Kalaikhum bildet einen Strassenknotenpunkt an den westlichen Ausläufern des Pamir. Die nördliche Route die ich gefahren bin wird vom LKW Verkehr wenig benutzt. Verständlich bei den Steigungen und den Strassenzuständen. Die südwestliche Route verläuft längere Zeit an der Grenze zu Afghanistan und dann in nördlicher Richtung nach Dushanbe. Dann zweigt noch die südliche Route von der einzigen Kreuzung in Kalaikhum ab. Diese Kreuzung ist einzigartig, denn der Verkehr wird durch eine Ampel geregelt. Nur keiner beachtet die Farbe, auch hier rot, gelb, grün, die für ihn gilt und so ist für alle aus jeder Richtung immer grün. Und es funktioniert. Unmittelbar an der Terrasse der Herberge fließt tosend der Gebirgsbach vorbei. Das Wasser steht ziemlich hoch und auf meine Frage, ob das der Endstand wäre, lacht der Besitzer und zeigt mir die Höchstmarke. Na da gibt es dann aber nasse Füsse für die Frühstücksgäste. Viele Hochgebirgstouren starten in Kalaikhum und so gibt es für die Expeditionen und für mich einen Supermarkt mit erstaunlich gutem Angebot.

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In kurzen steilen Anstiegen mit Geröllstrecken geht es weiter bergan. Tagsüber komme ich immer wieder durch kleine Dörfer. Die wenigen Häuser stehen inmitten von schattenspendenden Baumgruppen und sind für mich  wie Oasen in der schroffe Gebirgswelt. Mitunter finde ich ein Magazin mit einem funktionierenden Kühlschrank. Dann gibt es ein Eis und zuckerhaltige Getränke. Auch etwas Essbares findet sich hin und wieder. Allerdings selten etwas frisches, denn die Leute leben hier nach wie vor in Selbstversorgung. So sind es dann oft nur Kekse, schrumplige Kartoffeln und modrige Zwiebeln. Ausgangs dieser Schattenzone knallt die Sonne wieder unbarmherzig auf mich runter. Die Piste besteht aus Schotter, Sand und entsprechend stauben mich die vorbei donnernden LKW’s völlig ein. Dann heißt es Augen zu, Luft anhalten und hoffen das sie schnell vorbei sind und der Staub sich legt. Die Piste ist mitunter so eng, dass ich ziemlich weit ausweichen bzw. sogar anhalten muss, um an einigen LKW’s vorbei zukommen. Oft fahre ich nun schon links, da die Straße auf der rechten Seite keine Begrenzung hatte und es zum Fluss steil und teilweise 100 m abwärts geht. Die jetzt schon häufig auftauchenden chinesischen LKW’s fahren immer in Kolonne und entsprechend ist dann auch die Staubwolke.

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frisches Trinkwasser

Wasser gibt es noch immer gratis aus den Bergen. Glück hatte ich am Nachmittag als es schien, dass ein Gewitter aufzog. Der Wind trieb mich und eine Sandwolke vor sich talabwärts und dunkler Wolken hingen über den Gipfeln vor mir.

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Grenzfluss zwischen Tadschikistan und Afghanistan

Gegen Abend erreiche ich ein Dorf und schaue mich nach einem Zeltplatz um, denn auf der Strecke in den Bergen bietet sich keine  Möglichkeit zu zelten. Ein junger Bauer hat mich bei der Suche gesehen und bietet mir einen Platz auf seinem Hof an. Zuvor zeigt er mir stolz seinen Landbesitz und die Pflanzungen. Wirklich beeindruckend was die Menschen hier dem Boden abringen. Zwischen Obstbäumen sind Felder mit Zwiebeln, Möhren, Tomaten angelegt. Alles in kleinen Beeten und ausgiebig bewässert. Mein Zelt stelle ich auf seiner Wiese, keine 300 m Luftlinie von Afghanistan entfernt.

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Afghanistan, im Rücken.

Abends, kurz bevor die Sonne untergeht, werden die Bewohner immer noch mal aktiv. Sie gehen in kleinen Gruppen aus dem Dorf und reden. Sehen mich, grüßen freundlich und gehen weiter. Der Wind hat stark zugenommen, rüttelt tüchtig am Zelt. In der Nacht muss ich dann doch noch die Zeltabspannungen mit grossen Steinen sichern.

Kurz nach 05:00 Uhr stellten die Bauern ihre Kühe auf meine Schlafwiese. Dann schien auch gleich die Sonne über die Gipfel in mein Zelt. Zeit zum Aufstehen. Den Vormittag über musste ich mich wieder über eine furchtbare Straße quälen. Diese kurzen heftigen Anstiege von wohl 10% machen mich mürbe. Ab 12:00 Uhr öffnete sich dann das Tal und der Fluss gleicht einem See.

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in der Nähe von Rushan

Es gibt viel grüne Anpflanzungen und die Straße nimmt endlich einmal einen guten Zustand an. Die Straße lag flach im Tal. Immer wieder sehe ich auf die andere Seite nach Afghanistan hinüber. Dort ist also Krieg. Menschen sind wenige zu sehen, mitunter rufen und winken sie zu mir herüber.

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afghanisches Dorf in Sichtweite

Ich fahre den Tag über auf ca. 2000 m Höhe. Die Piste ist weiterhin sehr abwechslungsreich zwischen schlecht und katastrophal. Doch die Landschaft bleibt herrlich grün und immer wieder wird der Pyandzh, wie der Fluss auf der tadschikischen Seite (Ab-i-Panji in Afghanistan) heisst, aus den Seitentälern mit klarem Bergwasser gespeist.

Gegen Nachmittag erreiche ich Khorog vor dem Einsetzen eines ausgiebigen Gebirgsregens. Auf der Suche nach einem Restaurant lande ich diesmal auf einer tadschikischen Hochzeit. Ich werde zum Essen und tanzen eingeladen. Der ältere, männliche Teil der Gesellschaft hatte bereits ausgiebig dem Wodka zugesprochen, obwohl nicht eine Flasche zu sehen war. Diesmal allerdings saßen die Gäste schön bunt gemischt, an den reich gedeckten Tischen. Mit Einsetzen der Musik stürmten alle sofort auf die Tanzfläche, die für die Massen allerdings viel zu klein war, und tanzten ausgelassen traditionell. Ich wurde, ich vermute es war eine der Mütter des Hochzeitspaares, auf die Tanzfläche zitiert. Sofort setzte eine lautstarke Begutachtung meiner tadschikischen Tanzkünste ein. Herzlich, gesättigt und tanzbärmüde verabschiede ich mich am frühen Abend von der Gesellschaft.

Ein anschließender Bummel über den Markt vermittelt mir einen Eindruck über das Geschäftsleben der Menschen. Natürlich gibt es wieder mächtig viel chinesischen Kram, aber auch viele örtliche, landwirtschaftliche Produkte sehe ich. Ich kaufe einige Gewürze, Rosinen, Nüsse und Kornflaks um meinen Müslivorrat aufzufüllen bzw. zu vervielfältigen. In einer Garküche esse ich eine leckere Suppe mit frischen Koriander gewürzt.

Rad-/Ausrüstungspflege ist dringend angesagt. Nicht nur ich habe arg gekämpft, auch das Rad hat einiges abbekommen. So ist der vordere linke Lowrider gebrochen, allerdings an einer Stelle die nicht ganz so tragisch ist. An der rechten hinteren Packtasche ist die untere Halterung abgerissen und natürlich habe ich sie verloren. Doch der tadschikische Hotelvater hat da sofort eine Idee und hilft mir mit einem schnell gebogenen Draht. Auch noch ein paar Kabelbinder hat er für mich übrig.

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