Nepal 

24.11.2016 – 08.12.2016 /619. – 633. Tag

Schon mit dem Abflug aus Mandalay verstärkte sich meine Nervosität. Die Aufregung in der Mitte meines Körpers. Nun befinde ich mich also in dritten Anflug auf Katmandu. Der Zahl 3 wird ja auch eine gewisse Magie zugesprochen. Der Wünsche hat man frei, so eine Fee auftaucht. Drei Versuche hat man, so es eine schwierige Aufgabe zu bewältigen gibt. Dreimal darfst Du raten. Ein dreifach Hoch. usw. Ich zähle bis 3, wenn Du dann nicht….

Na ich konzentriere mich auf das Positive im Zusammenhang mit der DREI!!! Schlimmer kann es bei meinem dritten Versuch mit dem Rad durch Nepal zu reisen, ja auch nicht kommen oder? Meine erste Reise in 1995 endete eigentlich schon nach 15 min im Graben. Mich hatte bei der Ausfahrt auf dem Zubringer nach Katmandu ein LKW gerammt. Mich in den Straßengraben befördert und dabei hat dann das Hinterrad bei der Landung im Dreck schlimm etwas abbekommen. Nach 1,5 Wochen war dann trotz zahlreicher Reparaturversuche im Gebirge auf dem Weg in den Terai endgültig Schluß. 

Den zweiten Versuch, einige Jahre später, unternahm ich mit einem Freund. Unter dem Motto, Wer nicht hören kann muß fühlen, knockte ihn die Malaria-Prophylaxe völlig aus, denn ich hatte ihm im Zusammenhang mit der körperlichen Anstrengung dringend davon abgeraten. Zwar kam ich dieses Mal etwas weiter nach Süden, aber auch dieser Versuch endete nach einer Woche mit einer Rettungsfahrt per Bus, LKW zurück nach Katmandu.

Nun also mein dritter Versuch mit dem Rad unterwegs in Nepal, nach Süden, durch den Terai, um an einen Grenzübergang nach Indien zu kommen. 

Der Flug brachte mich allerdings noch einmal wieder nach China. Über das südliche Drehkreuz von China, Kunming, ging der Flug nach Katmandu. Eine Nacht musste ich dann auch noch auf dem Airport zubringen. Diese Nacht verbrachte ich in dem Airport-Hotel, nachdem ich mir, natürlich wieder mit erheblichen Verständigungsproblemen, dort ein Zimmer organisiert hatte. Die Dame an der Rezeption verstand keine Silbe englisch und sprach, in China natürlich, auch keine Wort englisch. Es erstaunt mich immer wieder, mit welchem Selbstverständnis diese Tatsache als chinesisch gegeben hingenommen wird. 

Gedanklich beschäftige ich noch lange mit dem kommenden Checkin in dieser Nacht. Wie teuer wird es wohl diesmal werden? Der ungekrönte, unverschämte Rekord liegt immer noch bei 850 US$ beim Christchurch Airport/NZL.

Am Checkin-Schalter steht unerwartet direkt vor mir ein Typ der, wie mir sofort auffiel, kein weiteres Gepäck hatte, außer einen kleinen Rucksack. Na und da kam mir doch sofort die Idee. —Den frage ich doch gleich mal, ob ich mit ihm mein Gepäck teilen könnte.- „Ja klar, kein Problem“, bekam ich nach kurzer Erklärung zur Antwort. Für die Dame am Schalter war dies auch kein Problem und so konnte ich diesmal ohne zusätzliche Kosten meinen Radkarton aufgeben. Ach wie schön, was für ein Glück! Dies stimmt mich doch froh für die nächste Zeit. Ich bedanke mich natürlich viele Male und bringe den Radkarton froh gestimmt zum Oversize-Schalter.

Jetzt sitze ich im Flieger neben zwei freundlichen, älteren japanischen Männern. So ich sie richtig verstanden habe, planen sie wohl eine Promotion-/Treckingtour in den Bergen. Na Hut ab in dem Alter, aber Japaner sind ja bekanntermaßen auch im hohen Alter sehr agil/zähe. Wir unterhalten uns mit Händen und Füssen, geniessen gemeinsam die Aussicht auf den Himalaya und ich erfahre, dass einer der beiden Maler ist und eine Einladung für eine Ausstellung in Nepal hat. Unter www.jsite.co.jp/koho/ sind die Werke zu bewundern.

Lange kreisen wir im Himmel über Katmandu, warten auf die Landeerlaubnis. Das gibt mir die Möglichkeit immer wieder bei der klaren Sicht sehnsüchtig die schneebedeckten Himalayagipfel zu bestaunen. Glücklicherweise habe ich einen Fensterplatz bekommen und so ist der Anflug an Kathmandu bereits ein erstes grosses Erlebnis. Bei klarer Sicht erlebe ich von meinem Platz die Schönheit des Himalayas. Klar und deutlich zeichnen sich die schneebedeckten Gipfel gegen den dunkelblauen Himmel ab. Die tieferlegenden Wolkenbänke erscheinen winzig gegen die sich hintereinander reihenden, endlosen Gipfelketten. Aus dem Nichts heraus, aus der tiefen Ebenen des Terei erheben sich die Giganten. Natürlich ist auch das Chomolungma Massiv erkennbar. Der direkte Anflug beginnt und es wackelt jetzt tüchtig als wir durch die Wolkendecke stossen. Ich freue mich auf Nepal. Mein Reiseland Nummer 29.

Alle Einreisenden, außer die Chinesen, benötigen ein Visa „on arrival“. Allerdings muss man vorab an einem Bankschalter im Airport dafür seinen Obolus, die Gebühr, entrichten. Mit diesem Vorgang für die etwa 150 Einreisenden aus 3!! Maschinen beschäftigt sich ein grund-phlegmatischer, in sich (ausruhender), nepalesischer Angestellter. 30 US$ oder 30 € sind zu entrichten. Ich habe Zeit und beobachte den sich hinziehenden Zahlungsvorgang. Bezahlt jemand mit einer 50er Banknote geht es noch relativ schnell. Er tippt der erhaltenen Betrag in einen Taschenrechner ein, zieht den zu zahlenden Betrag (30) ab und staunt immer wieder aufs Neue auf das Ergebnis. Bei 100er Banknoten qualmt der Taschenrechner und ein zweiter Nepali mußt den Rechenprozeß, das komplizierte Prozedere begleiten. Die Währungsdifferenz zwischen Dollar und Euro wird geflissentlich ignoriert. Der Betrag ist einfach nur 30 (irgendwas).

Weiter geht es dann natürlich zur „sich träge vorwärst bewegenden Einreiseschlange“. Das alles erweckt bei mir den Eindruck, dass hier Menschen beschäftigt sind, die völlig überrascht sind, das Menschen auf diesem Airport ankommen und einreisen wollen. Und ja, welche Überraschung, dass Gepäck ist noch nicht ausgeladen. Wahrscheinlich stehen die Entlader staunend vor den Containern und denken darüber nach was man damit machen könnte. Was daraus werden soll! Ok, alles geht mit gewohntem Phlegma weiter. Irgendwann stehe ich mit meinem Gepäck in der beginnenden Abenddämmerung vor dem Airport. Jetzt noch schnell das Rad zusammenbauen, denn die Angebote der Taximafia sind mir doch zu unverschämt. Dann ist es mittlerweile stockdunkel und ich muß mich ohne Licht auf zum Guest House machen. 

Was mich dann auf der Straße umgibt ist UNVORSTELLBAR !!! Wirklich !!! Mitgemacht habe ich ja nun schon einiges. Manila, Jakarta, Bangkok, Saigon, Hanoi, Yangon und zuletzt Mandalay. Doch all das steht in keinem Vergleich zu dem Chaos in Kathmandu. Ich brauche für die 5 km Strecke bis zum Hostel mit dem Rad 1h und das auch nur, weil ich wirklich jede Lücke, jede Möglichkeit des voran Kommens nutzte. Immer wieder bin ich in diesem Chaos völlig eingekeilt. Alle hupen natürlich lautstark jeden an. Eine beissende Dieselwolke liegt über allem und an ein Vorwärtskommen ist, auch mit dem Rad, nicht zu denken. Die Lichter der Fahrzeuge kriechen durch die wabernde Dieselwolke über all diesem Chaos. Auch in den einmündenden Gassen, den abzweigenden Wegen, steht alles seit Stunden auf dem selben Fleck. Zentimeter um Zentimeter schieben sich in den Seitengassen die Lawinen aneinander vorbei. Fast zu schmal für jeglichen Gegenverkehr. Dazwischen, dahinter, davor, daneben verhinderten Mopeds, Rikschas, Händler am Strassenrand und Baustellen die Auflösung jeden Staus. Mir wurde gegen die Radtaschen gefahren, über den Fuß und natürlich jederzeit die Vorfahrt, sollte es so etwas überhaupt für irgend jemanden geben, sicher nicht für Radfahrer, genommen. Am schlimmsten war es an großen Kreuzungen, wo sich jeder die Weiterfahrt in die gewünschte Richtung erzwang. Am Rand zuschauend standen hier und da auch immer mal wieder Polizisten und regelten,……NICHTS!!! Die kompletten Kreuzungen standen voller Autos, Busse, LKWs und Mopedfahrer und wirklich, eine halbe Stunde ging es auch für mich, keinen Zentimeter vorwärst. Ich habe so etwas noch nicht erlebt. Im Tamil erwartete mich dann die nächste Katastrophe. Durch die engsten Gassen quetschte sich auch hier der Verkehr. Dazu kam allerdings, dass jeden Gasse eine Baustelle ist und der Schutt auf der Strasse liegen bleibt. Eigentlich kann man die Wege auch nicht als Strasse oder Gasse bezeichnen. Trotz all den Hindernissen fahren auch hier Autos, Mopeds und Motorräder rasend kreuz und quer.

Da die Häuser im Thamel, dem Touristenbezirk, sehr eng stehen, verlor ich ständig das GPS Signal und fand mein Hostel nicht wirklich. Also checkte ich dann nach ewiger, erfolgloser Suche, in ein anderes Hostel ein. Anschließend holte ich mir Geld, ging etwas essen, kaufte mir eine Flasche Eukalyptusöl gegen die Erkältung und machte mich mit meinen Gliederschmerzen ins Bett. Morgen wird es ein schöner Tag. BESTIMMT! SICHER !!!

Nun hat mich der Komfort doch noch einen Tag länger gehalten. Ich hatte ja auch noch nicht wirklich viel von der Stadt gesehen und wollte schon noch einmal in meine Erinnerung zurück an die mir bekannten Stellen. Und so bin ich nach dem Frühstück zum Durbar Square, mit Talje-, Jagan Nath-,Panch Multi Hanuman-Temple. Alles machte einen ziemlich verfallenen, nicht wirklich erhaltenen Eindruck. Eingebrochene Dächer bereits mit Sträuchern, Gras und Unkraut überwachsen. Überall grosse Müllberge, begonnene, abgebrochene Restaurierungsarbeiten und damit unansehnliche Historie. 

Erkannt habe ich meine alten Plätze trotzdem. Die Händler auf dem Marktplatz, die Cafés und die Strassen. Am Nachmittag gab es dann noch einmal ein gutes, ausgiebiges Essen und damit kräftig Energie. Die Erkältung, das leichte Fieber, ist noch nicht ganz überwunden, doch nun muss es morgen wirklich weitergehen. Ich bin mich voran treibend neugierig, gespannt.

Nachdem ich in Ruhe ausgiebig gefrühstückt hatte machte ich mich dann erneut auf in das Verkehrschaos. Nach so vielen Tagen der Ruhe, ohne Radfahren ist es nicht leicht wieder auf das Rad zu steigen. Obwohl dieses ganze Chaos im Thamel fürchterlich nervig war. Keine Festlegungen regeln irgendetwas. Tagelang stand, eine zuvor angenehme begehbare Straße, unter Wasser. Es stank nach Fäkalien und alles staute sich in der riesigen Wasserfläche. Die Leute wurden gezwungen an den Häuserwänden entlang zu klettern, der Verkehr hupte noch lauter als sonst, weil keiner mittig durch die Wasserlache fahren wollte. Das Chaos schlecht hin. 

 

Auf der Ausfallstraßen traf ich noch einen deutschen „Rumschnacker“ auf einem MTB. Der hatte nach seinen Erzählungen bereits alles gesehen. Von allem die meiste Ahnung und …..! Na nichts wie weg, dachte ich nur und handelte auch schnell entsprechend.

Den Tag über ging es dann, nachdem ich Katmandu verlassen hatte, stetig auf üblen Schotterpisten, bergan. Der Staub, der Dreck, die Steigung machte mir zu schaffen. Lange Strecken musste ich schiebend, im dichte Staubwolken gehüllt, von wild hupenden Jeeps, LKW und Bussen umgeben, überwinden. Mit der Höhe nahm auch die Ärmlichkeit am Straßenrand zu. An einer Straßenhütte mit Basar machte ich gegen Mittag eine Kekspause, konnte mich allerdings nicht lange aufhalten. Es stank so wahnsinnig nach menschlichen Ausscheidungen, dass es für mich essend nicht auszuhalten war. Mehrfach war die Piste so eng, dass kein Auto sicher an mir vorbei kam oder mich überholen konnte. Drängelei, Hupekstase, Chaos.

Schaute ich zurück, ließ meinen Blick weit in das Land schweifen, blickte ich staunend auf das sich endlos erscheinende, darbietende Tal. Tief in der Ebene die Stadt, umringt von hohen, in der Nähe empor wachsenden Bergmassiven, tief unten eingezwängt ringelt sich der Fluss und weit an der linken Seite die sich aufwärts windende Strasse.

Die Dämmerung setzte ein und ich hatte weder ein häusliche Übernahtungsmöglichkeit, noch einen Zeltplatz gefunden. In einer kleinen Siedlung kaufte ich mir Wasser, Möhren, rettete ein Kleinkind vor dem Überfahren durch einen durch das Dorf jagenden SJV, und fragte nach einem Hotel. Soll in ca. 7 km kommen. OK, schön. Wie immer aber, besonders von Männern, sind Entfernungsangaben relativ. Nach einer Stunde, ok es ging stetig bergan, aber immerhin konnte ich fahren, war immer noch nichts in Sicht. Dann fuhr ein Motorradfahrer neben mir, blieb auf meiner Höhe und fragte unverständlich hinter dem Helmvisier, nach meinem woher, wohin, meinen Name, na ebene das Übliche. 

Hielt dann irgendwann fragte, ob ich Hilfe brauche, ja es ist dunkel, alle fahren wie gestört. „Ein Hotel jetzt wäre gut.“ Ok, gesagt getan. Er gibt mir Deckung vor den Dahinjagenden und fährt mit Licht neben mir her. Als wir das Hotel, na ja eher ein Gebäude mit Übernachtungsmöglichkeit erreichen, möchte selbst er nicht, dass dort bleibe und nach kurzer Diskussion, Überlegung und meinem nachfolgenden Lösungsvorschlag, schleppt er mich mit seinem Motorrad bis auf die Passhöhe zu einer seiner Meinung nach besseren Unterkunft. 

In finsterer Nacht, mit schmerzgezerrten Armen erreiche ich die Passhöhe. Mehrfach hat es mir auf den steilen, nicht enden wollenden Serpentinen, gefühlt die Arme aus den Schultergelenken gerissen. Das Seil schnitt mir in die Handflächen und verhinderte jegliche Durchblutung. Loslassen, meinen nächtlichen Helfer ziehen lassen, dass wollte ich aber auch nicht. 

Dicker Nebel umhüllt die Passhöhe. Nieselregen tröpfelt durch das unheimliche Weiß. Keine 4 Meter ist die Sichtweite. LKWs mit laufenden Motor stehen auf dem Scheitelpunkt und ihre Abgase durchsetzen die feuchte Luft. ES STINKT !!!

Ich friere seit langem mal wieder. Es ist wirklich unangenehmes Wetter und all das bin ich seit Monaten nicht mehr gewöhnt.  Es gibt nur kaltes Wasser in dem Zimmer unter der Küche. Also fällt duschen aus. Ich schleppe mein Rad und die Sachen über mehrere Treppen nach unten. So  steht mein Rad im Zimmer. Wir sind beide sicher für die Nacht und gedanklich bestätige ich mir – wie schön ist das denn ?

In Bhaise Dovan erreichte ich nach einer langen, anstrengenden Abfahrt über eine kleine Gebirgsstraße den Highway 02. Steil durch enge Kehrtwenden führte mich mein Weg an der bewaldeten Felsfront bergab. Nicht enden wollende Serpentinen, unterbrochen von kleinen kurzen Anstiegen, führten mich tief in die Ebene. Laufen lassen konnte ich das Rad nie, da die Straße doch teilweise in schlechtem Zustand war, die Kehrwenden ein vorsichtiges Fahren erforderten und die mir entgegenkommenden Jeeps doch arg die Kurven schnitten. Am Ende glühten die Bremsscheiben. 

Bis Hetauda war es dann sehr angenehm auf der Straße, die von beiden Seiten von Bergmassiven und einem parallel verlaufenden Fluss begleitet wurde. Immer wieder führte die Straße über altersschwache Eisenbrücken, bei deren Befahren selbst bei meinem Rad-Transport-Gewicht die altersschwachen Verbindungen quietschten und knarrten. Der Fluss führte wenig bis gar kein Wasser. Das ist jetzt in der kühleren Jahreszeit, zu Beginn der Regenzeit doch recht ungewöhnlich. So sah es ja fast überall in Asien aus. Den Mekong, das Delta, einmal ausgenommen.

Mein abend-/nächtlicher Berghelfer hatte mich vor seiner Weiterfahrt noch in sein Haus in Hetauda eingeladen und das be-/versprochenen Treffen klappt auch tadellos. So habe ich für heute Nacht ein kostenfreie Unterkunft, kann meine Wäsche nach der gestrigen Staubschlacht waschen und einen Guide der mich zu einer Apotheke fährt. Die Wunden an meiner rechten Wade wollen einfach nicht heilen. Immer wieder entzündet sich die Fläche, wird sogar noch größer und schmerzt natürlich unangenehm. Komisch, dass das Klima wirklich so den Heilungsprozess verändert, verlängert. Und was aus so einer kleinen Stelle, eine kleine nicht bedeutende Wunde unter den feucht, tropischen Bedingungen werden kann.

Nach einer kleinen Mahlzeit, die mir nach dem Duschen serviert wurde, setzen wir uns auf das Motorrad und fahren hinaus auf die Pflanzungen meines Gastgebers. Hier zeigte er mir seine neue Geschäftsidee. Die Anpflanzung von Agarwood. Ein Baum aus dem man in 10 Jahren Öl zur Herstellung von Parfüm gewinnen kann und dieses wohl auch sehr profitabel verkaufen kann. Angeblich, so ich das richtig verstanden habe kostet ein Liter 40 tsd. US$. Ok, wenn es klappt!?

Ich hoffe auf eine ruhige, erholsame Nacht und frohes, kraftvolles Erwachen für die nächste Etappe in Nepal.

Meine morgendliche Abfahrt zieht sich dann allerdings bis zur frühen Mittagsstunde hin Nachdem ich alles gepackt hatte, mich mit meinen Taschen nach unten gehumpelt bin. Eine Tasse mit heissem Wasser für den Kaffee bekommen hatte, gab es Toast mit Marmelade und Obst. Die Kinder machten sich für die Schule, Beginn um 09:00 Uhr, fertig. Dem Mädchen wurde aus ihren langen, schwarz glänzenden Haaren, zwei dicke Zöpfe geflochten. Der Junge ordnet seine Sachen selbstständig, stieg auf sein Rad, grüßte mich fröhlich und machte sich auf den Weg. Mit Baba (Vater) saß ich vor dem Haus in der Sonne, führte Smalltalk. Schaute zu wie das Mädchen von der Mutter aus einer großen Schale mit Reis und Dahl im Stehen gefüttert !!!wurde. Trotz der Nähe zu Indien und dem Hindu-Glauben haben in Nepal Mädchen/Frauen eine gute Stellung innerhalb der Gesellschaft. Werden nicht entsprechend indischen Gepflogenheiten bei jeder Gelegenheit benachteiligt. Die Kinder waren dann irgendwann in der Schule und nun gab es für mich noch einmal ein großes, warmes Frühstück. Mit entschiedenen Nachdruck zur Weiterreise mußte ich mich dann von den beiden verabschieden. Sie wollten mich einfach nicht aus dem haus lassen. Immer wieder wurde Tee eingeschenkt, ich zum Bleiben aufgefordert. 

Schnell radelte ich dann durch die gepflegte Häusersiedlung dem hörbaren Verkehrschaos entgegen. Wende mich an der -Buddha Kreuzung“ nach links auf meinen Weg in den Chitwan-National-Park (CNP). Dieser hat eine Fläche von 932 km² und liegt im süd-westlichen Terai, eingegrenzt von den Vorbergen des Himalaya. Die südliche Grenze des Nationalparks ist zugleich die Landesgrenze zu Indien. Im Osten schließt sich das Para-Wildreservat an. Im Norden bildet der Fluss Rapti und im Westen der Fluss Narayani eine natürliche Begrenzung zu besiedelten Gebieten. Auf dem weg dorthin muß ich mich auf dem Highway im wahrsten Sinne es Wortes durch den LKW Verkehr, inklusive einer LKW-Seitenberührung, einem verbogenen Spiegel und eine riesigen Wut im Bauch, voran kämpfen.

Ben aus Luxemburg treffe ich auf einem beschatteten Straßenabschnitt und so talken wir über eine Stunde am Straßenrand über unsere Erlebnisse. Dann überholt mich doch noch einmal der  „Baba“. Versichert mir seine weitere Hilfe, kauft mir ein kaltes Getränk, hatte auch bereits alle Kontrollstellen über meine Durchfahrt unterrichtet und freut sich auf unser nächstes Treffen nach meinem Besuch in CNP. Er läßt sich auch nicht davon abbringen mir sein handy inklusive Sim-Card zu schenken. „ Wenn etwas passiert, Du Hilfe brauchst, nicht weiter kommst…., rufe mich sofort an. Ich bin in der Nähe.“ Der Mann ist echt der uneigennützige Helfer schlechthin. In Sauraha, in der Nähe des Abzweigs zum CNP erreiche ich die letzte größere Stadt auf diesem Weg. Dieser Ort ist das Chaos in Vollumfang-Funktion. Eine Straße existiert nicht mehr, denn die vier Fahrspuren sind komplett aufgerissen, von Risiken Sand-/ Geröll- und Schuttbergen umgeben. Der gesamte Verkehr fährt kreuz und quer durch diese Hindernisstrecke. Nicht auf seine Richtung oder Regeln achtend. Nur das Vorankommen im Blick. Wie immer müssen die Schwächsten in dieser Hackordnung sehr massiv um ihre Gesundheit fürchten. Auf der Sandpiste, auf kleinen Flächen zwischen den Schuttbergen haben Händler ihre Ware ausgebreitet. Stehen ihre Karren mit Gemüse, Fleisch und Obst. Kinder, Jugendliche rennen mit Wasserflaschen, einfachen Snacks und allen erdenklichen Haushaltswaren zwischen den beidseitigen Stauschlangen. laut ihre Ware anbietend, hin und her. 

Ich muß alle Konzentration auf mein Umfeld richten, um nicht im Dreck zu landen. Fahre so zweimal an dem kleinen, nicht als solchen zu erkennenden, Abzweig vorbei. Doch endlich bin ich dann auf dem Nebenweg und sofort umgibt mich etwas Ruhe. Bleibt der Stress hinter mir. Der schmale Weg führt durch eine von Reisfeldern und Wiesen geprägte Landschaft. 

In Kasara dem Verwaltungssitz des CNP’s fahre ich gleich an mehreren, heimkehrenden Reit-Safari-Elefanten vorbei. Schnell erreichte ich das südliche Ende des Ortes am Flussufer und ließ erste Blicke auf die NP-Seite schweifen.

Auf der Uferböschung traf ich auf einen Nepali, der mich auf meine Frage hin, für eine mehrtägige Tour durch den CNP, zum Ranger-Office brachte. Wie so oft bin ich bei solchen Tourbuchungen immer recht kurz entschlossen. Stimmt die Chemie, bin ich von den Leute überzeugt, dann folgt in der Regel nur noch eine kurze Unterhaltung und ich entscheide mich für den Anbieter.  So buchte ich dann schnell eine 5 Tage Trecking-Tour durch den CNP, ein nahes Hotel, stellte meine Sachen im Zimmer ab und saß kurze Zeit später in einem kleinem Nepali-Restaurant.

Am Abend versorge ich noch einmal gewissenhaft meine entzündeten Wunden, denn in den kommenden fünf Tagen werde ich dazu sicher nicht kommen.

Am frühen Morgen liegt über dem Fluss noch dicker Nebel. Alles ist in eine herrliche Stille getaucht. Kein Zivilisationslärm dringt an mein Ohr. Schnell habe ich zuvor noch die Formalitäten im office erledigt. Einen hoffentlich sicheren Platz für mein Rad, meine verbleibende Ausrüstung zugesichert bekommen. Meine beiden Guide sind auch da. Wir verständigen uns kurz, stellen einander vor und gleich geht es runter zur Anlegestelle. 

In der Mitte des Flusses liegt die Grenze zum CNP und nach der Ankunft umgibt mich sogleich auf einem schmalen Pfad weg vom Fluss, dichtes Hochgewachsenes Schilfgras. Gegen Mittag erreichen wir einen ersten Militär-Kontrollpunkt, müssen uns anmelden, einen Gebühr entrichten und unseren Weiterweg beschreiben. 

Auf Anweisung muß ich immer zwischen den beiden Guide laufen. Wir kriechen durch Schilf am Flussufer entlang. Stehen minutenlang still und lauschen den Lauten hinter der undurchsichtigen Wand aus Schilf. 

Dann endlich, in einer trockenen Senke unter einem Baum, bewegt sich etwas, taucht ein riesiger grauer Rücken auf. Ich stehe zu tief um etwas zu sehen und so klettere ich schnell auf einem Baum und so finde ich mein erstes Nasshorn-Motiv. 

Gegen Abend erreichen wir das Ufer des East Rapti River, lassen uns mit einer Fähre übersetzen und verbringen die erste Nacht in einer Dschungel-Lodge. 

Jeder Tag vergeht mit „große Augen machen Momenten“ bei der Begegnung mit Bären, Krokodilen, Nashörnern, Elefanten, Weißkopfadlern. Immer wieder entdecken die Guide Spuren von Tigern. Meterhohe Kratzspuren, Markierungen, an Bäumen. Tiefe Grablöcher abseits des Weges, doch leider keinen leibhaftigen Tiger. 

Die dritte Nacht verbringen wir in einem Dorf mitten im CNP. Die Unterkunft ist sehr, sehr einfach, doch das freundliche Wesen der Bewohner hilft über kleine Hindernisse hinweg. Es gibt traditionelles Essen, auch ein kaltes Bier und so sitzen wir bis tief in die Dunkelheit zwischen den Hütten und ich bin von der Geräuschkulisse fasziniert.

Gegen Nachmittag des fünften Tages erreichen wir wieder das Park-Office und ich verabschiede mich ziemlich platt, jedoch bis an die Haarwurzeln voll gepackt mit Eindrücken, von den beiden Führern und fahre mit meinem Rad und vollständiger Ausrüstung, in mein Hostel. 

Der folgende Tag beginnt früh und verläuft ereignislos. Außer Staub, der übliche Stress mit den LKW-, Bus- und Jeep-Fahrern, passiert nicht viel. In Hetauda halte ich noch einmal an der Apotheke und kaufe noch einmal Verbandszeug und eine Salbe gegen die zahllosen Zeckenbisse. 

Zum Frühstück habe ich sogar Milch für mein Müsli und heißes Wasser für den Kaffee gefunden. Anschließend musste ich mir nur noch eine Gasse durch das Chaos der parkenden LKWs bahnen um auf die Strasse zu kommen. Glücklicherweise ging es auf diesem Teil des Highways mit etwas weniger Verkehr voran. Jedoch nicht mit weniger Hupen und schon gar nicht mit weniger Raserei. In den Dörfern in denen ich halt machte wurde ich sofort daran erinnern, dass ich dicht an der indischen Grenze war. Alle anwesenden Männer umringten mich gaffend und jeder fummelte irgendwie am Rad herum. Ein kurzer Brüller, ich kann das überhaupt nicht leiden, daraufhin ließen das ungefragte Befummeln bis zu meiner Weiterfahrt nach.

Immer wieder saßen Affenhorden auf der Straße oder in den Müllbergen am Straßenrand nach Eßbarem suchend. Gemächlich machten sie sich bei meiner Annäherung von der Straße in den nahen Wald.

Frauen in farbenfrohen Sahri, Männer in typischer indischer Kleidung mit langem Hemd schauten mir immer wieder hinterher. 

Verdammt, oh man!!! Irgendwie hatte ich so etwas schon vermutet, hatte nachdem die Straße immer schlechter wurde ein ungutes Gefühl und dann stand ich an der Grenze, am Checkpoint auf nepalesischer Seite und es gab kein Durchkommen. Es ist für Ausländer nicht erlaubt hier die Grenze zu passieren, lautete die klare Ansage und nichts half diese Tatsache zu ändern. Wirklich gar nichts, keine kleinen Lügen, dass ich die Zusage aus dem Immigration-Office in Kathmandu hätte, hier die Grenze nach Indien passieren zu können. Noch eine in gehobener Lautstärke gemachte Ansage, dass ich doch über ein Visa verfüge und dies mir freie Wahl des Grenzübergangs gewährt. Hier ist Schluß. Immer wieder kamen neue, leider nur in meinen Paß glotzende Militärs. Keiner, von den bald anwesenden 8 Uniformierten,  wollte mir aber die Durchfahrt erlauben. Ob das jetzt ein nepalesisches oder indisches Problem ist, weiß ich nicht. Es war auch nicht raus zubekommen. 

Also musste ich die 20 km übelste Piste bis Janakpur und wahrscheinlich auch die dann folgenden 140 km bis nach Pathlaiya wieder zurück fahren. Kein Asphalt, keine Rücksicht, nur Staub, Lärm, Chaos, Elend begleiteten mich auf dem Hin- und Rückweg. Das nahe indische Elend war deutlich zu erkennen.

Zurück in Janakpur konnte mir definitiv keiner der befragten Nepali zu einem nahen Grenzübergang eine Aussage machen und so entschied ich mich dann doch wieder zurück nach Pathlaiya zu fahren. Lange beschäftige ich mich mental mit dem Rückweg. Stellte dann im Kopf klar, dass ich keine Alternative habe und es letztendlich ja mein Fehler war, nicht zuvor z.B. bei der Immigration-Polizei, genaue Erkundungen  eingeholt zu haben. Mit dem Bus zurück kam,  rein gedanklich, nur für 5 Sekunden in Frage. Also hieß es den Kopf ein bißchen runter, die Aufmerksamkeit auch weiterhin auf den Verkehr gerichtet, und die notwendigen Kilometer zurück, abstrampeln. 

Der Morgen in Janakpur war wie in den letzten Tagen immer sehr kalt, neblig und ungemütlich. Die Nepali sitzen, in Decken, Tüchern oder sonst irgendwie Wärmendes gehüllt, vor qualmenden Feuern am Straßenrand, zwischen den ärmlichen Hütten der Dörfer. 

Alle bewegten sich noch im Schleichgang. In einer Garküche neben dem Hotel bekam ich nach langer Diskussion eine Tasse heißes Wasser für meinen Morgenkaffee. Einmal in Janakpur, wollte ich mir wenigstens auch den wichtigsten der angeblich vorhandenen 120 Tempel ansehen. Janakpur wird auch, herausragende Bedeutung haben der Janaki-Tempel und der Rama-Tempel, die Stadt der Tempel genannt. Im Herzen der Stadt finde ich den Janaki-Mandir-Tempel. Die Mogul-Architektur des Tempels, wie sie im Indien des 17. Jahrhunderts beliebt war, ist einzigartig in Nepal.

Die Fahrt zu dem Tempel gestaltet sich als chaotisch. Quer durch die erwachende, morgendliche Stadt hatte ich ständig das Gefühl immer noch schlafenden, träumenden, dämonenartigen Menschen zu begegnen. Alles hupte wie gewohnt, aber keiner zeigte eine Reaktion. Wärmende Feuer in LKW Reifen brannten mitten auf der Strasse. Kühe standen inmitten der zusammengekehrten, zwischen den Ruinen aufgetürmten Müllbergen und suchen nach Essensreste. Natürlich auch immer mal in dem Müll mitten auf der Straße, dem Chaos noch gewaltig förderlich. 

Der Tempel, wie so oft in den Reiseführer-Beschreibungen überschwänglich gepriesen, erwies sich als enttäuschend. Die Umgebung völlig verdreckt, nach menschlichen Extremitäten stinkend, von Kuhfladen übersät, zeigte das übliche Bild der letzten Tage.

In einem tiefen Flur, zuvor von einem Hinweisschild gekennzeichnet, fand ich einen ATM. Ich dachte kurz darüber nach, dass ich in ….? hier nie Geld abholen würde, da mir die Location als wirkliche Mausefalle erschien. Dunkel, keinen zweiten Ausweg, kein Mensch weit und breit. Aber Asien ok, das geht schon.

Irgendwann kam die Sonne raus und ich konnte meine durchgeschwitzte Jacke ausziehen. Sofort spürte ich die ungewohnte, kalte Morgenluft. Ich fror aber ok, alles perfekt geht nicht immer.

Immer wieder versuchte ich mich nicht auf die bekannten Umgebung zu konzentrieren. Mir bewusst zu machen, dass ich den Weg gewählt hatte und nun auch bewältigen musste. 

Ab 15 Uhr wurde es wieder arg kalt und auch der Nebel zog wieder auf. Immer wieder fragte ich mich, ob ich in der allgemeinen Rücksichtslosigkeit des Verkehrs, der schlechten Sicht weiterfahren sollte. Doch wie so oft in Asien, entschied ich mich mit der einsätzenden Dämmerung zur Weiterfahrt. Der Grund, in Südostasien ist es nicht unbedingt üblich in der Dunkelheit, der Dämmerung, der Nacht mit eingeschalteten Licht zu fahren. Die Leute rechnen einfach damit, dass sich auf den Straßen Fahrzeuge ohne Beleuchtung bewegen. Passen wider dem Verhalten am Tage, ein wenig mehr aufeinander auf. Das jedenfalls habe ich mir immer wieder in solchen Situationen zur eigenen Sicherheit, eingeredet. Also fuhr ich weiter und wie so häufig, wenn ich mein Ziel ersehne, zog sich die Strecke elendig hin. 

Die ersten Lichter von Pathlaiya stimmten mich dann ruhiger, denn es war mittlerweile bereits um 18 Uhr völlig dunkel. 

Die Beine waren an diesem Tag einmal wieder sehr schwer, aber mein Wille hatte mich wieder einmal dieses Ziel erreichen lassen. 

Allerdings laufe ich im Moment ziemlich auf Low-Power. Muß mich oft motivieren, weitertreiben, auf den langen, monotonen Strecken in den Hintern treten. Die Unterarme schmerzten von den zurückliegenden Rüttelpisten-Tagen, die Bissstellen der Dschungelzecken schmerzen besonders am Bauch und im Nabel immer noch erheblich. An den Knöcheln und Waden zeigen sich durch die ständige Bewegung, die feuchte Luft und fehlende Hygenie wieder Entzündungen. Noch immer weiß ich nicht welchen Ursprung diese Viecher sind. Zecken, Wanzen, Hundeflöhe ? Besteht Infektionsgefahr?

In Pathlaiya landete ich nach kurzer, alternativloser Suche doch wieder in dem Hotel wie vor Tagen.

Beim Essen am Abend fror ich in meinen nassen, durchgeschwitzten Sachen doch erheblich. Nach dem Essen, dass nun auch endlich einmal heiß war, ging es mir besser und wieder entwickelte sich die erforderliche Energie um die notwendige Dinge zu erledigen. Morgen geht es über die Grenze nach Indien.

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.
Menü