Swasiland

21.02. – 23.02.2017 / 708. – 710. Tag

Ankunft Grenze zu Swasiland in Piggs Peak, Mbabane, Big Bend

Zum Grenzübergang führte mich mein Weg durch ein vertrautes Landschaftsbild. Über weite, wellige Ebenen sind hier im Nordosten von Südafrika endlos erscheinende Kiefernwälder für die industrielle Holzwirtschaft vorhanden. Ein ungewöhnlicheshntes Bild, wenn ich bedenke das ich mich doch auf dem afrikanischen Kontinent befinde. Immer wieder schleichen voll-/ überbeladene Holztransporter, ähnlich mir mit großer Kraftanstrengung auf langen Anstiegen den Höhenrücken entgegen. Den gesamten Vormittag ging es erwartungsgemäß vom ersten Kilometer an richtig zur Sache, wieder mal an die Energievorräte. Bereits nach den ersten Stunden war ich pitschnaß, schweißdurchfeuchtet und hatte schon mal einen Geschmack auf das Kommende. Zusätzlich sorgte Dauernieselregen mit straken Kaltwinden für eine vollumfängliche Durchfeuchtung der gesamten Bekleidung. Die 17 %igen Steigungen vor den Kehren zwangen mich immer wieder aus dem Sattel, in den Wiegeschritt, und dann nach der x-ten Kehre auch irgendwann runter vom Rad auf . Mit 3 km/h kräftezerrend, auf gröbster Schotterpiste, schlingernd bergan treten, macht dann auch bald keinen wirklichen Sinn mehr. Da ist das Schieben doch schon irgendwie förderlich für ein Vorankommen.

Das Mittel-/Hochvield hatte ich dann in mehreren Steilstufen, mit abnehmender Vegetation und zunehmenden gigantischen, beeindruckend farbenreichen Felswänden, doch erstaunlich schnell erreicht. Auf einige eindrucksvollen Abfahrten, vorbei an senkrechten, mächtigen Sandstein-, Schiefertonfelsen bleib mir auch etwas Zeit zum Staunen und Verschnaufen, zur Muskelentspanung. Nach 3,5 Stunden stand ich am Grenzübergang Josefsdal auf der südafrikanischen Seite. Schnell einen Stempel abholen, kurzer Plausch mit anderen Touristen aus den Niederlande, den USA und Deutschland. Allgemein verursachte ich großes  Erstaunen an diesem ,zu dieser Zeit unwirtlichen Ort. Das Paar aus Deutschland freute sich auf ein Wiedersehen, denn sie hatte mich bereits in Franzictown auf der Strasse gesehen. 

Auch die Grenzbeamten von Swasiland waren ausgesprochen freundlich und schnell mit ihren Formalitäten fertig. Die wiederholten Hinweise auf die kostenlose Kondomabgabe im Grenzgebäude aus einem großen Pappspender nahm ich erstaunt und dankend ablehnend zur Kenntnis.

Dann ging es die ersten 200 m auf einer Betonpiste bergab, aber schnell mußte ich mich über eine üble Schotterpiste im tiefen Matsch bergab bremsen. Bulembu die erste Ansiedlung auf der Seite von Swasiland war ein trostloser Ort, ohne Shop und mit nur einem Guesthouse. Das aber auch noch bergan, nicht in meine Richtung, ausserhalb des Ortes lag. Also entschloss ich mich gleich wieder aus dem Ort bergan rauszufahren und so noch einige Kilometer zu bewältigen. Am Ortsausgang war dann auch der Asphalt zu Ende und es begann eine stark ausgefahrene Wald-/Gebirgspiste. Der rote Schlamm hüllte das Rad, meine Schuhe und Beine schnell ein. Belegte alles mit einem braunorangen Schlammfilm. Immer wieder waren riesige Schlamm-, Geröll- und heftige Steigungsabschnitte zu überwinden. Immer wieder mußte ich runter vom Rad und mich quälend Schritt für Schritt bergan kämpfen. Immer wieder mal war nach wenigen Metern Schluß, da ich das Rad, nicht ohne selber wegzurutschen, nicht vorwärst bekam. Verschnaufen, Kraft sammeln und dann wieder einige Meter weiter. Immer wieder ging es auf 1.500 m hoch und leider auch immer mal wieder die schönen Höhenmeter bergab. Nach einigen Kilometern sah ich und das Rad wie ein Sankrieger, der sich mit rotem Lehm für einen Kriegstanz präpariert hat, aus

Die Strecke, die letzten 12 der 20 Kilometer bis nach Piggs Peak wollten mal wieder kein Ende nehmen. Manchmal ist es echt schlimm, da scheinen die Ziele sich von mir wegzubewegen. Da ist das Erreichen des gesetzten Zieles zermürbend, schwer zu bewältigen und erfordert immense Anstrengungen die innere Energie freizusetzen, zu mobilisieren, letzte Kraft aufzuwenden. 

Ziemlich fertig, durchgefroren, klitschnaß finde ich sogar ein Hotel neben der Strasse. 300 R soll das Zimmer kosten. Ok, es ist sauber und es soll sogar ein Restaurant geben. Ein warmes Wannenbad entspannen meine streifen Beine Muskeln und Knochen. Erstaunlich ist dieser Wechsel der Reisesituationen für mich immer wieder. Von einem kalten Schlammbad in ein warmes Wannenbad innerhalb eines Tages. Von der wirklichen Quälerei zu absoluten Entspannung. 

Das Rad muß ich allerdings vorher noch entschlammen. Das kann so nicht stehen bleiben, denn sonst geht es morgen früh nicht weiter, rollt nichts mehr. So setze ich dann die Terrasse der Unterkunft einmal komplett unter einen Schlammfilm und muß das dann auch noch reinigen. Alles ist dann mit einbrechender Dunkelheit doch irgendwie erledigt und ich verschwinde im wärmenden Badewasser.

Mit den üblichen Fragen in einem neuen Land krieche ich ins Bett. Wie wird Swasiland ? Wie sind die Menschen? Wie die Infrastruktur? Ok, morgen weiß ich dazu mehr zu berichten, habe ich dann bereits einige Erfahrungen gemacht.

 

Ankunft in Mbabane und das nach 50 km quälender, Stunden andauender, Berganfahrt. Was für ein harten, wirklich harter Tag. Es hatte die ganze Nacht geregnet und das tat es auch am Morgen noch. Doch ich wollte weiter und da die Sachen sowieso noch alle naß waren, spielte dies auch keine wirkliche Rolle. Also rein in die nassen Schuhe, Hosen und raus auf die Piste. Und gleich ging es bergan, in die nebelverhangenen Höhenlagen. Regen peitschte mir ins Gesicht. Autos überholten mich mit Zentimeterabstand, da sie mich erst im letzten Moment wahrnahmen. Ja und wirklich einer fuhr sogar so dicht an mir vorbei, dass er den Holzstock der Sicherheitsflagge zerbrach !!! Kurz drosselte er seine Raserei, sah ich die Bremslichter aufleuchten, wohl selber über seine Rücksichtslosigkeit erschrocken, doch nach wenigen Sekunden gab er dann wieder Gas. Besser für ihn, denn einer direkten Begegnung nach diesem Schreckensmoment mit mir, wäre für ihn, in erster Linie bei der verbalen Kommunikation, nicht gut verlaufen. Den nonverbalen Verlauf lasse ich an dieser Stille lieber unerwähnt.

Weiter im Regen, weiter bergan, weiter mit Muskelschmerzen, rasendem Puls und stechenden Lungen die gefühlt, nie genug Sauerstoff pumpen konnten. Es ist wirklich bitter kalt, da ich keine trockene Faser mehr am Leib habe. Bei den kurzen, nicht wirklich schönen Abfahrten schlottert mein ganzer Körper fürchterlich vor Kälte. Auf der regennaßen Straße schlingert das Rad irgendwie nicht wirklich kontrollierbar und so muß ich zu allem Pech auch immer noch bremsen, um die Kontrolle zu behalten. Ist das schon Aquaplaning bei 57 -68 km/h auf dem Rad? 

Der Höhenzug will kein Ende nehmen. Hinter jeden Kehre kommt eine neue Steigung, sehe ich weit oberhalb die weißen Punkte der Autos, die mich meinen weiteren Höhenweg erkennen lassen. 

Nach 5 Stunden ist alles-Kraft, mentaler Ansporn, Wärme-raus aus mir. Meine Kräfte sind aufgebraucht. Die Akkuanzeige steht auf rot! Trotzdem muß, will ich weiter, rufe ich mir die so oft gelesenen Szenarien über den Weg auf die Chumulunga-Göttin Mutter Erde- ins Bewußtsein. Soll ja auch nicht leicht sein. Doch mit kleinen Schritten, das Ziel vor Augen, ohne Fremdhilfe, komme ich auch ans Ziel. Geht es gar nicht mehr, muß ich runter vom Rad und schieben. Kleine Schritte und den Blick auf die Füße, den Asphalt gerichtet, bringen mich voran. Die Arme schmerzen, denn ich versuche meine Beine zu schonen und das Rad mit der Kraft der Arme vorzuschieben, bergan zu bringen. Die entzündeten Wunden an Wade und Schienbein rechts, können bei diesem feuchten Wetter weiterhin schwer verheilen. Hinter der nächsten Kehre erkenne ich nach 7 Stunden, dass es immer noch weiter nach oben geht. Irgendwann erreiche ich den Zubringer nach Mbabane. Und weiter geht es bergan, weiter peitscht mir der jetzt heftiger werdende Regen ins Gesicht. Die Schnellstraße in die Hauptstadt, ist komplett in Nebel gehüllt. Links von mir sehe ich die zertrümmerten Leitplanken und habe bei diesem Wetter, dem chaotischem Verkehr, ein bißchen Bedenken, Angst! Ja chaotisch, auf überfluteter Straßen, rast der Verkehr an mir vorbei. Ich hoffe auf meinen Schutzengel. 

Die Sicht wird immer schlechter und ich muß mich echt zwingen, die noch verbleibenden Kilometer zu bewältigen. Mein Plan war eigentlich noch aus dem Einzugsgebiet der Hauptstadt rauszufahren und dann in einem Backpacker zu übernachten, doch dazu fehlt mir geht die Kraft.Ich brauche jetzt dringend etwas Wärmendes. Trockene Sachen, einen Tee und wirklich auch eine heiße Dusche!

Das „Upperroom-Guelsthouse“ ist schwer zu finden, da auch mein Telefon und damit das GPS, nicht mehr volle Funktionsfähigkeit gewährleisten.  Denn ja, bei diesem Wetter jagt man sowohl keinen Hund, als auch nicht einmal ein wasserdichtes Telefon auf die Straße, und mir fehlt es an Kraft. Doch dann stehe ich direkt davor, hieve das Rad die unwirtlichen Stufen durch einem engen Schlauch zwischen zwei Häuserfassaden, empor und sitze bald darauf, Regenwasser triefend, eine riesige Pfütze unter mir bildend, im Empfangsbereich einer familiären Pension. Immer noch schlottre ich, ähnlich einem neugeborenen, nackten Kängurubaby auf dem Weg in den Bauchtasche, am ganzen Körper. Auch das Gefühl schutzlos der unerbittlichen Natur ausgeliefert gewesen zu sein, ist wahrscheinlich so ähnlich.

Raus aus den kalten, triefend nassen Sachen, heiß duschen, nur das sind jetzt meine Gedanken. Das verdreckte, schmutzeingedeckte Rad, muß ich heute wirklich auf der Terrasse, außerhalb des Zimmers, stehen lassen. Kurz darauf, nach einer wohligen Dusche geht es mir besser. Mit trockenen Sachen am Körper bin ich dann auch bald wieder in der Lage den heutigen Tag, den Weg zu relativieren und ja einzukaufen. 

Wie schnell ich doch wieder umschalten kann! Die gerade einige Minuten zurückliegenden Strapazen aus meinem unmittelbarem Bewußtsein streichen kann. Für mich erstaunlich zu was unser Körper und ja auch der Geist fähig ist.

Ok, am Abend stopfe ich alle, in einem Supermarkt erworbenen, afrikanischen Leckereien, rücksichtslos in mich hinein. Jetzt müssen auch einmal, die über Tag nicht benutzen körpereigenen Verdauungsorgane, Schwerstarbeit leisten. Der allgemeine Volksglaube vermittelt ja, dass Völlerei am Abend ungesund ist und umgehend ansetzt,. Mmmhhhh kann ich so jetzt nicht bestätigen. Der Weg in das wartende Bett ist kurz und so auch der Weg in einen erholsamen Tiefschlaf.

Am kommenden Morgen regnete es immer noch, Mbabane, auf 1250 m gelegen, ist noch immer in dichtem Nebel gehüllt. Die Straßen stehen teilweise noch unter Wasser. Ich trete mich auf einer Autobahn bergan aus der Stadt. Dann an der Stadtgrenze geht es auch bald gemächlich bergab bzw. auf ebener Strecke voran. Unterwegs, eine leicht ergrünende, hüglige Landschaft umgibt mich, treffe ich einen Swazi-Radler mit einem schrottreifen Rad. Ich fahre eine zeitlang neben ihm, doch er muß vor jedem Anstieg anhalten, mit der Hand die Kette auf einen möglichen Gang legen und dann hoffen, dass seine Kraft bis auf den Scheitelpunkt reicht und er die Übersetzung richtig gewählt hat. So paßt unser Rhythmus leider nicht überein. Oh man, sehr anstrengend für ihn und viele Komponente (Bremsen, Pedale) und zahlreich angehängter Krempel, sehen nicht viel besser als das Rad insgesamt aus. Er hat sich sogar aus einem alten Autoinnenspiegel einen Rückspiegel gebaut. 

Die Strecke wird nun irgendwie immer angenehmer. Der Regen hat nachgelassen. Es geht nicht nur bergan und der Stunden, ja Tage anhaltender Gegenwind hat auch Nachgelassen. Die Mensch in Swasiland, auch selbst die Kinder, sind bei Begegnungen am Straßenrand und in den wenigen Ansiedlungen, zurückhaltend. Die Leute sehen mich erstaunt, ungläubig an. Gehen bei den zufälligen Begegnungen nicht sofort auf mich zu. Warten eher einige Minuten ab. Trotzdem spüre ich kein Mißtrauen, gar Aggressivität, nein eher distanziertes Erstaunen. Mitunter winken selbst die Kinder, auch nicht zurück, so ich ihnen zuwinke. Das kenne ich außer in Indien so nicht. Oft rufen sie mir erst hinterher, wenn ich schon weit an ihnen vorbeigefahren bin. Wohl auch ein Ausdruck der allgemeinen Gelassenheit gegenüber fremden Erscheinungen in diesem Land.

Immer mal wieder gibt es, oft südamerikanische, Kraftfahrzeug-Lenker-Spaßten, die mich dicht überholen. Sich, für mich nicht wirklich ergründendes Verhalten, Überlegenheit beweisen wollen. Mir allerdings so beweisen wollen, dass ihnen die Strasse alleine gehört, ich ihre Raserei wirklich schwer störe. Ok, der überwiegende Teil ist aber sehr friedlich und rücksichtsvoll. 

Gegen Nachmittag muß ich dann doch öfter immer mal wieder eine Pause machen. Die letzten Tage waren einfach zu kräftezerrend und das macht sich jetzt bemerkbar.

Mit jedem Tritt nähere ich mich nach anstrengenden Tagen wieder der südafrikanischen Grenze. Konnte mich an den zurückliegenden Tagen wieder ein wenig Kräfte sammeln. Trotzdem brauche ich weiterhin in den Nächten notwendige Erholung. Brauche die Regenerierung meiner Physis. In Zeltnächten finde ich das bei Kälte, Näße und wachsamen Halbschlaf. So halte ich gegen Abend einmal außerhalb der Stadt an einem Supermarkt und es finden sich diesmal viele Leute zusammen die mich befragen und mir Hinweise geben, welches Hotel doch wohl das Beste ist. Komfort ist ja immer auch ein individuelles Empfinden und leider erweisen sich die Hinweise als schlecht im Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Forderungsfrechheiten der Hotelbetreiber/-besitzer will ich nicht bedienen. 

Also fahre ich wieder zurück in die Stadt und finde ein privat betriebenes B&B Guesthouse. Der Eigentümer gewährt mir einen Nachlass von 65%, 290 Rand !!! Ziemlich erstaunt muß doch noch mal, und noch einmal nachfragen. Habe ich das Afrikanenglisch nicht richtig verstanden. Doch der Preis wird mir bestehtigt und so lege ich dann schnell die Kohle auf den Tisch, nicht das er sich das noch einmal überlegt.

Das Zimmer ist sehr einladend, nicht vermufft. Die Leute sind super freundlich. Ich sitze im Zimmer auf dem Teppichboden und geniesse mein Abendbrot aus Baguette, Salami, Käse und Tunfisch!!! 

Noch 66 Kilometer bis zur Grenze, das werde ich wohl morgen schaffen. Wirkliche Berge, Höhenpässe, schlechtes Wetter liegen nicht mehr vor mir. Das Hochvield habe ich wohl wirklich hinter mir. 

Es war….., na ich sage mal objektiv betrachtet, EXTREM ANSTRENGEND !!!!

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