir-High-Way abholen.

Nachmittags kümmere ich mich noch um das Rad und freue mich auf die Weiterfahrt. Erstaunt blicke ich aus dem Fenster, traue meinen Ohren nicht. Es donnert und kracht. Ich höre ein heran nahendes Gewitter! Regen, ich fasse es nicht! Ich bin in Turkmenistan 500 km durch die Wüste gefahren. In Usbekistan und Iran zeigte sich viele Kilometer auch nur wüstenähnliche Steppenland- schaft und nun regnet es. Die Luft ist angenehm kühl und frisch. Das Grün der heißen, trockenen Stadt Dushanbe wirkt mit dem Regen frisch und kräftig. Den Genuss will ich mir nicht entgehen lassen. Schnell stehe ich auf der Straße und ziehe Frischluft durch meine Lungen.

Am Abend treffe ich durch Zufall noch einmal Mohamed auf der Straße. Ich erzähle ihm, dass es mich schon erstaunt das sich unsere Wege immer wieder kreuzen. Er klärt mir, das ihn das nicht wundert, denn, er zeigt in den Himmel, Ahalla lenkt unsere Wege. Wir essen und unterhalten uns ausführlich. Ich erfahre viel über die korrupte Regierung, die Polizei u. die Mitarbeiter an der Uni, an der er unterrichtet. Alle halten die Hand auf. An der Uni sei es normal für einen Lehrauftrag ständig Leute zu schmieren. Die Polizei hält Autos grundlos an u. sucht solange bis sie z.B. Schmutz auf Nummerschild bemängeln können. Dann kommt die Frage, ob vor Ort ein kleiner Betrag direkt an den Polizisten bezahlt werden will o. ein großer über die Behördenstelle. Mohamed beißt sich durch’ da er in Tadschikistan auch gute Geschäfte machen kann. Am nächsten Tag fliegt er über Mashad zurück nach Iran.

Ich bin aufgeregt und voller Erwartungen, wie ich diese schwierige Etappe, zu der ich mich ja erst unterwegs entschlossen habe, meistern werde. Das Internet funktioniert nur sehr langsam u. eingeschränkt. Mir fehlen ausführliche Informationen. Ok, anstrengend wird es jedenfalls auch mit diesen unter Garantie.

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