Um 07:30 Uhr bin ich am Grenzübergang und muss eine Stunde warten bevor die Abfertigung aufmacht bzw. mich ein iranischer, echter Unsympath von einem Staatsdiener, nach meinem Pass fragte. Habe ihm leider, ohne meinen Anspruch deutlich zu machen, zu schnell meinen Pass gegeben. Damit ist er dann durch die Abfertigung in seinem Büro verschwunden. So saß ich draußen und mein Pass war weg. Nach ca. 1,5 h tauchte der Unsympath wieder auf und fragte mich, ob ich einen zweiten Pass hätte. Woher rührt die Frage denn? ; ging es mir durch den Kopf und habe diese lieber bejaht. Wieder eine halbe Stunde später, in der Zwischenzeit hatte der Taschendurchwühlerunsympath seine Peinlichkeit durchgeführt. Die Beiden haben wirklich alles unternommen, kein Lächeln, keine Fragen, nur abfällige Hand- u./ o. arrogante Blicke, verbunden mit kurzem Kopfnicken, um ihren Frust, ihre subjektive Macht zum Ausdruck zu bringen. Irgendwann habe mich dann beide Pässe, ohne jeglichen Kommentar, ohne einen Blick, wieder bekommen. Was der die ganze Zeit damit gemacht hat, keine Ahnung. Bloß schnell weg, dachte ich.  Das ganze Prozedere war für mich die Bestätigung, die Handlanger der Mullass sind nicht das Volk von Iran. Die Freundlichkeit wird weiter obsiegen und die Arroganz, der Despot wird verlieren. Es ging dann ca. 1 km durchs Niemandsland auf die turkm. Seite. Der Grenzbereich umfänglich mit doppelten Stacheldrahtzäunen, geeggten Sandstreiefn gesichert und kenntlich gemacht. Alle paar Meter stand Armee rum, ziemlich junge Typen. Im Grenzgebäude haben sich dann insgesamt 8 Leute um die Abfertigung gekümmert. Mir kam es vor, als wenn ich der erste Tourist mit dem Rad an der Grenze wäre. Alles wurde in einen PC eingeben, dann von dem nächsten alle Daten noch einmal in ein Buch eingeschrieben, dann die Zolldeklaration zwei mal mit der Hand ausgefüllt, jeder stellte die selben Fragen, was welcher Name bedeutet. Für die Grenzbeamten wohne ich jetzt im Bezirksamt Lichtenberg und heiße Dargun. Wichtig war, dass in jedem Feld etwas steht. Dann zur Gepäckkontrolle, alles durchleuchtet, dann alle Formulare zig mal unterschrieben, an allen erdenklichen Stellen gestempelt, dann musste alles noch vom Captain unterschrieben werden, der ließ leider auf sich warten. Der ganze Spaß durch die Grenze hat bis 11:30 Uhr gedauert. Endlich durch, habe ich mich erst einmal so weit wie möglich außer Sichtweite gebracht und schnell entschieden, dass ich auf Grund der Windrichtung den längeren Weg über die Asphaltstraße nehme. Jetzt hieß es soviel Kilometer wie möglich zu machen. Unterwegs gab es dann noch einmal eine Passkontrolle, wieder wurden die Daten in ein Buch eingetragen, wieder ein riesen Spaß für mich, was da eingetragen wurde. Die Straße war aus übelsten, grobkörnigen Belag, mit Löchern überseht und Bodenwelle in jede Richtung vom allerfeinsten.

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Der Verkehr allerdings merklich weniger, nur die Geschwindigkeit der PKW doppelt so hoch wie in Iran. Die Kisten müssen doch nach einem Jahr bei dieser Fahrweise auseinander fallen, dachte ich. Straßen- und Ortsschilder suchte ich vergeblich und so habe ich nach ca. 100 km Leute nach dem Ort und nach der Abzweigung auf die M37 nach Mary gefragt. 5 km meinten zwei Männer, nach 10 km habe ich dann zwei Polizisten nach der Kreuzung gefragt. Die haben erst einmal den Motor am Rad gesucht, ihr Erstaunen um so größer als sie den nicht fanden und als ich sagte, gibt es nicht, haben Sie Größe Augen gemacht. Sie standen in der prallen Sonne, schwitzen und würde wohl zusammen geschätzte 300 kg auf die Waage bringen. 4 km seinen es bis zur Kreuzung haben sie versichert, nach weiteren 10 km habe ich wieder gefragt. Ja, gleich da vorne, nur noch 2 km nach dieser Auskunft. Nach ca. 30 km war ich dann an der Kreuzung und ein kleines Schild zeigte die Richtung nach Mary an. Unterwegs war es echt heiß, aber wenigstens kam der Wind bis zum Abzweig von hinten. Der Umweg hatte sich gelohnt. Der eingezeichneten See, an dem ich mich orientieren wollte war nur noch eine große Pfütze und wie ich später an meinen Sandalen und mir selber feststellen konnte ziemlich versalzen.

....ich hatte Salz an den S....

….ich hatte Salz an den S….

Der Wasserbedarf scheint für die Pflanzungen in der Steppe ziemlich groß zu sein und entsprechend trocknen die Flüsse und See aus bzw. versalzen. Mittag habe ich auf Einladung bei Straßenarbeitern bekommen. Zum Glück kam ich in dem Moment, als einer in der Flussbrühe den Topf für die Suppe, mit Zwiebeln, Kartoffeln und Fleisch (nicht definierbar) an Knochen, ausspülte. Ist aber gutes Wasser wurde mir versichert, kein Problem als ich Mit zusammengekniffenen Augen auf meinem Bauch zeigte. Ein Blick in den Fluss ließ mich zum Rad flitzen und meine Tasse + Löffel holen. Muss ja nicht mit Gewalt Durchfall bekommen. Über dem ganzen Essen machte sich auch gleichzeitig ein Heer von Millionen Fliegen her.

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Die schwarzen Punkte gehören nicht zum Muster der Decke!

Die schwarzen Punkte gehören nicht zum Muster der Decke!

Naja der Hunger bei mir war ziemlich groß und irgendeiner der Leute war immer mit Fliegenjagen beschäftigt. Nach 146 km habe ich dann Stop in einer Fernfahrerküche eingelegt und wollte eigentlich nur Wasser kaufen. Der Besitzer fragte mich aber, wo ich denn schlafen werde heute Nacht und ich sagte im Zelt. Oh, zu gefährlich wird bald dunkel ich kann bleiben, teilte er mir mit. Der Schlafplatz war eine Hütte mit Drahtbetten und Gitterrostmadratze. Aber ich bleib, kaufte mein erstes Bier nach 30 Tagen und genoss es sichtlich. Einschlafen konnte ich bis 23:00 Uhr nicht, ständig war Bewegung in der Hütte. Es wurde telefoniert, einer hustete ständig, der andere spukte, ich hoffe, neben oder unter das Bett. Es war ziemlich heiß und viele Mücke wurden vom Schweiß der Leute angezogen. Irgendwann fielen mir dann doch die Augen zu.

Federkern ist anders

Federkern ist anders

Mein nächster Tag bekannt früh, ich musste Strecke. Kühle Luft, aber was schlimmer war, auch heftiger Wind schlug mir entgegen. Also Kopf runter, treten und voran kommen. Hatte ich ein wenig Tempo aufgenommen, musste ich bremsen und Schlaglöchern, Bodenwellen im Kriechgang ausweichen. Mehrfach kam die Frage in mir auf, was ich hier mache und ob ich mir das antuen muss. Oft ging mein Blick zurück, immer wieder nach vorne auf die endlos scheinende  Rüttelpiste, wäre das richtige Auto gekommen, ich hätte den Daumen rausgehalten! Zum Glück kam das richtige Auto nicht. So kämpfte ich mich weiter und versuchte durch die noch vorhandene Tomate, Gurke und das trockene Brot Energie zu bekommen. Viel genützt hat es nicht. Der Wind ließ leider nicht nach, drehte auch nicht, aber meine Gedanken drehten in eine andere Richtung, weg von der Quälerei. Erinnerungen aus meiner Kindheit wurden wach, als mich immer wieder der Gestank vom diesem billigem Russenbenzin umgab. Ich denke an Dargun, an das Kriegerdenkmal aus dem ersten Weltkrieg, umgeben, beschattet und verdeckt durch vier mächtige Eichen. Sehe den jungen Russen dort sitzen und auf die Armeekolonne warten. Dieser süßliche Benzingestank steigt damals, wie heute in meine Nase. Sehe mich mit seinem Geld losrennen um Zigaretten aus dem Automaten bei Konsum Niemann zu holen. Sehe mich wie aufgeregt ich bin, da ich mich natürlich nicht an den Automaten traue. Das Vorankommen in der Gegenwart mit dem Gedanken an meine unbeschwerte Kindheit wird spürbar leichter. Eine, nenne ich es Erkenntnis ist, es bleibt nicht den ganzen Tag gleich gut oder gleich schlecht. Trotz gewisser Monotonie treten kurzfristige Änderungen,oft in die entgegengesetzte Richtung, ein. Gegen die Natur zu kämpfen hat sowieso keinen Sinn, da geht ich unter, also arrangieren und positiv denke.

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Der Wind nervt, hindert mich am Vorwärstkommen. Wenn es den ganzen Tag so heftig wehen, er sogar noch zunimmt, dann ist es jetzt doch eine positive Situation. Hihi!!! Mittag bekomme ich wieder auf zugerufener Einladung bei Plantagenarbeitern. Lustige Typen, die in der Mittagshitze sich schön einen reingestellt. Wodka geht halt immer im Osten. Drei von Ihnen waren in Deutschland bei der Armee. Städtenamen wie Frankfurt, Cottbus, Bernburg, Magdeburg fallen. Sie erzählten stolz davon. Hätte ich so nicht gedacht, dass sie das nicht verfluchen. Das Foto werde ich in die Prawda stellen, habe ich ihnen versprochen, Drushba!

Hinter Mary, fröhliche Runde in brütender Hitze

Hinter Mary, fröhliche Runde in brütender Hitze

Wodka geht immer

Wodka geht immer

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Der Wind hatte immer noch nicht nachgelassen als ich Mary erreiche. Zur Mittagszeit kam dann auch noch die Hitze dazu. 40 Grad, ich habe Unmengen von kalten Getränken, so ich welche bekam, benötigt. Mary ist eine fürchterliche, postmoderne Stadt. Überall Protzbauten von dem Despoten, Bilder in jeder Pose, jedem selbsterdachtem Karnevalskostüm vom Diktator an allen öffentlichen Gebäuden. Der Tausendsassa kann einfach alles!

Diktatoren sehen sich gerne so

Diktator in verherrlichter Selbstdarstellung

Immer weiter kämpfte ich mich über den Tag. Bei 159 km und 9.16 h reine Fahrzeit mache ich um 18:00 Uhr neben einer Garküche am Straßenrand Schluss. Frisches Wasser zum Duschen kommt aus einem Gartenschlauch. Die ebenfalls gewaschenen Sachen sind nach 20 min wieder trocken. Es ist immer noch wirklich warmmmmmmmm. Der Neue Tag bringt noch mehr Hitze. Meine Zunge und der Gaumen trocknen von der heißen Luft völlig aus. Beide fühlen sich an wie Sandpapier. Das warme Wasser lindert kaum den Durst, feuchtet die trockenen, aufgesprungenen Lippen an.

Auch der Asphalt gibt auf

Auch der Asphalt gibt auf

Die Landschaft bietet keine Abwechslung, alles sieht seit Tagen gleich aus. Brauner Sand, ein paar grüne Dornensträucher und vertrocknetes Gras.

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Irgendwann kommt mir ein herrenloses Kamel entgegen. Trottet vor sich hin, lässt sich nicht aufhalten, geht seinen Weg, wo auch immer hin.

Herrenlos & unaufhaltsam

Herrenlos & unaufhaltsam

Die Straßenränder sind überseht von den Resten überhitzter, geplatzter Reifen und zerstörter Schutzbleche. Verbrannte Reste von Unfallautos zeigen sich in unregelmäßigen Abständen. Zu erkennen ist teilweise noch, dass z.B. Zwiebeln, Tomaten und anderes Gemüse transportiert wurden. Kleine, hellbraune Echsen huschen über den groben, zu heißen  Asphalt. Mitten im Nichts, wenn sie Glück haben unter einem kleinen Baum im Schatten, stehen Polizisten und kontrollieren den Verkehr. Eine Auto mit dem sie dort in der Wüste hingefahren sein könnten, Fehlanzeige. Wasserflaschen, Essensbehälter, nichts dergleichen habe ich gesehen. Die Lkw’s und PKW’s donnern über die Löcherpiste des weichen, teilweise flüssige Asphalts. Den ganzen Tag suche ich am Horizont nach Anzeichen von Siedlungen oder …? Nichts ist zusehen. Habe ich mich auf den vor mir liegenden Scheitelpunkt hochgekämpft, sehe ich die Wellen der Straße bis zum Horizont, dort angelangt, gleicht sich das Bild der vorhergehenden Ansicht. Völlige Monotonie! Straßen-, Hinweisschilder, Schilder mit Entferungsangaben, Straßenmarkierung nichts dergleichen ist im Land zu finden. Vorhandene Bahnstationen werden durch ein Kreuzungs- u. kleines Ortsschild angekündigt. Auf der Karte existieren sie aber nicht. Wieder holt mich die iranische Hilfsbereitschaft auch in Turkmenistan ein. Ein LKW aus Iran hält auf der anderen Straßenseite, bremst, fährt rückwärts, der Fahrer steigt aus, geht nach hinten und holt aus seinem Aussenkühlschrank eine Flasche eiskaltes Wasser. Schaut mich an, öffnet noch einmal den kleinen Kühlschrank und reicht mir zwei kleine Flaschen eisssssssskalteeeeee Cola. Ein Zischen ist nicht nur beim Öffnen der ersten Flasche zu hören, sondern auch als das kalte Getränk durch meine heiße Kehle rinnt.

Eisgekühlter Engel

Eisgekühlter Engel

Leider kann ich mir die kalten Getränke nicht für später aufheben, denn spätestens nach 10 min sind die Sachen warm, wenn nicht sogar heiß. Die zweite Flasche folgt und ruft umgehend einen Spurt hinter einem Strauch hervor. Ich beginne meine Tage um 06:00 Uhr. Kühle Luft, Frische umgibt meinen Körper. Gegen 11:00 Uhr schaltet dann jemand den Heissluftfön auf Stufe vier an und es umweht mich nur noch heiße Luft. Egal, ob ich eine kleine Abfahrt nehme (12% werden angezeigt, haha) oder mich entlang der Straße kämpfe. Es gibt keine Abkühlung, Bäume fehlen und so gibt es auch keinen Schatten. Nichts, den ganzen Tag nur pralle Sonne. Für diesen Tag mache ich bei 153 km 8.35 h reine Fahrzeit Schluss. Bis Turmenabat sind es noch ca. 50 km. Das reicht für den nächsten Tag. Um 15:00 Uhr sind es nach Temp.anzeige auf der Uhr immer noch 39,3 Grad. Über Tag gegen Mittag 44 Grad. Ich biege rechts von der Piste zu einer Bahnstation ab. Ein Magazin gibt es nicht, nur vier Baracken für die Arbeiter. Ich frage, ob ich bei Ihnen schlafen könnte. Dies wird mir bejaht und ich komme genau richtig zur Essenszeit. Aus einem russschwarzen Kessel wird die Nudelsuppe in eine große Blechschüssel gekippt. Ich bekomme eine kleine, extra Schüssel. Zuvor wurde der Teppich von Toten Fliegen abgefegt, es gibt aber immer noch genug, die sich über das Essen hermachen. Die Arbeiter zerhacken das knochenharte Brot, schmeißen die Stücken in die Suppe und alle löffeln und schlürfen gemeinsam aus der Blechschüssel. Es gibt viel grünen Tee. Ich mache Fotos und versuche die Fragen nach dem woher, wohin, wie alt, welcher Name, Kinder usw. zu beantworten. Alles ist sehr primitiv. Geschlafen wird auf dem Boden. Einige haben verrostete Bettgestelle mit durchhängenden Federböden. Eine Privatsphäre für den Einzelnen entdecke ich nicht. Unter den paar Betten stehen Reisetaschen. Küche, Schlaf-, Aufenthalts- Essraum alles eins. Fliegen ohne Ende. In einem wackligem Schrank liegt das harte Brot.

Irgendwo in der Wüste

Irgendwo in der Wüste

In mir kommen Gedanken an Getier auf. Glücklicherweise bin ich nicht der Einzige der auf dem Boden schläft. Die Dusche, bestehend aus drei Wänden mit Schilfgras, ein paar Steinen in der Mitte zum Daraufstellen, einem Eimer kaltes Wasser und einem Schöpfbecher, ist im Hof. Herrlich, erfrischend empfinde ich das kalte Wasser. Leider ist der kleine Eimer schnell alle. Einen zweiten gibt es nicht. Ich bin ziemlich fertig, frage wo ich schlafen kann. Lege meine Zeltplane auf den Boden, Matte aufpumpen, Schlafsack drauf und schon liege ich. Das Einschlafen will nicht gleich gelingen. Die Fliegen haben mich als potentielles Opfer erkannt. Um 05:00 Uhr Morgens entsteht Bewegung. Der Teekessel wird angeheizt und ein Schnaufen, prusten und Schnäuzen geht durch die Räume. Es gibt Tee, wieder knochenhartes Brot, dass ich noch nicht einmal zerbrechen kann. Wieder ist es herrlich kühl. Die Sonne steht noch ziemlich tief. Ein mein langer Schatten fällt in den braunen Pulversand. Ganz wenige Autos stören meine Gedanken an diesem Morgen und ich freue mich riesig auf die Abkunft in Turmenabat. Als es soweit ist, ich durch das riesige Steintor fahre entfährt meiner trockenen Kehle ein lautes ” JÄHHHHHH”. Wie sang einst Fettes Brot: ” ” Für Sie immer noch Her(r)Vorragend. “ Ein Hotel finde ich nach vielen Fragen. In der Hotelbewertung kann ich diesmal leider keine Sterne vergeben.

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Turkmenistan

Turkmenistan

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