Thailand

22.10. – 29.10.2016; 586. – 593. Tag 

Vientiane; Ban Khok Sawang; Puh Ruea; Ban Khlong Yaeng; Phitsanulok; Ban Nong Bong; Mae Sot

Laos, die Laoten, Vientiane, das Essen, das Vorankommen auf der Straße all das wahr wohltuend. Und das Gute hält weiter an, setzt sich beidseitig an der Grenze fort. Es war super entspannend über die Grenze nach Thailand  zu kommen. Was für Gegensätze, welch eine Kontroverse gegenüber all den andere  asiatischen Ländern vorher. Keine Nervereien, kein Handaufhalten, keine Schikane. Einfach den Paß zeigen, ein Formular ausfüllen, ein netter Plausch mit den Grenzern führen und schon bin ich wieder in Thailand. Und auch ein 7-Eleven ist natürlich sofort neben der Strasse. Meine Wasserversorgung ist gesichert.

 

So fahre ich auf Nebenstrassen in dieses angenehme Land und es bleibt weiter erholsam. Kein Hupen, kein Drängeln, immer Rücksichtnahme und ein Lächeln der freundlich, offenen, ehrlichen Menschen.

Die Strassen sind eben.Ich komme trotz der Hitze gut voran. Am Abend suche ich mir ein Guesthouse gleich neben der Straße, verhandle kurz über den Preis. Lächelnd kommen mir die Betreiber meinem Wunsch, meinen Vorstellungen entgegen. Schnell finde ich in der Nähe auch eine Garküche und laß es mir ausgiebig schmecken. Werde super freundlich und unterstützend  bedient, nein betreut. Ja, es ist wohltuend wieder in Thailand zu sein.

Wohlklimatisiert verbrauchte ich die Nacht und konnte so nach langer Zeit einmal wieder kraftvoll ausschlafen. So machte ich mich auch erst gegen 10:00 Uhr auf die Straße, trat die ersten Kilometer ausgeruht bergan. Viele folgten noch an diesem Tag. Die Temperaturen waren bereits weit über die 30° Grenze gestiegen, meine Unterarme waren dick eingekremt und doch spürte ich diese schon lange anhaltenden, Nadelstich ähnlichen Schmerz. Ursache ist die Dauerbestrahlung des brutalen Sonnenlichts die dies verursacht, die die kleinen Bläschen, das Stechen, den Juckreiz hervorrufen.

Immer wieder ging es bis zum Mittag über kleine Bergrücken. Dann wurde die Strasse schlechter, der Asphalt wurde schlechter, weniger und bald verschwand er völlig. Scheitelpunkt um Scheitelpunkt überquerte ich in der stechenden, schattenlosen Mittagshitze. Genoss immer wieder die weiten Ausblicke über die grüne, wohltuende Landschaft.

In den Niederungen umgibt mich kühlende Luft. Bäume und Sträucher wachsen bis dicht an die Straßenränder und spenden mir erholsamen Schatten.

Der weitere Streckenverlauf führte mich immer wieder auf Nebenstrasse durch kleine Orte, Siedlungen mit friedlichen, ihrem Tagwerk nachgehenden, Menschen. So kam ich auch an diesem Nachmittag, auf der Suche nach einem Laden, an einem Tempel mit ungewöhnlich vielen Statuen vorbei. Ich hatte nur kurz  beim Vorbeifahren durch das offene Tor geschaut. Dann interessierte mich die Sache doch und so drehte ich schnell um und stand im selben Moment einer weiß gekleideten Nonne gegenüber. Ich zeigte auf den Tempel, fragte nach den „Riesen-Figuren“, statt einer Antwort deutete sie mir an das ich mitkommen solle.

Bereits im Innenhof, hinter den Mauern, nahm ich die Vielfalt und Menge der unterschiedlichen Figuren wahr. Viele, in allen Größen, goldleuchtende Buddha-Statuen. Einige sehr große, mit langen weißen Bärten dargestellte, in bunter Tracht gekleidete, männliche Bildnisse setzten mich in Erstaunen, denn diese waren mit modernen Gewehren bewaffnet.

Im Inneren des Haupttempels erwarteten mich gegenüber dem Eingang eine unzählbare Zahl von Buddha-Bildnissen. Alle Größen, alle Farben, alle Materialien sind vorhanden. Buddha mit gekreuzten Beinen aus grünlich schimmernden Glas, Buddha liegend mit Goldfolie verziert, Buddha aus Ton in den buntesten Farben, usw.

Die Nonnen und einige Besucher zeigten bald Interesse an meinen Erzählungen und kamen aus allen Ecken um sich um mich herum zu setzen und mich zu bestaunen. Irgendwann tauchte auch die Äbten aus einem Nebenbereich auf, setzte sich in einen kleinen roten Ledersessel vor all den erwähnten Statuen und fing an ziemlich gestenreich und sehr intensiv auf mich einzureden. 89 Jahre alt sollte sie sein und all die Statuen selber gebaut, errichtet haben. Sie trug ein gelbes Oberteil und einen roten langen Rock. An jedem Finger einen goldenen Ring mit Abbildungen, zahllose Armringe und Halsketten, auch dies alles in Goldfarben.

Natürlich verstand ich kein Wort von dem was sie hervorbrachte und obwohl zwei der anwesenden Frauen ein wenig englisch sprachen und versuchten zu übersetzen, kam nicht wirklich eine Kommunikation zustande. Immer wieder verbeugten sich alle mit gefaltete Händen in Richtung der alten Dame, deuteten mir an ich sollte es ihnen gleichtuen. Ich versuchte zu erklären, dass ich leider nichts von dem verstand was sie sagte, könnte mich so auch nicht gestisch dazu äußern. Im weiteren Verlauf fing die alte Dame dann irgendwann an mir rumzufummeln, mir ins Gesicht zu fassen, mir in die Arme zu kneifen. All das kann ich gar nicht leiden und das brachte ich auch so zum Ausdruck. Immer wieder erklärte ich den Anwesenden, dass ich nichts verstehe von dem was sie sagten, dass ich nicht möchte ins Gesicht oder sonst wo hingefasst zu werden usw. Erfolg hatte ich mit meinen Bitten nicht. Die Äbten fing dann an nach mir mit ihren Füssen zu treten, irgendwie aggressiv zu reagieren. Na und Ida meine Bitten nicht fruchteten, trat ich halt zurück.

Immer wieder prasselten, in einem zunehmend aggressiven Ton, Fragen auf mich nieder. Wohl die Frage nach meinem Glauben, dem (meinem) Respekt vor Buddha, respektive gegenüber der kleinen alten Frau. Mein Hinweis, dass ich das nicht so einfach beantworten kann, ich nicht weiß was sie von nicht glaubenden Menschen erwarten. Ich habe wenig Respekt vor irgendwelchen selbsternannten Heiligen, in keiner Religion, auch nicht die aus dem Buddhismus. Respekt habe ich vor Menschen die selbstlos anderen Menschen helfen, etwas von sich aus erreichen, ihr Leben in den Griff bekommen.

Einen Zeltplatz finde ich an diesem Abend in einer Plantage. Bellende Hunde haben mich wohl doch wahrgenommen. Lange bis in die Dämmerung beobachte ich mein Umfeld. Bellende Hunde nerven bis tief in die Nacht. Erst als es stockdunkel ist verstummt das Gebell. Die anhaltende, nächtliche Hitze läßt im Inneren des Zeltes keinen erholsamen Schlaf zu. Schweiß rinnt aus allen Poren meines müden Körpers. An Schlaf mit Erholungseffekt wird wohl einmal wieder erst nach 24:00 Uhr zu denken sein. Es ist 18:40 Uhr  und stockdunkel.

 

Müde, umausgeruht starte ich den nächsten Tag, kämpfe mich über viele Bergrücken, ab Mittag durch zunehmende, stechende Hitzewände und über einen Highway. Um voran zu kommen, musste ich auf den HW ausweichen. Auf Nebenstraßen, kleineren Pisten wäre ich nicht optimal voran gekommen. Unterwegs kommt mir dann die Idee mir einmal wieder eine Erholungsphase zu gönnen. In Puh Ruea weckt ein Hinweis auf ein Hotel mit Spa meine Aufmerksamkeit. Gedacht, nicht lange überlegt, getan und nach einer ausgiebigen, extrem leckeren thailändischen Mahlzeit, einem kleinen Bummel durch den Ort, finde ich mich dann auch schnell vor dem Hotel wieder. Wie immer gibt es zu Beginn eine kleine Unschärfe bei der beiderseitigen Vorstellung über den Preis. Das Hotel ist leer, ich bin der einzige Gast und doch soll nach Meinung des Eigentümers High-Saisons sein. Kann ich so nicht bestätigen bzw. nachvollziehen und teile nicht seine Vorstellung und ihm das auch mit. Nach einem kurzen Hin und Her bekomme ich das Zimmer inkl. Sauna für 600 Baht, anstatt für 1.200 Baht ohne Sauna.

In der Sauna entsteht dann kurz darauf ein sehr anstrengender Hitze-Durchhalte-Wettkampf zwischen dem Eigentümer und mir, denn dieser hat mich dann auch gleich persönlich in die Sauna begleitet und eine extrem, übermäßig die Hitze angefacht. Nun ja, wer mich besser kennt , weiß um meinen Rhythmus bei Saunagängen und der Durchschnittszeit in der Sauna. Um so erholsamer ist dann das super schöne Zimmer, mit himmlisch weichem Bett und einem Pool für die morgendliche Erfrischung unter dem Balkon.

Und noch eine angenehme Überraschung erwartet mich am Abend. Die gesamte Familie des Hotelbetreibers kommt zu einer Feier zusammen und so wurde ich dann auch noch zum Familienessen eingeladen und konnte so auch einmal die traditionelle, thailändische Küche erleben. Alles sehr scharf, viel Schnaps und rohes Fleisch.

Müde vom Tag, der Hitze und der Sauna verabschiedete ich mich dann aber doch recht zeitig.

Auf glatten, ruhigen Straßen komme ich weiterhin gut voran. Immer einmal wieder geht es über Bergrücken. Doch nie so, dass ich oben auf dem Scheitelpunkt völlig platt bin. Müde vom gestrigen Tag war ich am Morgen trotzdem. Irgendwie steckte mir der thailändische Schnaps, die Menge, noch in den Beinen. Die zeitweisen, heftigen, erfrischenden Regenschauer helfen mir dieses Manko schnell zu überwinden.

Es ist wirklich wunderbar wieder in Thailand zu fahren. Die Freundlichkeit, Ehrlichkeit, Herzlichkeit, Rücksichtnahme und die offene Art der Thailänder mit mir umzugehen, all das geniesse täglich, stündlich ausgiebig . Selten habe ich beim bezahlen meiner Waren, des Essens das Gefühl betrogen zu werden. Immer nennt die Thailänder mir nach meinem Gefühl, meinen Erfahrungen einen fairen Preis. Welch ein ungutes Gefühl war dies vorher in Laos und ganz schlimm, echt eklig, in Vietnam. Ja Thailand ist schon schön, auch im Norden bzw. besonders hier, ein wirklich wohltuendes Land auf meiner Reise.

Gegen Abend mit einsetzenden Regen, nach 7 h auf dem Rad, kaufe ich in einem Dorf für den Abend ein. Vor dem Laden sitzt ein kleines, echt über das gesamte Gesicht lächelndes Kind in einer Wanne und badet. Die Mutter sitzt daneben und läßt mich im Laden suchen was ich brauche. Immer wieder lächelt mich das kleine Kind strahlend an. Ungewöhnlich, denn oft erlebe ich das die Kinder doch sehr zurückhaltend mir gegenüber sind und sich lieber verstecken.

Die erste Suche nach einem Schlafplatz endet auf einem Bananen-Plateau, vermischt mit Kautschukbäumen und dort entdeckt mich dann auch ein Arbeiter bevor ich ihn überhaupt wahrgenommen habe. Also wieder den Berg auf dem schlammigen Untergrund das Rad hochwuchten, wieder auf die Strasse und weiter suchen.

Wieder finde ich einen Abzweig von der Strasse, wieder über einen braunschlammigen Weg. Dicht über mir schieben sich die schwarzen Regenwolken für ein nächstes Gewitter zusammen. Ich haste den Weg entlang, biege an einer Müllkippe auf einen kleinen, ziemlich zugewachsenen Weg ab, trete im kleinen Gang durch das hohe Gras und mache ein wenig mehr Lärm als üblich. Vielleicht schreckt es die Schlangen auf, denn gesehen hatte ich auf der Straße, leider meistens tote, in den letzten Tagen genug. Am Ende des Weges im hohen Gras finde ich eine kleine ebene, geeignete Stelle für das Zelt.

Die dunklen Regenwolken sind jetzt genau über mir, es donnert und wenige Minuten später, das Zelt konnte ich noch im Trockenen aufbauen, bricht einmal wieder ein tropischer Regen über mich hernieder. Wenigstens gibt mir der Regen das Gefühl, dass es heute Nacht doch etwas angenehmer, kühler werden könnte. Na ich bleibe erwartungsvoll und schlafe hoffentlich erholsam.

Lange hat es in dieser Nacht geregnet, viele  Geräusche aus dem Wald umgaben mich. Immer wieder mal hielt ich den Atem an, versuchte in der Stille die Geräusche zu interpretieren. Entließ meine Konzentration in die Dunkelheit außerhalb des Zeltes. Versuche die Welt um mich herum zu deuten. Da mir das in dieser Nacht nicht gelang, mußte ich einfach einmal vor das Zelt und mir die Umgebung noch einmal im Dunkeln verinnerlichen. Alles war in finsteres Schwarz getaucht. Kein Licht störte und so stand ich vor dem Zelt und staunte einmal mehr über das endlos erscheinende Sternenmeer. Und wieder wird mir diese, unsere kleine Welt, die winzige Erde, auf der ich nun schon so lange unterwegs bin, ins Bewusstsein gerückt.

Natürlich ist die Nacht ohne Zwischenfälle verlaufen. Habe ich mit den wärmenden Sonnenlicht der frühen Tagesstunden alles eingepackt, gefrühstückt und mich durch das hohe Gras, wieder mit hoffend, ausreichender Lärmkulisse, zurück auf die Strasse gemacht. Auf dem Highway ging es dann doch recht schnell über langgezogenen Berge, durch die grüne Landschaft. Alles ist sehr erholsam, sehr angenehm. Kein nervendes Gehupe, kein Drängeln, immer wieder das freundliche, ehrliche Lächeln der Thais. Ich werde es sicher recht bald vermissen.

Das Hostel für die kommende Nacht ist ok. Auch hier sind alle ausgesprochen freundlich. Noch habe ich das Zimmer für mich alleine. Kann meine Sachen, Zelt trocknen und mich ungestört ausbreiten.

Nach 119 Kilometer Ankunft vor Ban Nong Bong, ein entspannter Tag liegt hinter mir. Bis zur Grenze nach Myanmar ist es nun nicht mehr weit. Die Nacht verbringe ich in einem klimatisierten Zimmer in einem frischen, sauberen Bett. Mit einem gewöhnlichen, langen Frühstück und einer angenehm zu fahrende Strecke verbringe ich einen der letzten Tage, mit weiterhin keinen Stress auf der Straße in Thailand.

Auf einem traditionellen Abendmarkt versorge ich mich mit Lebensmittel für den Abend. Werde immer wieder zum Kosten aufgefordert und bekomme sogar einige ungewöhnliche Köstlichkeiten geschenkt.

Was einmal wieder für ein Tag. Trotz der vielen Anstiege, der Tageshitze und der Dauerbaustellen, habe ich es bis nach Mae Sot geschafft. Am Morgen war dies in meinem Kopf nicht vorstellbar, unrealistisch. Die Nächte in Asien lassen mir oft wenig Zeit für Erholung, für notwenige Regeneration. Mein Zelt für die Nacht hatte ich an einem kleinen Teich inmitten von Reisfeldern aufgebaut. In der Nacht ließen mich die motorisierten, thailändischen Krötenjäger lange nicht schlafen. Immer wieder tauchten die Lichter der knatternden Mopeds aus dem Dunkeln auf den nahen Wegen, unmittelbaren Nähe des Zeltes, auf.

Etwas beunruhigt war ich doch, da ich die Menschen nicht wirklich sehen konnte und nicht wußte, ob sie mich sehen konnten, entdeckt haben. Natürlich hat mir niemand etwas getan, hat mich niemand belästigt bzw. bedrängt. Lange konnte ich dann die kurze Nacht nicht ausnutzen, denn mit dem ersten Morgengrauen tuckerte bereits wieder ein Kleintraktor-Gespann direkt an meinem Zelt vorbei. Schnell habe ich mich dann zum Aufbruch entschlossen. Frühen Morgen alles abgebaut, dann noch ein wenig die ruhigen Ackerweg genutzt, um besser auf die nahe Straße zu kommen.

Dann folgten viele Anstiege und schnelle Abfahrten. Gegen 16:00 Uhr erreichte ich dann Mae Sot und fand das super schönes Hostel „The Sleep Nest“. Sehr angenehme Betreiber und nach einer ausgiebigen Dusche zog mich die gegenüber liegende Bar förmlich an. Am Abend gönnte ich mir hier dann ein ausgiebiges Mahl.

Der nächste Tag verging mit einigen Besorgungen. Vorbereitungen für die Weiterfahrt nach einem Tag Ruhe nach Myanmar.

Jede Menge Informationen hatte ich über dieses Land, dass sich gerade aus der Militärdiktatur zur Demokratie bewegt, gelesen. Was würde mich hier erwarten? Was würde ich erleben? Welche Menschen mit welchen Eigenarten würde ich treffen?

Gespannt machte ich mich nach dem Ruhetag auf den Weg zur nahen Grenze zwischen Thailand und Myanmar. Die Tage in Thailand waren wunderschön, werden lange in meiner positiven Erinnerung bleiben. Ich werde dieses Land mit seinen freundlichen Menschen vermissen.

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