NEUSEELAND

31.03.2016 – 01.05.2016 – 407. – 438. Tag

nzl-jepg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abflug nach Auckland NZL 04:00 Uhr war die Nacht zu Ende, zur Roma-Bahnstation in Brisbane war es ein kurzer Weg mit dem Rad und dem Karton. Zum Glück schlief die Stadt noch, so das ich niemanden bzw. wenige mit meiner Geberbreite behinderte. Problemlos auch die Fahrt zur Airport, Rad demontieren, alles im Karton verstauen und zur Waage schleppen. Wieder einmal 1,9 kg zu schwer, wieder musste ich etwas auspacken, noch einmal den Karton öffnen und am Ende auch wieder 200 A$ Übergewicht bezahlen. Durch das Fenster im Flugzeug sehe ich das Gepäck heran rollen. Mein Rad liegt auf dem letzten Gepäckwagen, die Taschen irgendwo zwischen den riesigen Koffern. Alle Kofferhänger werden entladen, Der Fahrer steigt auf und fährt mit seinem Gefährt davon. Auf dem letzten Hänger liegt noch der große Karton mit meinem Rad. Minuten später verschwindet alles aus meinem Sichtfeld. Was soll das denn jetzt? Schiessen mir die Gedanken rasend durch den Kopf. In der Hoffnung, dass das Rad auf der anderen Seite des Fliegers eingeladen wird, schliesse ich die Augen und schreibe es auf meine Dringlichkeitswunsch-liste, entspanne mich. Beeinflussen kann jetzt eh nichts mehr. Der Flug war ein Höllenritt. Es hat echt derb geschaukelt, geknirscht und es war totenstill im Flieger.

unadjustednonraw_thumb_1e6b

na schauen wir mal, ob ich wirklich willkommen bin

Ankunft Neuseeland – Auckland auf wackligen Beinen und mit flauem Magen, nicht nur wegen dem Flug, natürlich auch mit der Anspannung, ob das Rad im Flugzeug war. Und wirklich, irgendwann rollt jemand den Karton neben das Gepäckband und verschwindet. Der Zoll hat mich dann so ziemlich komplett auseinander gebaut. Ich hatte natürlich die 15 Punkte umfassende Zolldeklaration nur bis zum Punkt eins gelesen und den Rest der Fragen, in der Annahme nach es handelt sich wie immer um Standartgesundheitsfragen, ungelesen verneint. Diesmal ging es nun jedoch um nach dem Reisegepäck und dem woher, was gemacht, wohin usw. Und schon an der allgemeinen Zollkontrolle als ich mit meinem Radkarton einrollte, wunderte sich der Beamte, dass ich zu Frage 5, Einfuhr von Sportgeräten, dies verneint hatte. Punkt 6 war die Frage nach Campingausrüstung, wie Zelt usw. Auf die Frage, ob ich ein Zelt dabei hätte bejahte ich dies natürlich, mich schon ein wenig wundernd. Also hiess es dann für mich, einmal an die Seite treten und anschließend zu persönlichen Zollkontrollpunkt hinter der roten Linie abtraben.

Wie gesagt, alles wurde kontrolliert und die freundliche Zollbeamtin machte mich immer wieder auf meine unrichtige Beantwortung der Zolldeklaration nachdrücklich aufmerksam. So langsam bekam ich dann auch mit, dass ich wohl doch besser den Waschzettel hätte lesen sollen und wurde natürlich in dem Maße freundlicher wie die Dame nachdrücklicher, nicht unfreundlicher, wurde.  Sie wunderte sich über die sauberen Reifen, die ich ja erst einen Tag vorher gewechselt hatte. Hinterfragte mehrfach wo die Sticks für das Zelt seien. Und übergab dann das Zelt, Innen- u. Aussenzelt und das Gestänge ihrer Kollegin für eine „Labor” Untersuchung.

Nach zwei Stunden war ich dann endlich durch die Zollkontrolle und ausserhalb des Airports. Vor dem Airport machte mich eine freundliche Frau darauf aufmerksam, dass es „da hinten….“, sie zeigte in einen abgelegenen Nebenbereich vom Ausgang, etwas für die Montage von Rädern gibt. Natürlich verstand ich wie immer nur die Hälfte bis nichts, hielt unbeirrt an meiner Routine, meinem Standpunkt fest und bekräftigte die Wahl meines Montagestandorts. Der Nächste der mich auf den Service aufmerksam machte war ein Airport Manager, aber auch in diesem Fall gab es von meiner Seite eine abweisende Reaktion. Nach der Montage schaute ich mir dann den Ort der Hinweise an und musste feststellen, dass es wirklich einen Bereich mit Fahrradmontagehalterungen gab. Ich war echt verwundert, erstaunt und ja beschämt.

Nach der Montage wollte ich dann in die City und kam nicht vom Fleck. Die Kette sprang ständig vom Kettenblatt. Und dann sah ich die Ursache. Das Kettenblatt hatte eine arge Delle. Da ist bei der Rüttelei während des Fluges wohl ein Koffer drauf geflogen. Wohl weißlich, seit Bruno’s (ein Schweizer Radfahrer) Bericht in Ecuador, hatte ich mir ja noch ein neues KB eingesteckt und nach einem schnellen Wechsel war wieder alles perfekt. Schreck lass nach, doch es sollte nicht der letzte für heute gewesen sein.

unadjustednonraw_thumb_1e6f

die Radwege in Auckland sind schon mal Klasse

Der nächste kleine Schock kam dann auf der Fahrt in die City. An einer Kreuzung fuhr ich an den stehenden Autos vorbei als mich plötzlich, für mich völlig unerwartet und schon schockierend, eine Frau aus einem Auto mit „fucking Rider….“ anbrüllte. Die Dame war so extrem frustriert, dass ich sie auch mit Fragen, was los sein, welches Problem sie hätte…usw.? nicht beruhigen konnte.

Diese Situation hat mich dann doch wirklich lange gedanklich beschäftigt, denn von den Neuseeländern hätte ich das nun niemals in der Form erwartet. Alle Berichte informierten immer nur über die ausgesprochene Freundlichkeit, Höflichkeit der Kiwis. Doch auch hier sollte ich im Laufe der NZL-Etappe noch andere Eindrücke gewinnen. Doch nun war ich erst einmal in Auckland, Neuseelands Hauptstadt.

unadjustednonraw_thumb_20e8

Zwei Tage später setzte ich mich dann wieder aufs Rad und radelte auf einem super angenehmen Cycleway zum Hafen runter. Meine geplante Überfahrt klappte leider nicht, da die Strecke an diesem Tag nicht bedient wurde. Schön (doof), irgendwann war ich dann gegen 13:00 Uhr auf den Weg Richtung Westen. Auf Radwegen neben dem Highway unter tiefen Regenwolken, einer dunkelblauen/-schwarzen Regenwand entgegen, fuhr ich durch endlose Vororte, Industriegebiet, über Umleitungen, auch auf dem Highway, Richtung Kaukapakapa aus Auckland hinaus. Es dauerte nicht lange, dann öffneten sich die Himmelsschleusen und der erwartete Starkregen machte mich innerhalb von einigen Minuten zum nassen Pudel.

Ich fahre, im immer wieder einsetzenden Wechsel zwischen Niesel-/Dauer-/Starkegen, über viele Berge, lange Anstiege und durch beidseitig der Straße hüglige Landschaften Richtung Nordkap, durch typische neuseeländische Postkartenmotive. Natürlich sind auch überall eingezäunte Weiden mit hunderten von Schafen zu erblicken. Gegen Abend finde ich abseits der Strasse hinter einem Gatter einen Durchgang auf eine schöne Waldwiese, baue im Regen schnell mein Zelt auf und versuche so gut wie möglich das über den Tag Erlebte, den Abend, zu geniessen..

unadjustednonraw_thumb_1fa6 unadjustednonraw_thumb_1fa4

Der Regen, die Feuchtigkeit in allen Sachen über die nächsten Tage macht mich mürbe, macht mir zu schaffen. Vor Dargaville beschliessen wir einvernehmlich, dass wir einmal wieder einen trockenen Platz zur Regeneration brauchen. Also steuern wir Beide, mein treues, nicht wiedersprechendes Rad, es hatte ja zuvor meinem Vorschlag kommentarlos zugestimmt, und ich nach langen Aufstiegen, viel Regen und mit schmerzenden Gelenken, das einzige Hostel im Ort an. Geschlossen,No vacany! Schiiiiittttttt, dass kann doch jetzt echt nicht wahr sein. Also ignoriere ich erst einmal den Hinweis, das Schild und schleiche um das Gebäude, wo ich zuvor doch jemanden auf dem Gelände gesehen hatte. Öffne das geschlossene Gartentor, klopfe, rufe und dann taucht doch wirklich jemand, der Besitzer Dannon, auf. Fragt kurz nach meinen Namen, sagt es sei zwar ausgebucht, zeigt mir dann aber doch die Räumlichkeiten, will 20 NZ$, schiebt ein paar Betten hin und her, fragt ob das Bett, der Platz für mich ok wären und ich erkläre, ja alles ist ok. Ein grosser Gemeinschaftsraum wird zu meiner Übernachtungsstätte. Ich dusche, kaufe ein und beginne zu kochen. Gegen 18:00 Uhr kommt dann Bewegung ins Hostel. Zahlreiche Backpacker, einige aus Deutschland, stürmen von einer Farm kommend, die Räumlichkeiten.

Ein Spaziergang durch die abendliche Stadt, besser das Dorf, erweist sich als trostlos. Alles ist ist bereits um 21:00 Uhr geschlossen, hochgeklappt, tot.

unadjustednonraw_thumb_1ea1

Also schlafen gehen.

Der nächste Morgen war laut,  nervend und die Nacht früh zu Ende. Die Leute mussten früh raus, hat aber auch wirklich keine Rücksicht auf mich genommen. Ich esse gegen 08:00 Uhr in Ruhe Frühstück, packe meine Sachen und mache mich dann im frischen Gegenwind auf den Weg.

unadjustednonraw_thumb_20ed unadjustednonraw_thumb_20f3

Es bleibt windig, warm und am späten Vormittag kommt der Wind dann auch aus der richtigen Richtung. So komme ich auch über lange Anstiege/Höhenrücken gut voran.

unadjustednonraw_thumb_1e9f unadjustednonraw_thumb_1e95 unadjustednonraw_thumb_1e99

Es ist nicht leicht in NZL einen Platz für die Nacht zu finden. Immer sind die Weiden, die Flächen neben der Strasse mit Weidezäunen aus Stacheldraht versperrt. Vorhandene Tore sind mit Schlössern gesichert und es dauert am Abend immer einige Kilometer bis sich eine Gelegenheit bietet auf einen abgelegenen, zugänglichen Platz zum Zelten zu gelangen. Tja, so schnell ist es dann mit der gepriesene Grenzenlosigkeit, Freiheit in NZL vorbei. So auch heute. Ich finde einen Durchgang auf eine Kuhwiese. Bin mit dem ersten Platz nicht zufrieden. Eine Mutterkuh mit ihrem Kalb stürzt aus dem Unterholz davon. Ich erkennen, dass ich ihnen den Weg zum Wasser versperre und mache mich noch einmal auf die Suche nach einem besseren, niemand störenden, Platz. Finde einen schattigen, sonnenabgelegenen Platz. Nicht ideal, viel Dornengestrüpp, viele Fladen. Doch ich baue irgendwie das Zelt auf. Sofort umgibt mich ein Duft von frischen Krautern, frischer Minze. Ich koche, stopfe mich mit Essen voll und werde langsam müde. Es wird eine duftreiche, herrliche Nacht auf schiefer, abfallender Schlafstätte.

unadjustednonraw_thumb_1ed2 unadjustednonraw_thumb_1edf unadjustednonraw_thumb_1ed5

Kalt war es in der Nacht und heute am Morgen. Morgentau, lag auf dem Zelt. Die kaltes Wetter kündigte sich an. Eine dritte Jahreszeit, ich hatte sie schon fast vergessen, lag über der Wiese. Die Sonne hatte noch nicht die Kraft die, über dem nahen Bergkamm und der Schlucht hängenden Nebelschleier, aufzulösen. Also wieder einmal das nasse Zelt einpacken, frühstücken und ab auf die Strasse.

unadjustednonraw_thumb_1eb4 unadjustednonraw_thumb_1eb7

In Kaitaia, bevor ich mich auf den Weg an die Ostküste machte, gönnte ich mir mal wieder einen Tag Ruhe mit Ausflug zum Kap Reinga, die Tasmansee trifft hier auf den Pazifik, und dem Leuchtturm der den nördlichsten Punkt der Nordinsel darstellt. Für die Maori hat dieses Kap eine ganz besondere Bedeutung,   da die Seelen der Toten den langen Weg entlang des Ninety Mile Beach pilgern und hier Neuseeland verlassen um in ihre alte Heimat in der Südsee zurückzukehren.

kap-nzl

weiter nördlich geht es nicht

unadjustednonraw_thumb_1eab unadjustednonraw_thumb_1eae unadjustednonraw_thumb_1eaf unadjustednonraw_thumb_1eb1

Ein kurzer Abstecher, lag auf dem Rückweg, zu den Te Paki-Sanddünen, mit anschliessender Wanderung über die größten Dünen Neusselands, war ein weiterer Ruhepunkt an diesem Tag.

unadjustednonraw_thumb_1ecd unadjustednonraw_thumb_1ecb unadjustednonraw_thumb_1ec3 unadjustednonraw_thumb_1ebb unadjustednonraw_thumb_1ec1

Die nächsten Tage vergehen wie die Tage zuvor. Es geht über viele, gemächliche Anhöhen. Vorbei an grenzlos erscheinenden Landschaft, horizontberührenden Weiden, den Augen wohltuenden grünen Vielfalt. Wie kleine Festungen wirken die englisch anmutenden Farmhäusern, umringt/beschützt, von einem hohen, dichten Baumspalier. Gegen späten Nachmittag erreiche ich wieder das Meer. Am Abend beginnt es zu regnen und eigentlich wollte ich mir im Wald einen kostenlosen Platz für die Nacht suchen, doch der ausgeschilderte Zeltplatz lockt , zieht mich in seinen Komfort. Der Nieselregen hält an. Ja, es wird Herbst. Hoffentlich holt er mich nicht ein.

unadjustednonraw_thumb_1f46

Whangarei erlebe ich in zwei Tage anhaltenden, alles durchdringenden Dauerregen. Alles ist grau in grau verhangen und dicke Nebelschleier liegen über dem Ort. Ich bleibe im Hostel, im Trockenen, in der Zone in der sich meine erkennbar mitgenommen, aufgeweichten Hände und Füße, erholen können.

unadjustednonraw_thumb_1ee6 unadjustednonraw_thumb_1ee8

Warkwart Die Nacht verbringe ich einige Meter neben der Strasse hinter einem Schilfsstrauch. Es ist recht feucht und durch den LKW Verkehr in der Nacht auch ziemlich laut. Nur leider ist es wirklich schwer gegen Abend einen Platz zu finden. Es ist bereits ziemlich dunkel, einige Autos hupen bereits, obwohl sie selber auch ohne Licht unterwegs sind. Immer sind die Strasse beidseitig mit Drahtzäunen gesäumt und wenn es ein Gatter gibt, ist dieses oft mit Ketten und Schlösser gesichert. Über Tag weiche ich heute auf kleineren Strassen dem HW, den starken Verkehr Richtung Auckland aus. So komme ich zwar nur über die grossen Anstiege und langsamer, aber ruhiger voran.

Wieder in Auckland suche ich mir ein Hostel, lerne viele liebe Menschen aus Deutschland kennen. Verabreiche mir einen mehrstündigen Saunatag mit zig 20 min. Gängen im städtischen Schwimmbad. Doof nur, dass auch viele Chinesen diese Entspannung suchen. Gut nur, dass für diese überall unübersehbare Schilder angebracht wurden. „NICHT SPUCKEN!!! RUHE HALTEN“ So klappt es irgendwie doch mit der erhoffen Entspannung.

unadjustednonraw_thumb_1f94

Lange dauerte wieder einmal die Ausfahrt durch die endlosen Vorstädte aus Auckland. Fast den halben Tag bin ich komplett durch besiedeltes Wohn-/Industriegebiet gefahren. Gegen Mittag musste ich dann einmal kurz die Augen schliessen, den Kopf runter nehmen, und gegen die Fahrtrichtung eine Ausfahrt überwinden und ca. 500 m auf dem Auckland South Motorhighway bis zum Abzweig auf die Southroad 2 fahren. Einer, ein einzig Verirrter hat gehupt, doch da hatte ich bereits, wider allen Verkehrsregeln, den Expressway erreicht.

Ngatea erreiche ich gegen 17:00 Uhr und kaufe noch schnell mein Abendessen ein. Dann beginnt, wie immer in NZL, die grosse Suche nach einer Lücke im Zaun. Nach einem möglichen Zeltplatz für die Nacht. Und wieder ist es anstrengend, langwierig und nervend einen Platz zu finden. Beidseitig, viele Kilometer lang säumen eingezäunte Viehweiden die Strasse. Es ist bereits 18:00 Uhr, stockdunkel, ich fahre wie immer ohne Licht, habe ja auch nichts was ich anschalten könnte, eine Stunde später habe ich immer noch nichts gefunden. Ich kämpfe mich am äußerst, linken Rand der Strasse voran, halte immer wieder an, um vom Gegenverkehr geblendet, mich überholende Autos vorbeizulassen. Alles super anstrengend, ja auch zweifellos gefährlich. Doch auch wenn ich das Rad abstelle, mir in Ruhe, im Dunklen eine Möglichkeit anschaue, passt es lange irgendwie nicht wirklich.

unadjustednonraw_thumb_1f82 unadjustednonraw_thumb_1f79

Dann entdecke ich irgendwann einen kleinen Asphaltfleck neben den Strasse im Dunkeln, biege einfach ab und finde ein offenes Viehgatter. Unter überhängenden Heckenzweigen, unmittelbar an der Strasse, hinter dem Viehzaun, finde ich dann eine geeignete Stelle für diese Nacht. Schnell baue ich im Dunklen, ich kann dies wohl jetzt auch schon mit geschlossenen Augen, das Zelt auf und mache ich mir dann noch schnell im Schein der Stirnlampe mein Abendessen. Ein nicht langer, aber anstrengender Tag geht zu Ende. Wieder einmal bin ich zu lange gefahren und musste mich den Gefahren, auch in NZL, des Radfahrens im Dunkeln aussetzen.

unadjustednonraw_thumb_20d1 unadjustednonraw_thumb_20d5 unadjustednonraw_thumb_20d6

Der Scotsman Gully Track, ein auf einer stillgelegten Bahnstrecke eingerichteter Radweg, lässt mich am nächsten Tag, fernab der Strasse, entspannt vorankommen. Keine an mir vorbei donnernden LKW, keine zu dicht überholende Autos. Nein, nur ruhige Schotterpiste. Es macht wirklich Spass, denn diese Art  voranzukommen hatte ich in den letzten Wochen echt vermisst. Das ruhige, einsame Fahren über verwaiste Wege, selten benutzte Trail, durch stillgelegte Tunnel, vorbei an alten Industrieanlagen lässt den Gedanken freien Raum, hält sie nicht, der Konzentration erforderlich, auf der Strasse.

unadjustednonraw_thumb_1f60 unadjustednonraw_thumb_1f5e

Am 16.04.2016, dem 423. Tag meiner Reise, klingelt am frühen Vormittag mein Telefon. Meine Schwester versucht mich zu erreichen und irgendwie erahne ich den Grund für diesen Anruf. Wenig später habe ich Gewissheit, erfahre das meine Mutter, ihr Bewusstsein in Ruhe und Stille die Entscheidung getroffen hat, nicht mehr auf meine Rückkehr, wie wir es uns versprochen hatten, zu warten.

Viele Dinge geschehen auf so einer Reise, auf so einem langen Trip. Ereignisse die ich beeinflussen kann und die natürlich in weiter Ferne, die sich meinem Einfluss entziehen. Mit dem Kopf bin ich weiterhin in der Ferne, meine Emotionen, meine Gedanken gehen in meine Kindheit zurück. Suchen Bilder von frohen, glücklichen Tagen in meiner Kindheit. Suchen nach Erinnerungen an gemeinsame Erlebnisse mit meiner Familie, Vater, Mutter, Bruder, Schwester. Viele frohe, sorglose, unbeschwerte Tage entstehen vor meinen Augen. unadjustednonraw_thumb_1f40

Langsam beginne ich meine Gedanken zu ordnen und nehme die Realität wahr. Ich bin am anderen Ende der Welt, weiter weg von Deutschland geht es wohl nicht. Und ich muss eine Entscheidung treffen. Wenige Tage später informieren mich meine Geschwister über den Tag der Bestattung. Zu diesem Zeitpunkt bin ich noch auf der Nordinsel und entscheide mich für den vorläufigen Abbruch der Reise.

unadjustednonraw_thumb_1f41

Mir bleiben noch genügend Tage, dass ich die Strecke bis nach Christchurch mit dem Rad bewältigen kann. Mit jedem Tag werden die Tage herbstlicheren die Nächte kälter.

In Wellington halte ich mich nicht lange auf. Suche mir schnell in der Nähe des Hafens ein Hostel für die Nacht. Nehme am frühen Morgen die erste Fähre Richtung Südinsel nach Picton.

Nun auf der Südinsel spüre ich den Herbst, den nahenden Winter noch deutlicher. Seit langem bin ich nicht mehr mit langen Hosen, wärmender Jacke gefahren. Nun ist es dringend notwendig. Kalter Wind, viel Regen und Temperaturen um die 10 Grad machen dies erforderlich.

unadjustednonraw_thumb_1f66

In Blenheim angekommen, werde von einem sturen, dienstbeflissenen Polizisten angehalten, nach meinem Helm gefragt, bekomme nun endgültig ein Ticket. Da habe ich fast Australien umrundet, die Nordinsel von NZL abgefahren und hier kurz vor dem vorläufigem Ende treffe ich auf diesen dicken, sich nicht aus dem Auto bewegenden, unfreundlichen Kauz. Durch das geöffnete Seitenfenster reicht er mir arrogant das Ticket, spürt allerdings meine totale Ablehnung und lässt sich doch noch zu einer Geste herab. Wenn ich mir jetzt einen Helm kaufe, die Quittung auf der nächsten Polizeistation vorlege, dann würden die 100 NZL$ nicht fällig. Da ich nicht weiß, wie weit das Datensystem in NZL ausgebaut ist und keine Lust verspüre bei der Ausreise Stress zu bekommen, kaufe ich mir nun doch für 60 NS$ einen Helm, muss die Quittung bei der Polizei vorlegen, bekomme dadurch das Ticket erlassen und finde auch noch ein kleines Hostel.

unadjustednonraw_thumb_1f9f unadjustednonraw_thumb_20f0 unadjustednonraw_thumb_20f2

Am Nachmittag des nächsten Tages war ich dann wieder am Meer und sofort konnte ich die erfrischende salzige Meeresluft einatmen und geniessen. Ein Hinweisschild machte auf Robben aufmerksam und wirklich, hinter der nächsten Kurve langen zig Robben jeden Alters gemächlich auf exponierten Plätzen in den Klippen, zwischen den Steinen am Strand, halb im Wasser oder hielten in der Brandung schwimmend die Köpfe aus der Gischt. Herrlich anzusehen und so machte ich Pause und viele Fotos.

unadjustednonraw_thumb_1eea

unadjustednonraw_thumb_20e6

Überrascht, natürlich super froh, war ich dann doch als ich auf die GPS Karte schaute und nur noch 13 km bis nach Kaikobra vor mir hatte.

Meine Vorab-Entscheidung für das Sunrise Hostel war einmal wieder genau richtig. Ein kleines, gemütliches, sauberes Hostel, mit angenehmen Menschen und einem Zimmer für mich alleine. Ach und dann erst die heisse Dusche!!! Ich mochte das Wasser gar nicht abstellen. Es tat soooooo gut nach den doch recht kalten, letzten Stunden auf dem Rad.

unadjustednonraw_thumb_20cd unadjustednonraw_thumb_20d0 unadjustednonraw_thumb_20cf

Noch eine Nacht im Zelt, die letzte Nacht an einem Feuer, noch einmal das Rauschen des nahen Flusses hören und dann erreiche ich am kommenden Tag Christchurch.

Irgendwie mag ich auch die NZL Autofahrer nicht mehr. Sie sind doch in der Nähe von Großstädten und in diesen sehr rücksichtslos. Drängeln, hupen, überholen aggressiv, nehmen überhaupt keine Rücksicht, weder wenn ich deutlich zu erkennen geben, dass ich mich verfahren habe und bitte,  dass sie mich doch auf die andere Strassenseite lassen mögen, noch sonst wie. Schade, da hatte ich doch eine andere Sympathie abgespeichert.

unadjustednonraw_thumb_1ef5

ein Blutdruck – und Bluttest sagt alles perfekt

img_5194

Nun ich finde ein Hostel, finde einen Radladen der mir einen Fahrradkarton überlässt und bereite alles für den Abflug nach Deutschland   vor.

img_5265 img_5266 img_5267

Christchurch ist eine trostlose Stadt in der man entweder mit dem Flieger ankommt und schnell weiterfährt oder mit dem Flieger schnell weg will. Vor 15/16 Jahren wurde die Stadt von einem verheerenden Erdbeben heimgesucht und das Zentrum völlig zerstöret. Nur leider ist seit dem nicht wirklich etwas passiert. Immer ist das Bild im Zentrum von provisorisch, buntbemalten Schiffscontainern als Verkaufsläden geprägt. Immer noch sind viele Strassen nur als Einbahnstrassen gekennzeichnet, da der Schutt, Bauzäune usw. die halbe Strasse blockieren. Sehenswertes gibt es überhaupt nicht mehr und ich hatte das Gefühl, dass die Menschen in der Stadt diese doch aufgegeben haben. Ein abendlicher Restaurantbesuch verstärkt dann auch noch diesen Eindruck, denn bei der Rechnung hatte ich das Gefühl, dass ich für all die notwendigen, doch fehlenden Gäste mit bezahlen musste.

unadjustednonraw_thumb_20ee

Am Flughafen langt dann auch die Fluggesellschaft noch einmal richtig hin. Alleine für das Rad in dem Radkarton muss ich noch einmal 800 US$ extra bezahlen. Puhhhh, das hatte ich so auch noch nicht. Tja Down Under ist halt doch so einiges anders.

In 24 h soll ich dann in Frankfurt am Main ankommen.

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.
Menü