Java
Route mit 24 h Fähre

20.12. bis 22.12.2015 – 307. – 305. Tag

Dessy  am Morgen pünktlich im Hotel um mich abzuholen. Ich saß allerdings seit einer Stunde wartend in der Hotellobby, da ich es verplant hatte die Zeit umzustellen/anzupassen. Wobei ich dann bei ihrer Ankunft der Meinung war sie ist eine Stunde zu spät. Na ein verständnisvolles Grinsen, der Hinweis auf die Lokalzeit und alles war geklärt. Auch um mein Fährticket nach Semarang/Java kümmern wir uns noch gemeinsam auf dem Weg zum Hafen. So ist dann auch für meine Weiterreise alles bestens organisiert.

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Nationalpark
Ansicht National Park

Mit den Kapitän, seinem kleinen Fluss-Boot, der Köchin und Dessy als Tour-Guide bin ich alleine auf der Tour unterwegs.

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Essenvorbereitung am und im Fluss

So habe ich meine Ruhe, kann während den Flussfahrten relaxen und geniesse die volle Aufmerksamkeit und Fürsorge der Crew.

Gegen Mittag geht es aus der Bucht hinaus in Richtung Meer. Die Bucht, der Fluss öffnete sich immer weiter, die Ufer traten mehrere hundert Meter zurück. Nach einer halben Stunde erreichen wir eine kleine Flussmündung, unseren Weg in den Tatjung Puting Nationalpark.

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alles ist da was ich im Moment brauche

Dessy informiert mich vom Beginn an sehr ausführlich über die Zusammenhänge von Nationalpark und Palmplantage, denn der Fluss stellte die Grenze zwischen beiden dar. Linker Hand die Eintönigkeit, Monotonie der Ölpalmen, die Zerstörung des Regenwaldes, rechts die Vielfalt, die Reichhaltigkeit in der Flora und Fauna.

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Bildmitte tief verborgen, sitzt ein Affe beim Fressen

Eindrucksvoller kann Zerstörung der Umwelt auf Borneo durch Gier nach Konsum der Menschen, Ignoranz gegenüber der Natur, nach ungebremsten, grenzen-, hemmungslosen Konsum nicht erkennbar sein. Dessy erzählt mir, dass immer wieder von regionalen Politikern, korrupten Beamten versucht wird, auch den Nationalpark zu zerstören. Wie Leute bestochen werden, Bauern bedroht werden, um auch noch dieses verbliebende Schutzgebiet in den grossen Topf der Gier zu versenken.

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tief ausatmen…..

Wir tuckern gemächlich den braunen, vom Schlamm durchsetzten Fluss hinauf. Auch das wieder ein Zeichen von Zerstörung. Noch vor einigen Jahren war das Wasser in diesem Fluss glasklar. Es hatte Trinkqualität, erzählt Dessy. Dann wurde vor einigen Jahren weiter oberhalb im Dschungel Erz gefunden und eine illegale Mine entstand. Die Erde wird über Tage mit dem Flusswasser weggeschwemmt, das Erz abgetragen und das Schmutzwasser landet wieder im Fluss, sickert in den Boden, legt die Wurzeln frei.

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Die Zerstörung schreitet voran. Auf meine Frage, dass das doch nicht illegal, ungesehen über eine so lange Zeit passieren kann, hebt Dessy die Hände, sagt von irgendetwas müssen die Menschen ja leben, andere Arbeit, Möglichkeiten ihre Familien zu ernähren haben sie nicht. Die Regierung kümmert sich weder um die Menschen, noch um die Zerstörung, sondern viele halten die Taschen auf und verdienen tüchtig mit, ohne sich die Schuhe zu beschmutzen. Da sie nicht über ein geringes Mass an Gewissen verfügen können sie es sich ja auch nicht beschmutzen.

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Nun ich kann dies alles nicht wirklich beeinflussen, traurig stimmt es mich schon, doch Dessy holt mich ihrem gewinnenden Lächeln zurück in die Wirklichkeit, dass ist gut so und ich gebe mich nun meinem Abenteuer.  Bald gibt es dann  auch eine richtig gute, traditionelle Mahlzeit an Deck, dazu scheint die Sonne, leise gleiten wir durch das Wasser.

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Nach ca. 2 h erreichen wir dann die ersten Station der Tour, das Rehabilitationscamp für verletzte, ausgehungerte Orang-Utan. Dessy schildert mir folgende Situation. Durch die Plantagen wird einerseits der Dschungel vernichtet und damit die Lebensgrundlagen der Tierwelt, auch der Orang-Uthan. Sie sind ausschliessliche Pflanzenfressen, brauchen Früchte des Dschungels, finden diese in den Plantagen nicht mehr, kommen aber auch nicht von alleine in das Schutzgebiet, da sie den Fluss nicht überwinden können.

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auf der Seite der Plantage, wilde Hilfe su Ichende Orang-Utan

Wir sehen viele dieser ausgehungerten Orang-Utan am direkten Flussufer in den Büschen sitzen und an irgendwelchen Ästen rumkauen. Noch schlimmer ist, dass sie auch weiterhin Opfer gezielter Jagd sind. Sie bewegen sich sehr träge, sind nicht scheu und nicht ausschliesslich nachtaktiv. Also leichte Opfer und in Asien, im Besonderen bei den neureichen, gewissenlosen, Potenz gierigen, chinesischen Allesfre…, sehr begehrt. Sie zahlen bekanntermassen jeden Preis zur Steigung zur Befriedigung ihres Egos.

Wir sind auf einem schmalen Pfad zur Futterstelle der Orang-Utan mit einem Ranger unterwegs. Der Ranger und Dessy bleiben ein wenig hinter mir zurueck. Ich laufe ein wenig voraus und unmittelbar hinter einer Kurve sitzt, mitten auf dem Weg ROGER ein Orang-Utan Mann, ja bei seiner Größe nicht Männchen. Faszination läßt mich erstarren. Roger und ich sehen uns in die Augen.

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Herzstillstand….

WIR ALLEINE IM WALD!!!

Orang Weg
Was ich denke weiß ich, was er denkt leider nicht!!!

Roger, riesengross, völlig gelassen aber bestimmend, schaut er mich direkt an. Ich bin so fasziniert, so aufgeregt, dass ich erst gar nicht weiss was ich machen soll. Der Ranger und Dessy stehen nun hinter mir. Dessy flüstert mir zu, ruhig bleiben und nicht weiter in die Augen starren. Der Ranger übernimmt sofort die Führung, spricht den Orang-Utan energisch an. Gibt laute Kommandos an Roger. Der klettert neben dem Weg auf einen Baum bzw. hängt sich in diesen und schaut uns weiter an.

im Baum

Wir gehen in unmittelbarer Nähe, vielleicht einem Meter Abstand an ihm vorbei. Ich filme, versuchte mit der Kamera den Augenblick einzufangen. Roger ist hinter uns und da er weiß, dass es bald etwas leckeres gibt trottet dieses Riesenwesen einfach hinter uns her. Der Ranger bleibt hinter uns um ggf. auf Attacken zu reagieren.

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Bananen und Milch, …. wahrscheinlich schon lecker

Die Futterstelle erreichen wir dann unmittelbar, ein Podest inmitten der Bäume. Rings um uns beginnen sich die Bäume zu neigen, Äste brechen, die Blätter rauschen und dann kommen sie. Das momentane Alfatier der Gruppe, ein anderer gewaltiger Orang-Utan, mehrere kleine Weibchen und auch ein Weibchen mit einem ein Jahr altes Baby. Ich bin völlig gefangen, beeindruckt, sprachlos von diesem Geschehen.

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Ein Männchen schwingt sich geschickt, fasst geräuschlos durch die Baume und sitzt plötzlich unmittelbar neben uns.

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Alle sind mäuschenstill und verharren in ihren Bewegungen. Der Orang schaut sich das einen Moment an und dann denkt er sich wohl, „…ja ok wieder Besucher, nichts neues, na da werde ich mal etwas fressen gehen.“ Und macht sich elegant von Baum zu Baum schwingend auf zu dem Futterpodest.

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Ein Gedanke zwingt sich mir ins Bewusstsein: “ Es bleibt das Rätsel hirnarmer/-entleerter Menschen, wie man so ein Wesen für ein bisschen Geld, für sein Ego, abschlachten, dies alles zerstören, töten und vernichten kann.

Insgesamt sind im Moment wohl 7-10 Tiere in dieser Rehabilitationsstation, davon habe ich 3 Männchen, drei Weibchen und das Baby gesehen.

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Das Schwirren im Kopf, die Anspannung des Moments lässt erst auf dem Rückweg etwas nach. Immer wieder schaue ich in den Dschungel hinein und suche nach einem grossen braunen Schatten. Der Ranger erklärt mir, dass sie sich nun in ihre Baumnester zurück gezogen haben. Dort dem Bananenmus auf dem vollgestopften Maul wieder ausspucken und dann in Ruhe die Nahrung verzerren, verdauen. Orang-Utan sind Einzelgänger, leben nicht in einer Horde zusammen, anders wie die Schimpansen.

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Lediglich die Babys bleiben bis zu 4-5 Jahren bei der Mutter. Aus diesem Grunde brauche  sie auch grosse Flächen um ausreichend Futter zu finden und sich dabei aus dem Wege zu gehen.

Zurück auf dem Boot gibt es frische Teigtaschen mit Bananenfüllung und Kaffee. Die Versorgung ist wirklich exzellent.

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Genuss unter freiem Himmel

Kurze Zeit später legen wir ab und fahren weiter flussaufwärts. Um 18:00 Uhr ist es dann so gut wie dunkel. Das nächtliche, mächtige Orchester des Dschungel beginnt mit seiner Aufführung aus hunderter Stimmenvielfalt. Dessy macht mich auf so manchen Nasenaffe in den dichten Bäumen aufmerksam. Sie sitzen in unmittelbarer Nahe am Fluss, pro Familie ein Baum wie mir Dessy berichtet, schauen größtenteils in ihrer Schlafstellung landeinwärts. In jeder Familie ist, an seiner Fellfarbe, das Asphaltier zu erkennen und um ihn herum tobt der Nasen-Affen-Kindergarten. Schöne, ruhige, stimmungsvolle Bilder nehme ich in mich auf.

Wir finden im letzten Licht des Tages eine geeignete Stelle für die Nacht. Wieder gibt es super leckeres Essen und eine lange angeregte Unterhaltung mit Dessy. Ich erzähle viel über Deutschland und wie weit weg dieses Land doch im Moment für mich und wohl auch für die Menschen hier ist. Sie macht grosse, erstaunte Augen als ich erzähle, dass wir ausser Äpfel, Birnen u. Pflaumen nicht wirklich viel anderes Obst in Deutschland anbauen, aber es alles was sonst so auf der Welt wächst, im Supermarkt zu jeder Jahreszeit zu kaufen bekommen.

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sicheres, traumhaftes Nachtlager

Ich verbringe die Nacht an Deck, nicht unter Deck, unter dem Moskitonetz schaue ich in das Dunkel und lausche. Ich freue mich riesig und bin gespannt auf die Nacht. Schon jetzt umgibt mich ein lautstarkes Konzert der Tierwelt.

Langsam schiebt sich das Tageslicht durch das dichte Buschwerk. Ich bin schon seit einiger Zeit wach und lausche still auf das was mich umgibt, den Dschungel. Die Nacht war einfach herrlich. Tiefschwarze Finsternis, kein Fremdlicht, wenig Mond, der laute Dschungel. Nachtaktive Tiere machen sich auf den Weg in die Nacht. Es scheint als wenn alles unterwegs ist, so wie die Menschen in Asien in den Städten. Das haben sie noch mit ihrer Umwelt gemeinsam. Wird es am Abend kühler, bricht die Nacht herein, dann sind die Strassen voller Menschen.

Doch irgendwann nach Mitternacht tritt dann auch eine gewisse Stille ein. Das Schiff liegt ruhig abseits des Schilfs, ganz leichte Bewegungen wiegen mich im Schlafen. Der Kapitän hatte mir erklärt, dass wir in der Nach hat keinen Kontakt mit dem Boot zum Ufer haben sollten, denn so könnte so manches Nachtschwärmer-Tier leicht auf das Boot gelangen.

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Um 07:00 Uhr heisst es aufstehen, mit Flusswasser duschen, ein herrliches Frühstück geniessen und dann geht es auch schon gemächlich weiter in Richtung der zweiten Station. Einem Auswilderungscamp für genesene, gesunde Orang-Utan.

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Wir laufen eine kleine Strecke in den Wald, über schmale mit freiliegenden Schwingwurzeln der Baumriesen, durchzogene Pfade. Wieder sind wir zur richtigen Zeit, zur Futterzeit vor Ort.

Merklich ist, dass diese Tiere wieder zur Natur zurückgefunden haben. An den Futterstellen sind sie scheu, vorsichtig, seltener zu sehen. Mehr als ein, höchstens zwei Tiere gleichzeitig kommen aus den Gipfeln der umstehenden Bäume nicht auf das Podest. Kommt das Asphaltier verschwinden sowieso alle anderen. Oft finden sich zwei Weibchen oder ein Weibchen und ein jüngerer Orang-Utan zusammen.

Die letzte Station liegt an einem Nebenfluss, dem Blackwater River, doch noch nimmt mit jedem Meter den wir flussaufwärts fahren die Braunfärbung bzw. die Trübung des Flusswassers durch den Schwemmsand zu.

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Nach einigen Stunden biegt das Boot dann rechts in den Blackwater River ab. Und wirklich nach wenige  Metern ist das Wasser schwarz da der Grund aus schwarzer Erde besteht.Das Wasser aber ist glasklar. Der Unterschied ist gewaltig und sofort zu sehen. Keine Verschmutzung, klares Wasser. Gerne wurde ich jetzt doch einmal einen Sprung in das kühle Flusswasser nehmen, teile dies Dessy mit und doch sie wirft mir nur einen entsetzten Blick zu. „Niemals solltest Du hier baden, schwimmen gehen. Es wimmelt der nur so von lauernden Krokodilen. „Ich einmal einen Fuss darf ich ins Wasser halten und halte dann nur vom sicheren Bootsdeck Ausschau nach einer Krokodil/-maulspitze oder -augen.

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Dessy & Kapitän 

Na hoffentlich bekomme ich dann wenigstens so  eins zu sehen. Dessy erzählt dann noch  die Geschichte von dem ausländischen Studenten der bei der Ankunft im Camp ohne Vorankündigung ins Wasser sprang und nie wieder gesehen/gefunden wurde. Komisch, solche Geschichten werden auf jedem Kontinent immer ähnlich, gleichlautend erzählt. Den Wahrheitsgehalt dieser ges richte will ich dann aber doch nicht selber nachprüfen.

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Gegen 14:00 Uhr kommen wir dann in der Hauptstation des National Parks an. Zum Camp mit Informationsstelle, dem Verwaltungsgebäude und einigen Unterkunftsbaracken laufen wir nach dem Anlegen über einen langen Holzsteg. Ein kleines Orang-Utan Weibchen sitzt mitten im Camp, kommt auf uns zu, begutachtet uns, läuft dann vor uns her, um den Mitarbeitern beim Bau einer neuen Baracke zu zuschauen. Nach der Registrierung können wir, Dessy, ein paar andere Besucher und ich, mit einem Ranger zur Futterstelle aufbrechen. Rund um das Podest warten bereits einige kleinere Tier. Unter dem Podest hat sich eine Rotte Wildschweine versammelt. Sie sind es sicher gewohnt, dass bei jeder Fütterung auch etwas für sie runterfällt. Allerdings sind die Schweine, speziell die Sauen, recht aggressiv gegenüber den jungen Affen und werden des Öfteren von den Ranger mit langen Stangen weggejagt. Die Schweine sehen dem europäischem Wildschwein sonst sehr ähnlich, ausser das sie eine viel längere Schnauze haben und vielleicht etwas kleiner, kompakter sind. Nach und nach erscheinen dann jede Menge Muttertiere mit ihrem Nachwuchs und immer wieder kommen dann auch einzelne Jungtiere dazu. Mitunter sitzen dann bis zu fünf Tiere auf dem Podest und in der näheren Umgebung noch einmal so viele. Nachdem sich die Jungtiere schnell einen Armvoll Bananen gegriffen haben, verschwinden sie fluchtartig wieder auf die  Bäume in unmittelbarer Nähe. Auch ein frecher Makakenaffe holt sich immer wieder einige Fruchte und verschwindet dann schnell wieder in den Bäumen.

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Auf dem Rückweg begegne ich dann noch einer weiteren Spezis die im Dschungel uns Überleben kämpft. Es ist schrecklich mit anzusehen, wie schwer es ihnen doch fällt die Wege zu den Futterstellen (der Affen) und zurück in das Camp zu bewältigen. Wie sie unter wankenden, quälenden Vorwärstbewegungen, dann völlig erschöpft, schweißüberströmt, umgeben von helfenden Mitgliedern ihrer Spezis bei der Ankunft im Camp zusammenbrechen. Leider kann ich diesen 2-3 Zentner wiegenden Geschöpfen der US-amerikanischen Fresskultur nicht mit Mitleid oder Verständnis begegnen. Ich empfinde nur grenzenloses Unverständnis, wie man sich so zügellos verfetten kann. Die wulstigen, unteren Extremitäten dann in hautenge Legging gepresst, das Körperoberteil mit einem T-Shirt der Größe XXXXXXL drapiert, schlürfen sie keines Blickes für die sie umgebenden Natur fähig, nur in der Lage die riesigen, aufgequollenen Füße Millimeter über den Waldboden zu heben, zum Hindernis für Nachfolgende werdend, die Wege entlang. Desinteressierte, dicke, mit ungesundem Essen vollgestopfte Nachkömmlinge, die sich mit Hilfe von Kopfhörer die Geräusche, die Stimmenvielfalt, der Natur von ihrem Geist, ihren Empfindungen fern halten, schieben von hinten und ziehen von vorne ihre Muttertiere durch den Dschungel. Man könnte dazu neigen sie von ihren Qualen zu befreien.

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Wir sind auf unserem Boot zurück, die Mannschaft wartet schon, schnell legen wir ab, entledigen uns der Gedanken an dieses Grauen und tuckern in die Abenddämmerung durch den hier noch so intakte und phantastischen Dschungel. In absoluter Finsternis, nur mit Stirnlampen, leuchten wir uns den Weg auf dem Wasser aus, halten weiterhin nach Krokodil-Siluetten auf dem Wasser Ausschau und ankern dann gegen 20:00 Uhr an einer sicheren Stelle in einer kleinen Bucht des Flusses im Tiefdunklen unser Boot in sicherer Entfernung vom Ufer. Dessy berichte, dass es wohl auch schon Attacken von Affen auf die Boote gegeben hat , die zu dicht an Ufer lagen.

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nächtliche Suche nach ….

Das abendliche Essen, die Stimmung im Dschungel, die Menschen die um mich sind, all das ist wundervoll. Beruhigen mich. Stimmen mich friedlich.

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Wie ich mit Dessy besprochen hatte, machten wir am kommenden Tag noch einen Stop auf einer Farm, die sich um die Wiederaufforstung im Nationalpark kümmert. Die Leute leben hier ziemlich autark, getrennt von den Familien und machen den Job zu einem grossem Teil aus Enthusiasmus. Geld bekommen sie, so berichtet Dessy, von der Nationalparkverwaltung, wenn dieser genügend Spenden bekommt.

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So versuchen die Guides die Besucher davon zu überzeugen, durch Baumspenden zweifach etwas Gutes zu tun. Ich kaufe Setzlinge zur Aufforstung/Rekultivierung des Dschungels. Spende gleichzeitig mit dem Kauf Geld für die Ranger. Es gibt nun Setzlinge mit kleinen Schildern, später hoffentlich Fürchte tragende Bäume, auf denen die Name von Mitgliedern der Familie Engel stehen. Mich hat diese kleine, Nutzen bringende Massnahme froh gestimmt.

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Zurück im Hafen, empfing uns Dessy’s Ehemann und nachdem ich mein Rad im Haus der Familie untergestellt hatte, fuhr er mit mir noch zu einer Berufsausbildungsklasse für medizinische Fachangestellte. Dessy hatte mich unterwegs bereits gefragt, ob ich dort einen kleinen Vortrag über meine Reise halten könnte. Natürlich hatte ich gerne zugesagt, zumal sie und ihr Mann wohl auch für die Schule arbeiten.

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Es war ein grosser Spass, denn die Mädchen und Jungen waren sehr neugierig, aufgeregt und stellten viele Fragen. Am Ende meiner kleinen Erzählung gab es für mich noch ein Geschenk und eine herzliche Verabschiedung.

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Die anschliessende, kleine, abendliche Rundfahrt in einem Langboot auf dem Fluss war wohl Arif’s Dankeschön. Von Fluss aus sah ich ein Viertel von Pangkalan Bun, in dem die Menschen ausschliesslich in Stelzenhäusern, die über Brücken und Stege miteinander verbunden sind, leben. Auf Grund der Nähe zum Wasser landet auch alles im Fluss, wirklich alles.

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Vor den Häusern waschen die Frauen die Wäsche der Familie im Flusswasser, die Bewohner der Hütten sich selber und natürlich auch ihre Kinder und am Ende in einer Enge des Flosses, der schwimmenden Mehrzweckplattform steht das Klohäuschen der Familie oder der Stelzenhaus-Wohngemeinschaft. Die Szene ist kurz erläutert also folgende: Im Häuschen sitzt jemand und erleichtert seinen Darm und vor dem Häuschen sitzt der Rest der Familie und wäscht sich mit dem Flusswasser Körper und Haare. Wer weiter flussaufwärts eine Hütte sein Eigen nennt ist natürlich privilegiert, hat nur die „Hinterlassenschaften „ aus dem Dorf, der Stadt noch weiter oberhalb zu ertragen, zu verkraften. Die Frauen gehen komplett bekleidet ins Wasser. Lassen ihre Saris an, seifen diese ein, versuchen etwas Seife auch unter die Sachen zu bekommen und haben so gleich zweifach Nutzen. Körper und Kleidung sind in einem Gang gereinigt. Naja oder zumindest ist alles nass. Die Männer sitzen in ihrem Wickeltuch in der Hocke auf dem Floss und übergießen sich mit dem Flusswasser. Die Abwasserkanäle aus dem Siedlungsgebiet landeinwärts enden ebenfalls im Fluss und auch die am Ufer angesiedelten Sägemühlen die mittels Holzflössen mit Stämmen versorgt werden, schieben das Sägemehl und alles was sonst noch nach der Herstellung von Profilholz übrig bleibt in den Fluss.

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Ich frage Arif nach einer Kanalisation, Abwasseraufbereitung oder der Ähnlichem. „ Ist für die Stadt, die Menschen von Seiten der Stadtverwaltung, von der Regierung, den Politikern nicht vorgesehen “ , erklärt er mir resigniert.

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Die Verabschiedung von den drei umwerfenden Indonesiern, Dessy, ihrem Bruder und Arif fällt entsprechend herzlich aus. Dessy versorgt mich mit einem Proviantpaket. Ihr Mann gibt mir noch Hinweise für lohnenswerte Ziele auf Java und so plane ich wie gewohnt schnell und unkompliziert meine weitere Route um.

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herzliche Verabschiedung

 

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