22.07. – 26.07.2015 / 154. – 158. Tag

Einige deftige Steigungen lassen mich tüchtig schwitzen und keuchen. Kurz und knackig geht es bergan. Mitunter sind die Kehren echt 13 % steil. Ich fahre weiterhin viel auf Seitenstrassen und es gefällt mir.

Steig

Auf einer Passhöhe angekommen finde ich eine Touristenrestaurant.  Da ich mal wieder lange nichts gegessen habe schaue ich mich in der offenen Küche nach dem Angebot um. Zuerst läßt mich die Köchin irgendwelche Teigtaschen, klitschig und nicht lecker kosten. Höflich sagte ich, ja es schmeckt aber…..! Dann zeigte sie mir eine Masse die etwas komisch aussieht. Sie zeigt auf den Grillplatz und ich bestelle ein Stück. Ich bin ja prinzipiell offen für solche Sachen. Allerdings habe ich diesmal wirklich daneben gegriffen. Es schmeckt beim besten Willen nicht. Die Teigtaschen sehen grau und fade aus und schmecken nach ….! Ich kann es nicht definieren. Weder der Mantel noch die Füllung haben einen Geschmack den ich benennen könnte. Ich würge mir dann einige Stücken runter, bezahle und bin schnell raus auf die Strasse, denn ich merke, dass das nicht drin bleiben wird. Mitten in der Abfahrt geht es dann nicht mehr. Ich muss anhalten und das Fürchterliche geht den Rückweg ins Freie.

IMG_4011

Ich sitze im Zelt, draussen geht ein Schauer nach dem anderen über mich drüber. Es ist wahnsinnig schwül. Ich sitze im Zelt und der Schweiss läuft in Strömen. Leider kann ich das Zelt nicht offen lassen, die Mücken warten zu tausenden auf Einlass!!! Die Strecken durch die Naturschutzgebiete sind ziemlich heftig. Viele, lange Steigungen immer über 10%.

stei

Tagsüber ist es superheiss und kein Schatten bringt Erleichterung. Weiter beisse ich mich bergan. Der Schweiss rinnt in Strömen über meinen Körper. Gegen Mittag werde ich von einem Koreaner, der wie er mir erzählt auch Radtouren unternimmt, zum Essen eingeladen. Leider bleibt es bei den Begegnungen immer nur bei wenigen Sätzen, schade. Ansonsten geniesse ich die Ruhe auf den Straßen und die Ruhe in mir selbst. Am Abend zelte an der Strasse auf einem verlassenen Bauplatz.

P1050965 P1050960

Die Nacht hat es komplett durch geregnet. Entsprechend ist alles feucht bzw. nass. Weiter geht es immer wieder bergan. An diesem Tag sind es drei Pässe. Immer von null Niveau auf 1000 Höhenmeter. Eine elende Schinderei. Die Sonne ist unbarmherzig. Kopfschmerzen, ähnlich einem Sonnenstich, machen sich bemerk-bar. Unterwegs kaufe ich mir einen Strohhut. Allerdings fliegt mir dieser immer wieder bei den Abfahrten durch den Fahrwind vom Kopf und ist so doch ziemlich hinderlich.

IMG_1934

Auch in der folgenden Nacht und am gesamten Vormittag hört der Regen nicht auf. Nach 100 m auf der Straße bin ich völlig durch vom Regen. Das Wasser steht auf der Straße und die vorbeifahrenden Autos geben mir den noch fehlenden Rest an fehlenden absoluter Durchfeuchtung! Der Himmel hängt mit dicken grauen Wolken voll. Die Berge sind nicht zu sehen. Gegen Mittag hört es dann ein wenig auf zu regnen. Ich bin aus den hohen Bergen raus und die kleinen bewaldeten Gipfel halten nur noch Nebelschleier um ihre Spitzen. Alles ist herrlich frisch und grün. Trotz des Regens macht es Spass  auf der Strasse zu sein und voran zu kommen. Der Regen ist nicht kalt und wie immer ist der Grossteil der Autofahrer rücksichtsvoll. Auf der letzten Passhöhe bevor es wieder bergab geht, genieße ich das schöne Panorama. Vor dem Weiterfahren dreht ich noch einmal um, nehme einen Rundblick in mich auf und da steht plötzlich ein Koreaner unterm Schirm und winkte mir zu.

IMG_1931

Also wende ich noch einmal das Rad um und fahr ihm entgegen. Börjn, er heißt wirklich so,  freute sich riesig mich kennen zu lernen und lädt mich natürlich umgehend zum Essen ein. Wir verständigen uns mit Händen und Füssen. Anschliessend kauft er im Supermarkt Kekse und Cola für mich, spendiert auch noch einen Kaffe und will mich lange nicht weiter lassen. Fragt mich immer wieder über die Reise aus. Der Abschied ist dann entsprechend herzlich. Nach einer tollen Abfahrt erreiche ich wieder die Küste und fahre direkt bis zum Hafen durch. Und dann stehe ich wieder am Meer. Diesmal am Pazifik !!!

P1050968

Leider geht mein Plan für heute nicht ganz auf, denn ich will eigentlich am Meer bzw. Stand schlafen. Nur ist der gesamte Küstenabschnitt Grenzgebiet zu Japan. Erstaunt stelle ich fest, dass die Grenze mit Stacheldraht, Überwachungskameras, Panzersperren und Wachposten stark gesichert ist. So fahre ich an diesem tag noch relativ lange an der Küste entlang.

IMG_4060

An einem Tempel mache ich Pause und finde eine kleine Strasse in die Berge führen. Es ist schon relativ spät und so sind fast keine Besucher mehr am Tempel bzw auf dem Parkplatz. So nutze ich die Gelegenheit und fahre die kleine Straße mit Anstieg, in der Hoffnung weiter oben einen schönen Platz mit Ausblick auf’s Meer zu finden, bergan. Und es geht gleich hinter der zweiten Kurze in 14% Steigung extrem bergan. Immer folgt nach einer Kehre die nächste Kehre. Runterfahren will ich aber auch nicht mehr und so muss ich weiter bergan. Am Ende komme ich nur noch schiebend bergan und ein Schild zeigt den Scheitelpunkt nach 1,5 km an. Das mute ich mir dann aber an diesem Abend doch nicht mehr zu. So nehme ich kurzentschlossen einen kleinen Abzweig in den Wald und finde einen einigermassen geeigneten Platz für das Zelt.

P1050972 P1050973

Es ist bereits dunkel, so koche mir im Licht der Stirnlampe meine Nudeln, höre weit unten aus dem Kloster den Glockenschlag, repariere noch einige wichtige Sachen und versuche in der Schräglage Schlaf zu finden.

Ich schlafe schlecht in dieser Nacht,kann lange nicht einschlafen. Müde und mit Rückenschmerzen fahre ich bergab zur Strasse und weiter an der Küste entlang. Immer wieder werden die Grenzan-lagen durch Strände und Städte unterbrochen. Immer wieder geht es kurz steil bergan. Allerdings immer wieder schön auf wunderbaren, von der Strasse abgegrenzten Fahrradwege. Ich lasse mich weiterhin treiben. Jetzt ist keine Hetze angesagt.

IMG_1963 P1050975 IMG_1990

Unterwegs mache Pause zur Radpflege. Kaufe Kettenfluide, pumpe Luft nach, kaufe Lebensmittel und fahre weiter.

In einer grösseren Stadt schneidet mir ein Busfahrer in einer Kurve den Weg. An der nächsten Kreuzung muß er bei Rot warten und ich fahre zu ihm auf. Mache ihm deutlich, dass es nicht schön war von ihm abgedrängt zu werden. Dann stehen wir gemeinsam an der Kreuzung und warten auf Grün. Plötzlich tippt mir der Busfahrer auf die Hand, lächelt und reicht mir einen Versöhnungsbonbon. Wir lächeln uns an und ich bin wieder befriedet und beschliesse mir weiterhin die prinzipielle Freundlichkeit der Koreaner vor Augen zu führen.

P1050985 P1050982 P1050981 P1050980

Am späten Nachmittag erreiche ich einen kleinen Fischerort. “Eine frische Fischsuppe…”, schießt es mir durch den Kopf. Eine meiner Leibspeisen!  bei dem reichhaltigem Angebot finde ich schnell eine geeignete Garküche und die Passende Suppe. Mit einem extra Ventilator, frisches Eis für mein Wasser und weitere Aufmerksam-keiten bedacht, geniesse ich meinen spontanen Entschluss. Die Suppe ist köstlich. Einen nachfolgenden Badeort erreiche ich schweissüberströmt und beschliesse hier den Tag ausklingen zu lassen. Das Meerwasser ist herrlich erfrischend und nicht sehr salzig. Erstaunlich. Alles am Strand ist, wie im ganzen Land, sehr ruhig. Kein Stress, kein Lärm, keine Superhelden. Gegen Abend packen die wenigen Badegäste wie in Verabredung schlagartig ihre Sachen und verlassen den Strand und es wird noch ruhiger. Schön! So baue ich unter einem höher gelegenen Steg mein Zelt auf, stelle mein Rad unter, setze mich an den Strand und blicke seelenruhig auf das Meer.

P1050988 P1050990

Ein alter Mann lädt sein Fischerzeug auf ein Floss und wird wohl in traditionelle Weise seine Fang suchen. Nach einer Stunde kommt er allerdings wieder zurück. Wind kommt auf und das doch recht altersschwache Floss ist dafür sicher nicht geschaffen.

IMG_4097

Am kommenden Tag mache ich mich früh auf die Piste. Ich will Heute nun endlich einmal das Rad in Ordnung bringen und mir dazu recht früh einen geeigneten Platz zum Zelten suchen. Seit etlichen Kilometern ist da einiges zu machen. Es ist Sonntag und irgendwie ein komischer Tag. Die Straßen sind ruhig, fast leergefegt. Ich versuche meine Gefühle zu ordnen und merke, dass in der Vergangenheit Sonntag mit festen Rieten in Deutschland verbunden ist und das macht mich wohl so nachdenklich. Einige Gewohnheiten fehlen mir doch! (Du weißt was ich meine!)

„ Never change the running system!” Aber irgendwann muß ich die notwendigen Reparaturen, das Auswechseln der Verschleißteile, doch ausführen. Ich bin jetzt bereits über 10.000 km mit der Kette, dem Öl und dem Ritzel unterwegs.

P1050996 IMG_2002 IMG_2006

Gegen Mittag finde ich etwas abseits der Straße in einem Public-Park einen Pavillon und beschliesse hier zu den Tag zu beenden. Ich baue mein Zelt auf und kurze Zeit später steht eine Koreanerin neben mir, beschaut sich alles und geht. Es dauert nicht lange und sie kehrt zurück und serviert mir warmes Essen und etwas kaltes zu Trinken. Dankend nehme ich alles an. Indem sie mir ihr Wlan-Passwort auf einem Zettel überreicht, kann ich auch noch diesen Luxus für den Abend nutzen.

In aller Ruhe baue ich an Rad und schlafe gemütlich ein.

Am Morgen weckt mich recht früh ein ungewohntes Geräusch. Ich schaue aus dem Zelt und wieder steht die Koreanerin mit Essen vor dem Zelt. Zur warmen Milch gibt es noch Reis mit allerlei Gemüse. Ungewohnte Frühstückskost, doch es schmeckt.

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.
Menü