21.08.- 04.09.2015 – 184. – 198. Tag

Kyoto : Kumamoto

Es hat die ganze Nacht geregnet und alles ist nass und/oder klamm. Gegen Mittag erreiche ich Nara. Nara war noch vor Kyoto Kaiserstadt und das sieht man auch sofort an der Struktur der Tempelanlagen. Alles ist noch weitaus monumentaler, weitläufiger und natürlich viel älter. Die Paläste sind riesig und zeugen von der damaligen Macht der Herrscher. Innerhalb der Tempelanlagen geht es viel ruhiger zu als in Kyoto. Wenige Touristen sind zu sehen.

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An den Aussenwänden sind viele Bilder mit Schriften zu bestaunen.

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Auf dem Hauptweg, vom Eingangstor zum Tempel, sind dann doch all die Tagestouristen in grosser Anzahl vorhanden. So mache ich mich dann doch schnell wieder auf die Strasse und den Tipp einer Japanerin.

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In Kashihara treffe ich auf eine weitere riesige, allerdings im Vergleich zu Nara sehr moderne Tempelanlage.

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Dann  weiter Richtung Wakayama. Gegen Abend wie üblich Essen kaufen, einen Schlafplatz in der Nähe der Strasse suchen.  Ein schmaler Asphaltweg, eine schnelle Entscheidung und ich finde einen super Platz neben einem Gartenstück. Kurz vor dem Einschlafen grunzt es gewaltig neben dem Zelt. Puh, was ist das denke ich und springe aus dem Zelt. Ich will mich nicht im Zelt von etwas unbekanntem überraschen lassen. Ich stehe im Draußen, im Rücken einen Baum und starrte in die Dunkelheit. Nichts zu sehen und auch nichts wahrzunehmen. Habe ich das geträumt oder gar selber im Einschlafen gegrunzt?  Noch einige Minuten starre ich in die Nacht, in die Richtung, dann verziehe ich mich wieder ins Zelt. Wird schon weitergezogen sein das Monster, denke ich und schlafe schnell ein.

Auf dem Weg nach Wakayama komme ich an einem „ Japan Children Tanzfest“ vorbei, bleibe und mache viele Bilder. Gruppen junger Mädchen und Jungen, in traditionellen, japanischen Trachten tanzen phantastisch und begeisternd.

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In Wakayama heisst es dann mal wieder auf eine Fähre umsteigen. Den Hafen finde ich dann auch nach kurzer Zeit, kaufe ein Ticket und bin kurze Zeit später auf der Fähre. Reisen in Japan,  so einfach, alles ist immer rund herum fertig organisiert.

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Die ein wenig, schaukelnde Fähre, ein Horror für mich und so versuche ich mich ausschließlich auf das Schreiben im Tagebuch zu konzentrieren, nicht aus dem Fenster zum Horizont zu schauen und so schnell die Stunden vergehen zu lassen. Gegen 18:00 Uhr sollen wir, und da bin ich mir sicher, werden wir auch, pünktlich in Tokushima ankommen. dann geht es weiter quer durch die Shikoku Region Richtung Westküste zum nächsten Fährhafen.

garten
japanische Akribie
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Der Chef..
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..seine Frau..
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…und Tochter, alle verrichten die Arbeit ohne Maschinen.

In den letzten Tagen habe ich mich etwas an die gleichbleibende Tageshitze gewöhnt. Heute erfahre ich dann auch noch eine schöne kühlende Einladung. Ich komme am Nachmittag an einem Strassenfest vorbei und werde, wie ich später erfahre eine japanische Spezialität, zu kalten Nudeln-Essen eingeladen. Neben der Strasse haben die Leute einen halben Bambusstamm auf zwei Dreibeinen gelegt, herum stehen eine Menge Leute und fischen mit Stäbchen Nudeln aus der Stammhälfte. In dem Stamm läuft  kaltes Wasser herunter und befördert so die Nudeln nach unten und kühlt sie dabei ab. Dazu gibt es gegrillten Tofu, Kartoffeln und “irgendetwas”, dass ich allerdings auch nach ausführlichen Erklärungen vom Ges Hack her, nicht interpretieren kann. Der Laden stellt wohl sonst dieses “irgendetwas” her und hat zu diesem Fest eingeladen. Mir wird gleich eine Schüssel mit Sosse, ein Teller mit Tofu und ..?.. gereicht. Auf jeden Fall habe ich Hunger, alles zusammen schmeckt und vor allem kühlt von innen.

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Nudelleitung
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Herrlich
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köstlich
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mit “Irgendwas”

Wieder einmal fahre ich bis in die Dunkelheit, irgendwo zwischen Saijo und Toon, und muss mich so nach einem Schlafplatz umschauen. Ein kleiner Asphaltweg führt links einen Hang hinauf und endet im Nichts. Für mich genau richtig und so baue ich im Dunkeln mein Zelt auf, sitze anschliessend auf dem warmen Asphalt, geniesse mein Abendbrot und schaue in den Sternenhimmel.

Richtung Sadamisaki, zum nächsten Hafen in Richtung Kumamoto, geht es die weiterhin nur bergan. Ich fahre auf einer schmalen Halbinsel und die Strasse wurde in die Berghänge mit allen vorhandenen Strukturen gebaut. Ich höre irgendwann auf die Tunneldurchfahrten zu zählen und bin am Abend ziemlich am Ende mit meinen Kräften.    Vom Schweiß und Dauerregen pitschnaß erreiche ich den Hafen und erfahre, dass der Hafen wegen eines nahenden Taifun geschlossen ist.

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menschenleere Strassen
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gesperrter Hafen
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wildes Meer
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am Horizont kommt die Regenflut

Auf jeden Fall gibt es für die nächsten Tage keinen Fährverkehr. Wann der wieder freigegeben wird wissen die Leute auch nicht. Ok, nun sitze ich erst einmal fest. Aber ja, es ist auf jeden Fall besser den Taifun an Land abzuwarten. Ich möchte nicht mit einer Fähre auf dem Meer unterwegs sein!!!

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dicke…
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schwarze Gewitterwolken,
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bringen noch schneller Dunkelheit über den Ort

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Die Mitarbeiter im Hafen helfen mir noch schnell irgendeine Unterkunft zu finden, dann sind auch sie nicht mehr zu sehen. An allen Häusern zur Meerseite hin sind Türen, Fenster und Tore mit Brettern verrammelt. Sandsäcke liegen vor den Häusern, die Hochwassertore sind ges schlossen, niemand ist auf der Strasse. ansonsten ist es erstaunlich ruhig. Mich treibt der Hunger allerdings doch noch einmal raus in den Wind. Ich suche in den kleinen Gassen nach einen Laden, ich brauche noch etwas zu Essen, etwas zu Trinken. Zwischen den dicht zusammenstehenden Häusern gibt es nur Fusswege. Hier müssen sich die Nachar verstehen, denn zwischen den Hauswänden ist der Abstand mitunter weniger als einen Meter. Ich finde einen Supermarkt, doch leider schon geschlossen. Inzwischen ist es stockdunkel und der nächste Markt, etwas ausserhalb des Ortes hat nur ein ländliches Angebot. Ich finde Lebensmittel zum Sattwerden und mache mich auf den Rückweg zur Unterkunft.

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komischer Brauch mit den kleinen Skulpturen. Na vielleicht auch ein Wetterschutz

In der Nacht rüttelt der Wind tüchtig an dem Haus. Mehrfach werde ich wach und schaue aus dem Fenster. Starker Regen peitscht durch die Nacht.

Um 06:00 Uhr weckt mich die elektronischer Variante von „Sah ein Knab ein Röslein stehen.“ Verrückt diese Japaner. Was das bedeuten soll, bezwecken soll, bekomme ich leider nicht raus.

Der Taifun hat die ganze Nacht gewütet. Die Fensterscheiben habe tüchtig gewackelt, aber zum Glück gehalten. Am Morgen ist allerdings noch der ganze Himmel dunkelgrau. Es wird nicht richtig hell. Die Sonne ist nicht zu sehen und das Meer ist windgepeitscht und aufgewühlt. Mein erster Gang in den Ort führt mich zum Hafenbüro. Heute wird keine Fähre fahren, erfahre ich auf meine Frage nach der nächsten Fähre. Morgen vielleicht. Keiner der Mitarbeiter weiß etwas genaues. Entschieden wird das Morgen um 06:30 Uhr, wenn ich das richtig verstanden habe. Um 07:30 Uhr soll die erste Fähre abfahren. Ich laufe durch die menschenleeren Strassen, Gassen. Ein, zwei Männer sind am Hafen und schauen nach ihren Booten.

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Kein Auto ist auf der Strasse. In den Gassen hinter dem Hafen treffe ich einige Frauen die kleine Schäden an den Häusern beseitigen. Großer Schaden ist wohl zum Glück nicht entstanden.

Am Nachmittag hat der Wind die dicken, grauen, tiefliegenden Wolken weggeblasen. Hat einige Löcher für ein paar Sonnenstrahlen geöffnet und die See ist fast ruhig.

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Die Überfahrt klappt am heutigen Morgen und nach zwei weiterhin regenreichen Tagen treffe ich in Kumamoto bei Mika, einer japanischen Freundin, ein.

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die Ebene des Mt. Aso
Mt. Aso, ein aktiver Vulkan, leider ohne Sicht
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der Mt. Aso in dicke Regenwolken gehüllt

 

Hier erfahre und geniesse ich die umwerfende Freundlichkeit der Familie. Es vergeht kein Tag an dem ich nicht mit Essen förmlich überschüttet werde. Es sind ruhige Tage an denen ich durch Mika viel Hintergrundwissen über Traditionen in Japan bekomme. Ich habe Zeit notwenige Reparaturen am Rad auszuführen und mache mich dann nach der wundervollen Erholungsphase wieder auf den Weg. Mika hat mir unbedingt noch Hokkaido empfohlen. Wieder andere ich kurzentschlossen meine Route, suche mir meine neuen Anlaufpunkte, Nagasaki, Fukuoka, Tokio, Sapporo, zusammen und los gehts.

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Mika, eine schöne Zeit
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wir suchen ihre Eltern
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hier irgendwo

Nach den vielen heissen Tagen, jetzt nicht enden wollende Regentage. Von ständiger Näße aufgeweicht erreiche ich Nagasaki. Es regnet in Strömen und ich beschliesse noch einen Tag in Nagasaki zu bleiben. Nagasaki, die zweite japanische Stadt auf die die USA eine Atombombe aufgeworfen haben. Danach war auch endlich für die japanische Regierung das erfahrene Leid der Zivilbevölkerung so gross, dass sie ihre Kapitulation gegenüber den USA erklärten.

passt

In Nagasaki ist nicht so ein Rummel wie in Hiroshima.

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Friedenstempel, die beiden Monumente sind aus den Trümmer errichtet

Eigentlich deutet nichts bzw. nicht viel auf den Abwurf und die Zerstörung durch die zweite amerikanische Atombombe hin. Viele sehr alte Tempel-anlagen sind im Original erhalten und zu besichtigen.

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verwitterte Grabskulpturen
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strömender Regen von den Dächern
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Frauen im Buddhismus
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altes Tempeltor

 

Weiter geht es an der Küste entlang auf vielen Nebenstrassen Richtung Fukuoka. Ich versuche immer wieder die großen Strassen zu meiden, denn es nervt doch schon, wenn minutenlang ein LKW dicht hinter mir herfährt, nicht überholen kann und der Fahrer genervt ist. Auch bei den vielen Tunneldurchfahrten, teilweise von über einen Kilometer Länge, bin ich immer sehr angespannt und hetze durch die Röhre. Gibt es nur eine Röhre für beide Richtungen und sind die Fahrrichtungen in der Mitte durch Kegel getrennt, kann u./o. will mich keine Auto überholen. Der Stau hinter mir ist dann entsprechend. Wie gesagt, all dies ruft eine gewisse Anspannung in mir hervor und das möchte ich vermeiden. Also Nebenstrassen nutzen.

Gegen Mittag stehe ich am Hafen in Fukuoka und erfahre, dass von hier aus keine Fähre Richtung Osaka/Tokio verkehrt. Ich muss nach Kyūshū (Kokura), auf die Inlandseite zur Suõ Nada-See. Das sind ca. 70 km. Gegen 16:00 Uhr merke ich, dass ich einen falschen Ort auf der Karte ausgewählt habe. Nun finde ich auf der Karte den richtigen Hafen und muss 18 km zurück fahren. Seit 3 Stunden fahre ich im Regen. Dieser wechselt zwischen Niesel- und Starkregen und ich bin seit Stunden pitschnass. Auch warmer Regen ist irgendwann nicht mehr schön und die Route kann ich auf dem Handy nur im geschützten Bereichen kontrollieren. Dadurch verfahre ich mich in dem Strassengewirr der Stadt noch einige Male. Inzwischen ist es dunkel, die Autos fahren größtenteils mit Licht, aber auch nicht alle und so fahre ich halt auch ohne Licht im Dunkeln weiter.

Als ich den Hafen erreiche ist es stockdunkel, ich finde allerdings schnell den richtigen Dock. Vor der Fähre stehen Hafenarbeiter und fragen, ob ich noch auf die Fähre will, dann allerdings müsste ich mich sputen. Ich erfahre, dass das die Fähre nach Tokio ist, dann eben Tokio und ja klar will ich mit. Bitte nicht ohne mich ablegen rufe ich ihnen zu, stürzte die Treppen hoch zum Office. Warum liegt das denn im zweiten Stock? Meine gewässerten Schuhe und Socken hinterlassen auf dem Teppich eine Spur, gut dann finde ich schnell wieder zurück! Schnell kaufe ich ein Ticket, springe die Treppen runter, renne zum Rad. Ein Hafenarbeiter wartet schon, weist mir den Weg hoch über eine Autorampe zum Eingang der Fähre, es regnet in Strömen, die Metallrampe der Fähre ist nass und dadurch rutschig, mir rutscht das Rad hinten weg. Da fehlt nun nach 13.000 km doch schon einiges an Profil. Schnell und rechtzeitig fange ich das Rad auf der Rampe ab, schaue links neben der Rampe ins tiefe, schwarze Wasser. „… ach nö nicht da rein“, denke ich. Bin in der Fähre, ein Mitarbeiter weist mir den Platz für das Rad zu, eine Sirene ertönt, die Klappe schliesst sich, ich bin drin und die Fähre legt ab. Wie immer in Japan auf die Minute pünktlich. Gewartet hätten die nicht auf mich.

Im Parkdeck sammle ich meine Sachen für die Nacht zusammen, alles ist nass. Wasser sucht sich und findet doch irgendwann einen Weg. Oben auf dem Passagierdeck wartet schon den nächste Mitarbeiter und bringt mich zu meiner Kabine. Oh man, war das knapp. Ich setzte mich erst einmal auf den Boden und atme tief durch.

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Natürlich gibt es, wie immer auf grossen japanischen Fähren auch hier wieder einen Wasch-/Poolbereich. Absolut phantastisch, herrlich. Ich liege in einem Becken mit heissem Wasser, die Fähre macht ruhige Fahrt und ich schaue aus dem Fenster in die Nacht. Weit hinten verschwinden die letzten Lichter von Kyūshū (Kokura) Einige Minuten später ist alles stockfinster.

Essen und Getränke gibt es aus dem Automaten und danach falle ich erledigt in die Koje.

Mein Kabinennachbar spricht ein wenig englisch und so erfahre ich, dass wir zwei Tage bis nach Tokio brauchen. Am nächsten Tag gegen Mittag, wir haben die Sto Inlandsee durchquert, erreichen wir den ersten Anlegepunkt auf dieser langen Fahrt. Tokushima auf der Insel Shikoku. Wenn ich mir meine japanische Strecke auf der Karte anschaue, fahre ich doch schon ein wenig im Kreis. Leider liess es sich nicht anders planen. Bei meiner Ankunft in Fukuoka war Mika noch nicht in Kumamoto. Also bin ich über Hiroshima, Kyoto, Nara, Wakayama (Fähre), Tokushima, Sada-Misaki (Fähre), Usuki nach Uki gefahren um Mika zu treffen. Den vielen Empfehlungen folgend, habe ich mich dann für Hokkaido entschieden. Ab Tokio wird es dann ja eine neue Route. Von Tokio, auf Honshū, der größten der japanischen Inseln gelegen, führt die Fährverbindung nach Hokkaido auch an Fukushima vorbei. Auf der Karte ist ein 20, 50, 100 km Ring der radioaktiven, kontaminierten Zone eingetragen. Den 100 km Ring durchkreuzt die Fähre :- | Für den Rückweg muss ich mir da noch etwas einfallen lassen.

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Um 11:50 Uhr legt die Fähre aus Tokushima, minutenpünktlich, ab. Es regnet seit heute Morgen ohne Unterlass. Schaue ich aus dem Fenster steht das Wasser zentimeterhoch auf dem Deck. Nur nicht zu lange rausschauen, schnell wieder den Blick nach innen, nicht auf den Horizont richten, sonst kommt die Übelkeit. Aber der Blick zum Horizont ist auch durch die tiefen Regenwolken gar nicht möglich. Alles ist grau, verschleiert, nass und äh.

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Ankunft in Tokio und die Info, dass von Tokio keine Fähre nach Hokkaido verkehrt. Um 5:40 Uhr stehe ich alleine im Hafengebäude. Kein Mensch ist zu sehen. Bis auf einen Asiaten, den ich schon von weitem als Chinese identifizieren kann und nicht fragen brauche. Später erfahre ich, dass der Betrieb vor drei Jahren eingestellt wurde. Ein weiteres Zeichen der Krise in Japan?! Viele andere sehe ich auch. Geschlossene Gewerbegebiete, leerstehende Industriekomplexe usw.

Der nächste Hafen ist in  Oarai, einer Stadt an der Ostküste. Ich frage sicherheitshalber auch noch einmal in einem Hotel nach. Bekomme allerdings die selbe Auskunft. Also auf nach Oarai. Der Verkehr in Tokio ist schon etwas anderes. Es wird weniger rücksichtsvoll gefahren. Ich werde dicht überholt und auch des öfteren geschnitten. Viele Autofahrer blockieren mir die Durchfahrt bis an die Ampel und so muss ich immer wieder auf die nächste Spur ausweichen. Am Vormittag regnet es leicht, da ich aber ziemlich lange unterhalb der Hochstrassen fahre, bekomme ich nicht all zuviel davon ab. Ja, von den Hochstrassen gibt es jede Menge. Auf riesigen Beton- oder Stahlpfeilern und Stützen winden sich die Asphaltbänder durch die Stadt. Allerdings sind dies natürlich alles Express-Strassen und für mich nun auch wirklich gesperrt. Ich denke, hier würden die Tokioer dann doch Alarm schlagen.

Leicht ist es nicht in den Vororten auf dem richtigen, vom GPS vorgegebenen Weg zu bleiben. Immer wieder muss ich mir Alternativen suchen, da das System mir immer den Expressway vorschlägt. Gegen 15:00 Uhr erreiche ich Oarai, kaufe mir das nächste Ticket und das notwendige Essen für die anderthalb Tage auf dem Schiff.

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Um 17:00 Uhr soll der Check-In starten und pünktlich um 16:50 Uhr ziehen schwarze Gewitterwolken auf. Es donnert, blitzt und kracht. Dann bricht auch der Regen los und ich renne mit dem Rad die Rampe hoch um nicht wieder völlig nass zu werden. Das ist leider nicht im Sinne der Hafen-/Schiffsmannschaft. Sie hatten den Einstieg noch nicht freigegeben. Es war ja noch nicht 17:00 Uhr!!! Aber da lasse ich mich nicht drauf ein. Ich stehe doch nicht im Gewitterregen vor der Ladedrucke und traue mich nicht ins Trockene. Eine kurze Diskussion beendet ihre Einsprüche und wenig später können dann auch die durchnässten Motorradfahrer nachkommen. Die hatten sich allerdings nicht getraut und standen im Starkregen draussen.

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Und dann “ICH WERDE VERRÜCKT!!!” Ein Badebereich mit SAUNA!!! Wirklich in dem Bereich gibt es zwei grosse Tauchbecken und eine grosse Sauna. Wie herrlich ist das denn. Natürlich nutze ich alles ausgiebig und fühle mich sauwohl. Am Abend beim Essen komme ich noch mit einem Tokioter ins Gespräch. Er ist Modedesigner und erzählt mir viel vom Tokioter Untergrund und das Tokio schon eine ziemlich verrückte Stadt ist. Der Typ sieht auch ein wenig verrückt aus. Wir sitzen beide vor einer Flasche chilenischen Wein und ich denke, ja Tokio Untergrund, das hätte ich mir auch mal gerne angesehen. Leider werde ich dort nicht so schnell wieder hinkommen.

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