Borneo j

Gesamtroute von Kota Kinabalu nach Kuching

20.11.- 28.11.2015 / 275.- 283. Tag

Sabah Malysia j

erster Abschnitt von KK nach Brunei-Darussalam

28 schlimme, quälende Stunden liegen bei meiner Ankunft in Kota Kinabalu hinter mir. Zu meiner Erkältung kam nun auch noch wieder einmal eine Magen-/Darminfektion dazu. Die Ursache kann ich nur vermuten, bringt aber nichts. Die Wirkung ist allerdings gravierend. Schon als ich im Flieger nach Singapur sitze, merke ich wie mein Körper sofort begonnen hat zu kämpfen. In Airport von Singapur waren die Krämpfe dann bereits so extrem, dass ich mir bewusst machen musste, dass mich die 13 h Wartezeit ziemlich auszehren würden. Also warum auch nicht mal den Comfort dieses Megaairports nutzen? Und so habe ich mir für die Nacht ein Zimmer gebucht. Schlafen konnte ich schlecht bis gar nicht. Ständig musste ich, von Krämpfen geplagt, zum WC rennen. Gegen Morgen konnte ich dann, von eigenartigen Träumen begleitet, etwas schlafen. Um 07:00 Uhr war dann die Nacht vorbei, schnell duschen und dann zum Gate.

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Singapur Airport

Singapur  ist ein so riesiger Airport, doch davon spüre ich überhaupt nichts. Alles ist total ruhig, die Menschen bewegen sich ohne Hektik, rücksichtsvoll, freundlich zueinander, von a) nach b). Wenn ich da an Istanbul denke, was da für ein Chaos, ein Stress herrschte, beeindruckend. Nach 2 h Flug sollen wir dann in Kota Kinabalu ankommen. Auf die Zusage hoffend, ist dann auch mein Gepäck am Zielflughafen vorhanden.

Was mir als erstes nach meiner Ankunft auffällt in KK ist die Ruhe! Auf der Strasse ins Zentrum, es herrscht wieder Linksverkehr, habe ich den Eindruck alleine zu sein. Aber es fahren schon jede Menge Autos, nur keiner hupt und die Mopeds haben normale schalldämpfende Auspuffrohre. Keine jagt, wie in den Philippinen alle, über die Strassen. Selbst im Zentrum von KK, wenn ich aus dem Fenster des Hotels schaue, ist von dem Verkehr nichts zu hören. PHANTASTISCH!

Ok, mir geht es besser. Es zwickt zwar noch ein wenig, dass kann ich aber ignorieren. Also mache ich mich in aller Ruhe ab 11:00 Uhr auf den Weg. Ich bin mir allerdings überhaupt nicht im klaren, wo ich nun hin will. Nach Norden in die Berge. Ok, da ist dann nur irgendwann Schluss, denn alle Strassen enden im Dschungel. Nach Süden, ja da will ich irgendwann hin, nur nicht gleich. Also entscheide ich mich halbherzig für den Norden.

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Nachtmarkt in Kota Kinabalu

Erstaunt und verwundert fahre ich nach ca. einer halben Stunde durch gepflegte Parkanlagen. Super angelegte Rad-/Fusswege entlang der Küste. Heute ist Sontag und die Menschen, müssen dann ja wohl Christen sein, sitzen auf den Rasenflächen am Grill. Kinder toben über die Flächen und wie ich es schon erwähnt habe, herrscht erschreckende Stille. Immer wieder bin ich von dieser Ruhe überrascht. Völlig ungewohnt muss ich es wieder lernen mit dieser Stille, mit dem neuen Tempo des Lebens umzugehen.

Gegen 13:00 Uhr biege ich dann von der Hauptstrasse Richtung Osten ab und sofort geht es in die Berge.

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in der Ferne der Mt. Kinabalu

Die ersten Tage im neuen Land sind wie immer spannend. Alles muss ich erst wieder in mich aufnehmen. Wo bekomme ich Wasser her? In welchen Abständen liegen die Ortschaften bzw. die Einkaufsmöglichkeiten auseinander? Wie verhalten sich die Autofahrer ausserhalb der Ortschaften? Wie ist die Ausschilderung der Wege? Was ist speziell in dem neuen Land, was ich unbedingt beachten muss ? Finde ich Plätze und wenn wo und welche zum schlafen? Wann muss ich anfangen mich um die Tagesübernachtung-Möglichkeit zu kümmern? Jede Menge Fragen, für die sich dann immer in den kommenden zwei bis drei Tagen Antworten finden. Mitunter muss ich nach der Antwort meine Eigenarten umstellen, den neuen Umständen anpassen, schön ist es, wenn ich einige gepflegte Abläufe beibehalten kann, wenn nicht alles allzu neu ist.

Stunden geht es in tropischer Hitze  bergab. Die Strasse, der  Belag ist gut und es ist relativ wenig Verkehr. Schaue ich ins Land sehe ich oft noch kleine gerodete Flächen an Tropenwald. Das soll sich laut Geo-Magazin verschlechtern. Der malaysische Teil Borneos soll unkontrolliert der Rodung des Regenwaldes durch gierige Holzhändler ausgesetzt sein.

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mein Retter vor grossem Unglück

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wer weiss was das einmal war !

Gegen 16:00 Uhr, stetig ging und geht es weiterhin in langen Schleifen bergan, erreiche ich eine Garküche am Strassenrand. Natürlich fällt mir erst in solchen Momenten immer erst wieder ein, dass ich schon seit Stunden nichts gegessen habe. Also anhalten, kurz schauen, Umgebung und Menschen scannen, für gut befinden und dann nach positiver Entscheidung, rein und essen. Sofort stürzen sich mehrere Leute auf mich, bieten mir Tisch, Stuhl, Essen, Getränke an. Ich bin noch etwas ausser Puste, aus dem Rhythmus, winke erst einmal ab, setze mich in eine Ecke, nehme ein kaltes Wasser und schaue mich um.

Ein kleiner Junge läuft mit einem Teller frisch gekochtem Gemüse an mir vorbei. Ein kurzer Blick und im selbem Moment treffe ich meine Wahl für das heutige Tagesgericht. Das funktioniert immer, in jedem Land. Es braucht keine langen Erklärungen und ich bin mir immer sicher, das es schmeckt. Natürlich so auch heute. Allerdings werden mir sofort auch diverse andere Speisen, deren Zusammensetzung ich nicht sofort interpretieren kann, auf den Tisch gestellt. Suppen, Fleischgerichte mit dunkler und heller Sosse usw. Ich schaue mich fragend um, denn so leicht lasse ich mir nicht mehr das Geld für umbestelltes Essen aus der Touristentasche ziehen. „ Ist inklusive…!“ deute ich die Antwort auf meine fragenden Blicke. „Inklusive in was….?“ Na, wenn ich ein Bier bestelle, dann ist das Essen inkl. Ok! Aber ich will noch weiter und da gibt es jetzt kein Bier. Ich soll erst einmal essen. „ Wir finden schon eine Lösung.“ Ich entspanne mich, mache mir deutlich, dass wir im Zweifelsfalle über eine Rechnung von 4-5 Euro reden werden und schlinge das leckere Essen in mich rein.

Gespräch mit dem Sohn erfahre ich,dass die Gegend eine gefährliche Strecke in den Osten ist. Terror, Entführungen keine gute Gegend für mich, es ist 17:00 Uhr und ich frage nach, ob ich hier schlafen kann, ja klar, na dann jetzt das Bier und Essen frei, immer wieder essen, Übersetzungszettel, alle begrüssen mich, alle laden mich ein, wenn sie gehen verabschieden sie sich auch von mir, kein Krach, keine laute Musik, alles entspannt, ich kann nicht mehr essen und doch steht immer neues Fleisch auf den Tisch, Wildschwein, Dschungelpig, Squrel ich weiss nicht was das ist, doch wenn ich es richtig verstanden habe Bär ? Der Chef, der Sohn von Chef und fast alle verabschieden sich, ich baue das Zelt unter den Blicken der restlichen Gäste auf der Terrasse auf, trinke noch eine Runde Einladungsbier und verkrieche mich dann endgültig müde ins Zelt, werde die Route natürlich auf anraten ändern, werde einen kleinen Bogen fahren, auch andere Gäste bestätigen mir die Gefahr in diesem Gebiet. Speedboote verkehre zwischen Mindanao und Malaysia innerhalb von 4 h überqueren sich die Meerenge. Es hat in der vergangen Zeit Entführte / Tote gegeben.

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Lange hielten die letzten, lautstarken Gäste aus. Gegen 01:00 Uhr bin ich dann eingeschlafen. Die Hunde, ich hoffe es waren welche, umkreisen Nachts das Zelt. Immer wieder werde ich wach. Kurz vor 07:00 Uhr ist dann die Nach zu Ende. Träge, gerädert, müde packe ich meine Sachen. Esse Müsli und trete kurze Zeit später weiter bergan. Damit hatte ich ja gestern aufgehört. Und es nimmt kein Ende mit dem Anstieg. Linker Hand sehe ich immer wieder das Felsmassiv des Mt. Kinabalu aus den dicken Cumuluswolken auftauchen. Dann gegen Mittag verschwindet es aber hinter dicken Regenwolken und dann beginnt es auch mit dem Regen. Ich fluche erst leise, dann lautstark auf diesen nicht enden wollenden Anstieg. Ehrlicherweise dann aber auch auf mich, auf meine Entscheidung diese Route zu fahren. Sie bringt mich ja nicht wirklich voran, kostet nur wahnsinnig viel Kraft und Motivation. Ok, ich sehe das viel umworbene Massiv, den höchsten Berg Südostasiens, aber wenn schon, da habe ich bereits andere Bergriesen gesehen. Nun mein fluchen, mein schreien bringen mir innerlich etwas Erleichterung, der Berg, die Menschen hören es nicht, denn es geht weiter bergan. Am frühen Nachmittag komme ich am Eingang zum Mt. KK Resort und den zig Reisebussen auf dem Parkplatz davor vorbei. Nein, das geben ich mir jetzt nicht auch noch und trete wacker weiter. Kurze Zeit später bin ich dann endlich über dem Scheitelpunkt und es geht auf regennasser Piste talwärts. Lange Autokolonnen kommen mir entgegen. Ich bin ziemlich platt, denn 50 km stetig bergan, immer im unteren 1-2 Gang, Regen und durch die pitschnassen Sachen, die Kälte, haben mir heute einmal wieder Grenzen angezeigt.

In Ranau halte ich mich nicht lange mit der Zimmersuche auf, denn ich werde solange ich in dieser unsicheren Gegend bin, auf eine Zeltnacht verzichten. Übermut tut selten gut und aus Leichtsinn werde ich mein Glück, das ich bisher auf meiner Reise hatte, nicht herausfordern.

Das Hotel ist unterste Unterstufe. Zum ersten Mal lehne ich ein Zimmer nun wirklich ab. Ein Zimmer ohne Fenster, ohne Ventilator, liegt eine eklige Matratze auf dem Fussboden. Das war’s. Puh, nein diesmal ist dann doch bitte die höhere Kategorie fällig. Da muss ich am Abend allerdings auch flüchten, da ein Heer von Ameisen das Zimmer okkupieren. Die Wand neben der Tür ist schwarz von der Masse an Ameisen.

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Dann noch ein Schrecken in der Nacht kurz vor dem Einschlafen. Irgend ein Schalentier krabbelt mir übers Gesicht. Ich springe hoch und gleichzeitig schlage ich wild danach, stürze zum Lichtschalter. Nichts zu sehen, nur ein komisches Bein auf dem Laken. Sieht so aus wie ein Krabbenbein, dass gehört doch in die Fischsuppe und nicht in mein Bett. Ich suche noch ein wenig, baue dann schnell mein Zelt im Zimmer auf und verkrieche mich vor einen neuen Angriff des Schalen-/Krustentiers darin. Natürlich nicht ohne vorher noch einmal Kissen und Laken auszuschütteln, alle meine Taschen zu verschliessen und soweit möglich hochzustellen.

Um 06:00 Uhr ist für mich dann die Nacht zu Ende, denn ich höre das der chinesische Anteil der Hotelgäste wohl relativ hoch. Im asiatischen Waschbereich  wird nach Herzenslust oder besser nach Rachenlust aus den Tiefen der Luftröhre der Rotz hochgezogen und lautstark ausgespuckt. Ich überlege lange wohin sie wohl ihren Auswurf entladen, um für mich ggf. andere Bereiche im 1,5 qm grossen Wasch-/WC Bereich zu finden. Wird schwer, denke ich so bei mir! Mitunter sind die “rücksichtsvollen Frühaufsteher” kurz davor sich zu übergeben. Die Armen, so sehr quälen sie sich wirklich alles aus aus den Tiefen des Magens rauszuholen. Naja ich bin jedenfalls wach und mache mich an das Packen meiner Sachen.

Weiter geht es jetzt endlich auf einer Route die mich auch wieder voranbringt. Am Abzweig nach Tambunan bin ich nach einigen Kilometern und dann geht es auch gleich wieder bergauf. Der Verkehr hat jedoch merklich nachgelassen und so quäle ich mich zwar in der Hitze bergan, muss allerdings nicht so sehr auf den nachfolgenden Verkehr achten.

Nach den gestrigen Hinweis auf die Entführungen schaue ich doch jetzt öfter in den Rückspiegel, achte darauf wie lange bzw. ob ein Auto lange hinter mir herfährt. Bei einer Pause an einem Marktstand kommt ein sympathischer Malay zu mir, spricht mich an, fragt wo ich herkomme und bestätigt mir auf meine Nachfrage auch noch einmal das schreckliche Ereignis vor einigen Wochen mit den beiden Touristen. Also muss da wirklich etwas dran sein und wenn auch nur die Hälfte stimmt, ist das immer noch schlimm genug. Ich kaufe mein Wasser, bedanke mich bei dem Mann. Er ruft mir noch hinterher vorsichtig zu sein und ich bestätige ihm dies aus tiefer Überzeugung.

Bergauf und -ab, viele Baustellen und dann erreiche ich gegen 15:00 Uhr Tambunan. Finde ein sauberes Hotel, verhandle wie immer ein bißchen und stehe kurze Zeit später unter der Dusche.

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Am Morgen fehlt  mir ein wenig der Antrieb ! Warum weiß ich auch nicht! So lausche ich noch den Geräuschen der morgendlichen, asiatischen Betriebsamkeit. Im Imbiss nebenan höre ich das Niederschlagen eines Messers beim zerkleinern von Gemüse, auf der Strasse vor meinem Fenster wird an der Strasse gebaut und die Hotelinhaber teilen den Angestellten lautstark ihre Arbeit zu. Nun ja, ich muss raus aus dem Bett und mich wieder auf den Weg machen. Heisses Wasser besorgen, Kaffe aufbrühen, Müsli und dann geht es raus auf die Strasse.

Ja, irgendwie ist es spürbar entspannter auf der Strasse. Viele Fahrer halten den Daumen aus den Fenster, schauen sich nach mir um, klatschen in die Hände, hupen anerkennend, wenn sie an mir vorbei sind und ich mich in der Hitze den endlos erscheinenden Höhen schweißgebadet hoch kämpfe. Merklich entspanne ich mich in Laufe des Tages. Als dann auch noch ein Polizeiwagen neben mir herfährt und fragt, ob alles ok ist, ich Hilfe brauche, läßt meine Anspannung der letzten Tage endgültig nach und ich richte meine Gedanken in die nahe Zukunft aus.

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Noch ein paar langgezogene Anstiege, viel Hitze, wenig Schatten und ich erreiche Tenom. Finde ein Hotel , stelle Heute einmal schnell mein Rad ab und hole mir etwas zu essen. Der Hunger ist im Moment größer als das Duschbedürfnis. Das hole ich allerdings wenig  später umgehend nach.

Was habe ich mir heute nur wieder angetan. Im wahrsten Sinne des Wortes kommt am laufenden (Strassen)band eine 14 % Steigung nach der anderen. Die tropische, stechende Hitze gibt mir zu den Steigungen des Rest. Bei 3 km/h Vorwärtstendenz, als Geschwindigkeit kann ich das nicht mehr bezeichnen, steige ich vom Rad und schiebe fast horizontal neben dem Rad liegend, die Steigung hinauf. Kehre folgt auf Kehre und immer wieder wird meine Hoffnung, „…jetzt ist oben…“, enttäuscht. Altes Radiermotto: “Wann man oben ist bestimmt der Berg, nicht die Illusion des Radfahrers.”

Kurz finde ich einen Schlepper der mich 100 m mitzieht, allerdings reist es mir dabei fast die Schulter aus und dann auch noch die defekte . Meine Finger umklammern eine Eisenkante und schon nach kurzer Zeit spüre ich davon nicht mehr viel. Loslassen wäre eine Lösung, jedoch die schlechteste. An einer Baustelle ist dann Schluss und ich trete noch 100 m weiter und steige dann wieder ab.

Deutlich  sind jetzt auch immer wieder die Regenwald- Rodungen erkennbar. In weiter Entfernung sehe ich kahl geschlagene Berghänge, riesige erdbraune Flächen ohne Vegetation und dicht an Strasse endlose Palmenpflanzungen. Davor mitunter noch ein Streifen mit Bananenbäume oder Reisfelder. Den ganzen Tag, ununterbrochen in kurzen Abständen, werde ich von den hochbeladenen Holztransportern überholt. Die Gier der Welt nach Tropenholz, der malayischen Politiker nach Geld, der westlichen Welt nach Palmöl, nimmt auf die Umwelt, auf die Lebensbedingungen der einfachen Landbevölkerung keine Rücksicht. “Gier frierst Hirn.” Aus den Wäldern höre ich die Kettensägen und sehe überall den Rauch der dann anschliessenden Brandrodung aufsteigen.

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Auf einer Steigung, ca. 22 km vor dem Abzweig nach Sipitang, schaue ich noch einmal auf die GPS Karte und sehe das der Orientierungspfeil weit von meiner eigentlichen Route liegt. Habe ich den Abzweig übersehen? Links neben mir sehe ich weit unten eine Strasse die hinter einer Bergkuppe verschwindet. Ist das mein Weg? Mist, ich muss wieder runter um das zu klären. Also drehe ich um und lasse mich bis zum letzten Abzweig missmutig hinunter rollen. Aber auch hier zeigt der O-Pfeil nicht in meine Richtung. Da fehlt dann wohl doch das GPS Signal. Also wende ich die alte, sichere Methode der Orientierung an. Menschen fragen! Ein freundliche Familie auf einem Moped (in Reihenfolge Vater, Kind, Mutter) hält auch sofort auf mein Winken an und zeigt auf meine Frage, wo es nach Sipitang geht, wieder nach oben in die Richtung aus der ich gerade gekommen bin. Ok, schlecht wieder da hoch, aber jetzt sind die Zweifel beseitigt. Ich bedanke mich herzlich, erfreue mich an dem offenen Lächeln, an den Wünschen für eine weitere, sichere und schöne Reise von den Dreien und trete wieder bergan.

Gegen 16:00 Uhr erreiche ich dann endlich den Abzweig, rechts nach Sipitang, links nach Sindumin. Jetzt erfahre ich mit welcher Leichtigkeit ich auf dieser Strasse, die von KK kommt, in den letzten Tagen voran gekommen wäre. Eben, flach liegt die Piste, eingesäumt von Reisfeldern und einzelnen Stelzenhäusern, kleinen Ortschaften, vor mir. Die verbleibenden 7 km spule ich mit neuer Abendenergie runter. Ein Übernachtungsmöglichkeit gibt es in Sindumin nicht, dafür aber zu meinem Erstaunen eine Grenzkontrolle! Ja, ich muss sogar meinen Pass vorzeigen und es gibt sogar einen Fensterschlitz in einem Grenzbunker mit selbstgemaltem Schild „Exit“ und gleich daneben einen Fensterschlitz mit Schild „Entree“. Wohin der führt, erschliesst sich mir nicht gleich. Warum sind  diese Öffnungen eigentlich in diktatorischen Ländern immer in Kniehöhe angebracht, will man den Beamten dahinter sehen, muss man sich immer tief runterbeugen, verbeugen, auf die Knie fallen!!! Die Klappe der turkmenischen Botschaft in Teheran war von der Höhe und Grösse hierfür ein Musterbeispiel.

Kurz hinter der „Grenze“ komme ich an einem Parkplatz mit Garküchen und MiniShop vorbei. Ja, stimmt geht es mir durch den Bauch. Essen sollte ich auch mal wieder. Das Musli-Frühstück ist jetzt 8 h her. Hier erfahre ich dann auch im Gespräch mit einem Malayen, dass die Grenze ein Provinzgrenze zwischen Sabah und Sarawak darstellt. Die Nähe zu Brunei, die extremistischen Ereignisse im Norden von Sabah und sicher auch die Kontrolle der Malayen im allgemeinen sollen ein Grund für diese Massnahme der Regierung sein.

Mittlerweile ist es 17:30 Uhr und die Dämmerung der Nacht bricht ein und ich muss mir einen Platz zum schlafen suchen. Um mich herum setzt bereits das stimmungsvolle Szenario der tropischen Nacht ein. Mir noch unbekannte Laute der Tierwelt stimmen mich auf eine Nacht im tropischen Wald ein. „Nur nicht im Dunkeln einen Zeltplatz suchen.“ Geht es mir durch den Kopf! Doch mein Glück bleibt weiter bei mir und ich finde eine Übernachtung nahe der Strasse in einem noch nicht fertigen Homestay. Der Besitzer ist im Aufbruch begriffen, ich erkläre kurz meinen Wunsch, er überlegt zögerlich, wir verhandeln kurz über seinen Preis, den ich akzeptieren muss, eine andere Wahl habe ich nicht, denn es ist bereits stockdunkel, bezahle. Er übergibt mir den Schlüssel für die Baustelle, steigt in seinen Hillux-Pickup und braust davon. Ich denke noch, „…na im Iran wäre das anders gelaufen…“ Höre wie zur Bestätigung meiner Gedanken den Muizin seine Schäfchen zum Gebet rufen, baue mein Zelt in einem Raum der Baustelle auf und schliesse die einzig vorhandene Tür. Nur so zur Beruhigung.

 

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