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Mmmmh, bewirkt kaltes Wasser Haarausfall?

Kaltes Wasser aus den Bergen machte mich jeden Morgen wach und erfrischte über den Tag vorzüglich.  Ich hatte früh am Morgen ein Dorf auf der linken Flußseite erreicht. An einer Kreuzung ging es rechts über eine Brücke über den Fluss zur anderen Dorfseite. Irgendwie registrierte ich das nicht, auch nicht die Flagge die auf einem Gebäude wehte. Wie gesagt, die Sache mit dem Wald und den vielen Bäumen. Also fuhr ich weiter auf der linken Seite bergan.  Glücklicherweise haben zwei Frauen solange hinter mir her gepfiffen, dass ich mich dann doch irgendwann nach ihnen umdrehte. Sie winkten mir aufgeregt zu und so ich fuhr zu ihnen zurück. Sie deuteten auf die andere Seite des Flusses. Ich muss über die Brücke. Dort ist der Weiterweg. Hier ist falsch!!!, verstand ich. Oh man, da hatte ich wirklich Glück gehabt. Schlechter Tagesbeginn, wenn ich stur weiter gefahren wäre. Mein Dank fiel entsprechend herzlich aus. Also wieder zurück und über die Brücke. Das Haus mit der Fahne war der Kontrollpunkt und der eigentliche Beginn des PHW.

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Schnell waren auch die Dorfkinder zur Hilfe da.

Die Polizisten langweilten sich, spielten mit ihren Pistolen rum. Ich hatte mir bei anderen Strassenkontrollen, von denen es unterwegs genügend gab, angewöhnt immer locker auf die Leute zu zugehen und die Sache mit Scherzen zu entkrampfen. Der Kontrollposten ging auf meine Scherze ein und fragte neugierig die üblichen Fragen. Nebenbei telefonierte er ununterbrochen und versuchte in dem Registrierbuch Striche für neue Spalten einzuzeichnen. Drei Dinge auf einmal, völlige Überforderung!!! Das Telefonat schien wichtig zu sein, die Daten konnte er nicht eintragen, weil die Striche fehlten, also zog sich die Sache hin. Es standen ja auch noch zwei andere Polizisten im Raum. Die allerdings rauchend auf der Fensterbank saßen und für den Spalteneinzeichnungsvorgang null Interesse zeigten. Irgendwann übernahm ich das dann mit den Spalten-strichen, alle freuten sich und der Spaltenzeichnungsverantwort-liche konnte in Ruhe telefonieren. Die Verabschiedung war dann auch entsprechend herzlich und nun war ich auch offiziell ab 09:00 Uhr auf dem PHW registriert.

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Gut das darauf hier noch einmal hingewiesen wird !

Die Piste war übelst und es ging gnadenlos im zweistelligen % Bereich  bergan. Meine Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei 5 km/h. Da wo es ging, meine Konzentration nicht auf die Piste gerichtet war, schaute ich angstvoll nach hinten. Wenn mich jetzt eine Schnecke überholt, (Kerstin, du weisst wovon ich rede) muss ich sie ziehen lassen. Ich hatte Glück, wohl aber nur, weil die Luft für Schnecken zu sauerstoffarm war. Völlig alleine, in absoluter Stille kämpfe ich mich bergauf. Wenn das der Anfang des PHW ist!!! was erwartet mich dann noch? Was ist hier High? Die Qualität der Piste kann es nicht sein und die Höhe kommt erst noch!? Als meine Wasserflaschen leer waren, beantwortete sich die Frage nach dem High von alleine. Die Wasserqualität, genau! Was für ein Luxus anhalte zu können, die Flaschen in einen Gebirgsbach zu halte und kaltes, kühles Wasser ohne Bedenken trinken zu können. Hier oben gibt es keine Dörfer, Wasserverschmutzer oder sonst was! Die Menschen die hier leben, hier unterwegs sind brauchen die Natur und achten sie. Eine Nomadenfamilie die ich an einer Quelle traf machte mir das sofort deutlich.

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Komme mir nicht zu nahe, ich ruhe mich nicht aus!

Stunden vergingen, in meinem Kopf waren alle Fragen nach dem Sinn gestellt, alle Zweifel an der Sinnhaltigkeit aufgeführt, und trotzdem gab ich nicht auf. trampelte schweissüberströmt einfach weiter. Schön wenn dann Menschen auftauchen, die mich aus meiner Gedankenwelt weckten.

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Freundliche, wissbegierige Moslime.

Nach vielen Fragen, erstaunten Blicken, bekam ich frisches Obst und  nach einem Gebet, ihren Segen für mich. Sie strichen sich mehrfach durch die Bärte, murmelten all akbar, grüssten mich herzlich und wir fuhren unserer Wege. Ein gutes Gefühl stellte sich ein. Was sollte mir nun noch passieren ?

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Gegen öffnete sich das bisher enge Tal etwas und unterhalb der  Strassenkehre stand auf einer Wiese eine grosse Viehherde. Natürlich hatte mich mich die Hirten, sie lagerte im Schatten von Sträuchern und der Kühle eines Baches, längst gesehen. Selbst wenn ich gewollt hätte, aber wozu? hätte ich nicht weiterfahren können. Gerne stieg ich, ziemlich entkräftet, vom Rad und setzte mich zu ihnen in den Schatten.

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Freundliche, wissbegierige Menschen. Das Leben ist ziemlich einfach und karg für sie. Trotzdem haben Sie gerne von dem abgegebenen was es zu essen gab. Brot, Ziegenfleisch, Fettgebackenes und Tee mit  vielen großen Zuckerstücken.

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Wieder wurden meine verschütteten Russisch-Kenntnisse aktiviert und wir freute uns gemeinsam über unser Verstehen. Was braucht es mehr zwischen uns Menschen? Doch immer nur Verständnis, Neugierde, Offenheit für den, die Anderen, die gar nicht so anders sind, wie wir selbst. Auch sie wollen in Ruhe leben, Kinder groß ziehen, das Leben geniessen und sind wissbegierig! Ich steckte mich mit naja übertrieben, mit …”dickem Bauch…” im kühlen Schatten aus, schloss die Augen. Wieder hatten mich Menschen ohne Ressentiment in ihre Mitte aufgenommen.

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Die Herde war ziemlich groß und die Hierarchie klar aufgeteilt. Die Frage nach einem Gewehr bzw. einer Pistole wegen der Bären erstaunte mich, musste ich allerdings verneinen. Ihr Gewehr hing schussbereit über ihrem Chef im Baum. Bär hin, Bär her,  irgendwann musste ich weiter und es ging???  jo, weiter bergan.

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überwältigendes Vorgebirge

Nachteilig wir sich natürlich die Essenaufnahme auf Vorkommen aus. Die Pausen zwischen den Spitzkehren wurden am Nachmittag zahreicher, zeitlich länger. Positiv dabei, ich mache mehr Fotos. Voller Erwartung blickte ich immer wieder bergan. Da ist der Scheitelpunkt. Ich bin gleich oben.

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Schnee, meterhoch. Bringt Kühlung. Schmelzwasser weicht die Piste auf.

Die Quälerei hat erst einmal ein Ende. Ein Blick auf den Höhenmesser brachte Ernüchterung. Noch sind es 800 Höhenmeter, dass kann noch nicht der Scheitelpunkt sein. Wieder öffnete sich ein Seitental und wieder  konnte ich meinen Weg kilometerweit voraus, bergauf erblicken. Nach 7 h erreichte ich die Passhöhe.

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Khaburabot Pass

Von null Höhe auf 3.252 m an einem Tag. Mir dröhnt der Kopf, leichter Schwindel zwingt mich zu ruhigen, kleinen Bewegungen. In völliger Ruhe geniesse ich die erst erreichte Passhöhe. Mein Blick geht weit, geht in alle Richtungen über schneebedeckte Gipfel bis zum Horizont.

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Lange kann ich die Sicht nicht geniessen. Ich muss runter von der Höhe, runter bedeutet Konzentration für jeden Meter. Die Piste ist eine Katastrophe. Keinen Meter kann ich das Rad rollen lassen. Ich stehe in den Pedalen, versuche für das Rad, für meine Knochen, den schonvollsten weg zu finden. Oft gibt es keinen. Stunde um Stunde schleiche ich bergab. Ich bin hochkonzentriert und achte auf jedes Geräusch des Fahrrads.  Während einer Pause entdeckte ich den gebrochenen Lowrider vorne links.

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auch talwärst ein beeindruckendes Panorama

Bis zum Kontrollpunkt, einige Kilometer vor Kalaikhum, gibt es keinen Meter zusammenhängende Asphalt. Endlose Serpentinen ins Tal auf Schotter. Gut das ich den Weg nicht hoch musste. Hinter dem Kontrollpunkt entwickelte sich der Fluss zu einem reißenden Strom. Welche Wassermassen da jetzt zusammenkommen. Wild, mit hohen Schaumkronen, von den Felswänden eingezwängt, schiessen die Wassermassen und ich parallel auf der Strasse zu Tal.

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10 km sollen es noch bis nach Kalaikhum sein, so die Aussage des Kontrollpostens. Gleich an der Einfahrt nimmt mich ein Guide in Beschlag. 15$ für Zimmer mit Abendessen und Frühstück. Ich hatte keine Lust mehr zu feilschen. Schnell noch über die Brücke, dann rechts und ich hatte mein Zimmer, eine Dusche und ein kaltes großes Bier.

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Was für ein Tag? Der Akku ist leer!

Откуда ты? ….und wo will ich noch hin?

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