Sollte ich meinen spontanen Entschluss nach Tadschikistan zu fahren doch zu spontan getroffen haben? Zumal ich ja nun wieder alleine unterwegs war. Die eigentliche Idee nicht mehr realisierbar war. Informationen, wie schon erwähnt, hatte ich wenige bzw. keine. Das es den Pamirhighway gibt hatte ich schon mal in anderen Zusammenhängen gehört. Was mich auf dieser Strasse erwartet wusste ich nicht wirklich. Notwendige Sachen, wie eine Daunenjacke, hatte ich mir ja noch in Teheran kaufen können. Meine Eigene hatte ich ja ideenreich, da ich ja erst einmal nur in den Sommer fahren würde, in Istanbul Mone mitgegeben. Die Idee gemeinsam durch Tadschikistan den PHW zu fahren, hatten wir ja in Iran als Team diskutiert. Ich hatte mich auch sofort dafür begeistert und ohne lange darüber nachzusinnen, spontan zugestimmt. Spontanität ist wirklich eine meiner Wesenseigenschaften. Einmal kurz über die Dinge/Ideen nachgedacht und dann treffe ich eine Entscheidung. In welche Richtung diese dann fällt ist erst einmal egal. Nach einer getroffenen Entscheidung allerdings gibt es selten bis gar kein Zurück mehr. Gesagt getan. So habe ich auch all die Jahre mit Uwe zusammen gehandelt. Er der kreative Kopf, ich der Umsetzer. Kurze Abstimmung und dann wurde die getroffene Entscheidung gemeinsam getragen und umgesetzt. Am Ziel festgehalten imageund unser Erfolg hat unser Handeln bestätigt. Also sollte es nun auch Tadschikistan und der Pamirhighway sein!

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Aber erst noch einmal zurück zu Usbekistan. Ich wollte ja nicht in der Kneipe bei der Truckern schlafen, wenn das überhaupt möglich gewesen wäre. Ich schlafe dann eher im Zelt, habe meine Ruhe, genieße die Ruhe der Nacht und kann am Morgen meinen Rhythmus einhalten. So bin ich dann doch noch am 06.06. gegen 18:00 Uhr Richtung Grenze aufgebrochen. Es waren dann auch nur ca. 4 km. Kurz vor dem Grenzbereich bin ich dann wieder links von der Straße runter, auf der Suche nach einer Schlafgelegenheit, in ein Dorf gefahren. Leider hat sich auch hier mein Gefühl bestätigt, dass die Usbeken wieder ein anderer Menschenschlag sind. Mehrfach habe ich Dorfbewohner auf ihren Höfen gefragt, ob ich mein Zelt bei ihnen aufbauen kann. Entweder wollten oder haben sie mich dann nicht verstanden, oft aber auch gleich nachdem in ihnen mein Bilderbuch ( Bilder von Dingen statt Worte) gezeigt habe, abgelehnt. Sicher liegt es aber auch an dem Verbot Ausländern keine private Übernachtung anzubieten. Nachdem ich dann das Dorf komplett durchquert hatte bin ich wieder auf der Straße Richtung Grenze gelandet, habe mich dann hinter Büschen neben der Straße in einem Getreidefelder versteckt. Das Rad mit der grünen Zeltplane abgedeckt und auf die Dunkelheit gewartet. Gegenüber auf der anderen Straßenseite war eine große Apfelplantage, das Gittertor stand weit offen und dort wollte ich dann zwischen den Reihen mein Zelt aufschlagen. Da dort aber noch Männer gearbeitet haben, musste ich schon noch drei Stunden warten. Endlich gegen 20:30 Uhr, die Dunkelheit setze langsam ein, der Autoverkehr von und zur Grenze nahm ab, nutze eine Verkehrslücke und sprintete das Rad schiebend über die Straße, durch das Tor, erst noch an einer langen, undurchdringlichen Reihe von Apfelbäumen vorbei, in die nächste mögliche offene Baumreihe. Puh, das war heftig, zumal ich auch noch den Bewässerungsgraben übersehen hatte, natürlich komplett reingestürzt bin und entsprechend aussah. Am Tor war mir im Sprint noch kurz, dass dort ein Schloss hing. Der Gedanke, dass ggf. morgen früh das Tor verschlossen sein könnte kam mir kurz. Aber das wird dann auch erst morgens mein Problem sein, dachte ich mir. Das Zelt war schnell aufgebaut, diesmal ohne Überzelt. Ich ließ sonst alles am Rad und legte mich gleich schlafen. Lange noch hörte ich die Traktoren der Plantagenarbeiter durch die Nacht fahren, gesehen oder gefunden haben sie mich glücklicherweise nicht. Der Mond leuchtete ziemlich hell in das Innenzelt, trotzdem schlief ich gleich ein.

Um 05:00 Uhr wachte ich auf, baute schnell alles ab, packte routine-mäßig meine Sachen und machte mich auf den Weg zur Grenze. Ja und ich hatte mal wieder das richtige Gefühl, das Tor war verschlossen. Puh, das ist jetzt aber doof, dachte ich, zumal das Schloss auch ziemlich massiv war. Gewalt ist immer keine Lösung, Einfallsreichtum kommt weiter. Einmal kurz nachgedacht, und schon sah ich die Lösung. Am Ende der ca. 200 m langen Bqumreihe sah ich eine Hütte stehen. Also dorthin, vielleicht komme ich da raus, so meine Gedanken. Auf der Terrasse vor der Hütte lagen die Arbeiter noch auf ihren Matten und schliefen. Einer hob verschlafen den Kopf. ” Moin, ich bin dann weg”, flüsterte ich ihm zu. Schnell schob ich das Rad und mich durch die offene Pforte, legte zum Abschied noch meine Flagge von Usbekistan auf das Geländer, sah mich hinter dem Tor beim Aufsteigen noch einmal kurz um und in das noch immer verschlafene Gesicht des erstaunt blickenden Arbeiters, trat in die Pedalen und machte das ich fortkam.

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Schnell und viel zu früh war ich an der Grenze. An Grenzöffnungszeit in Asien, muss ich mich noch gewöhnen. Ich nutzte die Zeit um Geld zu tauschen und bekam für 35.000 usbek. Som, 45 tad. Somi. Ob das ok war, keine Ahnung. Wir reden hier ca. 10€. Froh war ich allemal endlich von diesen Riesensummen, eine Flasche Wasser kostete 1.500 Som, wegzukommen. Endlich, 45 Min über der Zeit, bequemten sich dann die Usbeken ihren Grenzposten zu öffnen. Ein, wie sollte es anders sein, übel gelaunter Grenzpolizist durchwühlte meine Sachen. Ich lächelte ihn an und sagte, das ich ihm helfen könnte bei der Suche, wenn er mir sagen würde, was er sucht. Zum Glück hat er nur die Hälfte oder vielleicht gar nichts verstanden, sonst hätte das wohl noch länger gedauert bei meiner Dreistigkeit. Wohlgemerkt, ich dachte zuerst es ist schon die tadschikische Zollkontrolle, es war die Ausreise. Dann winkte mich der Stinker weiter. Die nächste Kontrolle war dann schon auf der tadschikischen Seite. Hier ging alles ziemlich schnell mit der Zoll- und Grenzkontrolle. Wie immer wurde alles in einen PC getippt, dann in ein Buch geschrieben, dann auf ein Blatt bzw. Formular übertragen, viele viele Stempel verteilt. An der letzten der vielen zuvor überwundenen Schranken pfiff und rief mir dann jemand hinterher. In der Annahme der will nur Geld tauschen, reagierte ich erst einmal nicht wirklich. Die Rufe waren dann doch ziemlich massiv und so drehte ich mich noch einmal um. Ein Typ in Uniform, mit hochrotem Kopf wahrscheinlich vom Laufen, winkte aufgeregt und so hielt ich, drehte um und fuhr ihm noch mal entgegen. ” Stempel, Stempel, Usbek usw. ” verstand ich nur. Also Pass wieder auskramen, mit ihm zurück zur usbekischen Grenzkontrolle und dort, ganz wichtig noch einen Stempel abholen, obwohl ich ja schon alle Stempel für Tadschikistan hatte. Innerlich musste ich schon grinsen, aber naja auch sie müssen ihre Berechtigung netsätigt bekommen, dachte ich. Dann aber spurtete ich zurück zum Rad, bevor denen noch etwas einfiel. Ich wollte nun endlich weg. Leider ging das nicht so schnell wie gedacht, denn auf tadschikischer Seite wurde die Straße neu geteert. Der Teer und der Kleber oder was immer das war, erhitzt und flüssig von der Sonne, klebten sofort mit vielen Schottersteinchen an meinen Schuhen, Reifen und sonst wo. Meine Geschwindigkeit glich der Walze die im Schneckentempo den Asphalt fest walzte.

imageWieder in einem neuen Land. Das zehnte auf meiner Reise. Immer sind die ersten Stunden, die ersten Tage spannend. Was erwartet mich? Kenne ich alle notwendigen Infos? Wie verhalten sich die Menschen mir gegenüber? Ich nutze dann oft zur ersten Kontaktaufnahme einen vorhandenen Mini Market oder Frage nach dem Weg, und gehe so auf die Menschen zu. Versuche erste Gespräche mit Händen, Gesten usw. zu führen. Oft, eigentlich immer, schlägt mir sofort Neugierde entgegen. Fragen nach woher, wohin werden gestellt, von mir, für die ….Stanbewohner nicht zu verstehen, in Russisch beantwortet, oftmals wiederholt ich, dann lachen wir und das Eis ist gebrochen.

Nach 70 km erreichte ich gegen Mittag Dushanbe, die Hauptstadt von Tadschikistan. Der Orient, jetzt Dushanbe, vorher Bukhara, auf der Karte sah ich Samarkand, Taschkent, ich war auf der sagenhaften Seidenstrasse. Aus den Erzählungen von Sven Hedin, Marco Polo und anderen Abenteuern kannte ich diese Städte, aber jetzt hatte ich sie mir mit dem Rad erkämpft. Glücklich und erleichtert fragte ich mich zum Zentrum durch.

Was mir hier allerdings sofort auffiel, waren die vielen europäischen, eigentlich nur deutsche Geländewagen. Meistens natürlich in schwarz o. weiss, und hinterm Lenkrad junge, aggressiv schauende Typen.

Im Zentrum angekommen kam mir wieder ein unglaublicher Zufall zur Hilfe.

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