18.07. – 21.07.2015 / 150. -153. Tag

Ankunft in Incheon – Südkorea. Die wichtigste Nachricht vorab. Die Schiffspassage verlief ruhig. Ich konnte zwar schlecht einschlafen, doch am Seegang hat es nicht gelegen.

Mit ein wenig Verspätung können wir das Schiff verlassen. Schnell bin ich auch durch die Zoll-/Grenzkontrolle. Sofort viel mir die grosse Freundlichkeit der Koreaner auf. Alle sind am Lächeln, freuen sich mir weiter zu helfen.

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auf der rechten Uferseite ist bereits Nordkorea

Neues Land, neue Menschen, neue Regeln. Wieder lasse ich mich natürlich schnell auf alles ein. Goyang, eine moderne Stadt, erreiche ich gegen Abend im Regen. Alles ist technisiert, wird geregelt und die Koreaner halten sich an alle Regeln. So gibt es sogar für die nassen Regenschirme einen Automaten aus dem Plastiktüte kommen um die Schirme darin einzupacken. Viel Leuchtreklame erhellen die Strasse am Abend und viele junge Leute sind unterwegs. Alle lächeln zurück, wenn ich sie anlächle. Einige grüssen mich sogar freundlich. Schön wieder offenen Menschen in einem demokratischen Land zu begegnen. Mit einer Flasche Wein, natürlich chilenischen, feiere ich meinen Geburtstag und die  erreichte 10.000 km Marke mache ich mir zum Geschenk.

10tkm

Am kommenden Tag fahre ich gemächlich aus der Stadt. Ich geniesse die Freundlichkeit, die Ruhe und das Land. Welche ein Unterschied zu China. Autofahrer halten an einem Schutzweg für Fussgänger an. Beachten beim Rechtsabbiegern, dass ggf. ich geradeaus fahren möchte. Keiner hupt, Ruhe erleichtert das Radfahren. Kim, ein freundlicher Koreaner auf der Fähre, hatte mir berichtet, dass ein ehemaliger Minister ein begeisterter Radfahrer war. Dieser hat in Korea viel  für Radfahrer, für das Radfahren, bewirkt. Nach zwei erfahrungsreichen Tagen würde ich sagen, Korea sind die asiatischen Niederlande für Radfahrer. Es gibt viele ausgezeichnete Radwege neben den Hauptverkehrsstrassen. Diese Wege führen durch landschaftlich schöne Gegenden auf holzbeplangten Stegen, auch durch geschützte Feuchtgebiete.

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Reisfelder so weit ich sehen kann

Die zurück gelegten Kilometer sind mir im Moment ziemlich egal. Immer wieder versuche ich näher an die Grenze zu Nordkorea zu kommen. Doch immer wieder komme ich nicht an den Kontrollstellen vorbei. So fahre ich gemächlich an der Vor-Grenze entlang. Nehme Umwege in Kauf und mache viele Pausen. Die Ruhe des Landes, der Region und der Menschen übertragen sich auf mich. Ich nehme sie auf. Habe ich die Möglichkeit mich mit Menschen zu unterhalten, dann merke ich anfangs ihre Zurückhaltung, ihre Höflichkeit nicht aufdringlich zu sein. Sie halten Abstand, sind leise und fragen! Ein älterer Koreaner, den ich am Tempel in der Nähe von Ungdamin treffe, fragte mich vorab, ob ich mich mit ihm unterhalten möchte. Wir unterhalten uns beginnend in englisch. Etwas später fragt er ob er, obwohl schlecht, auch deutsch mit mir reden kann. Ich bin beeindruckt.

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Wieder einmal stehe ich im Grenzgebiet bzw. direkt einem Grenzposten gegenüber. Die teils ziemlich jungen Soldaten bleiben völlig gelassen, höflich und zurückhaltend. Sie beantworten mir in Ruhe meine Fragen und weisen mich dann darauf hin, dass ich mich hier nicht weiter aufhalten dürfe. Undenkbar in vielen Ländern dieser Erde. Darstellung von Gewalt und dessen Ausübung wäre an der Tagesordnung gewesen. Sicher wäre es auch, so zum Beispiel in China, zu einer riesigen Aufregung, mit vielen Fragen, Kontrollen und eventuellen Repressalien gekommen. Nicht so in Südkorea. Die Körnung ist der Posten auf der Strasse 246. Er erklärte mir in gutem englisch, dass hier nur Bewohner bzw. Personen mit Permit weiter dürfen. Mich kann er leider nicht durchlassen. Zum Trost und seiner Entschuldigung schenkt er mir zwei Müsliriegel und ein Reflexband. Wieder einmal bin ich baff.

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Der nächste Tag empfängt mich ziemlich schwül warm und so läuft nach der ersten Steigung der Schweiß in Strömen. Über leichte Strassenwellen treibe ich mich weiter Richtung Osten. Eile habe ich nicht und so nehme ich auch grenzbedingte Rückfahrten bzw. immer wieder Umwege in Kauf. Die Grenze zu Nordkorea wird ansonsten ziemlich offen dokumentiert. Immer wieder gibt es große Infotafeln auf denen die Anlagen, die Situation beschrieben werden. Natürlich werden die von nordkoreanischer Seite gegrabenen Tunnel, es sollen wohl fünf Stück sein die gefunden wurden, in vielen Fotos gezeigt und die Tatsache breit ausgeschlachtet. Dies Tunnelanlagen waren teilweise so groß, dass ganze Züge dort hätten durchfahren können. Hinter der Grenze komme ich auf den Strassen immer wieder an Zeugnissen der Feindseligkeiten vorbei. Auch die noch immer scharfen Strassensperren lassen mich staunen. Hier sind riesige Betonblöcke oberhalb der Strasse aufgeschichtet und im Falle einer Invasion durch Nordkorea werden diese Betonblöcke durch Sperrungen auf die Strasse befördert und sollen dies dann blockieren. Der Sprengstoff und die elektrischen Zündleitungen sind noch immer vorhanden.

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massive, scharfe Strassensperren
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….mit sichtbaren Zündern

An diesem Abend finde ich nach mehreren Anläufen auch einen Zeltplatz und esse im Nieselregen meine tadschikische Nudelpackungen mit kirgisischem Sonnenblumenöl, chinesischer Wurst und koreanischem Wasser. Internationale Küche auf höchstem Niveau. Der Komfort beim zelten wächst, denn ich höre Musik auf meinem iPAD während ich esse, in mein Reisetagebuch schreibe und geniesse es. Die Ruhe der Tage ist phantastisch. Nichts nervt, keine Aggressivität auf den Strassen. Komme ich über Tag mit den Koreanern in Kontakt geniesse ich die Freundlichkeit und erwidere sie natürlich. Was für eine Entspannung. Leben die Menschen in einer Demokratie sind sie einfach zufriedener und geben dies auch weiter. Hier in Korea erfahre ich überhaupt keinen Stress auf den Strassen. Weiterhin nutze ich viel die herrlichen Radwege. Ich bin erwartungsvoll wann ich die Küste erreiche und wie es dann von dort nach Süden geht.

 

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