10.08. – 23.08.2017 / 751. – 764. Tag / 46.495 – 47.059 km

Von Nickerie über Totness,  Henri Anwies Airstrip , Paramaribo, Klaaskreek Resort, Paramaribo, Moengo zur Grenzstadt Saint Laurent du Maroni 

Route Suriname

>Suriname grenzt im Norden an den Atlantischen Ozean, im Osten an Französisch-Guayana, im Süden an Brasilien und im Westen an Guyana. Das Land verdankt seinen Namen wahrscheinlich dem Stamm der Surinen, der durch die Arawak aus diesem Gebiet vertrieben wurde. Suriname ist mit einer Fläche von 163.820 km² das kleinste unabhängige Land Südamerikas.

Hinter einer maximal 80 km breiten sumpfigen Küstenebene steigt das Land stufenförmig empor und bildet die Suriname-Hochebene. Die höchste Erhebung ist der Julianatop mit 1280 Metern. Das Klima ist tropisch. Von Anfang Dezember bis Anfang Februar dauert die kleine, von Ende April bis Mitte August die große Regenzeit. Dazwischen liegen von Anfang Februar bis Ende April die kleine und von Mitte August bis Anfang Dezember die große Trockenzeit. Die durchschnittliche Temperatur schwankt zwischen 24-36°C. Noch immer besteht circa 80 % des Grundgebietes aus Regenwald mit u.a. mehr als 1000 Baumarten. Dieser Urwald ist Teil des größten tropischen Regenwaldes auf der Welt, des Amazonas-Regenwalds. Noch ist die exotischen Fauna des Regenwaldes zahlreich. Das Gebiet des heutigen Suriname wurde ca. 3000 v. Chr. erstmals von Indianern besiedelt. Die größten Stämme waren Arawak und Kariben. Als erster Europäer entdeckte Christoph Columbus 1498 die Küste. Ab 1499 erforschten weitere Expeditionen die Küste genauer. 

Eine erste dauerhafte europäische Siedlung wurde 1651 von Engländern im Auftrag von Francis Willoughby eingerichtet. 1667 nahmen die Niederlande die Kolonie ein. Durch den im selben Jahr geschlossenen Frieden von Breda blieb es beim Status quo. Die Engländer behielten die eingenommene niederländische Kolonie Nieuw Amsterdam (das spätere New York) und die Niederländer ihrerseits das eroberte Suriname. Nach dem Dritten Englisch-Niederländischen Krieg wurde dieser Zustand 1674 mit dem Frieden von Westminster offiziell. 1683 wurde die Sociëteit van Suriname als neue Eigentümerin gegründet. Bis zu ihrer Aufhebung 1795 sollte diese Gesellschaft, mit ihren Entscheidungsträgern, den wechselnden Direktoren in Amsterdam und den von ihnen entsandten Gouverneuren, die wechselvolle Geschichte Surinames entscheidend mitbestimmen. Das heutige Gebiet Surinames wurde nach der Niederlage Napoleons an die Niederlande zurückgegeben, das heutige Guyana blieb im Besitz Großbritanniens. Im Britisch-Niederländischen Vertrag vom 13. August 1814 wurde geregelt, dass kein niederländischer Bürger mehr am Sklavenhandel beteiligt sein durfte. Tatsächlich endete der Sklavenhandel und die Einfuhr von Sklaven in Suriname erst ab 1826.< de.wikipedia.org/wiki/Suriname 

Die 14 Kilometer bis zur Fährstation ziehen sich, durch den früh angeheizten, tropischen Brutofen, noch über fast 1,5 Stunden. Meine Anpassung an das Klima ist immer noch nicht vollständig vollzogen. Etwas leichter, nicht mehr ganz so schweißbadend, geht es aber trotz allem noch vorhandenem Widrigkeiten. An der Grenzstation herrscht bereits mächtiger Trubel. Viele Leute sitzen inmitten ihren Bergen von Koffern, Taschen, Kisten und Gepäckballen. 

Mittlerweile bringe ich auch vollstes Verständnis für die Gelassenheit, die gemächliche Ausführung aller Handlungen und so lassen sich alle mächtig viel Zeit bei allem was sie tun und besonders natürlich in der Staatsbedienst-Beschäftigung. So zogen sich die Formalitäten für die Ausreise mächtig in die Länge. Wie so oft im kleinen Grenzverkehr existieren Regeln, ungeschriebene Gesetze. Diese gilt es zu erkennen und einzuhalten. In Laos waren dies damals ausreichend 20 US$ Scheine dabeizuhaben, um die zahlreichen, privatbezogenen Gebühren, nach einer Mittagspause von 11:00-14:00 Uhr, zu entrichten. 

Die Gefangenen-Filminsel aus Papillon

Bezahlt habe ich die Gebühren (Ausreise!!??) und den Kosten für die Fähren durch ein kleines Loch in einem Fenster, hinter dem eine attraktive Dame gemächlich die Arbeitszeit verstreichen ließ. Dazu mußte ich mich vor das winzige Loch knien und mein Ohr dort hineinpressen. Mhhh, kam mir irgendwie bekannt vor. Im Iran vor der Botschaft von Tadschikistan lief die Antragstellung für ein Visa ähnlich ab. Vor dem und um das Grenzgebäude patrouillierten zahlreiche uniformierte Männer und kümmerten sich, der jeweiligen Höhe der Zuwendungen entsprechend, um den reibungslosen, unkontrollierten Transport der Wirtschaftsgüter, und der variablen Reihenfolge der Bearbeitung. Dann aber, etliche Wartestunden später, die Fähre trifft ein und nach einer weiteren Stunde, beginnt der Run um die vorderen Ausstiegsplätze, können alle an Bord. Es folgt eine problemlose Überfahrt und auch, ja wirklich, ein schnelles und reibungsloses Einreiseprozedere. 

Eine lange schattenlose Strecke, mit vielen geradeaus Fahrten durch eine weit in die Ferne reichende Wiesenebene, gilt es zurückzulegen. Unterwegs hielt ich, durch lautem Vogelgeschrei aufmerksam geworden, an einem Loch in der rechtsseitigen Buschhecke. Hinter der Hecke, unter dem Busch saßen einige Männer vor Käfigen. Große rote-blau-grün-bunte Papageie, wunderschöne tropischen Hornvögel schrieen ihre Angst hinaus. Die seinen für den Export bestimmt, teilte man mir mit. Ja wie so oft, die erste Welt will es sich schön machen und die dritte Welt verkauft ihre Schätze. Unterwegs hielt dann noch eine freundliche, niederländische Familie, versorgte mich mit Wasser und wünschte mir eine gute Weiterreise. In Nickerie finde ich schnell mein avisiertes Hotel. Chinesen sind die Betreiber und wieder bestätigt sich meine Erfahrung bzgl. der verloren gegangenen asiatischen (chinesisch) Freundlichkeit gegenüber Fremden. Allerdings ist der Preis für das Zimmer inkl. Wlan und sogar mit Frühstück, ok. Vor dem angeschlossenen Restaurant sitzen auf der Terrasse einige indisch aussehende Männer. Sofort werde ich zum Bier eingeladen und wir unterhalten uns zwanglos. 

Einige haben in Holland gearbeitet, sprechen gut englisch und sind wirklich offen und freundlich. Die Inder sieh an, wer hätte das gedacht. Allerdings müssen sie sich hier wohl auch nicht mit ihren Millionen  indischen Mitbürgern auseinandersetzen. So kann ich mich auch mal täuschen, denn sie laden mich auch noch zu sich nach Hause zum Essen ein. Einer der Jungs will kochen. Das zieht sich allerdings noch mächtig hin, denn immer wieder halten wir irgendwo an einer Kneipe und trinken Bier. Im Dunkeln landen wir dann nach dem Einkauf einiger Esswaren an einem Grundstück und spät in der Nacht gibt es auch etwas zu essen. Sehr scharfes Curry mit Hühnchen. Ihren Erzählungen nach fühlen sie sich hier sehr wohl. ja wohl auch zu Hause und sollte es mal Probleme geben, so regeln sie diese innerhalb ihrer Community. Lassen sich von niemanden reinreden.

Gegen 22 Uhr bringt mich dann einer der Inder mit seinem Auto zurück in das Hotel. Auf dem Weg dorthin drehen wir noch einige Runden, mit ergiebigen Bierstops, durch die örtlichen Tanzlokale. Sehr gut aussehende, junge Mädchen warten hier auf Vergnügungen bzw. müssen doch eher die Gäste vergnügen. Für mich ist das nichts und so lande ich endlich doch irgendwann in meinem klimatisierten Zimmer. Schlafe wohl temperiert ein.

Am gestrigen Abend wurde ich noch zu einer Angeltour am Morgen eingeladen. Ich denke beim Packen und Aufbrechen, das sollte ich annehmen. So sitze ich dann auch gegen 10 Uhr im Schatten der Terrasse des gestrigen Abends. Der Hausherr und seine Indischen Freunde liegen noch im sägenden Tiefschlaf. Die vielen kleinen, fast verhungerten Hunde streunen, schleppen sich über den Hof. Kraft zum Bellen, mich zu verjagen, haben sie nicht. Ok, ich werde hier jetzt noch etwas warten und sehen was sich ergibt. Die Situation hat sich auch nach einer Stunde nicht geändert. Ich suche einige Behältnisse auf dem Grundstück, fülle sie für die vielen Hunde mit Wasser, Futter finde ich nicht, und mache mich auf die Straße. Schade, ein ggf. sich ergebendes Abenteuer verpasst.

Gegen Nachmittag bin ich mal wieder platt. Hitze, Gewitter, Starkregen, wieder einsetzende tropische Hitze, lange gerade Strecken ohne einen schützenden Platz zu finden, liegen hinter mir. Die Menschen weiterhin sehr freundlich, immer komme ich ins Gespräch, nie Neid oder Aggressivität.

Die Strecke verläuft parallel zum Fluss, noch traue ich mich nicht das Kajak auszupacken, ich brauche noch Zeit. Finde ein Guest House für 7$, kurz einkaufen, Einladung zum Kulturtanz ist verlockend. Doch ich bin absolut platt, kochen im Zimmer, Moskitonetz ist dringend notwenig und dann 20:45 Uhr Licht aus. 

Um 06:00 Uhr raus aus dem Zelt, hinein in den Mückenschwarm, der mich  antreibt alles schnell einzupacken. Zum Frühstücken fiel mir die Ruhe. Das habe ich dann an dem ersten Supermarkt nachgeholt. Hier gibt es dann auch einen Eiskaffee und keine Mücken. Ansonsten kämpfte ich gewaltig mit meinem wunden Hintern. Die erste Stunde, und immer nach einer längeren Pause, sind äußerst schmerzhaft. Ich finde keine richtige Position, will immer nur schonen, kann nicht richtig treten und komme nur sehr kraftaufwendig voran. 

Wieder einmal hielt ein Pärchen und versorgte mich mit kalten Getränken. Sogar ein Shop Besitzer, nein kein Chinese, schenkt mir ein kaltes Radler. Herrlich. 

Nach langem Kampf erreiche ich die Vororte von Paramaribo und bald geht es, lag wohl auch an dem Softeis, ein bisschen leichter. Na ob das wohl keine Bauchschmerzen verursacht? Ich werde sehen. Das erste Guesthouse finde ich im Regen, leider öffnet niemand. Also fahre ich zum Twenty4 und bekomme für schmales Geld eine kleines Zimmer mit Fan. 

Im örtlichen, Rappel vollem McDo…of, der einzige Laden der am Sonntagnachmittag geöffnet hat, finde ich freies Wlan. Nahrungsaufnahme lehne ich in diesen „Fastfoodbuden“ prinzipiell ab. Am Abend beschließen das Fahrrad und ich, dass ein Tag Erholung zwingend notwendig ist und bleibe jetzt eben zwei Nächte. 

Am folgenden Morgen gehe ich als erstes meiner Lieblingsbeschäftigung nach.  Gewichtsreduzierung der Ausrüstung !!! Entsorge jede Menge einige wenige Gramm wiegende Schrauben, Muttern und Unterlegscheiben. Erleichtert und zufrieden stelle ich fest, dass es mit den demontierten Pedalkörben in Summe sicher 400 g Erleichterung bringt. Woooo, das ist super und eine enorme psychische Hilfe. Über die kommenden Tage gibt es nicht viel zu berichten, außer das es weiterhin sehr heiß ist. Also sehr, sehr sehr heiß. Das ich weiterhin Unmengen an Wasser brauche und das die Strecken sehr eintönig sind.

Gegen Nachmittag erreiche ich ein Camp am Suriname River. Geplant habe ich das als meine Test-Basis. Ich sitze am Ufer, schaue auf den Fluss, auf das träge dahin strömende Wasser. Der Packsack mit dem Faltkajak liegt neben mir und meine Gedanken kreisen um den notwendigen Test. Was packe ich hierfür wie ein? Die erste Testfahrt ohne Gepäck? Mit wenig Gepäck? Wie verhalte ich mich hier in diesem Fluss, wenn ich kentere? Gibt es hier eigentlich Wasserbewohner die größer sind als ich? An welcher Stelle der Nahrungskette stehe ich hier? Ja, das sollte ich noch einmal regional besprechen! 

Die Montage dauert. Ich lasse mir einige Zeit. Montiere alles gewissenhaft. Kontrolliere vor dem Einsetzen noch einmal alle Verbindungen, die Sicherheitsboje, das Verhalten des Kajaks im Leerzustand. Dann das wacklige Ein-und Reinsetzen und los. Stillsitzen, testen, vorsichtig umschauen und ….? Herrlich!!! Sofort nimmt mich der Fluss mit Ruhe und Strömungsgemächlich-keit auf und nach einigen Schlägen umfängt mich das Gewirr der Naturgeräusche, der Dschungel. 

Sofort entstehen in meinem Kopf wieder neue Pläne. Sollte ich doch noch den Fluss weiter hinauffahren? Doch ich kenne mich, beruhige meine Euphorie und lasse mich treiben. Ja ich lasse mich treiben, nur wenige Meter, denn sofort dreht sich das leichte Kajak in die Strömung und treibt flussabwärts. Eine Stunde später kehre ich dann doch um und nun geniesse ich den Strom. Muss nur steuern und kann geniessen.

Das Kajak lasse ich nach meiner Rückkehr im Camp zusammengesetzt. Frage nach einem sicheren Platz und vertraue auf die Zusage der Wachschutzleute. Ja, das ist sicher. Noch ein kühles Bier auf die Jungfernfahrt, noch Bilder kopierten, Videos überspielen und dann gibt es auch schon etwas zu essen. Nach wie vor bin ich doch angespannt, nervös und unsicher. Aber auch irgendwie davon überzeugt, dass alles so funktioniert wie ich es geplant, in meinem Kopf entworfen habe. 

Fragen bleiben, die ich aber nur auf dem Wasser, am kommenden Tag, in der Realität beantworten kann. Dazu muss ich los, muss ich mich einlassen. Weiter den minimalen Rest meiner Komfortzone aufgeben. Auf der Straße unterwegs mit dem Rad kenne ich mich aus. Habe ich auf den vielen, hinter mir liegenden Kilometern, Tagen, Wochen, Jahren, Erlebnissen umfangreiche Erfahrungen gesammelt. Nun auf dem Wasser ist wieder vieles neu, ungewohnt und aufregend. 

Es ist schon ein kleiner Lastkahn, welchen ich mir da so zusammengestellt habe. Wenig Platz bleibt für die Beine und die Stabilität ist nicht vom allerfeinsten. Nun ja, ich muss los und so packe ich ein, um, aus und wieder neu.

Nach einer Stunde sind meine Beine komplett eingeschlafen und ich muss unbedingt eine Pause machen. Doch wo anlegen. Die Uferböschungen sind an den Abbruchkanten ziemlich hoch. Undurchdringlich scheint der ufernahe Mangrovenwald mit seinen orangenbraunen Wurzeln. Das laublose Gitterwerk ragt stellenweise bis zu 2 m aus dem Wasser. Darüber erst setzt das leuchtende Grün an. 

Stundenlang suchen meine Blicke die grüne Waldkante ab. Ich konzentriere mich auf meine weite Umgebung und schrecke leicht hochfahrend zusammen. Um meine Beine schwappt in kleinen Wellen recht viel Flusswasser. Die Kajakoberkante ragt nur noch ca. 1,5 cm aus dem Wasser! Was ist denn nun los? Wo kommt all das Wasser her? Jetzt muss ich aber wirklich schnell einen Lagerplatz finden. Die linke Flußseite erscheint mir aussichtsreicher und so fahre ich aus der Fußmitte erst einmal in diesen Uferbereich. Dann endlich finde ich einen geeigneten Platz, ein ehemaliges Camp. 

Nach dem Aussteigen betrachte ich erstaunt das viele Wasser im Kajak. Die Luftpolster auf der rechten Seite sind leer. Nicht gut. Die Ventileinsätze schliessen nicht richtig ab. 

Also alles auspacken, die notwendigen Stellen trocknen, Kleber auftragen und warten. 24 Stunden soll der Kleber zum trocknen Zeit gelassen werden. Das kann ich nicht einhalten. Aber einige Stunden muß ich doch vergehen lassen. und so gehe ich erst einmal mit übertriebener Vorsicht ufernah baden, ordne meine Ausrüstung und liege in der Sonne. Leider bin ich zu ungeduldig und so pumpe ich versuchsweise die Seitenpolster wieder auf. Doch wie eigentlich erwartet bleibt die Luft nicht im Polster. Ich versuche es mit dem Reparaturset, das eigentlich für Risse in der Unterplane gedacht ist. Schneide mir passende Flicken zurecht, trage den Kleber beidseitig auf, drücke die Flicken auf die entsprechenden Stellen. Und….warte!

Nach weiteren Wartestunden habe ich zwei Ventileinsätze dicht bekommen, der Reparaturflicken für den dritten Ventileinsatz will absolut nicht halten. Noch länger will ich nun aber nicht warten. Will, muß weiter. Wieder zwänge ich mich in meinen Lastenschlepper und weiter gehts. Es wird nicht leichter und mehrere tropische Regenschauer überraschen mich dann auch noch auf dem Wasser. Leider konzentriere ich mich nun nur noch auf den Zustand des Kajaks. Richte meine Aufmerksamkeit nicht mehr auf den Fluß, auf die Umgebung. Immer mal wieder muss ich die Flußseiten wechseln. Muß durch die Mittelströmung und dichten Algenbewuchs. Wohl ist mir bei all dem nicht. Das Kajak liegt sehr tief im Wasser und läßt sich insgesamt auch schwer geradeausfahren.

Die Dämmerung hat bereits eingesetzt und ich weiß, dass es sehr schnell dunkel wird. Lange halte ich wieder nach einem Platz für die Nacht Ausschau. Wieder ist es schwer etwas zu finden.  Spät, sehr spät sehe ich schon von weitem zwischen dem vielen Grün, linksseitig einen hellen weißen Fleck. Ich habe Glück, denn es ist wirklich ein Ankerplatz. Jemand hat sich eine Fläche mit weißem Sand, Zaun und umgebauten Schiffscontainern zu einem Wochenendgrundstück umgebaut. Einige Boote liegen im Sand und ein Weg windet sich in den nahen Wald. Schnell baue ich mein Zelt neben dem Zaun auf, verstaue meine Ausrüstung, schaue mich noch einmal um und hoffe, dass sich niemand für meinen Lagerplatz interessiert. Nach wenigen Metern sehe ich oberhalb des Weges einige Hütten. Vielleicht habe ich Glück und bekomme auch noch Wasser zu kaufen. 

An der ersten Hütte sitzen einige Frauen mit Kindern und vielen Hunden. Sofort bin ich von den vielen Kindern umringt, werde neugierig beobachtet. Ich frage nach Trinkwasser und ja wirklich, es gibt weiter hinten im Dorf einen Laden. Also schnappe ich mir einen kleinen Jungen als Guide und latsche weiter bergan. Und es gibt wirklich Wasser und sogar Bier. Vollbepackt mache ich mich auf den Rückweg. Mein kleiner Guide läuft mit seinen süßen Geschenken aus dem Laden wieder ins Dorf zurück. Unterwegs treffe ich John er will zum Fischen und hilft mir beim Tragen der Wasserflaschen. In der untergehenden Sonne koche ich mir ein paar Nudeln. John kommt zurück und zeigt mir stolz seinen Tagesfang. Nicht schlecht für die kurze Zeit auf dem Wasser. Also hat auch er und seine Familie nun Abendessen.

Dann bin ich alleine, bin zu müde um noch einen Reparaturversuch zu unternehmen und versuche so mal zu schlafen. Lange noch lausche ich hinter der Zeltwand den Dschungelgeräuschen. Wie wird es morgen weitergehen? Macht das mit dem Defekt so noch weiter Sinn? Muss ich einen Plan B haben? Wie komme ich nach Paramaribo? Wie immer rasen mir viele Fragen durch den Kopf, wenn etwas nicht rund läuft. Lange finde ich keinen Schlaf.

Die Sonne weckt mich früh und ich habe auch keine Ruhe mehr. Wie am Abend springe ich schnell in den Fluss und versuche etwas Abkühlung zu bekommen. Wieder alles abbauen, einpacken und mich dann in die Lücke ins Innere des Kajak zwängen. Der erste Versuch misslingt, dass Kajak kippt um und ich lande ebenfalls im Wasser. Das Boot läuft entsprechend voll. Zum Glück ist niemand in der Nähe bzw. filmt das Szenarium, denn die Situation ähnelt schon sehr dem Kükenschlupf. Ich hänge noch im Inneren des Kajaks fest, zappele mit den Beinen um loszukommen, rudre mit den Armen im Wasser, versuche aus der Öffnung zu krabbeln! Und naß bin ich natürlich auch, also alles sehr dem Eischlüpfen ähnlich. Schade, nach Lachen ist mir nicht zumute.

So stehe ich dann nach einigem Kampf triefend naß neben dem kieloben schaukelnden Kajak. Also wieder alles ausräumen, T-Shirt ausziehen und dann damit das Wasser rausbekommen. Immer wieder verändere ich den Tiefpunkt, drücke mit einer Hand das Kajak nach unten, so das dann auch das restliche Wasser dort zusammenläuft, und wische mit der anderen Hand so leidlich das Wasser zusammen.Es folgt dann das beschwerliche Schieben, Pressen, Drücken, Einpacken, festzurren der Packtaschen. Vorne auf dem Kajak obenauf liegen die Laufräder und hinter mir das Rad. 

Irgendwie passen meine Beine nicht mehr der Länge nach in das Boot. Ich habe keinen Platz nach vorne. Die Luftpolster sind auch wieder leer und alles sieht nicht sehr zuverlässig aus. 

Ein anderer Fischer kommt und wir unterhalten uns eine Weile. Er lebt oben im Dorf und hat zwei Farmen, wie er es nennt, in der Umgebung. Sonst geht er noch fischen und kümmert sich so um seine Familie in Paramaribo. Es ist viel Arbeit, wenig Ertrag, denn Fliegen und/oder Wespen, fressen ihm von den Obstbäumen immer die Blüten, die jungen Früchte weg. Es ist kein leichtes Leben im Busch, viel schwere Arbeit und der Ertrag wird zunehmend weniger.

Nach weiteren gescheiterten Versuchen beschliesse ich, hier und jetzt das Experiment mit Kajak, Rad und Gepäck zu beenden. Das macht so weiter keinen Sinn. Ich ersaufe sonst noch mit meiner ganzen Ladung und dann ist alles weg. Der Fischer hat mir auch noch von vielen, unter Wasser liegenden Klippen, Felsen erzählt. Da kann man schnell mit der Strömung raufkommen und dann ist es vorbei. 

Schade, aber es macht so keinen Sinn und hier habe ich wenigstens die Möglichkeit über einen Landweg zurück auf die Strasse nach Paramaribo zu kommen. So schleppe ich dann alles den Weg hoch zum Dorf, montiere Rad und Trailer. Verpacke alles, gehe mich noch einmal abkühlen und dann mache ich mich auf zur Straße. Es geht hoch und runter über kleine Geländewellen und auf festem, sandigen Untergrund durch Wasserkuhlen und Matschlöcher bis zur Straße.

An der Kreuzung stehend denke ich noch einmal über meine Situation nach. Links führt die Straße wieder zu dem Ausgangspunkt meiner Flußfahrt. Nach rechts fahrend komme ich nach Paramaribo. Ok, nach rechts, Kopf runter und die vor mir liegenden Kilometer so schnell als möglich abzuspulen. Ich denke nicht mehr zurück, bin jetzt schon gedanklich damit beschäftigt die Sachen als Paket irgendwie nach Deutschland zu bekommen.

Mehrere Stops an den dann zahlreich auftauchenden Supermärkten bringen mir durch kalte Getränke wieder einen einigermassen ruhigen Kreislauf. Es ist 14:00 Uhr und ohne Schatten unerträglich heiss. Auf dem Weg in das Zentrum fahre ich noch zu einem DHL Courier und erfahre was der Versand nach Deutschland kosten soll. Gut das ich mich zuvor hingesetzt habe. Spätestens jetzt würde ich auf dem Hintern sitzen. 1.200 US$ !!! Geht also gar nicht. Gemeinsam suche ich mit den sehr freundlichen Mitarbeitern nach einer anderen Lösung. Ich soll es doch am Montag bei den Sur-Post versuchen. Die sind um ein vieles billiger. Bis dahin kann ich wenigstens die Sachen im Karton verpackt und schon mal in der Niederlassung stehen lassen. 

Ohne Trailer und den 30 kg an zusätzlichem Gepäck, fliege ich durch die Stadt zum Hostel. Kaufe mir ein großes kaltes Bier, dusche und finde auch endlich wieder etwas um meinen Hunger zu beseitigen. In der Nacht ist es sehr warm, schwül, heiß und irgendwie auch voller Mücken. Ich verbringe das Wochenende mit Warten, Essen und Stadtbummel. Das Zentrum von Paramaribo ist nicht wirklich attraktiv. Viele der ehemaligen kolonialen Holzhäuser sind sehr modernisierungs-bedürftig.

In Baulücken liegt viel Müll und an der Strandpromenade ist nicht wirklich Markttreiben. Mit dem Besuch der Stadtfestung vertreibe ich mir ein paar Stunden die Zeit. 

Nach dem Wochenende mache ich mich schon sehr früh mit einem freundlichen Taxifahrer auf die Suche nach der richtigen (Sur)Post. Erstaunlich, ich kann entsprechend große Kartons kaufen. Bekomme Verpackungsmaterial, Klebeband und Paketaufkleber. Kann wirklich problemlos die zwei Pakete aufgeben. Wie ich später erfahre, haben viele Leute hier Verwandte, Familienmitglieder in den Niederlanden. So können die Postmitarbeiter mit dem Versand von Paketen nach Europa recht gut umgehen. Ok, hoffentlich kommen sie auch in Deutschland an. Die dann folgende, unglaubliche Story mit den Paketen, das komplette Versagen von DHL Deutschland und der niederländischen Spedition, beschreibe ich mal in einem extra, wahrscheinlich mehrbändigem Sachbuch. Schnell, ja gefühlsmäßig fliegend, verlasse ich dann am kommenden Morgen Paramaribo. Nehme mir die Strecke entlang der Küste nach Französisch Guyana, Brücke über den Suriname vor den Lenker. 

Die Straße bleibt eintönig und wenn mir nicht ein einzelner Chaot die Sicherheitsflagge und den Spiegel abgefahren hätte, wäre der Tag auch gemächlich verlaufen. Lange Zeit gab es keine Möglichkeit Wasser zu bekommen, so musste ich leider an einem Shop auf Cola zurückgreifen. 

Alles ist schöner als die 33 kg Ballast hinter mir herzuziehen und so bin ich froh und bestätigt, dass ich mich dazu entschlossen habe, die Sachen nach Deutschland zurückzusenden. Jetzt bin ich wieder in meinem alten Rhythmus. Quäle mich auch bei 40 Grad über die schattenlosen Straßen, aber muss mich nur zwingen, langsamer, kräftesparender zu fahren. 

Viel Schlangen, Kaimane, Ratten platt gefahren, säumen den Straßenrand. Nach einigen Tagen mit viel Hitze, Steigungen, wenig Wasser, erreiche ich die Grenze. 

Die blaue Flagge mit dem Sternenkranz am Grenzübergang nach Französisch Guayana erinnert mich, dass ich ja nun wieder nach Europa einreise. Witzig !

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