Ankunft in Indonesien

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29.05. – 24.06.2016 440. – 466. Tag 

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Ja wie wunderbar ist die Ankunft in Jakarta, denn zur Fortsetzung meiner Reise haben sich zwei Engel auf den Weg gemacht. Gemeinsam mit meiner Tochter werde ich nächsten 14 Tage auf Java verbringen. Natürlich ohne Fahrrad, denn wichtig sind uns die Erholung und viele gemeinsame Stunden zum Quatschen. Wir wollen nach der langen Zeit des Trennung und den zurückliegenden Tagen der Trauer um einen verlorenen Menschen, viel Zeit für uns haben. Uns viel Ruhe geben.

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Das ist zu Beginn bei dem chaotischen Verkehr in Jakarta und Umgebung mit einem Mietwagen nicht ganz einfach, für 160 km benötigen wir am nächsten Tag 9 h. Doch nach einigen Tagen gelingt es uns dann die Hektik hinter uns zu lassen. Wir finden schneller wieder zueinander und lassen den Lärm weit hinter uns. Fahren auf kleinen Gebirgsstrassen durch grüne Landschaft die von Teeplantagen geprägt werden. So wie wir uns jetzt Zeit, Geduld und das gegenseitige Verständnis für uns nehmen, so nehmen wir auch die ruhigeren, ausgeglichenen Indonesier auf unserer gemeinsamen Reise wahr.

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Leider sind dann die 14 Tage zu schnell vorbei und der Abschied am Airport in Jakarta schmerz mich doch sehr und stimmt mich für einige Tage ziemlich traurig.

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Am 12.06.2016 mache ich mich dann mit erneuerten Reifen, Kette, Ritzen, Bremsbeläge, -scheiben und neuem Getriebe-Öl, wieder auf die Strasse, radle weiter auf meinem Weg Richtung Malaysia/Kuala Lumpur.

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Viel denke ich über die zurückliegenden Wochen nach.  Schön war die Zeit, die 6 Wochen Pause. Täglich in einem schönen Bett zu schlafen, frühstück zu essen, duschen zu können usw. Aber besonders schön war es natürlich mit meinen Lieben zusammen zu sein. Die Wochen bei Piep und Stephan hab ich wirklich genossen.

Nun ja jetzt geht es weiter und ich habe ganz gut aus Jakarta rausgefunden. Vorbei an Elendsvierteln, vermüllten Siedlungen, stinkenden, nein Flüsse waren es schon seit langer Zeit nicht mehr. Jakarta ist keine schöne Stadt und nie eine erholsame Stadt. Nirgends fanden wir einen Ruhepunkt, etwas Grün zum Lufthüllen, entspannen. Und so bin ich froh endlich von hier wegzukommen.

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Die Hitze setzt mir jetzt wieder arg zu, muß mich erst wieder an meinen neuen, alten Rhythmus gewöhnen. bis zu 6 l Flüssigkeit schütte ich nun täglich in mich rein. Essen kann ich erst immer gegen Nachmittag, wenn die Tageshitze etwas nachläßt.

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In den kommenden Nächten kämpfe ich weiter mit der Hitze, den Mücken und finde selten erholsamen Schlaf. Ich mache mich jetzt immer recht zeitig auf die Strasse um wenigstens ein den frühen Morgenstunden etwas kühlere Stunden zu haben. In Merak der nördlichsten Hafenstadt auf Java finde ich schnell die richtige Fähre, den Ticketschalter und den Zugang für die Überfahrt nach Sumatra mit Ankunft in Penengahan.

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Das sie dann losfuhr habe ich irgendwie nicht mitbekommen und das Aussteigen hätte ich auch fast verpasst, wenn mich zwei Damen vom horizontalen Gewerbe nicht genervt hätten. Ich wollte mich nicht voll quatschen lassen, bin aufs Deck gegangen und habe mich gewundert, dass die Fähre schon wieder anlegt. Ein Blick auf das GPS zeigte mir dann, dass ich schon auf Sumatra war. Komisch alles ging irgendwie sehr schnell!!!

Vom Port ging es langansteigend bergan. Es war 14:00 Uhr und noch brechend heiß. Steigung um Steigung folgt und ein Schlepper-LKW nicht in Sicht. Also schweißtreibendes Treten. Mehrfach fragte ich nach einem Hotel. Doch da gingen die Meinungen sehr strak auseinander. Von 16 – 60 km. Auch auf der Fähre wurden mir wieder die Gefahren der Menschen in einer anderen Region, wie so oft bereits vorher, deutlich geschildert. “Auf Sumatra musst du aufpassen. Dort sind viele Kriminelle unterwegs. Fahre nie im Dunkeln und schlafe immer im Hotel.“

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Ok, dass mit dem Hotel und Dunkeln habe ich bereits vorher immer beachtet. Der Rest ist hoffentlich Phantasie. Ein Hotel habe ich dann gegen 16:00 Uhr doch direkt an der Strasse gefunden. Berichtet hatte mir davon keiner. Vorbei fahren ohne die Hinweisschilder wahrzunehmen, kann man allerdings auch nicht.

Ich wusste gar nicht, dass der Muezzin in der Nacht jede Stunde zum Gebet ruft. Jedenfalls tat er das diese Nacht. Am Morgen war es auch noch nicht ganz so heiss bzw. doch etwas bewölkt. So liess es sich angenehm fahren. Stellenweise hat der Verkehr mich dann doch völlig eingenommen und die dicken, schwarzen Dieselwolken machten mir arg zu schaffen.

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Andererseits meint es Sumatra gut mit mir, denn es gibt wenig Steigungen, gut zum Einfahren nach der langen Pause und doppelt gut bei der Hitze. Flüssigkeit habe ich wieder Literweise in mich reingeschüttet. Ich hoffe, dass es nach der Woche gewöhnliche Einfahrtszeit dann doch wieder gefüllt angenehmer für mich wird.

Nun bin ich also wieder am Meer und ich werde mal versuchen, dies auch zu nutzen, sowohl zum Erfrischen, als auch zum Übernachten.

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Gedanklich bin ich noch nicht wieder mit so vielen Dingen beschäftigt. Es ist ja auch a) alles geregelt und b) kann ich wie ich erfahren musste viele Dinge eh nicht beeinflussen, auch wenn ich mir noch so sehr Gedanken darum mache.

Jeder neue Tag beginnt nun schweißtreibend. Oft geht es mir am Morgen vom ersten Meter an durch den Kopf: “Na das wird Heute ein Tag mit grossen Anstrengungen und ich werde wohl nicht sehr weit kommen.“ Gegen Mittag habe ich dann doch, mitunter bei bewölktem Himmel, bereits 60-70 km bewältigt, jetzt teilweise bei doch immer noch recht heftigem Verkehr. Da hoffe ich dann doch auf die Strecke der Küste entlang. Hier soll es ja ruhiger und beschaulicher werden. Doch geht es immer wieder durch menschenüberfüllte Orte, über dieselschwarze Strassenabschnitte.

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Die durchschnittliche Tagestemperatur liegt seit Tagen durchgängig bei ca. 40 Grad. Bis 11:00 Uhr ist es durch die Bewölkung immer noch etwas angenehm. Das ändert sich ab 11:00 Uhr dann schlagartig. Dann setzt stechende Hitze ein und ich benötige literweise Wasser um nicht zu kollabieren. Die Menschen sind weiterhin ausgesprochen freundlich. Natürlich nervt es gewaltig 100te Male über Tag „Hey Misterrrrrrrr! How are you?“ zu hören. Aber besser so als wenn mir misstrauische, böse Blicke entgegen gesetzt werden.

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Die Landschaft nimmt langsam überwiegend tropischen Charakter an. Von den in diesen Teilen Asiens endlosen vorhandenen Palmölplantagen ist noch relativ wenig zu sehen.

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Immer wieder muss ich stoppen um der Frage „Selfie, Selfie?“ zu entsprechen. Mädchen, junge Frauen fragen überschwänglich lachend, mutig, offen danach. Junge Männer machen Fotos schnell, ggf. heimlich vom fahrenden Moped aus ohne zu fragen.

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In den nächsten Tagen finde ich langsam zu meinem Rhythmus zurück. Mehrfach muss ich mich in diesen Tagen zwingen nicht bereits gegen Mittag ein Hotel anzusteuern. Am Abend bin ich dann aber froh der Versuchung, meinen Gedanken, der Bequemlichkeit nicht nach gegeben zu haben und so wieder eine beachtliche Strecke bewältigen konnte. Ich muss mich nur immer wieder zwingen ruhig zu bleiben, mich nicht selber so unter Druck zu setzen. Ruhig die Steigungen zu nehmen, um nicht mit schwindelnden Kopf, rasenden Puls auf dem Scheitelpunkt zu stehen. Es wird schon, denn ich habe doch wirklich schon eine Menge anderer anstrengender Strecken bewältigt.

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Gibt es eigentlich einen „Welttag des platten Reifens“? Ich würde diesen ansonsten ausrufen. 11!!! Platten am hinteren Reifen in zwei Tagen. Das ist doch mal ein prima Training für einen schnellen Schlauchwechsel oder ? Und verdammt ich habe den Splitter, ein feines Drahtstück, den Nagel, die Ursache nicht gefunden. Am Ende habe ich dann auch noch den Mantel, den Unplattbaren mit Kevlar- einlage !!! laut Schwalbe, gewechselt. Die ersten Wechsel habe ich zum Glück an einer Reifenreparatur-bude machen können. So gab es immer guten Luftdruck. Mit dem letzten Platten bin ich dann bis in ein Hotel geschlingert. Niveaumäßig bin ich jetzt auch wieder in der untersten Kategorie angekommen. 80.000 Rubin kostet das Zimmer und so ist es auch. Naja, ok ich kann mich duschen, in Ruhe noch einmal den Schlauch reparieren und habe im Ort sogar ein Bier gefunden. All das entschädigt und stimmt mich friedlich. Jetzt, die Sonne geht gerade unter, höre ich aus allen Richtung den Gebetsgesang der Muezzin. Mitunter habe ich, bei dem Gewirr der Rufe, das Gefühl die wollen sich an Lautstärke und Jammergrad immer einander übertreffen.

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Nun regnet es auch einmal mit tropischer Gewalt, alles steht nach kurzer Zeit unter Wasser, aber die Luft ist frisch und ich hoffe auf eine kühle Nacht. Heute habe ich mich zwischen Mückenplage, wie die Nächte davor war diese arg, und Sauna im Zelt, für das Saunazelt, aufgebaut im Hotelzimmer, entschieden. Ich denke, dass mich das nicht nur gegen die Mücken, sondern auch gegen all das andere Getier in der Behausung schützen wird.

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Meine Route haben ich nun auch aktuell ändern müssen. Heute Vormittag hatte ich einmal wieder eine freundliche, herzliche Begegnung mit einigen Menschen. Nachdem viele Fotos gemacht wurden, also sie haben viele Fotos von mir gemacht, erklärte ich ihnen mein Woher / Wohin. Bei dem Wohin setzten alle entsetzte Gesichter auf und baten mich eindringlich, nicht den Weg an der Südwestküste entlang zu nehmen. Dort sollen aktuell, so ich es richtig verstanden habe, wieder einmal Unruhen, ausgelöst von islamischen Fanatikern, das tägliche Leben beherrschen. Ich bin mir nicht immer sicher, ob das immer alles so stimmt oder ob da auch immer ziemliche Übersteigerungen der Beschreibungen des Geschehen, nach dem Schema stille Post, vorherrscht. Allerdings ausprobieren, mich bewusst in Gefahr begeben, mich dem Irrsinn von Separatisten aussetzen, dazu habe ich auch keinen Bock. Also nehme ich die Hinweise ernst, hole mir unterwegs noch einige andere Informationen ein, biege am kommenden Tag Richtung Nordostküste ab und fahre halt, ohne das Meer zu sehen, quer durch Sumatra. Ggf. spare ich ja auch etwas Zeit und komme so mit meinem 30 Tagevisum bis an die Grenze und ausser Landes.

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Der Verkehr reißt allerdings auch auf der Nebenstrecke kaum merklich ab. Ja ok, es ist nicht mehr so chaotisch wie im Dunstkreis von Jakarta, aber wirklich ruhig auch nicht. Immer wieder zucke ich bei dem nervigen Gehupt unmittelbar neben mir zusammen. Ebenso die, in langen Schlangen bergan an mir vorbeischleichenden, mir mit ihren dicke, schwarze Dieselwolken das Atmen fast nicht erlauben, LKWs.

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Die Menschen sind allerdings immer freundlich, immer begegnen sie mir mit einem Lächeln. Egal vor welcher ärmlichen Hütte sie mit ihrer Kinderschar sitzen, viele Mütter mit ihren Kindern winken, lächeln und rufen mir ihre Begeisterung zu.

Halte ich an, werde ich natürlich sofort von einer Männerschar umringt. Jeder will etwas wissen, will mir helfen, mir etwas, was auch immer, empfehlen. Anschliessend, wenn es dem männlichen Dorfbewohnern zu langweilig wird mir beim Schlauchflicken zuzusehen, erscheinen die Kinder, Mädchen & Jungen, auf dem Platz. Meistens treten sie mir mit einem breitem Lächeln entgegen. Wobei ich mir immer nicht sicher bin, ob die Kinder die sie auf dem Arm tragen, bereits ihre eigenen sind oder ihre Geschwister. Kinder gibt es auf jeden Fall in Indonesien in nicht zählbaren Mengen.

Gegen Abend bekomme ich, wie bereits gegen Mittag wieder Polizeibegleitschutz. Ob dies wirklich Schutz oder doch Kontrolle ist, kann ich nicht sagen. Sie fahren in dichtem Abstand hinter mir her und halten, wenn ich halte. Heute drehe ich mal abrupt um und fahre auf das Polizeiauto zu.  „Ist alles ok? Habe ich etwas falsch gemacht? Ist die Strasse, die Gegend nicht sicher?” sind meine Fragen. Es folgt nur ein Schulterzucken und die Antwort „Wir sind Polizei, weiterfahren“

Der Morgen war wie zu erwarten, frisch, kühl und sehr angenehm. Auch über Tag hielt sich die frische Luft durch die Bewölkung. Der Verkehr ist merklich weniger geworden und die Strasse führt durch riesige Reisfelder, Dschungel, Bananenplantagen und lange Zeit immer parallel zu einem grossen, braunem Fluss. Die Leute sind noch ärmlicher, die Dörfer teilweise richtig elendig anzuschauen. Zerlumpte Kleinkinder stehen auf der Strasse, spielen am Strassenrand im Dreck. Aus den Hütten höre ich jämmerliches Geschrei von Babys, die Stimmung ist irgendwie sehr bedrückend. Verstohlen mitunter mit finsteren Blicken schauen mich aus zusammenstehenden Gruppen einige Männer an. Mein Gefühl vermittelt mir, hier ist alles sicher! Ist es wirklich so? Bekanntermassen sind die Indonesier sehr emotional und da kann unterdrückte Wut auf die Lebensumstände, Misstrauen, Unzufriedenheit schnell mal  umschlagen. Die Rufe „Hey Mister, Mister” nehmen jedenfalls nicht ab? Trotzdem bleibt im Kopf die Frage,  warum ist so viel Polizei um mich herum?

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Am nächsten, späten Nachmittag ist wieder ein Polizei-pickup hinter mir. Wieder erhalte ich auf meine direkten Fragen an den Fahrer keine Antworten. Nun fahre betont langsam, halte viel an, schaue mir die Landschaft an, mache allerdings vorsichtshalber keine Fotos. Nach einer Stunde wirkt meine Taktik. Der Jeep überholt mich und fährt nun in einem gewissen Abstand vor mir her. Gute 200 m ist mir der Jeep voraus und jetzt bietet sich mir die Gelegenheit die Nervensäge loszuwerden. In einer Linkskurve verliere ich den Jeep aus den Augen, also kann er mich auch nicht sehen. Mit einem schnellen Linksabbieger in den Dschungel verschwinde ich von der Strasse. Fahre wie wild die noch möglichen Meter, springe vom Rad schiebe es schnell, kraftvoll hinter das dichte Unterholz des Dschungels, lege das Rad auf den Boden, hocke mich hin und atme tief durch. Puh, was für eine Aktion, geht es mir durch den Kopf! Was passiert jetzt? Werden sie mich suchen? Was wenn sie mich finden?

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Etwas komisch ist mir schon zumute, aber welche Alternative hatte ich. Ein Unterkunft hätte ich die nächsten 100 km nicht gefunden. Offiziell in der Landschaft zelten, hätte mir die Polizei, der Begleitschutz sicher nicht erlaubt. Da fühle ich mich jetzt alleine irgendwie wohler und habe auch meine Ruhe.

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Also schob ich das Rad tief in den Wald hinein, suchte weiterhin den Schutz der Vegetation und hoffte das mich niemand sonst gesehen hatte. Ich versank bis zur halben Wade in einem Fluss, stiess das Rad durch hohes Gras, in der Hoffnung das die kleinen Schlangen, die ich über Tag bereits gesehen hatte, mehr Angst vor mir, als ich vor ihnen hatte. Im hohen Grass, in einer kleinen Senke fand ich einen geeigneten Platz.

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In der Nacht ist mir nicht wirklich wohl zumute, schlafe nicht wirklich tief und erholsam. Höre viele menschliche Geräusche, deren Nähe und Richtung ich im Zelt nicht richtig interpretieren kann. Immer mal wieder knackt es neben dem Zelt, hoffe es sind Geräusche von Tieren. Raus kann ich auch nicht immer gleich, denn dann fressen mich die Mücken auf. So liege ich mit geschlossenen Augen in meiner kleinen Schutzbehausung, lausche auf alles Fremde und hege die Hoffnung, dass mich niemand entdeckt und der Schlaf, die Müdigkeit mich doch noch übermannt.

Noch lange haben in der vergangenen Nacht die Hunde gebellt, wohl weil sie mich doch irgendwie gewittert haben. Draussen hörte ich das Millionenheer der Moskitos kreisen, wohl wütenden da sie mich nicht erreichen konnten. Schnell habe ich immer noch irgendwie müde, meine Sachen zusammengebaut. Die Hunde standen nun in Sichtweite und bellten mich weiter an. Mit viel Lärm bin ich dann zurück durch das hohe Gras/Gestrüpp bis an den Bach und habe dort zu meinem Glück und dem meiner trockenen Füße einen kleinen Steg gefunden. Nun stand ich in einer Papaya-Pflanzung und die Versuchung war doch zu gross ohne eine kleinen Mundraub von hier zu verschwinden. So schaute ich mich, das Rad an einem Baum gelehnt, nach einer reifen Frucht um und schon schwupp stand ein Bauer, wohl der Eigentümer, neben mir. Allerdings nicht böse oder aggressiv begrüßt er mich. Ich gab ihm zu verstehen, dass ich doch gerne eine Papaya haben würde. Kein Problem. Ich bekam von ihm selber ausgesucht sogar zwei. Noch ein paar Fotos, ein kräftiges Händeschütteln und seine Hilfe um auf die Strasse zu kommen und schon saß ich an diesem Morgen zeitig auf dem Rad.

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Ich hatte doch irgendwie gehofft, dass das mit den Magen-/Darmkrämpfen weg sein würde, doch leider zwickte es den ganzen Tag über mehr oder weniger lästig. Salzgebäck und ein koffeinhaltiges Zuckergetränk half auch nicht, im Gegenteil, dadurch wurde es irgendwie schlimmer. Also stiegt ich auf Wasser und keine Nahrung um.  Natürlich mache ich mir immer auch meine Gedanken, wo ich denn wieder unreine Flüssigkeit ggf. auch nicht durchgegartes Essen zu mir genommen habe. Gehe in Gedanken die Momente der vergangenen Tage zurück. Da mein Körper sofort Signale  sendet, sind das eigentlich immer nur die letzten zwei, drei Tage. Mitunter, je nach Umfang der bakteriellen Verschmutzung, sogar nur Stunden, wie in Usbekistan. Ja und dann erinnere ich mich, dass ich mal wieder der Versuchung nicht widerstehen konnte, bei der Einladung zu einem mit Eiswürfel gekühlten Tee zumindest zu den Eiswürfeln nein zu sagen. Doch meiner Erfahrungen folgen sollte und kein Eis zu einem Getränk, schon gar nicht in einem Dorf, nehmen. Doch leider ist der Genuss, die Erwartung auf ein kaltes Getränk doch immer sehr gross. Gerade auch bei 42 Grad. Nun ja, jetzt weiss ich es wieder einmal aus erster Hand und lerne.

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Ab ca. 25 km vor Palembang wurde der Verkehr mörderisch. Die LKW- Kolonnen rissen nicht ab, ein Megastau. Die PKW-Fahrer drehten völlig durch und überholten links auf dem Sandstreifen oder rechts im Gegenverkehr. Alles hupte sich den Weg frei und der Smog biss mir in Augen und Lunge. In der Stadt selber bleib der Smog zwischen den Häusern hängen und rief einen üblen Reizhusten hervor. Was ist bloss los in Indonesien? So richten sich die Menschen doch selber zu Grunde, so meine Gedanken. Alles ist verdreckt, alles ist im Dieselqualm eingehüllt, überall in den Dörfer, Städten Gülle in stinkenden Abwassergräben. Kein Fleck zum Luft holen, ausruhen, inneren Frieden zu finden. Wie können die Menschen hier nur leben und nicht komplett verzweifeln. Aber ja,  sie müssen hier halt leben, haben ja keine andere Alternative, keine Mittel um ihre Situation zu verbessern. Der Staat, die Regierung, so wie Dasy mir ja bereits auf Borneo erzählte kümmern sich nur um das Füllen ihrer eigenen Taschen, scheren sich um nichts als ihre eigenen Belange. Ächzend und ätzend ist Indonesien herunter gewirtschaftet. Ich bin froh , dass wir so nicht mehr leben müssen. Und noch glücklicher bin ich, dass mir die Möglichkeit gegeben ist, mich jederzeit aus solchen Regionen hinauszubefördern.

Wieder einmal brauche ich dringend ein Hotel, eine Dusche, eine Nacht in der ich erholsam schlafen kann. Vorab kam es noch zu einer ausführlichen Diskussion über den Standort meiner Rades in der Nacht. Mein Motto „Nicht ohne mein Rad im Zimmer „ in Hotels zu übernachten, ruft sicher immer Verwunderung, Ablehnung und heftige Debatten unter den meist männlichen, umher stehenden Menschen hervor. Durchgesetzt habe ich mich allerdings bis jetzt immer wieder. Nie würde ich mein Rad vor dem Hotel, dem zu erwartenden Diebstahl, überlassen.

Übelkeit, Durchfall, Darmzwicken halten weiter an. So habe ich nach 7 Tagen Treten, beschlossen mal einen Tag Pause zu machen. Der Tag vergeht im Bett und mit lesen. Aus dem Zimmer bin ich nur gegen Abend gegangen um etwas zu essen. Ansonsten denke ich, ist ja auch in dieser Stadt nicht wirklich etwas zu entdecken.

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Es dauerte lange bis ich endlich aus Palembang raus war. Ich bin es auch müde immer wieder über das Verkehrschaos und dem Smog zu schreiben. Doch es bleibt so schlimm und es gibt weiterhin Momente an denen es noch schlimmer wird. Ich habe den Eindruck, dass jeden Tag alle Indonesier so wohl in meine Richtung als auch mir entgegen, in Bussen, LKWs und Mopeds unterwegs sind. Das Profil der schmalen Strasse ist wellig geworden, so dass es den grossen LKWs oft nicht möglich ist mich zu überholen. Dann tuckern sie lange hinter mir her, hinter ihnen Busse, PKWs und die Massen an KleinLKWs. Bietet sich die kleinste Gelegenheit mich zu überholen nutzen sie diese. Stehen dann allerdings hinter dem nächsten Kleinbus, welcher mitten auf der schmalen Strasse seine Kundschaft ein- und aussteigen lässt. Dies vollziehen die Reisenden in aller Ruhe ihre diverse Handelsware aus-/einladend. Ich fahre seitlich an dem Stau vorbei und so habe ich den LKW nach einigen Minuten wieder hinter mir.

unadjustednonraw_thumb_22e3Ein nachmittäglicher Spaziergang in die nähere Umgebung des Hotels brachte keine neuen Eindrücke von Indonesien. Nirgendwo finde ich einen Platz der Ruhe, einen Park, ein Bank zum hinsetzen, etwas Sehenswertes. Alles ordnet sich dem Verkehr, dem Handel mit chinesischem, grellen farbigen Plastikkram unter. Wer soll nur all diesen Mist, diesen chemieverseuchten Kram kaufen ? Die Landbevölkerung doch wohl eher nicht. Doch die Händler bauen jeden Tag wieder ihre Ware mit der Hoffnung auf Kunden auf.

Städte wie Banten Lama, Penengahan, Banda Lampung, Kota Bumi, Negeri Baru, Kota Baru, Palemberg, Betung, Jambi liegen nun einer mir.

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Einige freundliche Begegnung haben mich heute spontan erfreut. Es hielt ein junger Mann am Strassenrand, winkte mir zu, hielt das Handy hoch und wollte natürlich ein Selfie. Ok, also anhalten und machen lassen. Doch er hielt mir bereits eine Tüte mit einer Flasche kaltem Wasser und einer Packung Keksen entgegen. Da hat das Foto natürlich doppelt Spass gemacht. Ein Motorradpolizist nahm sich dann auch noch die Zeit um neben mir herzufahren, dann den Mut nach einem gemeinsamen Foto zu fragen. Was  machen die bloss alle mit diesen Fotos? Zeigen sie sie am Abend in ihren Freundes-/Familienkreis herum. Schau mal hier, diesen Verrückten habe ich Heute auf der Strasse getroffen. Der fährt bei dieser Hitze und dem Smog mit dem Rad durch unsere Land. Wahrscheinlich so oder so ähnlich wird es wohl sein.

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Die Strasse hat mitunter einen üblem Zustand. Riesige Schlaglöcher, Baustellen mit zig Männern, die dann diese Löcher mit Asphaltsplitt in der Hitze reparieren sollen, ein totales Chaos verursachen bzw. das vorhandene noch vergrößern.

Am Morgen war die Luft noch angenehm frisch. Ausserhalb der Siedlungen mähten Arbeiter die Straßenränder. Es roch nach frischem Gras. Mitunter, aus einigen wenigen Garküchen, auch nach frischem Essen mit Knoblauch und Koriander. Da muss ich mich leider noch zurückhalten, ging es mir ein wenig enttäuscht durch den Kopf, denn Hunger, Appetit verspürte ich mächtig.

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Am frühen Nachmittag zeigte mir ein Blick auf den Tacho, ich hatte 91 km geschafft, dass es Zeit war sich nach einer Unterkunft umzuschauen. Und prompt fuhr ich an einem Schild mit der Aufschrift „Pingagandan“(Unterkunft) vorbei. Also fuhr ich auf den Hof und fragte mit dem angedeuteten Schlafzeichen, ob es hier eine Möglichkeit der Übernachtung gibt. Zwei Typen sassen unter einem Dach auf ihren Lehnstühlen, taten so als hätten sie meine Frage verstanden und luden mich ein Platz zu nehmen. Kalte, selbstgemachte Limonade wurde serviert. Na hoffentlich war das nicht wieder ein Fehler, aber sie war wirklich köstlich kalt und nach ein paar Minuten fragte ich nach dem Preis der Zimmer. 300.000 R zeigte mir der ältere der beiden auf seinem Telefon. Ich liess ein lautes, erstauntes Lachen über seinen Idee von mir seinen Monatsumsatz zu erhalten, ertönen. Korrigierte seine Zahl auf 100.000 R und hielt ihm das Handy unter die Nase. Er schüttelte den Kopf bei meinem, ich bei seinem Preis. Ok, dann also doch noch weiter, wollte gerade aufs Rad steigen, als der wirkliche Besitzer der Unterkunft mir einen Preis von 120.000 R vorschlug. Ok, das war realistisch und bei der Sauberkeit, Größe und dem riesigen weissen Bett des Zimmers mit AC und Fan zu akzeptieren. Also rein, Tür zu, duschen und ein kleines Nickerchen auf dem frischen Bett. Das Prasseln des Regens, der sofort in ein Gewitter mit Blitz und Donner und tropischen Wassermassen überging, machte mich nach wenigen Minuten wach. Alles stand binnen weniger Minuten unter Wasser. Die Abwasserrinnen auf dem Hof konnten das Wasser nicht ablaufen lassen und liefen über. Da hatte ich ja wohl wieder einmal genau die richtige Intuition hier zu stoppen, freute ich mich. Die Massen von Wasser hätten mir nicht nur auf der Strasse eine Abkühlung gebracht, sondern wären wohl auch durch die Taschen / Rucksack gegangen.

Ankunft in Jambi nach 131 km und das ich das Heute geschafft habe, daran habe ich über mehrere Stunden auf der Piste nicht geglaubt. 39 Grad durchgehende Tagestemperatur, vormittägliche Berg- und Talfahrt, Dieselwolken ausstossende LKWs, rücksichtslose auf meiner Spur trotz Gegenverkehr überholende PKW Chaoten, beinahe Unfälle wegen überhöhte Geschwindigkeit auf Wellenpisten.

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Es gibt keine regeln für die Beladung von LKW, ob gross oder klein. Es wird aufgepackt was von a nach b muss. Denn anscheinend gibt es bei der Beladung nur eine Transportmöglichkeit, denn die vielen anderen sind ja auf der Strasse.

Auch Jambi ist wieder eine dieser fürchterlichen, indonesischen Großstädte. Lange vor der Stadt begann der Verkehr merklich noch mehr zuzunehmen. Die Stände, Essen, Reifenwechsel, Schuh-/ Alleshändler, nahmen rapide zu. In den Aussenbezirken finden sich dann Obst- und Gemüsestände und dann kämpfe ich mich wie immer durch den endlosen Chaosverkehr mit beissendem Smog.

Ziemlich platt, durchgeschwitzt und jetzt in Bezug auf die Hautbräunung den Indonesiern schon sehr angepasst, suchte ich mir ein besseres Hotel. Handelte ein wenig mit der Rezeptzionistin um den Preis und checkte ein.

Ansonsten suche ich immer noch die schönen, in allen Reiseprospekten dargestellten und nicht zu findenden Naturschönheiten. Ich komme an keinem Wasserfall, keinem ruhigen Naturpark, keinen sandweissen Strand oder sonst etwas für Auge und Seele erholsamen View vorbei.

Fahre ich nun am Morgen weiter in diesem Wahnsinn, gehe ich zur Immigration-Polizei und verlängere mein Visum ? Ich bin mir am Abend immer sicher, dass ich es auch die Hardcore-Etappe durchziehe. Am Morgen, nach einer Stunde auf den Rad hinterfrage ich dann die Sinnhaltigkeit der Weiterfahrt.

Die Reise, das Erfahren von Ländern, Landschaften, Eindrücken soll mir Freude bereiten und das tut es in Indonesien seit Wochen nicht. Es ist jeden Tag der gleiche Frust, Dreck, Smog, die zunehmende Rücksichtslosigkeit auf der Strasse, das nervende Gehupe. Ich finde hier keine Ruhe, keine Freude an der Strecke, nichts wirklich positives an diesem Landesteil Indonesiens. Es mag in den Touristenspots sicher anders, paradiesischer aussehen. Doch auch das haben Franziska und ich in den Tagen unserer Rundfahrt mit dem Auto nicht wirklich gefunden. So entschieden ich mich, die Qual zu beenden, steige in den Bus nach Dubai, komme so rechtzeitig ausser Landes und muss nicht noch einmal 35 US$ für eine Visumverlängerung bezahlen.

Den Bus-Platz hatte ich schnell gefunden und wie der „Reise-Vorher-Seher“ es wollte, fand ich auch gleich die richtigen Leute, die mir eine Fahrkarte nach Dumai verkaufen wollten. Natürlich musste der Preis noch verhandelt werden, aber auch da wurden wir uns einig, obwohl ich immer das Gefühl habe, dass ich den Ausländer-Bonus immer trotzdem mit bezahle. Irgendwie fand sich dann auch noch jemand der ein wenig englisch konnte und der mir erklärte, der Bus würde um 10:00 Uhr abfahren. Jetzt war es 9:45 Uhr. Welch ein GLÜCK !!!

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Ok, es kam nicht das von mir, dem Fahrpreis entsprechend, erwartete Fahrzeug, ein neuer grosser Reisebus, sondern ein kleiner zerbeulter, röhrender Minibus. Das Rad musste auf dem Dach verstaut werden und unter Mithilfe aller Anwesenden, die mich kräftig mit Ratschlägen von unten unterstützten, zurrte ich das Rad auf dem Dach fest.

Der Bus war nicht voll besetzt, zum Glück, denn alle anwesenden Männer rauchen genussvoll in der kleinen Kabine. Verpackungsmüll, leere Trinkflaschen wurden aus dem Fenster geschmissen. Eine Frau vor mir wache immer mal wieder auf, öffnete das Fenster, holte tief aus ihrem Inneren den Morgenschleim, schaute kurz nach rechts aus dem Fenster und rotzte dann genussvoll hinaus. Anschliessend schloss sie zufrieden das Fenster und lehnte sich weiterschlafend zurück.

Durch jeden noch so kleine Ansiedlung fuhren wir mit lautem Hupen, welches den Leuten bekannt geben sollte, dass der Fahrer noch Fahrgäste aufnehmen würde. Der Fahrer hupte, weil er seine Durchfahrt mitteilte oder er hupte einfach so, weil gerade niemand auf der Strasse war, er aber das Gefühl hatte jetzt wäre ein guter Zeitpunkt gekommen um einmal einfach so aufs Horn zu drücken.

Immer wieder hielten wir an, Menschen stiegen ein, einige aus und dann ging der Bus in eine 2 h Schleichfahrt über. Wir brauchten noch Fahrgäste und der Lenker des Busses wollte wohl niemanden übersehen. So jedenfalls konnte ich mir dieses dahin schleichen nur erklären. Näherten wir uns jedoch einem Ort und vor uns fuhr auch noch ein Minibus, dann begann eine wilde Jagd mit Überholvorgängen, bei denen ich mir die Hand vor Augen halten musste. Egal ob vor einer Kurve, einer Bergkuppe, im Gegenverkehr, er musste unbedingt vor dem anderen Bus im Ort sein. Danach schlichen wir wieder weiter und wurden natürlich von allen Fahrzeugen die wir überholt hatten, wieder an das Ende der Schlange gesetzt.

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Am Ende, es war bereits dunkel, saß nur noch ich in dem Bus und mir schwante, dass der doch nicht wegen mir, dem einzigen Fahrgast, bis nach Dumai fahren würde. Und so kam es dann auch. Wir hielten an einer Garküche in einer größeren Stadt, alle anderen Fährgäste waren weg und der Fahrer deutet mir an, dass er jetzt bis 04:00 Uhr schlafen müsste. Natürlich weigerte ich mich aus dem Bus zusteigen. Er ging weg, beratschlagte sich mit einigen seiner Kollegen die in kurzer Entfernungen standen, kam zurück und zeige zwei Finger, also 02:00 Uhr. Nein ich steige nicht aus, jetzt Heute fahren wir nach Dumai, so ist es vereinbart und bezahlt.

Wütend setzte er sich ans Steuer und stellte den Bus an der Seite der Strasse ab. Im nächsten Moment schoss ein grosser Reisebus an uns vorbei und er wie angestochen raste wie wild mit lautem Hupen, Lichtzeichen gebend hinterher. Ah ok, ich soll also mit dem fahren, dachte ich. Bezahlt wird allerdings nichts. Nach einige Verhandlungen, natürlich wollten sie mehr Geld von mir, das gab es aber nicht, da muss der Minibusfahrer wohl noch etwas von seinem Salär rausrücken, verfrachteten wir meine Sachen in den anderen Bus. Eine halbe Stunde später stand das Rad im Gang des Buses, ich saß mit pitschnassen Füssen, da der Bus zum einsteigen genau vor einer grossen, tiefen Pfütze gehalten hatte, in einem gemütlichen Sitz, die Musik dröhnte mit abartiger Lautstärke und der Bus raste im Dunkel dahin.

Es wird mir immer ein Rätsel bleiben, wieso Busfahrer, auch in Südamerika, Nachts wenn die Leute schlafen wollen und dies auch alle erkennbar tuen, Musik mit 80 dB abspielen müssen und die Klimaanlage auf Tiefkühlkost Schock, stellen.

Die Grenzstadt erreichte ich im Frühen Morgengrauen, da der Busbahnhof weit ausserhalb der Stadt lag, musste ich mich erst einmal durch und mit den morgendlichen Marktverkehr in die Stadt kämpfen. Der Grenzübergang, die Formalitäten verliefen ereignislos und so stand ich am frühen Vormittag wieder in Malaysia, diesmal auf dem Zentralgebiet, wenn man so sagen kann. Ich freute mich riesig, denn sofort umgab mich die Ruhe auf der Strasse, die Rücksichtnahme der Menschen, frische Luft und ein erholsames Umfeld. Komisch, dachte ich, keine 100 m auf der anderen Seite der Grenze tobt der Wahnsinn. Wie verschieden sind doch die Menschen, wie unterschiedlich die Mentalitäten und wie es doch möglich ist, dies alles so leicht abzugrenzen!

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