05.08. – 09.08. 2017 – 746. – 750. Tag  Ankunft Georgetown über Hope Town nach Springlands/Corriverton 

Route Guayana

„Guayana, Suriname, Franz.-Guayana, was? Wo ist das denn? Französisch-Guayana; Kourou, habe ich schon mal gehört. Da starten doch immer diese EU-Raketen.“ Diese und ähnliche Fragen und Antworten bekam ich, wenn ich nach meinen nächsten Zielen gefragt wurde. 

https://vimeo.com/user111773106/review/404017107/10b63704ef

Der Name „Guyana“ wurde vom ursprünglichen Namen der Region Guiana abgeleitet. Die Region umfasst Guyana, Suriname, Französisch-Guayana, Teile von Venezuela und Brasilien. Das heutige Guyana bestand im 17. und 18. Jahrhundert aus den durch die Niederlande gegründeten Kolonien Essequibo, Demerara und Berbice. Der Besitz dieser Gebiete wechselte bis 1815 mehrmals zwischen den Kolonialmächten Niederlande, Großbritannien und Frankreich. 1831 wurde hieraus die Kolonie Britisch-Guayana gegründet.Im Jahre 1953 intervenierten britische Truppen in Britisch-Guayana, da befürchtet wurde, die durch das Ehepaar Jagan gegründete People’s Progressive Party (PPP) wolle in Guyana einen kommunistischen Staat einrichten. Guyana erreichte die Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich schließlich am 26. Mai 1966. 85 % des Landes sind dünn besiedelter tropischer Regenwald. An der Küste findet man einen sumpfigen Küstenstreifen. Dahinter befindet sich eine 20 bis 70 km breite Schwemmland-Zone, die teilweise auf Meeresspiegelniveau liegt und im 18. Jahrhundert von holländischen Siedlern eingedeicht sowie durch zahllose Entwässerungskanäle trockengelegt wurde. Das Klima ist tropisch mit Niederschlägen bis 3000 mm pro Jahr; Temperaturen im Jahresmittel 27 °C, Höchsttemperaturen um 34 °C, Niedrigsttemperaturen um 20 °C; Luftfeuchtigkeit 73–88 %. Es gibt Regenperioden von April bis August (stark), von September bis November (schwach), (wieder stark), danach Trockenheit bis Anfang April.Das gesamte Straßennetz umfasste 2011 etwa 7.970 km, wovon 509 km asphaltiert sind. Entlang der Küstenebene führt eine asphaltierte Straße von Georgetown über New Amsterdam nach Corriverton an die Grenze zu Suriname. (https://de.wikipedia.org/wiki/Guyana#Geografie

Und immer wieder stellten viele mir die Frage: „Wo willst Du hin? Wie bist Du denn darauf gekommen?“ Eine lange Zeit der Erholung, Vorbereitung, Testung geht zu Ende. 4 Monate war ich jetzt in Deutschland und es war, auch als Erntehelfer, eine wundervolle Zeit bei meiner Familie zu sein.

Erntehelfer

Die Idee kam mir vor Jahren beim Friseur! Während des Haarschneidens erzählte, schwärmte mir, die aus Guayana kommende, Friseurin von ihrer Heimat vor! Regenwald bis an die Straße, ruhiges Leben und tropisch warm. In Berlin würde sie, auch im Sommer häufiger, nur frieren. Gleich neben der asphaltierten West-Ost-Tangente, hinter der grünen Wand des Regenwaldes, beginnt das Abenteuer! Also brannte sich die Ursache dieser Schwärmerei in meine Gedächtnis. Wurde Bestandteil meines neuen Tourenplans!

Nun sollte man nicht eben mal so, in relativ unbekannte Länder reisen! Doch wer mich kennt, kennengelernt hat, der weiß das ich doch ganz gerne mal keinen Plan habe. Spontan auch mal schnell einen Plan ändere, anpasse oder neu entwerfe.

Das Gespann in Aktion

Eben mal so in den Norden von Südamerika, mit Venezuela in eine aktuelle Unruheregion? Ok, diesmal also doch ein vorbereitender Blick auf die entsprechende Karte. Und so rückte das Amazonasgebiet in meine Wahrnehmung! Läßt sich die Region mit der Idee, mit meiner Radtour verbinden? Eine nicht ganz gewöhnliche Idee, für eine nicht ganz gewöhnliche Tour, durch ein nicht ganz gewöhnliches Gebiet, mit nicht ganz gewöhnlichen Fortbewegungsmitteln entwickelte sich! Mein einzigartiges Tourenrad, keine Probleme seit 47.000 km, mit einem speziellen Anhänger zu verbinden und darauf verpackt ein Falt-Kajak zu transportieren, sollte doch realisierbar sein! Ok, man sagt mir eine gewisse, mitunter auch an Naivität grenzende, für mich allerdings gesunde Spontanität nach. Ich nenne es Bauchgefühl und komme mit den schnellen Entscheidungen doch recht gut klar. Ja und nun, ich wollte ja keine weißen Flecken bereisen. Ich wollte nur mit einem Kajak, in dem ich, mein Gepäck, das Rad und der Anhänger transportiert werden müsste, von Manaus den Amazonas runter paddeln. Viele Berichte, Recherchen, Nächte im Internet, Testungen später hatte ich meine notwendige Ausrüstung zusammen! Der Anhänger von www.aevon-trailers.com/, das Kajak von https://pakboats.com/quest-150. Beide neuen Ausrüstungsgegenstände für meine Zwecke Spitzenprodukte!

Heimattestlauf

Den Flug Frankfurt – Miami, Dank meiner Freundin Claudia in der LH Business verschlafen, war dementsprechend recht kurzweilig. Völlig konträr gestaltet sich dann der Flug mit der Suriname-Airline (SLM) nach Georgetown/Guayana. Meine Gepäck, bestehend aus Radkarton, Packsack mit Faltkajak und einem weiteren Packsack mit den Fahrradtaschen rief doch etwas erstaunte Blicke beim einchecken hervor. Mir war schon klar, dass ich wie immer den Radtransport bezahlen müsste. Zwischen 100 -120 € / US$ sind hier international eigentlich üblich. Obwohl, in Neuseeland waren es ja auch schon mal 860 NZD!

über viele Flüsse

Was würden sie hier aufrufen? Der Radkarton war für die Mitarbeiter der Airline sofort erkennbar und sollte 100 US$ kosten. Der Packsack mit den Radtaschen und der restlichen Ausrüstung ging nach einigen prüfenden Blicken auf die Waage als normales Gepäck durch. Der große, recht schwere Packsack mit dem Faltkajak, den ich als Handgepäck deklariert hatte, 22 kg schwer, bewirkte doch einige entsetzte Blicke des Personals. Wir diskutierten ein wenig hin und her. Ich sollte das Gewicht auf 11 kg reduzieren, sonst müsste ich Übergepäck bezahlen. Also nahm ich entsprechend der Vorgabe die Sachen aus dem Packsack, legte sie neben die Waage und bekam ein ok bei 11 kg Gewichtsanzeige. Alle waren zufrieden, das Check-In konzentrierte die Blicke des Personals auf den Monitor, ich verteilte die auf dem Boden, neben der Waage liegende Ausrüstung in den offenen Packsack und meinem Rucksack (auch noch Handgepäck), hoffte darauf das die Waage nicht noch einmal eingesetzt wurde, lächelte und ging strahlend zum Gate. Übergepäck mußte ich nicht bezahlen. Wenn nun schon Suriname als Land nicht gleich bei vielen Gedanken an „die Urlaubsdestination“ hervorruft, so ist dann die SLM unter den südamerikanischen Airlines doch eine Überraschung!

Beim Besteigen der Maschine hoffte ich inständig, dass es nicht die 1975 von KLM übernommene Douglas DC-8 sei!!! Obwohl die Ausstattung im Inneren, die beigen, abgespeckten Ledersitze, vermittelten dies schon. Träge, unter großem Turbinenlärm, überall knackte und wackelte es, hob der Flieger ab. Die durch den Flieger schlürfenden Stewardessen waren am Service für die Fluggäste nicht sehr interessiert. Ihre gesamte Aufmerksamkeit widmeten sie ihren Handy und/oder der gepflegten, alles ignorierenden Konversation miteinander. Das im stark gealterten Bratfett schwimmende Menü, serviert in einer durchweichten Pappschachtel, bleib von mir unberührt. So kann ich leider nichts zum Geschmack mitteilen. 

Dann doch wohlbehaltend, durchgeschüttelt am Boden ankommend, hoffte ich nicht so bald oder besser, nie wieder mit dieser und/oder ähnlichen Airline fliegen zu müssen. Die Grenzkontrolle in dem altrustikalem, nach einer zeitnahen Renovierung bittenden Airportgebäude durchlief ich problemlos und schnell. Warum ich den Fahrradkarton für die Zollkontrolle dann auf den Wühltisch legen musste und die Dame dann doch nicht reingeschaut hat, wird sich mir nicht erschliessen. 

Grenzfluss zu Suriname

Nicht wie sonst bei mir üblich, baute ich diesmal mein Rad zusammen und näherte mich langsam dem neuen Land. Da die Montage, das Verstauen aller Dinge diesmal doch sehr viel Zeit und Ruhe beanspruchte hatte ich mir ein Taxi für die Fahrt in die Unterkunft bestellt. Da es auf dem Airport keine Rollwagen gab, nur Gepäckwagen mit persönlichem Schieber, musste ich auf diese Dienstleistung zurückgreifen. Wie üblich nutzen die Lokal natürlich ihre Stellung aus und verlangen 15 US$ Transportkosten für die 100 m bis zum Taxistand. Zuerst habe ich ihm 8, dann 5 US$ angeboten. Die wollte er nicht, dieser für die Anstrengung zu wenig. So beförderte ich mein Gepäck selber zum Taxistand und bekam er gar nichts. 

tropische Gelassenheit

Zu großen Teilen sind die Häuser in Georgetown in einfacher Holzbauweise errichtet. Repräsentative, koloniale Fassaden kennzeichnen das Bild der Innenstadt. So beeindrucken sowohl die reich verzierten Balkone und der imposante Turm des Rathauses, als auch das unter der britischen Kolonialregierung errichtete Verwaltungsgebäude. Diese und viele ähnliche Gebäude entstanden Mitte/Ende des 19.Jahrhunderts. Im Gegensatz zur Architektur in der Heimat der Kolonialherren, ist hier ein verschnörkelter, verspielter Stil und eine bunte Bemalung vorherrschend.

beeindruckende Kirchen

Die Pfahlbauweise schützen die Gebäude und deren Bewohner noch heute vor Überschwemmungen, damit einhergehender Bodenfeuchtigkeit und der bodennahen Tierwelt. Sorgt gleichzeitig auch für eine natürliche, angenehme Kühlung durch den Wind.

auch im Landesinneren Holzbauen die beeindrucken

Vorherrschend in den Außenbezirken sind dann einfache Bungalows und noch etwas weiter draußen, die üblichen Wellblechhütten. Hier stehen auch mal frei grasende Pferde am Straßenrand oder trotten durch die schattigen Abschnitte. Spielen Kinder im Schatten der Bäume auf der Straßen, liegen Schlangen in unterschiedlichen Größen auf dem heißen Asphalt. Nimmt das Leben, bedingt durch die tropischen Temperaturen, einen sehr gemächlichen Verlauf. 

Gegen Abend, die Sonne geht langsam unter, wird es endlich etwas angenehmer sich außerhalb von klimatisierten Räumen zu bewegen. Ich mache mich noch einmal auf einen Stadtbummel. Kaufe die, für die kommenden Tage, notwendigen Lebensmittel ein. Der Bummel endet dann vor dem Strand an der Kaimauer. Viele Einheimische sitzen lachend in Gruppen zusammen. Familien essen, trinken, hören Musik. Mir begegnet Freundlichkeit, Offenheit, Neugierde, Gelassenheit! Im Dunkeln laufe ich zurück zur Unterkunft und genieße jegliches Fehlen an Stressfaktoren.

schwer zu ertragende Hitze

10:00 Uhr, es ist bereits 34 Grad heiß. Drückende Hitze liegt auf Georgetown. Ich brauche noch ein Visum, eine Tourist-Card, für Suriname. Schnell finde ich den Weg zum Botschafts-Bungalow. Die notwendige Passkopie bekomme ich kostenpflichtig, welche ein Zufall im Nebenbungalow. Einige Stunden später, natürlich nach den Mittagspause, kann ich meine Tourist-Card abholen. Anschließend bummle ich noch einmal durch die Stadt, suche eine Tankstelle, fülle meine Benzinflasche und kaufe mir eine viel zu große Pizza. Ein Drittel verschenke ich an einem Tramp. Wieder in der Unterkunft verziehe ich mich schnell in das klimatisierte Zimmer und halte Nachmittagsschlaf.

Wassergrundstück in Alleinlage

Die Sachen sind gepackt und ich befürchte es wird bei dem Gewicht in der ersten Woche ziemlich anstrengend werden. Die Taschen sind voll gestopft und zu schwer. Der Aevon-Hänger natürlich auch. Jede Menge Übergewicht, für das Rad, den Anhänger wird das lange so bleiben. Für mich wird sich das, durch die Reduzierung von angesammelten, unnötigem Körperfett, wie gewöhnlich, schnell ändern und so Erleichterung beim Vorankommen bringen. 08.08.2017 – Die gestrigen Tagestemperaturen haben mich bewegt, früh aus dem Bett zu kommen. Um 05:00 Uhr aufstehen, einen kleinen Kaffee, Appetit ist noch nicht vorhanden. Mehrfach muß ich eine steile, sehr enge Eisentreppe bewältigen, um alles am Start zu haben. Es ist bereits jetzt schon wieder 34 Grad, trotz Gewitter mit Starkregen in der Nacht, tropisch schwül. Ich bin schon nach diesen 30 Minuten völlig schweißgebadet.

das Übel

Unter, meine erstaunte Aufmerksamkeit erregenden Geräuschen aus dem Bereich Kettenblatt oder Kette, bringe ich das Gespann Richtung Osten aus der Stadt. Immer wieder schaue ich nach unter, höre in die betreffende Richtung, halte an und schaue mir Kettenblatt, Kette, Ritzen und Kettenspanner an. Es nervt mich gewaltig, wenn etwas nicht rund läuft. Schon immer. Alles muß perfekt sein, wenn ich dafür verantwortlich bin. Und so mache ich mich dann außerhalb der Stadt unter dem Schattendach eines tropischen Baums konzentriert auf Ursachensuche. Und ja das Kettenblatt hat im Flieger wieder mal einen gewaltigen Schlag bekommen. So hoffe ich jedenfalls die Ursache gefunden zu haben. Schlimm wäre es, wenn auch das Tretlager oder die Kurbel etwas abbekommen hätte. 

indische Gesellschaft

Also die Sache weiter aufmerksam im Auge behalten. Lenkt ja auch ein bisschen von dem vor mir liegenden Weg ab. Ich zwinge mich die ersten Kilometer nur nicht zu schnell anzugehen, auch wenn es scheinbar gut läuft. Der Tag, die Tour, hat gerade erst begonnen, ich noch nicht meinen Rhythmus gefunden. Mich an das tropische Klima gewöhnt. Das muß ich mir immer wieder ins Gedächtnis führen. Die Straße läßt sich super fahren. Die Leute sind rücksichtsvoll und freundlich. Außer ein paar, wahrscheinlich verirrte indische LKW Fahrer, hier aber in der absoluten Minderheit, hält sich das, aus Indien bekannte vierundzwanzigstündige, nervende Hupen, in Grenzen. 

hilfreicher Wasserspender

Ich wußte, was mich im Laufe des Tages in der tropischen Schwüle erwartet. Muß mich aber nun schon ab Mittag arg quälen, immer wieder im Schatten der wenigen Bäume halten und verschnaufen. Die Hitze, ab 10:00 Uhr um die 38 Grad zwingt mich, untrainiert wie ich so oft in den ersten Tagen bin, in großer Übersetzung gegen die unsichtbare, aber um so spürbarere tropische Hitzewand, anzutreten. Ich darf nicht kämpfen, dann habe ich schon verloren, muß mich mit den Naturgegebenheiten arrangieren. Nur die Motivation treibt mich weiter, läßt mich vorankommen. Trinken alleine, Flüssigkeitsausgleich für das Körperinnere, reicht schon bald nicht mehr. Ich muß auch das Körperäußere runter kühlen. Ständig ist dadurch allerdings mein Wasser knapp. Muß Prioritäten setzen. Mich zwingen nur den Mund anzufeuchten, nicht zu viel zu trinken. Bei einer dieser Aktionen hält ein Auto hinter mir und zwei gutbekleidete junge Männer steigen aus, kommen auf mich zu. Sie sind vom lokalen Fernsehen, haben mich bereits vorher gesehen und möchten ein Interview. Ok, bekommen sie mit dem Versprechen mir kaltes, auch egal, Wasser zu besorgen und den Link für den Beitrag zu senden. Wasser, leider zu wenig, bekomme ich. Den Link wollen sie mir an meine Email senden.

örtliches TV Team

Essen, wieder einmal hatte ich die Nahrungsaufnahme vergessen,  finde ich in einem der kleinen Dörfer, oft nur eine armselige Ansammlung von Holz-Stroh-Hütten. 

Reis, Gurkensalat und ein Stück „Hühnchen?“ sind insgesamt zu viel. Aber ich muss etwas essen, muss es mir rein quälen. Brauche Energie, muß Kraftreserven aufbauen. Die Pausen werden gegen Nachmittag immer länger bzw. die Strecken die ich zwischen den Pausen zurücklege, immer kürzer. Nach 9 Stunden reicht es mir für den ersten Tag. Noch habe ich kein Gefühl für das neue Land. Weiß nicht wie die Menschen ticken, das Land auf mich wirkt.

Also entscheide ich mich erst einmal nicht für das Zelt, wechsle schnell die Straßenseite und frage nach einem Zimmer in der Absteige. Egal, ich brauche Schatten, Kühle, Ruhe, also verhandle ein bisschen und dann stehen schon kurz darauf, wie immer erst einmal komplett in meinen durchgeschwitzten Sachen, unter der Dusche. Ich bin platt, mega platt und brauche die Erholung. 

Ein neuer Tag, neue Kraft, neuer Wille weiter zu kommen. Der Eigentümer der Absteige hatte mich am gestrigen Abend noch recht lange mit seinen Vorschlägen und präsentierten Möglichkeiten zur Vermehrung der guyanischen Bevölkerung genervt. Bin dann doch recht schnell in mein wohl temperiertes Zimmer, ähnlich einer Saunakabine, verschwunden. Wieder ist es schon am frühen Morgen unerträglich heiß. Vorschlaghammer artig spüre ich die morgendlichen 36 Grad. Ich komme mit meinem Gespann nur mit vielen, ganz vielen Pausen an schattigen Plätzen, voran. Und trinke Unmengen, 3-4 Liter innerhalb von einer Stunde, Wasser. 

Schattengesellschaft

Der Flüssigkeitsmix aus Wasser und  Energiedrinks hilft nicht wirklich, verursacht bei mir nur Magenkrämpfe, Übelkeit. Mit rasendem Puls, am Anschlag pumpenden Kreislauf, setze ich mich immer wieder an den Straßenrand. Suche Schutz vor dem tropischen Backofen. 

Immer mal wieder bringen mir aber auch, sehr schnell aufziehende tropische Gewitter mit niederstürzenden zig Liter Wasser in wenigen Minuten, krachenden Blitzen, herrliche, zusätzliche Abkühlung. Auf freier Strecke, auf ebenen Wiesenflächen allerdings auch prüfende, schutzsuchende Blicke, steigende Aufmerksamkeit!

Vor der Brücke über den Berbice River zwingt mich die Polizei zu einem Stop. Die beiden freundlichen, in zu kleine Uniformen gezwängte Polizistinnen, wollen mich nicht weiter lassen. Ich darf mit dem Rad nicht die Brücke überqueren. Auch viele meiner angeführten Argumente, ich passe schon auf, habe schon andere seitenstreifenlose Straßen überwunden, hilft nichts. Sie haben ihre Vorschriften. Hier geht es mit dem Rad nicht weiter. Ich muss warten bis ein Kleintransporten kommt, sich jemand bereit erklärt, mich aufzunehmen, mit rüber nimmt. Also quatschen wir noch ein wenig, machen Bilder und dann findet sich auch schon eine Pritsche.

weiter nur mit Transporter

Plötzlich sind viele helfende Hände da und das Rad samt Anhänger liegen auf der Ladefläche. In gemächlicher Fahrt, das habe ich in Botswana anders erlebt, geht es über die Brücke und nach einer kurzen Austausch von Blicken und Handzeichen, auch noch ein wenig weiter.

freundliche und entschieden

Schön da spare ich viel Kraft, die mir echt, wie immer in der ersten Woche und nach so langer Heimatpause, fehlt.

Irgendwo in einem Stadtgebiet muss mein hilfreicher Transporter abbiegen und ich stehe ohne Fahrtwind am Straßenrand. Sofort bricht der Schweiß aus allen Poren, spüre ich den mich umgebenden Brutofen. Im beschriebenen Rhythmus geht es strapaziös weiter. Kurz vor Springlands kann ich noch einen LKW, Schlepper entern und so die letzten Kilometer mit 17 km/h in meinen heutigen Zielort einrollen.

Der Transporter

Ich muß mich erst einmal orientieren, mir Gedanken über den weiteren Verlauf machen. Meine Position auf der Karte suchen. Erblicke, welch schöner Zufall, dann aber eine europäisch aussehende Frau, frage kurzentschlossen nach einer passenden Unterkunft. Bekomme den Tipp es in dem, sie zeigt in die entgegengesetzte, hinter mir liegenden Richtung, Guest House dort hinten zu probieren. Sollte ich noch weiter fahren? Die Gedanken, Erinnerungen an eine kalte Dusche, an Schatten, Pause sind verlockend und gewinnen die Oberhand. Also zurück und, ja es paßt, meine im Moment, elementaren Bedürfnisse, können befriedigt werden. Ich brauche noch Bargeld. Verstaue meine Sachen – Rad, Anhänger, Radtaschen, Ausrüstung – im Zimmer und treibe mich noch einmal hinaus auf die Straße. Schnell noch Geld tauschen, dann entspannen. Doch schnell ist nicht.

wem gehört die Straße

Das Theater was nun veranstaltet wird hatte ich so nicht erwartet. Noch nie, selbst im Iran, nicht erlebt. Erst brauchen sie meinen Paß, ok das ist üblich. Die Kopie die ich dann vorlegen soll dann schon nicht mehr. Gegen eine Gebühr erstellen sie dann selber eine solche. Anschließend wollen sie nun aber keine Euro tauschen. Interpretiere ich die Blicke richtig, dass der Euro nicht bekannt ist ? Ich bin doch in einer Bank oder ? Mit dem Wechsel von Dollar in die Landeswährung sind dann vier, sich gegenseitig kontrollierende Mitarbeiterinnen, beschäftigt. Wäre ein Banküberfall einfacher gewesen?!

schöne Fotopause

Appetitlos schleiche ich auf der Suche nach einer Garküche durch die Häuserzeilen. Jetzt nur keine schweißtreibende Fortbewegung mehr. Ich muß mich zwingen etwas zu essen. Mir unbedingt etwas rein- und auch runterwürgen. Auch das ist am Anfang nicht immer leicht, mich an den Anblick, auf die Zubereitung der regionalen Speisen einzulassen. Gewohnte, wünschenswerte Hygiene muß ich aber oft zu Beginn der Reisen außer Acht lassen. Das Risiko einer Magen-Darm-Infektion abwiegen. Mir gehen sonst die physische Kräfte, die notwendige Energie, aus. Nach ein paar Tagen, einer Woche ist das dann meistens überstanden und der Appetit kehrt zurück. Heute Morgen gab es noch nicht einmal Frühstück und unterwegs nur eine halbe Melone. Also bestelle ich mir gebratenen Reis mit irgendwelchem Gemüse und Hähnchenfleisch. Was sonst? Zurück im Zimmer muß ich mich mit meinen Wunden beschäftigen. Ein neuer Sattel, fehlendes Sitzfleisch, noch keine Routine. Anfänglich immer ein schwerwiegendes Problem. Sitze ich wieder einmal auf dem Knochen, ohne Fleisch drum rum? Gefühlt ja ! Nach einem rückwärtigen Blick in den Spiegel, realisiere ich, interpretiere den hinteren, unteren Körperzustand als nicht schön, nicht förderlich, sehr behandlungsbedürftig. Den blutgetränkten Mull muß ich in den kommenden Tagen, mehrmals täglich wechseln. Nach einer Woche, entlastende Sitzpositionen suchend, ist es dann aber überstanden. 

Am 10.08.2017, den 751. Reisetag, erreiche ich Crabwood Creek am Grenzfluss Courantyne River, der hier in den Nord Atlantischen Ozean mündet.

Grenzdurchquerungsrun

Am gegenüberliegenden Ufer beginnt für mich einmal wieder Neuland, liegt Suriname. Dorthin, weiter auf meiner Tour, geht es nur mit einer Fähre !

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