Noch liegen zwar 189 km bis zur Grenze vor mir, trotzdem möchte ich in Mashhad bereits ein Fazit für den Reiseabschnitt Iran/Islam/Asien ziehen, da es schwer ist in Iran lauf- und nutzungsfäjiges Internet zu finden mache ich es jetzt.

Ich bin nicht der Stadtmensch, schon gar nicht in Iran, und werde mich dann am 22.05.15 an die letzten Kilometer machen. Für die 189 km habe ich dann drei Tage Zeit, könnte also auch rückwärts fahren.

Nach dem Chaos an der Grenze erreichte ich als erste iranische Stadt Maku,

Maku, erste Stadt in Iran

Maku, erste Stadt in Iran

weiter über Marand, Tabriz, Miyaneh, Zanjan, Abhar, Qazvin, Karaaj nach Tehran. Ich habe dann die nördlicher gelegene Route gewählt, weil sie vom Profil und der Landschaft abwechslungsreicher ist. Die etwas südlichere Route über Sabzevar verläuft zwar nicht über Höhenzüge, dafür aber durch Wüstengebiet und davon habe ich ja später noch genug. Also Tehran verlassend auf der 79E Richtung Osten hinter Firuzkuh Überquerung des Kuhha ye Alborz Gebirgszugs mit Guduk Pass auf 2018 m, weiter über Qa’em mit einem Übernachtungsabstecher nach Baboll.

Unser 94jähriger Gastgeber in Baboll

Unser 94jähriger Gastgeber in Baboll

Im weiteren Verlauf über Sari nach Badar Gaz ans Kaspische Meer. Dann folgte ich der 22E weiter durch die Städte Gorgan, Minu Dasht, Bojnurd, Shirvan, Quchan bis nach Mashhad. Eine erster Abschnitt meiner Reise durch einige Superlative. Iran hat in seinem Südlichen Landesteil einen Wüstenabschnitt an dem in den vergangenen Jahre eine absolute Höchstemperatur gemessen wurde. Auch meine Strecke führe bei Mittagstemperaturen von 41 Grad durch öde Landscahften. Noch ist Frühling und so hatte ich doch auch Glück mit der Hitze. So gegensätzlich wie die Landschaften sind auch die Menschen. Ich habe noch nie eine so große Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit und Wissbegierde wie in Iran erlebt. Einen dermaßen nervenden Straßenverkehr allerdings auch noch nicht.

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Der Verkehr auf der Einfahrtsstrasse nach Mashhad verdichtet sich bereits 30 km vorher. Wieder nimmt uns der Chaosstrudel auf und ich muss höllisch aufpassen nicht unter die Räder zu kommen. Natürlich gibt es auch wieder eine brenzlige Situation als ein LKW einem Meter vor mir doch noch rechts abbiegen will? Ich bremse, schreie, fluche und erstarre gleichzeitig, puh diesmal hatte ich wirklich Riesenglück. Natürlich hat der LKW von alldem nichts mitbekommen und fährt auf und davon.
Nervend im Iran ist, von angenommenen hundert Autos in beiden Fahrtrichtungen, 300 mal in allen erdenklichen Tönen, Lautstärken, Abständen und Intensitäten angehupt zu werden. LKW-Fahrer tun sich hierbei besonders hervor, indem sie mit einem gefühlten, seitlichen Abstand von 10 cm, in Wirklichkeit oft nicht mehr als 30 cm, direkt neben uns aufs Horn drücken. Verkehrsregeln und deren Einhaltung, sollte es welche geben sind sie mir nicht begegnet und / oder spielen keine wesentliche Rolle. In Baustellen ist es für Radfahrer besonders gefährlich. Jeder versucht irgendwie an mich vorbeizukommen. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie mich von der Straße abdrängen, mich völlig einstauben oder ich im Dieselruss ersticke. Warnposten die an Baustellen der Verkehr regeln werden ebenso wie Polizisten, die die Fahrer auf Rot an der Ampel aufmerksam machen, ignoriert. Rückwärtsfahren in der Gegenrichtung ist ein richtiger Volkssport. Dabei wird erst einmal an dem eigentlichen Ziel vorbei gefahren, um dann zu bemerken, “oh zu weit ” und dann stur rückwärts gefahren. Auch in diesem Fall musste ich dann immer ausweichen. An Tankstellen wird dies besonders gerne praktiziert. Fahren in Gegenrichtung ist sehr häufig gepflegte Gewohnheit bzw. völlig normal. So muss ich tagsüber sehr häufig den entgegenkommenden Autos und noch mehr den Motorräder zur Fahrbahn hin ausweichen. Überholen bei Gegenverkehr wird mit viel Spaß, asiatischer Gelassenheit und völlig überhöhte Geschwindigkeit von LKWs, Autos und Motorrädern in Vollendung praktiziert. An großen Kreuzungen stehen auf Gerüsten völlig zertrümmerte Autos.

Abschreckung, die leider nicht hilft

Abschreckung, die leider nicht hilft

Wenn dies als Abschreckung dienen soll, dann zeigt das jedenfalls keine Wirkung. Im iranischen Fernsehen werden Filme von den täglichen Verkehrsünden gezeigt, helfen tut dies meiner Meinung nach wenig. DIE RÜCKSICHTSLOSIGKEIT UND DER VERKEHR NERVT!!!!

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Andererseits ist die Herzlichkeit der Iraner immer wieder überwältigend. Ich werde ständig angesprochen, beschenkt, eingeladen, soll mehrere Tage als Gast bleiben und sehen Enttäuschung in den Gesichtern, wenn ich das leider ablehnen muss. Immer wieder werde ich gefragt:” Was denkst Du über uns Iraner? Was wissen die Menschen in Deutschland über die Menschen in Iran?” Ich will mich an dieser Stelle nicht über die Regierungen und ihr Tun äußern. Mit dem Menschen in Iran hat das aber alles nichts gemein. Die Gastfreundschaft überwiegt und alle die an wirkliche Abenteuer und ehrlichen, authentischen Menschen interessiert sind, sollten in Iran Urlaub machen. Ja, eine Infrastruktur bzgl. Tourismus ist noch nicht wirklich überall vorhanden, aber genau deswegen erfährt man die unverfälschte Herzlichkeit und traditionelle Hilfsbereitschaft. Selten habe ich erlebt, dass mir nicht weitergeholfen wurde. Wenn es der Angesprochene nicht konnte, hat er jemanden organisiert, der Hilfe anbot. Es ist für die Iraner eine Selbstverständlichkeit die oft über die eigenen Möglichkeiten hinaus geht zu helfen, Essen und Übernachtung anzubieten. Ich habe für jede Stadt Adressen zur Übernachtung bekommen. Als ich die Tradition der Hilfeleistung erkannte, habe ich oft ein schlechtes Gewissen gehabt, da die Familien nur durch einen Anruf eines Bekannten von mir erfahren haben. Aus der iranischen Tradition heraus dürfen sie aber die Hilfe nicht ablehnen. Ganze Familien sind zu ihren Bekannten gezogen, damit wir, in Hashgerd zu fünft!!!, in ihrem Haus übernachten konnten.

Beim deutschen Schrotthändler Scholz in seiner iran. NL

Beim deutschen Schrotthändler Scholz in seiner iran. NL

Viele andere Gegensätze machen das Land aus. Die häufigen Kontrollen der Polizei. Die regional sehr unterschiedlich gehandhabten Religionsregeln. Allerdings immer musste ich, wenn ich nicht auf dem Rad saß, lange Hosen anziehen. Es gibt Städte da tragen die Frauen ihr Kopftuch auf den hintersten Haarzipfel auf dem Kopf. In Quchan war die Häufigkeit der mit langen schwarzen Körperschleiern verfüllten Frauen doch wieder sehr prägend im Straßenbild.

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Mit der Sicherheit, der Versorgung mit Essen und Wasser gab es überhaupt keine Probleme. In Städten wie Terhan, Baboll, Tabiz, Mashhad usw. habe ich bedenkenlos das Wasser aus der Leitung getrunken. Natürlich habe ich immer besonderes Augenmerk auf mein Rad und die Ausrüstung gelegt und ja es sind auch bei den anderen Radfahrern und bei mir einige Dinge abhanden gekommen, aber das kann man getrost vernachlässigen. Immer wurde mir bestätigt und so war es dann auch, dass die Sachen sicher sind und sie selber auf diese achten. Das Essen in Iran ist lecker und regional abwechslungsreich. Durch die zahllosen Übernachtungen bei iranischen Familien habe ich viele traditionelle Gerichte essen können. Alles war äußerst schmackhaft und immer reichlich.

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Viele, viele Freundliche Menschen habe ich gefunden, einige sind zu Freunden geworden und werden mir weiter auf meiner Reise die Daumen drücken. Hoffentlich werde ich sie irgendwann einmal in Deutschland begrüßen können.

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