13.09. – 18.09.2015 207. – 212 Tag

Rishiri : Rebun

natürlich mit den Fähren….

Ein wundervoll, gemächlicher Tag beginnt. Alles greift super ineinander über. Die Nähe des Hotels zum Hafen, auf dem Weg dorthin der Supermarkt, meine Ankunft im Hafen, die Abfahrtszeit der Fähre. Das Meer ist ruhig und die Überfahrt bringe ich ohne Probleme hinter mich.

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Rishiri in Sichtweite

An der Hafenausfahrt muss ich mich entscheiden, links oder rechts herum auf der Insel. Es herrscht Linksverkehr, also biege ich nah links ab, dem Herzen folgend.

 

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Weitblick…,

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Stille…,

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Inselleben

Heute lasse ich mir viel Zeit, halte immer wieder und schaue minutenlang in mich versunken aufs Meer.  Es weht ein heftiger Wind, aber auch den ignoriere ich ruheversunken.

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Ruhe, Einsamkeit geniessen

Gegen Nachmittag treffe ich einen super freundlichen, jungen Japaner auf seinem Moped. Sofort schlägt mir diese asiatische Sympathie entgegen. Er ist mit einem kleinen Moped unterwegs von Osaka bis nach Rishiri bzw. umrundet dann wohl auch Japan mit dem Moped.

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cooler, freundlicher, begeisterungsfähiger Japaner

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auch für ihn bis hierher ein weiter Weg

Wie immer, wenn ich anderen Reisenden von meiner Tour erzähle, so zeigt auch er bei jedem Highlight großes Erstaunen und amüsiert sich köstlich. Ich muss auch unbedingt noch auf die Nachbarinsel Reben, ist seine Empfehlung. Rebun liegt in ca. 40 min Fährfahrt von Rishiri entfernt, ist noch kleiner und naturbelassener. Von der Zeit müsste ich es ja trotzdem noch mit einem Tag Reserve bis Sapporo schaffen. Einen Zeltplatz finde ich nach einigem Suchen.

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immer wieder…

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sagenhafte Sonnenbilder

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Mt. Rishiri

Es gibt echt keinen Zugang von der Strasse auf das naheliegende Waldgebiet. Alles ist mit dichtem Strauch bewachsen. Kein Durchkommen, ich versuche es mehrfach und immer endet der Pfad in undurchdringlichem, hüfthohem Strauchwerk. Jetzt steht das Zelt auf einem Platz mit Grabsteinen, also die stehen in der Nähe!

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ein schmaler Pfad zum…

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Zeltplatz mit Grabstätte

09:25 Uhr legt die Fähre minutengenau ab. Nach 40 Minuten komme ich im Hafen auf der Insel Rebun an. Rechts weg geht es Richtung Norden, den weiteren Weg. Es gibt nur diese eine Strasse Richtung Norden. Umfahren kann man die Insel nicht. Ggf. umwandern. 28 km sind es bis zur Spitze, die ich gemächlich nach 1,5 h erreiche.

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die Spitze ist erreicht

Weit geht mein Blick über das Meer. Bis zum Horizont ist kein Land in keiner Richtung auszumachen. Selbst die russischen Sucharien- Inseln kann ich nicht sehen.

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weiter, endloser Blick

Auf einer Nebenstrasse will ich mich abseits der Strasse bewegen. Bald endet diese Strasse und geht in einen Schottere über. Dieser endet dann auch in einem kleinen Fischerdorf. Auf der Karte erkenne ich einen Wanderweg und bin mal wieder abenteuerlustig. Nach ca. 500 m wird aus dem zuvor ca. 1 m breitem Weg ein 20 cm schmaler Pfad.

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kleines Rad(roter Punkt) im weiten Land

Stetig aber noch gemächlich geht es bergab. Links und rechts des Pfades wächst kniehohes Gestrüpp. Ca. 300 m vor mir geht ein Wanderer der sich immer wieder nach mir umdreht und dann irgendwann über einem Bergrücken aus meinem Sichtfeld verschwindet. Als ich die Höhe erreiche, weiß ich warum er sich ständig nach mir umblickte. Jetzt geht der Pfad mit Stufen ausgebaut, steil den Bergpfad hinauf. Der dachte sicher,:”Was kommt denn da für ein Verrückter mit seinem Rad.” Die ersten 50 m schaffe ich es noch die Stufen schiebend zu überwinden und den schmalen Pfad für mich und/oder das Rad zu nutzen.

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schmaler Pfad und radhohes Gras

Wieder einmal schweißgebadet und keuchend lehne ich mich über den Lenker. Ok, zurück nicht, denke ich mir.

schieben

schieben, nicht mehr lange möglich

Also nehme ich die vorderen Taschen, die Lenkertasche, die Wasserflaschen und das Stativ, und schleppe die Sachen die nächsten 200 m hoch. Dann laufe ich zurück, lege mir das Rad auf die Schulter und schleppe es den steilen Stufenpfad bergan.

holen

wieder runter…Rad holen

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der Blick zurück

Oben an der Taschen angekommen lasse ich das Rad stehen und schleppe wieder die Taschen bergan.

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eine elende Plackerei in wundervoller Umgebung

Das geht so weiter in fünf Etappen bis ich endlich auf der Gipfelplattform

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und wenig später auf dem Gipfel.

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Gipfelbesteigung mit Rad

ok, wie geht es jetzt dann eigentlich weiter. Ein Blick nach links zeigt mir, es wird nicht leichter.

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runter

Ich schaue kurz auf den Weg den ich gekommen bin und entscheide, nein zurück geht es nicht. Der Pfad ist nach wie vor extrem schmal. Halt ein Wanderpfad, nicht für Räder mit Packtaschen und ich bin sicher einer der wenigen, wenn nicht der Erste, der diesen Weg mit dem Rad bewältigt. Schiebe ich das Rad auf dem Pfad, muss ich in dem Gestrüpp laufen. Mit der Zeit schmerzt das ziemlich an den Waden, denn das Grün besteht grösstenteils auf Holzgewächsen. Schiebe ich das Rad im Gestrüpp, reissen mir die Taschen vorne ständig aus der Halterung. Also baue ich die linke Tasche ab, lege sie nach hinten und schiebe so das Rad abwechselnd auf dem Pfad oder im Gestrüpp. Die Steigung die ich bergan überwunden habe, geht natürlich auf dieser Seite bergab. Und natürlich auch über Stufen und sehr steil bergab. Nur nichts am Rad kaputt machen, geht es mir ständig durch den Kopf. Also langsam, übersichtlich bergab schleichen. Irgendwann stehe ich am Strand und schaue zurück. Puh, das ist ja mal eine Weg.

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Wie gesagt, es gibt nur eine Strasse auf der Insel und so fahre ich dann am Nachmittag an der Küstenstrasse wieder Richtung Ferry-Port. Meinen Plan heute noch nach Wakanani zurück zu fahren setze ich dann doch nicht um, denn die letzte Fähre geht um 17:20 Uhr, ist dann gegen 18:50 in Wakanani, dann ist es dunkel und ich muss mir wieder ein Hostel suchen. Also kaufe ich mir noch einige Sahen zu Essen und fahre über den Hafen hinaus Richtung Westen. Nach dem Ort finde ich eine Abzweig weg von der Küste, kämpfe mich die Extremsteigung hoch und  sehe oben angekommen einen Leuchtturm. Ok, da will ich heute Nacht schlafen. Ist nicht ganz einfach einen Weg an die exponierte Stelle zu finden, doch schliesslich stehe ich doch an dessen Fuss. Suche, Suche und dann finde ich auch eine schöne Stelle für das Zelt. Direkt an der Kante zum Meer baue ich das Zelt in einer kleinen Senke auf.

kante

schon schön die Weitsicht

sonne

schon noch schöner die Kulisse

rishiri

war schon schön, Blick auf Rishiri

zelt

schöner Leuchtturm

Links sehe ich den Gipfel der Insel Risihri. Genau gegenüber habe ich gestern gezeltet, denn ich konnte das Feuer des Leuchtturms sehen. Den ganzen Tag über war super Wetter. Schön nach den vielen Regentagen. Auch jetzt ist das Meer absolut ruhig, fast kein Wind und die Sonne ging in den herrlichsten Orange-/Rottönen unter.

zufrieden

essen

reichhaltiges zum Abend

Irgend ein Tier umkreiste in der Nacht das Zelt und liess mich nur im Halbschlaf den Morgen erwarten. Ich kroch gegen 06:00 Uhr raus  und auf einem Mast neben dem Zelt sitzt ein dicker, schwarzer, frecher Raabe. Die sind auf beiden Inseln recht zahlreich und meiner Meinung nach ausgesprochen frech. Schnell packe ich alles zusammen, denn frühstücken will ich in Ruhe unten im Dorf. Da ich mir einmal wieder etwas in den Kopf gesetzt habe, nämlich Marmelade zum noch vorhandenen, süssen Brot, muss ich bis zum Seco-Market am Dorfausgang fahren. Ja, wer geniessen will muss Mühen auf sich nehmen. Dafür bekomme ich dann aber auch das leckerste Glas Orangenmarmelade “ever.!!!” Dazu das süsse Brot, einen halbwarmen Kaffe aus der Büchse und die Welt ist, sitzend auf der Kaimauer, für mich in Ordnung. Gegen 07:30 Uhr bin ich am Port und die Fähre nach Wakanina soll um 08:40 Uhr ablegen, was sie garantiert auch tun wird.

Heute Morgen ist der Wartebereich des Ports voll von japanischen Rentnerreisegruppen. Wie man sie kennt, rennen sie als Horde einer fahnenschwenkenden Reiseleiterin hinterher, stellen sich brav eine Stunde vorab in einer Reihe auf und warten auf weitere Anweisungen. Die Fähre ist noch nicht einmal da bzw. hat angelegt sie könnten also noch gemütlich in den Wartesitzreihen Platz nehmen. Ihrer allgemeinen Verfassung und des körperliche Zustands der meisten Reisenden wäre dies auch anzuraten.

Ok, ich verabschiede mich dann von der Szenerie, denn ich muss mit dem Rad an das Heck, für Nichtseeleute nach hinten, um durch die Laderampe das Rad an Bord zu bringen. Auch das ist jedes mal ein Akt, bei dem ich mich vor Belustigung auf den Boden schmeissen könnte. Es steht mindestens 5 Leute an der Laderampe und sind für das Beladen mit den Autos, LKWs, Motorrädern und Fahrrädern zuständig. Sobald sie mich mit dem Rad erblicken, stürzt mir einer von ihnen entgegen und weist mir einen Platz an der Seite zu. Dort stehe ich dann ca. 2 min bis der nächste kommt und mir andeutet, ich könnte jetzt auf die Fähre. Dabei rennt er neben mir her, zeigt aufgeregt auf de Weg den ich nehmen soll, bis mich dann ein anderer am Rammende übernimmt. Dieser rennt auch unter ständigen nicken und hey, hey neben mir her und zeigt auf die Stelle an der ich das Rad abstellen soll. Es ist übrigens auf allen japanischen Fähren für Fahrräder immer die selbe Stelle. Das Rad wird dann sehr gut festgezurrt und ich kann beruhigt nach oben an Deck gehen. So ist der Japaner und wehe es geht etwas schief.

Das Ablegen, die Fahrt und das Anlegen sind wie immer „just on time“, schliesslich haben die Japaner dieses System entwickelt.

strasse

Ich finde in Wakanina schnell die Strasse Richtung Sapporo, ist ja auch diesmal nicht schwer, es gibt nur eine und fahre immer schön mit mittelstarkem Gegenwind an der Küste entlang.

zuruck

Kopf runter bei den langen, geraden Strassen und treten. Rechts ist lange Zeit immer noch die Insel Rishiri mit ihrem typischen Vulkanberg zu sehen und ich merke einmal wieder wie klein ich doch bin und wie langsam ich voran komme. Es dauert fast den gesamten Vormittag bis der Berg aus meinem Blickfeld verschwindet. Zwischen den Ortschaften liegen auch auf dieser Seite von Hokkaido größere Entfernungen. Die Nacht verbringe ich einmal wieder am Meer mit dem gewohnten Lagerfeuer.

wolken

meer

nacht

Ich werde zunehmend nachdenklicher, da es die letzten Tage in Japan sind. Gut 6 Wochen habe ich dann dieses Land bereist und es hat unendlich viel Spass gemacht. Es ist jetzt 19:00 Uhr und stockdunkel. Ich sitze ca. 20 m vom Meer auf einer Sandbank, dass Feuer geht langsam aus und es wird merklich kühler. Der grenzenlose Sternenhimmel breite sich über mich aus und ich bin wie immer fasziniert von dieser Unendlichkeit. Ich erkenne den grossen Wagen, wohl auch Teile der Milchstrasse und andere mir nicht bekannte Sternbilder. Also es wird Zeit das ich wieder in die Wärme komme.

Ich friere in der Nacht. Ja echt, es ist frisch am Meer. Am Morgen ist das Zelt, Rad und die Packtaschen mit dickem Tauwasser belegt. Das Meer blieb in der Nacht da wo es hingehört. Ich hatte wirklich geträumt, dass mich eine Welle samt Zelt davon trägt.

Langsam nimmt der Abstand zwischen den Ortschaften wieder ab. Es ist nicht mehr ganz so einsam wie noch an den Tagen zuvor. Gegen Mittag finde ich sogar wieder einen 7Eleven und kann Kontakt mit der Aussenwelt aufnehmen.

Ich habe gegen Abend einen Schlafplatz oberhalb der Strasse, hinter einem Bauplatz gefunden. Eigentlich wollte ich noch einmal am Meer schlafen. Es ist aber nicht wirklich ein Zugang an den Strand möglich gewesen. Alles ist mit Hochwasser-/Tsunami -Schutz zugebaut.

Ankunft in Sapporo Heute ist wieder einmal ein Tag der Radtreffen. Jeder Menge Japaner kommen mir auf ihren vollgepackten Rennrädern entgegen. Grüssen allerdings nur kurz, selten hält einer an. Gegen Mittag jedoch treffe ich auch Lorenzo Rojo!!! Laut seiner Aussage ist er seit 1974 mit dem Rad unterwegs. Wau! Wir unterhalten uns eine Weile. Solche Leute haben ja immer etwas zu berichten bzw. geben gerne Tipps für spannende Ziele. Vielleicht treffen wir uns auf den Philippinen. Er will in zwei Monaten auch dort radeln. Na mal sehen.

An einer Steigung hole ich dann noch ein englisches Pärchen ein. Sie quält sich ein wenig am Berg und ihr Freund ist weiter vorne. So fahren wir ein Stück zusammen, quatschen ein wenig, doch da sie wirklich sehr langsam ist und die Autofahrer dicht überholen, da ich neben ihr fahre, lasse ich sie auf der Hälfte dann doch zurück und schliesse zu ihrem Freund auf.

Hokkaido

einmal herum

Leider fahre ich in Sapporo zum falschen Airport. Der New Chitose Airport liegt 47 km weiter nordöstlich. Das schaffe ich heute nicht mehr. Ich habe auch noch keinen Karton und kein Ticket. Also entschliesse ich mich doch noch einmal ein Hostel zu suchen, um dort in Ruhe alles zu organisieren. Das klappt dann auch super. Ich finde das Sapporo Youth Hostel, die Dame an der Rezeption gibt mit einen Tipp für einen Radladen in der Nähe, ich finde dort auch einen Radkarton. Abends buche ich dann die Flüge nach Taipei.

rad

Rad(Straßen)kreuzer

Die Strecke zum Flughafen fahre ich mit dem zusammengefalteten Karton auf dem Rad und es hat schon eine ziemliche Breite. Mitunter stosse ich auch an einige Autos an. Aber keine regt sich auf. Nun steht also der erste Flug auf meiner Weltreise an. Mit den Fähren war es ja immer sehr entspannt zu reisen. Rad auf das Schiff und fertig. Jetzt muss ich natürlich alles auseinander bauen. Und der Karton stellt sich als doch relativ klein dar. Aber irgendwie bekomme ich dann doch alles rein und wuchte die Kiste auf einen Rolli. Die Stelle im Mantel, die den Schlag beim Fahren verursacht hat, habe ich auch gefunden. ja, 14.000 km hat er gute Dienste geleistet. Jetzt hat sich die Wand über der Felge gelöst und bevor mir das Ding bei einer Bergabfahrt um die Ohren liegt, tausche ich ihn lieber aus. 20 h werde ich jetzt unterwegs sein. Reine Flugzeit allerdings nur 5 h. Heißt also 15 h warten in Shanghai. Oh je. Aber so ist es dann doch nicht gekommen. In Shanghai war bei der Ankunft bereits ziemliche Ruhe auf dem Airport eingekehrt. Im Transitbereich selber standen nur noch zwei Polizisten und auf den Bänken lagen einige schlafende Passagiere. Sollte ich mich dazu legen? Die Polizisten erklärten mir, dass ich hier eigentlich nicht warten kann und deuteten auf den Ausgang. Dort kann ich warten. Ok, also wieder  zurück. Na hoffentlich finde ich doch noch einen einigermassen ruhigen Platz.

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