01.07. -17.07.2015

Oh, wie oft habe ich mir ihn im China herbei gewünscht.

Manjusri, Bodhisattva der Weisheit, der mit seinem flammenden Schwert das Dunkel der Unwissenheit zerteilt!!! 

Nach Tagen der Zugfahrt erreiche ich endlich Xi’anJuchhu, dass Rad ist auch da!!! Ich kann es nicht fassen. Der Bahnangestellte kommt doch wirklich damit um die Ecke. Alles ist heil und vollständig. Es ist 05:00 Uhr früh am Morgen und bereits jetzt rinnt mir beim packen der Sachen in der schwül warmen Luft der Schweiß in Strömen. Die Strassen sind noch nass vom letzten Regenschauer. Auf dem Bahnhofsvorplatz wimmelt es von Reisenden. In der Stadt ist es jedoch noch relativ ruhig. Einige Chinesen sind mit ihren Hunden unterwegs. Ich fahre an Plätzen vorbei auf denen Chinesen in Gruppen ihre Morgengymnastik ausführen. Das von mir gesuchte Hostel finde ich relativ schnell und es ist auch noch ein Zimmer zu haben. Das Rad kann ich ohne jegliche Diskussion mit in das Zimmer nehmen. Nach einer Dusche  muss ich erst einmal auf die Jagt. Ich brauche unbedingt etwas zu essen. Natürlich ist die Vielfalt der Garküchen riesig. Es gibt jegliche Art von chinesischer Küche. Schnell entscheide ich mich für ein grosses Nudelgericht zum Preis von 2 Euro. Danach in ich allerdings übersättigt.

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Nudelproduktion auf der Strasse per Hand

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gegrillte Krabben, jeglicher Grösse

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Grillstabrecycling

Nun habe ich mir wohl doch eine Erkältung durch die Klimaanlage im Zug geholt, verdammt. Der Hals kratzt, die Nase läuft u. der Kopf dröhnt. Hilft nichts ich will jetzt weiter, raus aus Xi’an. Der Verkehr ist mörderisch. Das Hupen der LKW dröhnt in den Ohren. Ein schwerer Unfall hat auf 30 km die komplette G310 in beiden Richtungen blockiert und die dussligen Autofahrer haben die letzten Lücken auch noch verstopft. Die Luft steht vom Dieselruss, ich bekomme Hustenanfälle und fast keine Luft. Ich muss zu sehen, dass ich von den grossen Strassen wegkomme. Das macht keinen Spass.

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keiner kommt auf die Idee zu helfen. sie machen nur ihre Bilder

Die Landschaft neben der Strasse ist ebenso öde wie die Orte. Kein Bilder für das Auge und die Kamera.

In einem kleinen Dorf stehen auf der Strasse weiss gekleidete Bewohner. Einige haben Instrumente und spielen lautstark darauf. Grosse, bunte Papierblüten werden von anderen Bewohnern am Strassenrand aufgestellt. Ich denke noch, na das wird wohl eine Hochzeit sein und fahre weiter. Am Dorfausgang vor einem blau geschmückten Tor halte ich erneut. Wieder stehen viele Menschen am Strassenrand. Aus den aufgebauten Lautsprecher kommt laute, rhythmische Musik. Neugierig geworden halte ich kurz an und schon steht ein Mann mit einem Tablett vor mir. Eine Porzellanflasche und ein kleiner Becher stehen darauf. Ich ahne sofort was jetzt kommt.

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der Hof für die Totenfeier

Drei Becher muss ich trinken um den Forderungen der umstehenden Männer zu genügen. Na Prost auf die lustige Weiterfahrt, denke ich.

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es wird viel getrunken

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tüchtig gegessen

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ausgelassen gefeiert

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der Kleine war ziemlich skeptisch

Natürlich gibt es auch viele leckere Sachen zu essen. Mir werden Stäbchen, leider bereits benutzt gegeben und ich werde mit vielen Gesten zum Essen aufgefordert. Puh, benutzte Stäbchen, was nun. Ich habe extra meine eigenen Essstäbchen in einer Packtasche!!! Nicht lange überlegend drehe ich die Dinger um und esse mit dem anderen Ende. Immer wieder kommen Dorfbewohner mit den grossen Papierblumen und Tabletts voller Essen die Strasse entlang und gehen durch das Tor in den Innenbereich des Hofes. Nun will ich dann auch endlich sehen, was gefeiert wird. Durch Gesten und zeigen auf den kleinen Fotoapparat gebe ich zu verstehen, dass ich auch im Hof Fotos machen möchte. Kein Problem, deuten die Männer an. Im Hof an einem Tisch sitzen zwei Männer, schreiben Schriftzeichen auf weisses Papier und übergeben es den neuen Gästen. Ich gehe einige Stufen auf eine grosse Tür zu und sehe im Inneren Frau vor einer Art Altar sitzen. Alle im Haus Anwesenden sind in Weiss gekleidet. Ich denke noch, komisch irgendwie sehen alle aus wie Krankenhausmitarbeiter/-innen. Und gleich darauf gehen mir im wahrsten Sinne die Augen. Die knienden Frauen weinen vor dem Altar?! Das ist eine Beerdigung! Den Fotoapparat stecke ich sofort in die Hosentasche und gehe rückwärts in den Hof hinaus.

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Schriftführer für das Jenseits.

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alle haben sich amüsiert

Ich hätte es eigentlich wissen müssen, was hier gefeiert wird, denn während meiner ersten Chinareise hatte ich einmal auf einem Friedhof gezeltet. Es war damals sehr kalt, es dämmerte bereits, eine andere Möglichkeit als sich hinter einem Grabhügel zu verstecken, gab es nicht und am Morgen saßen dann die Angehörigen vor dem Hügel und weinten. Auf in dem Hügel stecken damals auch große, bunte Papierblumen und ich ahnte damals nicht, dass es ein Friedhof ist. Aber die Papierornamente sah ich auch jetzt wieder. Der Buddhismus ist auch in den Chinesen immer noch tief verwurzelt. In ihrem Glauben gehen diese von einer Wiedergeburt aus. In diesem neuen Leben hoffen sie auf ein besseres Leben. Deswegen ist auch der Übergang von einem Leben zum anderen ein freudiges Ereignis. Es wird laute Musik gespielt, viel gegessen und natürlich auch viel getrunken. Die Geschenke der Bewohner werden dem Verstorbenen für die Reise mitgegeben.

Wieder auf der Strasse mache ich noch einige Fotos und verabschiede mich dann von den Bewohnern. Trotz der Trauer sind alle lustig bei der Verabschiedung und winken mir noch lange hinterher.

Im Laufe des Tages erreiche ich dann Hauyin und das Hua-Shan. Schon aus der Ferne hat sich die Gebirgskette mit ihren markanten  weißen Felsen gezeigt. Das gesamte Felsmassiv ist zu einem Nationalpark erklärt worden und so ist eine Klettertour nur mit einem erheblichen Eintrittsgeld verbunden. Im Hostel treffe ich auf einen jungen Chinesen und wir beschliessen für den nächsten Tag eine gemeinsame Tour auf die beiden Hauptgipfel.

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Doch recht früh am Morgen brechen wir auf und gehen gemächlich auf schattigen Wegen bergan. Eine Stimmung wie in den Tropen umgibt uns schnell. Die stimmungsvolle Akustik der Vogelwelt passt zu dem tropischem Klima. In regelmäßigen Abständen gibt es Stände für die Versorgung der Bedürfnisse. Zur Kühlung der Getränken, Gurken, Äpfel, Melonen und der Stände selbst, wird das kalte Wasser aus den Bergen verwendet. Der Aufstieg soll 5-6 h beanspruchen. Bald verlassen wir den breiten stufenlosen Weg und steigen auf Treppen mit schmalen Stufen in die Höhe. Fehlen Bäume für den Schatten, wird der Aufstieg schnell schweisstreibend.

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Immer steiler werden die Treppen. Viele chines. Touristen kriechen auf allen Vieren die schmalen Stufen höher. Warum sie sich das antun, wenn sie konditionell nicht dazu in der Lage sind, bereits den unteren Abschnitt zu bewältigen, ein weiteres Geheimnis der chin. Mentalität. Unser Weg führt uns zum Westgipfel. In ca. 2060 m Höhe befindet sich der Sunset View Point. Wir legen während des Aufstiegs regelmäßig Rast ein. Eile ist nicht erforderlich, wir liegen bis zum Sonnenuntergang gut in der Zeit. Als wir gegen 17:00 Uhr den Gipfel erreichen, ist dieser bereits gut mit Besuchern gefüllt. Der Himmel ist wolkenverhangen u. so bleibt der Sonnenuntergang für alle unsichtbar hinter einem dicken Schleier verborgen.

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In der Hoffnung der Sonnenaufgang belohnt uns für den anstrengenden Aufstieg, gehen wir im Mondlicht über ausgewiesene Pfade auf den Ostgipfel. Auf der Terrasse sind Zelte für die Übernachtung an allen möglichen aber auch ungewöhnlichen Stellen aufgebaut. Wie so oft in China ist alles sehr laut. Eine heimele Stimmung, wie sie die Aussicht über die Gipfel vermitteln könnte, kommt nicht auf. Chinesen ticken auch in dieser Situation anders, kennen keine Zurückhaltung, keine Rücksichtnahme. Viele versuchen durch Zurufen in die Finsternis über hunderte Meter talwärts andere Chinesen über ihren Standort zu informieren. Vielleicht kann man auch, ohne das eine Schallwand vorhanden ist, der Freundin/den Freunden beweisen, dass Chinesen ein Echo herbei schreien können. Doch auch hier bleibt die Natur stur bei ihren Eigenarten.

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Die Nacht hindurch komme ich nicht zur Ruhe. Meine Daunenjacke wärmt und die Zeltunterlage ist auch praktisch. Doch die Horden an Chinesen, die immer wieder über meinen Liegeplatz wandern, stören erheblich. Ruhe kehrt die gesamte Nacht nicht ein. Zelte werden unmittelbar neben mir aufgebaut. Die zahlreichen Versuche auf der abschüssigen Holzterrasse einen Liegeplatz zu finden enden immer wieder mit dem teilweisen Abbau  und der Umverlegung der Zelte. Eine weitere Erfahrung mache ich in dieser Nacht. Ein chinesisches Drei-Personenzelt,  wirklich schon sehr klein konzipiert, kann mind. 6 Chinesen beherbergen. Für den Transport, an welche Stelle auch immer, trägt dann die Zeltgemeinschaft gemeinsam, das gerade aufgebaute Zelt mit dem gesamten Inhalt an Gepäck unter lauter Anteilnahme aller, über alle Liegenden u./o. bereits Schlafenden. Wo sie den dann finden entzieht sich meiner Kenntnis. Die Terrasse ist bereits völlig überfüllt.

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In der frühen Morgenstunden, noch vor dem Sonnenaufgang, erhöht sich die Zahl der chinesischen Sonnenanbeter dann noch einmal erheblich. Wirkliche Heerscharen von Menschen gesellen sich zu den bereits Wartenden und drängen sich ostwärts blickend auf der überfüllten Terrasse. Wo diese Menschen mitten im Morgengrauen plötzlich alle herkommen, ein weiteres Geheimnis.

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Auch der Sonnenaufgang zeigt sich hinter dicken Wolken und schnell wandern die Massen auf den vielen Wegen zu anderen Viewpoints. Wir beschließen noch auf den Südgipfel zu wandern um dort , auf dem höchsten Punkt bei 2175 m ggf. noch einen wolkenfreien Weitblick geniessen zu können.

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Vom Südgipfel gehe ich dann in meinem Tempo alleine bis in das Tal. Chao bleibt zurück und wir treffen uns erst an der Talstation wieder. Unten angekommen schmerzen meine Knie und Waden doch erheblich. Wir essen noch schnell eine Kleinigkeit. Nach dem Duschen holen ich umgehend den fehlenden Schlaf der vergangenen Nacht in dem sauberen, frischen Bett nach.

Aus der Erfahrung mit dem nervenden Verkehr der vergangenen Tage, werde ich zusehen, dass ich schnell auf Nebenstrassen komme. Mit Zeltmöglichkeiten sieht es bei der dichten Besiedlung im Moment auch schlecht aus. Seit dem Pamirhighway sind leider beide Lowrider gebrochen. Nichts dramatisches, der Bruch stellt keinen Schwachpunkt da. Nur ich will das auch mal wieder in Ordnung bringen. In einem kleinen Dorf komme ich an einer Schlosserei vorbei. Auf dem Gelände liegen Edelstahltore. Vielleicht kann er auch Alu schweissen, geht es mir durch den Kopf. Nach kurzer Erklärung ergreift er auch sofort sein Schweissgerät und versucht die Stelle zu schweissen. Leider klappt es nicht.

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einer der wenigen hilfreichen Chinesen

Weiter geht es auf der G310 Richtung Osten. Nach Hauyin wird der LKW Verkehr etwas weniger. Das schont meine Nerven erheblich. Die Landschaft bleibt allerdings weiterhin dicht besiedelt und staubig. Strassenbaustellen, die irgendwann angefangen wurden und wie so vieles in China, nicht weiter gebaut werden, sind kilometerlang und lassen den Verkehr trotzdem immer wieder stocken. Einmal ist die linke Fahrbahnseite eine Baustelle, dann wechselt die Seite und die Menschen behindern sich beim Fahrbahnwechsel gegenseitig. Das bedeutet Stau. Schön das ich mit dem Rad an all dem vorbei fahren kann. Nur den Staub und die Abgase muss ich aushalten. Arbeiter sind während den vielen Kilometer Baustelle wenige zu sehen und wenn, dann sind es oft nur ältere Leute die mit einem Reisigbesen die Strasse fegen. Wozu, wissen sie wahrscheinlich nicht, sie machen es einfach ohne weiter nachzudenken. Ein Sinn ist nicht zu erkennen. Allerdings sehe ich jeden Tag immer wieder ältere Menschen, wohl Rentner, die sinnlose Arbeiten am Strassenrand verrichten. Mit Hacke, Schaufel oder Besen ausgerüstet beseitigen sie einen Streifen Unkraut von ca. 20 cm auf einem 100 m Abschnitt. Davor und dahinter, links und rechts wächst alles, ist alles zugemüllt. Das Unkraut werfen sie in den Entwässerungsgraben für die Strasse. Der ist dann verstopft und kann nicht mehr das Regenwasser ableiten. Aber diese Arbeit übernimmt dann wohl ein anderes Rentnerteam. Irgendwo hatte ich einmal gelesen, um die Chinesen zu verstehen, müssen die Deutschen aufhören über ihr Verhalten nachzudenken. Sinn macht das mitunter in einigen Situationen wirklich.

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Endlosbaustellen

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LKW Dauerverkehr

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Kreuz- und Querverkehr

Gegen 15:00 Uhr komme ich in einem Dorf an einem Markt vorbei. Wie immer gibt es auch zahlreiche Stände mit regionalen Gerichten. Schnell entscheide ich mich für einen Stand mit einem freundlich schauenden Koch, denn die Auswahl an Nudelgerichten ist fast identisch. Es schmeckt fantastisch. In den …stanländern musste ich immer aufpassen, dass ich genügend Essen bei mir habe bzw. immer Essen, wenn es mal etwas gab. Hatte ich das doch einmal vergessen, dann gab es schon mal 10/12 h nichts für die Energiezufuhr. In China kann ich völlig entspannt den Tag über Radfahren. In jedem Dorf, in jeder Siedlung gibt es immer eine Garküche, einen Strassenstand der frisch gekochte Nahrung anbietet. Und ich lasse mich immer wieder auf Gaumenüberraschungen ein.

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gemütliche Mittagspause

 

Lingbao erreiche ich gegen 17:00 Uhr und glücklicherweise finde ich ein Hotel vor dem nahenden Gewitter. Dies ist heftig und setzt die Strassen unter Wasser.  Zeit eine neue Garküche aufzusuchen.

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leider unterwegs ein gewohntes Bild

Ach, noch ein Geschichte zum Chinaverständnis.

Das Hotelzimmer soll 168 Y kosten. 100 Y ist mein Vorschlag. Mit grossen, erstaunten Augen antwortet die Dame an der Rezeption, dass das nicht möglich sei. Hin und her, wir laden bei 138 Y, also ihr letzter Vorschlag. Ich schreibe 130 Y und sie übersetzt auf ihrem Telefon, dass das der wirklich beste Preis ist. Ich zeige wieder auf die 130 Y. Sie schüttelt den Kopf, sagt das würde nicht gehen. Ich warte einen Moment, dann nimmt sie den Rechner tippt 128 Y ein und hält ihn mir entgegen. Erstaunt schaue ich sie an, willige schnell ein und weiss wieder nicht, was die chinesische Mentalität da zum Ausdruckt bringt.

Wieder haben mich über den ganzen Tag viele Baustellen begleitet. Die Art und Weise gleicht sich immer wieder. Eine Seite ist gesperrt. Irgendwann wurden dort die Arbeiten begonnen. Wenn eine Betonschicht aufgebracht wurde, dann ist, wahrscheinlich zum Schutz gegen die Sonne, eine Stoffplane über den Beton gelegt worden. Diese Plane liegt dann kreuz und quer über beide Fahrbahnen verteilt. Die neue Fahrbahn ist total verdreckt, wird teilweise auch wieder vom Verkehr benutzt und versperrt den Bewohnern den Zugang zu ihren Häusern. Auf der alten Fahrbahnseite herrscht allerdings dann das Chaos, da sich die LKW’s die schmale Spur teilen müssen und die Anwohner einfach ihre Motordreiräder auf dieser Fahrbahn stehen lassen. Der Staub, der Lärm und das Hupen tragen zu all dem Chaos auch noch ihren Teil bei. Am Strassenrand haben Dorfbewohner dann auch noch ihr Obst auf dem Boden zum Verkauf ausgelegt. Essen kann man das wirklich nicht mehr. Doch die Leute kaufen das schon noch.

Immer wieder geht es in langen Anstiegen über kleine Anhöhen und auf schlechten Abfahrten bergab. Die Temperatur liegt tagsüber immer so um die 36 Grad. Es ist tropisch schwül. Ich brauche wieder mehr Wasser und halte regelmäßig an, um etwas kühles Wasser zu bekommen. Melonen kaufe ich gegen Mittag, wenn ich einen Stand im Schatten finde. Warme Melone schmeckt nicht wirklich. So schaue ich immer nah einem Händler der etwas Schatten auf seine Ware organisiert.

Grosse Städte, die nicht auf der Karte zu finden sind, tauchen aus dem Nichts auf. Die Dorfnamen sind natürlich auch nicht zu finden und so weiss ich oft nicht einmal wo ich gerade bin. An manchen Tagen fahre ich 100 km ausschliesslich durch dicht bewohnte Gegend bzw. Städte. Ein- /Ausfahrtstangenten mit sechs Spuren für den LKW-/Autoverkehr und jeweils zwei, also vier Spuren für die Mopeds und Fahrräder sind kennzeichnend für die neue chinesische Investitionspolitik. Wobei es Fahrräder so gut wie keine mehr gibt. Ein paar arme Leute sind noch mit dem Rad zu sehen. Der Rest fährt Motorroller. Elektroantrieb ist hierbei vorherrschend. Da diese Dinger nicht zu hören sind, wenn sie sich von hinten oder der Seite nähern, macht sie um so gefährlicher, denn auch die Fahrer dieses Verkehrsmittels halten sich relativ wenig an die Verkehrsregeln. Der LKW-Verkehr reisst den ganzen Tag nicht ab. Es ist ein ununterbrochener Krach, Lärm, Stress auf den Strassen. Ich frage mich immer wieder, kommen diese Menschen einmal zur Ruhe? Die die unterwegs sind und die, die diesen Krach ausgesetzt sind, ertragen müssen? Weiterhin ist alles sehr staubig, grau und dreckig. Es wird zwar oft auf den Strassen gefegt. Allerdings bringt der LKW-Verkehr immer ununterbrochene Staubaufwirbelungen mit sich.  Zudem bleibt es für mich auf der Strasse auch immer wieder gefährlich. Die Vorstellung das ein Fahrer bei der Geschwindigkeit, der Last und dem Zustandes des LKW diesen im Notfall überhaupt nicht beherrschen kann, bewegt mich den ganzen Tag. Ständig stehen LKW’s mit geplatzten Reifen oder irgendwelchen Defekten auf der Strasse. Die Fahrer liegen dann unter den Kisten und versuchen den Schott wieder zum Fahren zu bringen.

Am spätem Nachmittag versuche ich in einer kleinen Stadt  in einem Chinesenhotel ein Zimmer zu bekommen. Die Häuser sind nicht als Hotel in Pinyinschrift gekennzeichnet, sondern mit chin. Schriftzeichen. Auch sind sie ohne jeden Standart und dadurch relativ billig. Ich wusste, dass ich dort nicht ohne weiters unterkommen würde, aber ein Versuch war es wert. Die nächste grössere Stadt war noch etliche Kilometer weg. Die junge Frau war völlig mit der Situation überfordert. Sie wusste echt nicht, wie sie mir das Verbot in diesen Häusern Ausländer zu beherbergen, erklären sollte. Telefonierte endlos, wahrscheinlich mit ihren Vorgesetzten. Die wollten, wie immer, aber auch keine Entscheidung treffen. Nach einer Dreiviertelstunde tat mir ihre Verzweiflung leid, sie wusste sich echt nicht mehr zu helfen und ich erlöste sie mit meiner Weiterfahrt.

Meine Route werde ich nun langsam in Richtung Nordosten verlegen. Der Karte nach sieht es ziemlich grün aus. Hoffentlich bleibt es nicht auch dort so schlimm mit dem Verkehr und der Besiedlung. Ich finde so ja auch keinen Platz zum zelten. Wenn ich an die romantischen Weiten in Tadschikistan / Kirgisistan denke,  vermisse ich diese Abende.

Die Suche nach einem passenden Zimmer ist in China immer wieder eine spannende Sache. So habe ich mir auf meiner ersten Chinareise einen entsprechenden Zettel schreiben lassen. Darauf steht, dass ich ein einfaches Zimmer für einen Nacht suche. Abgefasst in Englisch, Pinyin und Chinesisch. Lege ich dieses Schreiben vor, bricht jedes mal völlige Ratlosigkeit aus. Entweder von den 4-6 Frauen die hinter dem Tresen stehen, laufen 3 kichernd weg oder eine fasst Mut und sagt „Meyju“, geht nicht, obwohl ich an ihrem Blick erkenne, dass sie gar nichts versteht. Ich habe mir nun angewöhnt den Zettel nicht mehr zu zeigen, denn lesen können sie dies meiner Meinung  auch nicht, sondern mich mit dem allgemeinen Schlafzeichen verständlich mache. Klappt oft gut, dann ist immer nur noch der Preis eine kleine Hürde. Handeln ist immer drin.

Es umgeben mich immer die gleichen Landschaften, Gerüche, Nervereien. Entweder ist alles durch die LKW vollgestaut, die Landschaft stinkt nach Schweinescheisse oder nach dem neben der Strasse verlaufenden Güllegraben. Schön ist anders. In einigen wirklich kleinen Dörfer bietet sich zwar immer mal eine kleine Entspannungsmöglichkeit. Diese ist allerdings immer nur von kurzer Dauer.

Hat sich eine Geschäftsidee in einem Dorf einmal durchgesetzt, machen es dann wohl alle nach. So bin ich gestern durch einem Landstrich gekommen, den man wohl als Knoblauchland bezeichnen könnte. Im ganzen Ort beidseitig der Strasse stehen kleine und große LKW, Trucks. Vollbeladen mir Säcken voller Knoblauch. Es herrscht ein lautes Durcheinander. Jeder handelt mit jedem. Sicher ist ein Prinzip dahinter, ich kann es leider in der kurzen Zeit nicht erkennen. Ist ein Geschäft abgeschlossen, wird die Ware von Männern per Hand auf große Trucks verladen. Aufgeladen wird was irgendwie rauf passt. Die Höhe und Breite der Ladung wird von der Menge der Ware bestimmt und vielleicht von Brückenhöhen auf dem Weg zum Bestimmungsort.

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Knoblauch Lastwagenweise

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geladen wird was raufgeht

Ankunft in Heze, eine typische chinesische Stadt. Einfallslose, grösstenteils leerstehende Betonburgen, mit vier bis sechsspurigen Strassen auf denen wenig Verkehr herrscht. Immer wieder sehe ich Investitionsruinen. Da haben sich einige die Taschen voll gemacht und die Masse wird ihren sauer Erspartem nachtrauern, das fliegt den Chinesen das jetzt schon alles um die Ohren.

Ich komme weiterhin gut voran mich treibt es aus China und zieht es nach Südkorea. Ich mache wenig Pausen und wenn dann nur um schnell eine Melone zu verschlingen.

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seine Ware verkauft sich von alleine

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mitunter gibt es auch umfangreicheres, frisches Obst

Ankunft in Zouchengnoch 10 Tage bis das Visum abläuft. Die schwüle, drückende Hitze zerrt weiterhin extrem. Mitunter fahre ich wie in eine richtige Wärmewand. Da es wenig bis keine Strassenbäume, ganz zu schweigen Strassenalleen gibt, finde ich über den Tag selten Schatten.

Landschaftlich wird es nach einigen Tagen dann doch etwas angenehmer. Viele grün durch Anbauflächen und die Strassen sind durch Baumallee begrenzt. Ab und an kommen kleine Steigungen und weit im Hintergrund sind Bergketten zu sehen.

Heute konnte ich einige kleine Nebenstrassen benutzt. Allerdings sind diese dann ohne Seitenstreifen und dadurch noch gefährlicher als die G Strassen. Ich werde als Radfahrer überhaupt nicht wahrgenommen. Es ist die reinste Katastrophe.

15.07.2015 Ankunft in Qingdao. Ich fasse es nicht! Sollte es wirklich Städte in China geben, die ein Hupverbot eingeführt haben oder in denen Menschen Leben, denen das ewige hupen auch nervt. An der Küstenstrasse von Huangdao ist dies jedenfalls der Fall. Zuerst weiß ich gar nicht was los ist. Irgendwie fehlte etwas. Keiner hupt, alle fahren in den Fahrspuren. Ein Traum! An einem Badestrand unmittelbar an der Küstenstrasse kaufe ich mir ein Bier und setze mich an den Strand. Ich habe rund 7000 km auf asiatischer Landmasse zurück gelegt und stehe wieder an einer Küste. Das letzte Meer war der Bosporus, der Übergang zwischen Europa und Asien. Nun sitze ich am Strand, am GELBEN MEER.

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Qingdao, mein endgültiges Ziel in China, liegt auf einer Halbinsel. Wenn man wie ich aus dem Südwesten in Huangdao ankommt, stellt die Stadt einen Verkehrsknotenpunkt auf diese Halbinsel dar. Ich hoffe, dass es eine für mich benutzbare Brücke über die Bucht gibt. Lange Zeit finde ich allerdings nur immer Hinweise auf einen Autotunnel. Diese enthalten dann auch irgendwann den Hinweis, dass der Tunnel für Drei- und Zweiräder, Pferdegespanne und Fussgänger gesperrt ist. Ok, ich bin auf auf der falschen Strasse, komme allerdings aufgrund der Seitenwände eh nicht von der Strasse runter, also fahre ich weiter auf den Tunnel zu. An den Mautspuren ist dann allerdings endgültig Schluss für mich. Wie komme ich jetzt an den Sicherheitskontrollen vorbei durch den Tunnel nach Qingdao ? Ich bin noch nicht ganz an einer Schranke, da kommt auch schon ein Polizist angerannt. Sicher hatten sie mich mit ihren Überwachungskameras schon längst gesehen. Umgehend trete ich die Flucht nach vorne an und quasselte ihn auf englisch voll. “Meyou, meyou” ist, wie erwartet, seine stupide Antwort. Ich mache auf absolutes Unverständnis und zeige auf Kleintransporter, Busse und LKW’s. Der Sicherheitsmann schüttelt den Kopf und verschwindet. Was nun? Kommt er noch einmal wieder, nachdem er sich eine Erlaubnis für sein weiteres Handeln geholt hat? Einfach durchfahren kann ich allerdings wirklich nicht. Der Tunnel ist ca. 12 km lang. Ich würde wahrscheinlich nicht einmal den Eingang zum Tunnel erreichen. Minutenlang passiert nichts. Gut dann ergreife ich mal die Initiative und stelle ich mich etwas von den Schranken entfernt auf den Platz und winke entsprechenden Mitfahr-gelegenheiten, vorwiegend Kleintransportern, zu. Viele wollen mich nicht sehen, schauen zur anderen Seite. Andere winken von Weitem nervös ab. Als ein Kleinbus mit knalliger Lackierung kommt, erhoffe ich mir eine Chance und wirklich hält dieser direkt neben mir vor der Schranke, blockiert für die nachfolgenden die Weiterfahrt und ohne grosses Palaver verstauen wir das Rad in dem Kleinbus. Die zwei Männer sind freundlich, wissbegierig und völlig entspannt. Auf der Qingdao-Seite machen wir dann noch Fotos, tauschen, wie immer in solchen Fällen Visitenkarten aus und ich radele weiter.

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12 km Tunnelfahrt

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die beiden freundlichen Retter

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irgendwie passte das Rad hier rein

Nun bin ich wirklich streckenmäßig am Ende meiner Chinareise angelangt. Auch in Qingdao wird relativ wenig Stress auf den Strassen veranstaltet. Am Abend an den Garküchen schlägt mir dann auch die Freundlichkeit der Menschen entgegen. Warum ist es nicht auf den Strassen so, warum wird dort gedrängelt, Stress gemacht ? Ok, ich habe beschlossen China so schnell als möglich zu verlassen, abzuhaken, und werde dies auch durchziehen. Warum soll ich mich stressen, es gibt genügend andere Länder, die mir ggf. mehr liegen. Essen und Trinken gab es dann noch satt.

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mal eine andere Garküche

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frische Skorpione

Am kommenden Tag geht die Fähre nach Südkorea und ich mache mir ausgeschlafen noch ein leckeres Frühstück. Kaffee mit Milch, Joghurt, Mandarinen aus dem Glas, Kekse, besser gehts nicht. Dann mache ich mich auf den Weg zum Fährhafen. Leider fahre ich am Anfang zu einem falschen Port, frage eine Polizistin, die mir den internationalen Port auf einer Karte zeigt. Weit entfernt ist dieser nicht und so bin ich schnell am richtigen Hafen. Zwei, drei Fragen und ich finde auch den Ticketschalter. Glücklicherweise spricht die Mitarbeiterin englisch und so kann ich schnell mein Ticket kaufen.

Bei der Ausreisekontrolle gibt es dann doch noch einige Verzögerungen. Die Damen und Herren der Grenzkontrolle können das Datum auf dem Einreisestempel nicht entziffern. Auch unter Blaulicht erkennen sie dieses nicht. Allerdings frage ich mich, was und warum bei der Einreise meine Daten in einen PC eingegeben wurden und nun keine Daten vorhanden sind. Es dauert ewig und viele Uniformträger sind mit dem Fall beschäftigt. Zwischendurch versuche ich ihnen zu erklären, dass ich doch ausreise und nicht nach China einreisen möchte. Wo also das Problem liegt? Davon lassen sie sich allerdings nicht beeinflussen. Ich muss aus der Warteschlange raus und an der Seite warten. Mein Reisepass wandert mit einem Grenzbeamten in ein Backoffice. 30 Minuten vergehen, dann kommt ein anderer Beamter mit dem Pass zurück. Weiter geht die Begutachtung des Einreisestempels unter einer Blaulichtlampe ! “Was haben die mit dem Pass in dem Office gemacht, wenn das jetzt immer noch nicht geklärt ist”: frage ich mich. Langsam werde ich dann doch sauer und gehe direkt auf den Beamten zu. “Wo ist das Problem?” Keine Antwort. Unerwartet nimmt er dann den Pass, schaut noch einmal kurz rein, knallt der Ausreisestempel rein und legt den Pass auf die Ablage. Huch, schnell greife ich mir den Pass. Was war das? Egal ich habe meinen Pass und mache das ich zur Schiff komme. ” Ich weiß schon warum wir uns nicht leiden können”, denke ich so bei mir.

 

Ich freue mich riesig auf Südkorea. Endlich raus aus diesen Diktaturländern. Endlich offene, frei lebende Menschen treffen. Einiges Wissenswertes, wichtige Informationen habe ich bereits gelesen. Es wird viele neue Eindrücke bringen. Ich werde mich nach einigen Tagen auch dort zurecht finden. Das Land und die Menschen geniessen. Die 17 h Seereise machen mir ein wenig Sorgen. Ich werde mich schnell in meine Kabine verkrümeln und durchschlafen.

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