01.11.2015 – 19.11.2015 256. – 275. Tag

Jetzt hat es mir gereicht mit diesem chaotischen Verkehr und ich habe mit eine kleine Nebenroute ausgesucht. Und gleich wurde es auch angenehm auf der Strasse. Die grossen LKWs fehlen gänzlich und die kleine Fahrzeuge sind nicht ganz so stramm unterwegs. Ich fahre gemächlich an der Küste entlang, mit einem radfahrerfreundlichen  Auf- und Abprofil. Linker Hand habe ich das Meer unter mir, denn die Strasse verläuft immer etwas höher.

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Reis trocknet an der Luft

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Kokosnuss-Schalen säumen den Strassenrand

Rechter Hand viele kleine Dörfer oder auch nur einzelnen Hütten an der Strasse. Ich frage mich immer wieder von was diese Menschen hier leben? Vor einigen Hütten liegen Koksschalen, Brennholz oder auch mal eine Fläche mit Reis zum Trocknen in der Sonne. Mitunter auch Säcke mit Holzkohle.

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lange Wege im Auf und Ab

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Klares Wasser, lokale Badestelle

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immer wieder weite Blicke auf das Meer

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viel Spass, trotz harter Arbeit für die Kinder

Aber, dass das zum Leben reicht kann ich mir schwer vorstellen. Vor den Hütten hängt auch immer auf jeder sich bietenden Ablage gewaschene Wäsche in der Sonne. Wasserstellen finden sich rechts der Strasse am Berghang. Es gibt keine wirkliche Dörfer wie wir sie vielleicht kennen, mit einem zentralen Platz mit Geschäften, Dienstleistern usw., an dem sich die Bewohner treffen. Die Wasserstelle sind Treffpunkte der Menschen und meistens müssen kleine Kinder den Wassertransport in allen möglichen Behältnissen auf einem Holzkarren mit Kugellagerrädern zu den Hütten übernehmen. Auf dem Asphalt finden sich die Spuren in Form von Rillen von diesen Karren. Geht es bergauf mit den vollen Wasserbehältnissen, dann ist das für alle eine ziemliche Plackerei. Bergab haben sie dann aber sichtlich Spass an der Arbeit, denn etwas rollt der Karren doch die Strasse runter. Immer haben die Kinder und/oder Frauen bei diesen Arbeiten ein Lachen im Gesicht.

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Der nachmittägliche Tropenschauer kündigt sich mit tiefschwarzen Wolken, tropischen Megablitzen und krachendem Donner an. Wieder einmal habe ich Megaglück, denn unmittelbar nach meiner Ankunft in einem Resort, ergiessen sich wirkliche Wassermassen aus dem Himmel. Literweise kommt das notwendige Wasser auf den qm runter und überflutet sofort alle befestigten Flächen.

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Nach dem Regen versuchen ein paar Jungs den Moment der frischen Luft zu nutzen und werfen geduldig ihre Wurfsehnen aus um Fische zu fangen. Der für mich sichtbare Erfolg nach einer Stunde ist;  heute Abend muss wohl auf frischen Fisch verzichtet werden! Kleinere Jungen toben lautstark am Strand und verscheuchen so wahrscheinlich eher die Fische. Aber dies ärgert niemanden der Angler. Alle im Meer, am Strand und ich auf der Terrasse sind tiefen entspannt.

Ich muss heute Abend hoffentlich nicht auf etwas zu Essen verzichten, denn so wirklich viel gab es heute noch nicht und ich habe doch wirklich Hunger. Mein Glück hält an, denn im Resort findet eine Hochzeitsfeier statt und ich darf mich frei am Essen bedienen.

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vorne links der Besitzen, rechts der Pater im Ruhestand

Der Besitzer des Resort erklärte mir dann, dass ich nicht alleine sitzen müsste und lädt mich kurzer Hand an seinen Tisch ein. Hier hat sich bereits eine interessante Runde versammelt. Ein Pater im Ruhestand, ein amerikanischer Pensionär, ein aktiver Pater mit seiner hübschen Frau, eine Geschäftsfrau aus Manila und weitere Begleiter der Anwesenden. Essen und Getränke standen für alle zur freien Verfügung und mein Bier wurde den Abend über nicht alle. Ich kann auf Einladung des Besitzers nun auch noch einen weiteren Tag kostenlos im Resort bleiben.

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Dafür muss ich allerdings am nächsten Morgen um 06:00 Uhr am Frühstückstisch erscheinen und weiter über meine Reise berichten. Nach kurzem heftigem Ausatmen meinerseits ist er bereit einmal um 07:00 Uhr zu frühstücken.

In der Nacht sitze ich noch lange vor meiner Unterkunft, lausche dem Meer, denke wie toll ich es doch habe und bin selig. Über dem Meer zeigen sich immer wieder Wetterleuchten und bringen für den kurzen Moment ein wenig Licht in das Dunkel des Himmels. Das Meer lässt weiterhin Fernweh in mir aufkommen,die Wellen rauschen auf den Strand. Alles ist so friedlich,  ein wenig wie im Paradies.

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Die ersten Kilometer am kommenden Tag sind noch betoniert, doch dann kommt die pure Naturpiste bzw. die Reste einer versuchten Strassenerneuerung. Ich kämpfe mich in drei Stunden über die 15 km bis nach Santa Magdalena. Dann ist es allerdings auch nicht mehr sehr weit bis nach Mandat. Von hier will ich mit einer Fähre nach Allen übersetzen.

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Piste pur quer durch den Busch

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grosses Staunen bei den Jungs…

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oh, da habe ich wohl was zu reinigen

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auch hier sehe ich oft nur noch Dschungelfragmente

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immer wieder geht es über kurze, steile Steigungen

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fahren ist nicht möglich

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so geht es nur noch schiebend voran

Ich erkundige mich noch schnell nach der Abfahrtzeit der ersten Fähre, den immer vorhandenen, örtlichen Gepflogenheiten, ggf. vorhandener Sonderregelungen die durch ein kleines Bakschisch gelöst werden müssen und finde etwas ausserhalb  des Ortes hinter einer Moschee ein Guesthouse.

Ein ziemlich runter gerockter Typ fragt nach meinem Ansinnen und ich deute die Schlafgeste an. Ja, lächelt er mit zahnentleertem Mund, da bin ich bei ihm genau richtig. Oh, das hatte ich so jetzt nicht erwartet. Das Zimmer ist, naja ich sage mal einfach.  Es dauert allerdings eine Weile bis ich den Preis erfahre und nach einigen Verhandlungen bei dem Standart, akzeptiere. Danach wird allerdings sofort der gesamte Raum mit Desinfektions-/Moskitospray eingenebelt und für 1 Stunde verschlossen.

In dieser Zeit lerne ich meinen Nachbar, einen Ex-Marien des philipp. Militärs!?, wie er mir erzählt, kennen und er kümmert sich sofort um die weitere Ausstattung, wie Ventilator, Tisch, Wassereimer, des Zimmers und meine Sicherheit . Ich bekomme von ihm zahlreiche Tipps über lohnende Ziele und über einige für mich neue Sicherheitsaspekte. Alles nehme ich dankend an und schenke seinem Sohn noch ein neues T-Shirt.  So tue ich Gutes und freue mich daran. Dann heisst es für mich einmal wieder „Hoffentlich gute und ruhige Nacht.“

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mehr war nicht zu bekommen

Eine Kombination aus Meer, (ein philippinisches)Boot, Wellen,  gehört nicht zu meinen Klassikern und doch muss ich mich mit der Überfahrt von Matnog nach Allen dem stellen. Mein erster Eindruck am Hafen angekommen:”Was ist das denn für ein Seelenverkäufer?” Nach einer schlechten Nacht, folgt dann auch noch ein anstrengender Tag. Auf der Überfahrt schaukelte es gewaltig und viele der Philippinen sehen ebenso wie ich, blass aus. Viele der älteren Passagiere beten. Es knirscht und knarrt gewaltig im Schiff. Ich liege auf dem Offendeck in einer Koje und ertrage all das nur im Liegen, denn unter Deck habe ich den Eindruck in einem Dieselfass zu sitzen. Alles hüllt sich in eine gewaltige Dieselwolke. Der Boden, die Wände, selbst die Arbeiter sind von einem Dieselölfilm überzogen. Natürlich hält es keinen, auch unter Deck nicht, davon ab  zu rauchen.

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Nach der Überfahrt halte ich mich auf der Küstenstrasse immer gen Süden. Der wenige Schlaf, die Überfahrt, wenige Pausen, all das macht sich heute mal wieder besonders bemerkbar. Ich quäle mich über die Strecke, die Strassen. Vom Gefühl sollten es schon an die 70 km sein, doch als ich auf den Tacho schaue, habe ich gerade einmal 45 km geschafft. Es ist schwer heute und es wird durch die Hitze und die ständigen, kurzen Anstiege nicht leichter. Am Abend erreiche ich Calbayog, finde ein Zimmer, das Rad passt noch gerade so hinein. Allerdings läßt sich die Tür nur einen spaltbreit öffnen. Wichtig ist die kalte Dusche, ein Bett und Schlaf ohne diese Hitze.

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Fett(es) fleisch

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sieht von aussen besser aus, …

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druges,….

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Hygiene war jetzt noch mal was….?

Der Hunger treibt mich dann doch noch einmal auf die Strasse. Leider finde ich keine traditionelle Garküche und lande am Ende einer langen Suche in einer Fastfood-Hölle!!! Wie immer sieht das Bild über dem Tresen vielversprechend aus. Was dann unter der Bezeichnung Pizza in einer grauen, verschlossenen Pappschachtel serviert wird, ist die unterste Grenze der Nahrungszubereitung. Nein, es verdient nicht einmal diese Bezeichnung. Es ist ein trockener, mit ekliger, künstlich schmeckender, roter Sosse getränkter Fladen, der von rohen Zwiebeln, ungeschmolzenen Käse und irgend etwas an Fleisch bedeckt ist. Puh, diesmal schaudert es mich wirklich. Essen muss ich es trotzdem, ich brauche Nahrung und etwas anderes läßt sich nicht finde und so würge ich mir das Zeug irgendwie runter.

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mitunter liegt nicht nur das Geld auf der Strasse

Der erholsame Schlaf in einem normal temperierten Raum hat mir gut getan. Ich habe gut geschlafen und nicht in der Nacht in meinem Schweiss gebadet. Es ist zwar durchgehend laut auf der Strasse, denn auch Nachts wird wahrscheinlich gegen die Dunkelheit angehabt, aber dagegen helfen Ohrstöpsel. Nur die stehende Hitze, wenn ich im Zelt schlafen muss, macht mich schon wirklich fertig. Der ganze Körper ist triefend nass und ich habe das Gefühl, in einer Sauna zu liegen. Da ich dann aber die Erholung der Nacht nicht bekomme, wird der folgende Tag um so anstrengender.

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klein aber kühl,…

Gegen Abend erreiche ich Catbalogan und hier auch die unterste Grenze der Zimmerpreise. Das 3-Euro-Zimmer stellt mich gleich am Anfang vor die Frage:”Wie bekomme ich nun hier mein Rad und die Taschen rein?”  Nach einigen Versuchen bekomme ich dann doch alles ins Zimmer. Viel schwieriger war es dann allerdings nun aus dem Zimmer rauszukommen.

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kleiner geht nicht…

Ok, sechsmal in sechs Stunden durch tropische Regenschauer völlig durchnäßt zu werden ist nicht wirklich schön, allerdings immer noch besser als den ganzen Tag in dieser stechenden Hitze zu fahren. Mit dem Regen ist die Luft erfrischend kühl und ich empfinde es als wirklich angenehm im Regen weiterzufahren.

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Die Hitze der vergangenen Tage ist heute komplett verschwunden. Der Himmel ist dunkelblau und hängt mit dicken Wolken voll. Immer wieder gehen tropische Regenschauer runter, die die Strasse unter Wasser setzten. Die LKW und besonders die Busse nehme auf mich keine Rücksicht und so bekomme ich ein ums das andere Mal eine komplette Strassenwasserdusche mit all dem Dreck. Im Moment bin ich etwas müde und so ist es nicht wirklich leicht voran zu kommen. Obwohl, vielleicht liegt es auch an der fehlenden Abwechslung, meiner Motivation. Ja, ok die Menschen sind nach wie vor sehr freundlich. Doch auf den grossen Strassen ist es doch weiterhin sehr gefährlich mit dem Busverkehr. Ich bin jetzt in Tacloban angekommen und werde wohl hier einen Tag Pause machen. Ich brauche mal wieder etwas Ruhe, Erholung.

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oh, das passe ich einmal nicht auf, biege falsch ab und….

Ankunft in Baybay Heute bin ich nur einmal nass geworden. Das war gleich nach der Abfahrt aus Tacloban und bis Baybay werde ich dann auch nicht wie sonst, durch die Tageswärme, die Sonne getrocknet, sondern immer wieder kontinuierlich weiter befeuchtet. Kurz es hat den kompletten Tag durchgeregnet.

Gegen 11:00 Uhr erreiche ich Bat und damit den Ort für die nächste Fahrt mit einer Fähre. Ich kaufe mein Ticket, auf dem Markt eine Melone und unterhalte mich, während ich die Melone mit ihm teile, mit einem Philippiner. Im Office-Bereich des Hafen sind die Damen so freundlich, dass sie mir den WiFi-Key zu verraten und so kann ich doch noch meinen Flug nach Kota Kinabalu/Borneo buchen.

Um 14:00 Uhr soll die Fähre ablegen. Ich fahre gegen 13:40 Uhr den Kai zum Boot raus und ….! “Was ist das?”

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mein Schicksal

Da liegt ein grosses, schmales Holzkanu mit Umkippauslegern und …zig Menschen mit alle dem üblichen asiatischen Gepäck stehen davor. Ich erstarre und bin sofort festgefahren. Durchatmen, durchatmen bis 100 zählen, hmmmmmm atmen!!! Dann bringe ich mit Hilfe der Mannschaft das Rad über den zwanzig Centimeter schmalen Laufsteg. Mir wird dabei schon von der Schaukelei im Hafen schlecht, als ich das Rad mit einem Strick an der Reling, ok eher Geländer, des Kanus festzurre. Natürlich umringen mich sofort alle anderen Passagiere, die Mannschaft und die üblichen Fragen prasseln auf mich ein. Ich bin ziemlich fest und kann das jetzt nicht gebrauchen. Sofort nachdem ich das Rad festgebunden habe, suche ich nach den Reisetabletten. Zum Glück und Mone sein Dank, habe ich welche und finde sie auch. Ich schaue auf das Meer (dicke schwarze Wolken am Horizont), auf das Boot (nicht wirklich ein beruhigender Anblick), auf die Packung ( mit Erleichterung), lesen die Empfehlung von max. zwei Tabletten und schlucke gleich mal drei.

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Welche Fluchtwege…..?

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die gelbe Tonne hinter dem Mittelpfahl ist der Tank

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angespannte Gesichter, nicht nur bei mir

Unter dem Segeldach sitze schon viele andere Passagiere und ich habe sofort den Eindruck, die sind beim Anblick der Wolken, auch nicht wirklich entspannt. Überall liegt Gepäck, Kisten und Taschen  rum. Rasch werden noch mit ca. 30 grossen Kisten alle Wege auf dem Kanu verstellt. Der Tank für das Boot ist eine Plastetonne, die am hinteren Ende unseres Sitzbereiches an einem Pfahl festgebunden ist. Ich werde noch fester, atme hechelnd weiter und schaue mich erst einmal nach den Sicherheitseinrichtungen um. Wirklich, wenig und das ist augenscheinlich Schrott, ist zu sehen. Dann entdecke ich doch ein sicheres Rettungsmittel! Die Statue der Madonna und einige Kerzen, glücklicherweise nicht an.

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über alle Kisten musst Du steigen, willst Du …..

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der beste Platz! Nur nicht für mich ! Auf dem Ausleger .

Na dann kann ja nichts passieren und bin sicher. Gegen 14:50 Uhr legt dann der Kahn ab und vorher werden an alle Schwimmwesten verteilt. Die Philippiner nehmen die Westen, einige legen diese ihren Kindern an, sie selber wie auch der Großteil der anderen Passagiere legen sie zurück in die Netze. Ich schaue mir den Kahn an, raffe mein Geld, meinen Pass, mein Handy an mich und lege die Weste an, aber später auch wieder in das Netz.

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absolut festgefahren !

Durch die Reisetabletten werde ich müde und schlafe irgendwann auf der Holzbank ein. 2,5 h soll die Fahrt dauern und ich flüstere mir, während ich irgendwie dahin döse, die Mantra ein……“Es wird schon, wird schon, wird schon, gut gehen….“ Ok, ist keine offizielle Mantra, ist eher meine persönliche.

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alles wird dunkler

Am Horizont tauchen immer wieder Inseln auf, leider aber auch zunehmend schwarze Regenwolken. Gegen 17:00 Uhr entsteht dann auf dem Boot Unruhe und das ist, wie auch im Flieger, im Zug, im Bus, in jedem Reisemittel, der sichere Hinweis, dass wir unseren Bestimmungsort erreichen. So natürlich auch jetzt. Nicht wirklich realisierte ich, dass das Boot Ubay erreicht hat. Aber es ist so und ich habe es überstanden. Im Hafen warten schon die Packer zum Entladen der Kisten. Ich bin erstaunt, dass die Packer erkennen, das ich vor dem Regen noch schnell von Bord will. So tragen sie erst einmal alle Kisten vor meinem Rad von Bord tragen und helfen mir dann an Land zu kommen. Ich balanciere mit Hilfe von drei Hafenarbeitern das Rad rückwärts über den schmalen Steg und machen mich, Danke rufend, schnell auf den Weg in die Ortschaft.

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….und dunkler und…

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….dunkler

Am Horizont sind die dicken schwarzen Wolken nicht weniger geworden. Blitze zucken durch den Himmel, die Menschen im Hafen, in der Stadt wissen, gleich bricht das Gewitter los und so rase ich auch auf der Suche nach einer Lodge, einem Hostel durch die Stadt.

Wieder einmal habe ich Glück, ich finde für 250 Peso eine Lodge und bin trocken geblieben. Es kracht, es donnert, es schüttet aus Badewannen und ich sitze auf einer kleinen Holzbank, trinke ein kühles Bier und bleibe trocken. Die Strasse vor der Lodge ertrinkt im Regenwasser, die Moskitos piesacken mich und es wird kühler.

Lange Zeit fahre ich am Vormittag über hüglige Schotterpisten, durch grüne Palmwälder und immer wieder kleine Ansiedlungen. Die Rufe der Dorfbewohner „Hey Joe“werden nicht weniger. Es bleibt aber immer alles nach wie vor freundlich. Einen grossen Bogen schlagend fahre ich auf kleinen Strassen über die Insel und lasse mir Zeit.

Ich sitze jetzt vor meiner Unterkunft in den Bergen und da kommen drei kleine Kinder auf mich zugestürmt, vielleicht 4 Jahre alt, nehmen meine rechte Hand in ihre kleine Hände und führen sie zu ihrer Stirn. Ich bin erstaunt. Doch offensichtlich orientiert sich die Familie bei der ich für die Nacht eine Bleibe gefunden habe zum Islam. Die Kinder haben dies von sich aus gemacht, niemand hat sie dazu angehalten. Ich bedanke mich indem ich ihre kleinen Hände an meine Stirn halte und atme tief, zufrieden durch. Warum nur lassen sich Menschen immer wieder durch Politik, Religion, Presse zum Hass auf andere Menschen/Kulturen verleiten?

Hier leben die Menschen nicht wesentlich anders als in Deutschland/Europa. Wir alle lieben unsere Kinder, wir alle wollen in Ruhe unsere Familien ernähren, einen gewissen Wohlstand (Haus, Auto, Moped) erreichen. Das ist allen, vielen Völkern in der Welt gleich. Wirklich !!!

Ok zurück zur Tour.

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Ich bin heute über viele Berge gefahren, habe mich gequält nur um die Tage bis zum Abflug zu überbrücken. Nein ganz so ist es nicht, denn es hat sich auch wieder einmal gelohnt diese Wege zu gehen. Ich sitze am Mittag mit Menschen zusammen die mich einladen. Immer wieder werde ich angelächelt, wird mir in jedem Dorf Freundlichkeit entgegen gebracht. Niemand zeigt irgend eine Form von Hass. In der deutschen Presse lese ich viel von andere Emotionen gegenüber Ausländern.

Viele Stunden habe ich mich über die Chocolat-Berge auf Bahol gequält. Nach Regen, Wind, Hitze und immer wieder kurze  10-14% Steigungen hinterfrage ich einmal wieder die Sinnhaltigkeit meiner Route. Eine Antwort kann ich mir nicht geben. Ich fahre, schiebe, quäle mich eben diesen Weg entlang.

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Es ist friedlich heute abend. Die Kinder des Resort spielen ungezwungen in der Natur. Nach vielen Tagen bin ich nun endlich auch psychisch in den Philippinen  angekommen. Es braucht doch immer einige Tage, eine Woche bis Vertrautheit, ein Wohlfühlen eintritt, bis ich mich mit der neuen Umgebung vertraut, angefreundet, eingewöhnt habe. Jetzt ist auch in den Philippinen alles wunderschön.

Das nächste, grosse Unwetter kann ich zum Glück unter einem Dach in einer Garküche mit einem ausgiebigem Mittagessen überbrücken, abwarten. Wieder entlädt sich der Himmel mit riesigen, alles unter Wasser setzenden Massen,

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Heute muss ich mal etwas mehr auf mich aufpassen. Unterwegs hat mir ein Insekt zum Glück kurz über das Auge in die Braue gestochen und nun schwillt es langsam zu. An einem Stand kaufe ich mir Wasser und dazu ein Tüte, ich dachte es wäre Fruchtpulver, will das mixen und denke noch so bei mir, das ist aber sehr klumpig. Fülle dann weiter das Pulver in die Flasche und schaue dann doch noch einmal auf die Rückseite der Verpackung. Wieso ist denn da eine Waschmaschine abgebildet? Da erkenne ich dann an den Symbolen, dass das Waschmittel ist!! Oh man, das wäre es gewesen, wenn ich das Zeug in mich reingeschüttet hätte.

Wie immer in den letzten Tagen, wechselt sich die stechende Sonne mit tropischen Regenschauern ab. Das Profil ist flach und ich komme nur leicht ins schwitzen. Am Abend finde ich leider nur eine Pension für 650 Peso, denn die anderen Unterkünfte waren diesmal wirklich unterirdisch. Direkt vor der Pension ist der abendliche Garküchen Markt aufgebaut und so habe ich es nicht weit zur Essenversorgung. Danach noch eine Runde um den Markt, vorbei  an einer baufälligen Kirche in der Weihnachtslieder gesungen werden und schon stehe ich wieder vor der Pension. Es ist 18:30 Uhr und stockdunkel. Das ist auch mein Problem seit Tagen. Wenn ich mich jetzt schlafen lege bin ich um 23:00 Uhr hellwach und finde erst gegen Morgen wieder ein wenig Schlaf.

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Weiter geht es mit einer Fähre nach Cebu meinem gewählten Abreiseort nach Malaysia. Angekommen fahre ich auf kurzem Wege in die City. Vom Hafen aus betrachtet ist Cebu ein fürchterliche Stadt. Grau, stinkig, chaotisch, dreckig und völlig mit LKWs, Autos, Mopeds, Menschen überfüllt. Der Eindruck wurde dann bis zum Abend auch nicht besser. Im TravellerInn habe ich ein Zimmer gefunden, die Behausung war unterstes Niveau. Die Suche nach einem Radkarton war etwas schwierig, denn kein Rad- und/oder Industrieladen hatte oder wollte einen Karton hergeben. Jeder schickte mich weiter um mich loszuwerden. Irgendwann bin ich dann wieder im Hafengelände gelandet und dort in einem Verpackungslager. Dort kaufe ich mir dann zwei Kartons, Klebeband und hinterlege alles bis zum 18ten.

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4 Tage in Cebu auf meinen Abflug warten, dass halte ich nicht aus. Also bin ich noch einmal Richtung Süden/Südspitze aufgebrochen. Der Verkehr ist wieder extrem schlimm. Die Raserei hat wieder deutlich zugenommen und dazu kommt jetzt auch wieder ein fast unerträglicher Smok. Endloses Chaos, Staus und Hitze begleiten mich den halben Tag über. Am Nachmittag wird es dann etwas erträglicher und ich kann linksseitig etwas das Meer und die frische Luft/Brise geniessen.

In der Hoffnung dem Chaosverkehr etwas zu entgehen, habe ich mir für den Rückweg nach Cebu die Route auf der abgelegenen Gebirgsstrasse, oberhalb Küstenstrasse, ausgesucht und fasse mir über Tag mehrfach an den Kopf, ob ich noch normal bin oder das schon eine Form von Masochismus ist? Die ersten 12 Kilometer fahre ich noch einigermassen entspannt bergan. Die Strasse ist gut und es ist zwar wieder sehr heiss, doch es gibt immer wieder etwas Schatten durch den dicht an der Strasse stehenden Wald. Als erstes wechselt der Strassenbelag, wird zur Schotterpiste, dann verschwindet der Wald und die absolute Herausforderung sind dann die Steigungen.

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Ich fluche, halte, trinke, bin völlig durch, muss immer wieder schieben und frage mich warum mache ich das ? Die Wege sind teilweise so übel, dass mir im Stehen in den Pedalen das Rad hinten durchdreht, ich nicht voran komme, aus den Pedalen raus, fasst auf die Piste schlage und dann keuchend über den Lenker gebeugt diese Piste verfluche. Doch was hilft es, ich muss weiter. Also schieben. Nur auch das ist nicht so einfach, denn an einer 15% Steigung auf einer Geröllpiste das Rad aus dem Stand zu bewegen, Halt mit den Schuhen auf dem Schotter zu finden, fast neben dem Rad liegend Kraft zu entwickeln, alles schlechte Voraussetzungen um vorwärst zu kommen. Irgendwie geht es dann doch mit vielen Luftholpausen bergan. Ich keuche, triefe und halte den Blick nach unten. Nur nicht hochschauen, nur nicht die noch so lange Steigung sehen. So geht es über den ganzen Tag. Immer wieder komme ich an kleinen  Siedlungen vorbei oder auch nur alleinstehenden Hütten. Die Hunde liegen schlafend auf der Strasse und lassen sich auch von einem Radfahrer nicht dazu bewegen an die Seite zu gehen. Es ist einfach zu heiss für jegliche Bewegung. Die Leute in den Dörfern rufen mir wie immer „Hey Joe“ zu, „Where are you goining?“, als wenn es mehrere Möglichkeiten der Wegewahl geben würde. Dann ist mein Wasser alle und ich muss mich echt um Nachschub kümmern. Doch ausser Softdrinks, Bier und selbstgebautes Eiswasser ist nichts zu bekommen. Also doch Eiswasser, in der Hoffnung, dass es ok ist. Der halbe Liter kostet 2 Peso. Das Wasser ist in Plastikschläuchen abgefüllt und ich muss es aus diesen noch irgendwie in meine Flaschen umfüllen. Die ersten zwei Liter sind zum Soforttrinken und dann noch 1,5 l für unterwegs.

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Irgendwann am späten Nachmittag, auf der Karte ist kein Ort verzeichnet, komme ich in einer grossen Siedlung mit zentralem Marktplatzgebäude wie auf den Philippinen üblich, an. Zwischendurch etwas zu essen habe ich natürlich wieder einmal vergessen und so hole ich dies hier jetzt so halbwegs, bei dem mageren Angebot, nach. Zwei Maißbrötchen, 1,5 l Wasser und irgendwie zwei Fettgebackenes, das muss reichen. Hier oben finde ich sowieso nichts zur Übernachtung also treibe ich mich weiter, um ggf. unten an der Küste doch noch etwas zu finden. Meine Abfahrt wird an einer Strassensperrung je beendet. Es hat sich bereits eine erhebliche Menge an Mopeds, Motorrädern und Autos hinter einem dünnem Seil, das als Absperrung dient, versammelt. Auf der Strassenbaustelle quälen sich zwei altersschwache Strassenbaumaschinen durch das Geröll, den Schutt, die Felsbrocken auf der Schotterpiste. Ein Blick nach links oben erklärt die Situation. Hier ist wohl zeitnah die Felswand auf die Strasse gestürzt!!! Es wird zunehmend dunkler und wie lange die Sperrung dauert kann mir keiner beantworten. Alle nehmen es so hin wie es eben ist. Bei dem Alter der Baumaschinen, zusammen mit der philippinischen Mentalität, schaue ich mich innerlich schon einmal nach einem Platz für mein Zelt um. Die ersten ungeduldigen Mopedfahrer haben das Seil schon überfahren, fast alle lassen schon seit einer halben Stunde ihre Motoren laufen, der Staub durch die Bauarbeiten mischt sich mit dem Diesel-/Benzingestank und dann, nach 1,5 h bricht die Masse der Ungeduldigen irgendwann durch das Seil und alles prescht weiter nach unten. Chaos pur.

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Die Nacht verbringe ich im Zelt auf eine Schulgelände, das direkt am Meer grenzt. Am nächsten Morgen um 04:00 Uhr wecken mich alle Kampfhähne in mittel- und unmittelbarer Umgebung. Was mal wieder für eine schei…. Nacht. Die Hitze, der Schweiß, meine Erkältung all das war in dieser Nacht schwer zu ertragen. Ich wollte schlafen doch ich fand keine Ruhe. Immer wieder muss ich das Zelt öffnen und frische, etwas kühlere Luft in das Zelt lassen.

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Ich krieche müde aus dem Zelt und packe meine Sachen. Im nächsten Dorf halte ich bei einem Bäcker. Es gibt Kaffee und frisches Gebäck.

Cebu erreiche ich gegen 13:00 Uhr. Die Einfahrtstrasse ist die Hölle. Baustellen, Dreck, Smog, unendliches Chaos. Mehrfach muss ich mich massiv, lautstark durchsetzen, um nicht umgefahren, um überhaupt als Teilnehmer am Verkehr akzeptiert zu werden. Keiner nimmt auf den anderen Rücksicht. Alle versuchen nur voran zu kommen. Behindern sich allerdings auch immer wieder selber, da Mitte auf der Strasse gehalten wird um Fahrgäste ein-/aussteigen zu lassen oder um mal eben etwas zu essen oder um ein Schwätzchen zu halten. In meinem Hals kratzt die dieselgeschwängerte Luft, der Mund ist trocken und es macht keinen Spass.

 Abflug aus Cebu nach Singapur 

Meiner  Gewohnheit, immer etwas zeitiger vor Ort zu sein, folgend  wurde einmal wieder bestätigt. Bis zum Airport sind es 16 km und ich komme kurz vor der Ankunft in eine Gegend die nicht die Zufahrt zu einem Airport  vermuten läßt. Und tatsächlich bin ich zwar am Airport doch leider auf der anderen Seite des Rollfeldes. Also muss ich einmal um den gesamten Airport rumfahren und das braucht Zeit. Dann den Karton für das Rad bauen, alles demontieren und zum CheckIn. Natürlich habe ich zufiel Gepäck 13 kg, dies bedauert die sympathische Airline-Mitarbeiterin sehr und versucht eine Lösung zu finden. Ich packe also noch einmal die schweren Sachen aus den Packtaschen in das Handgepäck, welches jetzt natürlich auch viel zu schwer ist und muss dann nur noch für 6 kg Übergewicht 96 $ bezahlen. Das das Handgepäck jetzt viel zu schwer ist, übersieht die Dame freundlicherweise. Dafür bedanke ich mich herzlich.

 

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