24. – 28.06.2015

Nach einer Nacht im Tiefschlaf gibt es für uns am Morgen erst einmal einen Kaffee. Frühstück ist im Preis nicht inklusive, also machen wir uns auf die Suche nach etwas Essbaren ohne Fleisch. In Wugai nicht ganz einfach, da hier die Küche der ..stan Staaten vorherrschend ist, aber Ali ist Vegetarier und ich sympathisiere mit ihm. Immer wieder fragt Ali nach ” no meat? no meat!” Schliesslich landen wir irgendwann mit unseren Rädern vor einem  Riesenwog in dem Reis und viel Gemüse vor sich hin köchelt. Ali entscheidet, ok das nehmen wir.

China, ein neues Land, neue Regeln, neue fremde Eindrücke und die Frage, was erwartet uns in den kommenden Tagen bis nah Kashgar. Schnell finden wir auf breiten, neuen Strassen aus Wugai raus und nach einigen Kilometern durch grüne landwirtschaftlich genutzten Flächen ändert sich das Bild in dann schon bekannten Braungrauton.

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breite, neue Strassen mit noch wenig Verkehr

Im Laufe des Tages führt Ali des Öfteren an, dass es unterwegs so aussieht wie in Pakistan. Dörfern, Menschen und Strassenszenen ähneln sich sehr. Lange pappelgesäumte Alleestrassen prägen gegen Mittag die Landschaft. Wir fahren durch dicht, von Uiguren, Kirgisen, Tadschiken, bewohnte Gebiete. Die dörflichen Strukturen, die Architektur der teilweise modernen, neuen Häuser hat nichts mit dem chinesischen Einheitsbrei zu tun. Viele Holzschnitzereien, an den Dächern, prachtvolle Tore entdecken wir. Immer wieder stehen Händler mit frischem Ost und Gemüse am Strassenrand. Die Menschen, Frauen in bunten Kleidern, Männer mit traditioneller Kappe, prägen das Strassenbild. Die Uiguren verdeutlichen so nachhaltig ihre Kultur, ihre immer wieder zu verteidigende Eigenständigkeit. Wenige Chinesen in blauer oder grüner Einheitstracht, gemäss gewohnter, maoistischer Vorgaben, sind zu sehen. Ein rücksichtsloser Rechtsbieger, natürlich ein Chinese wie mir die kopfschüttelnden Uiguren bestätigen, fährt mich fast über den Haufen. Diesmal haben mich wirklich meine guten bremsen gerettet. Das war megaknapp. Auch Ali steht schockiert am Strassenrand hinter mir und holt tief Luft. Natürlich hält der Typ nicht an, sondern jagt davon. Die kurze Berührung mit dem Auto hat glücklicherweise keinen Schaden am Vorderrad hinterlassen. Ich hatte von derartigem Verhalten der Han-Chinesen gegenüber den in China lebenden Minderheiten gelesen. Sie lassen diesen ihre Vormachtstellung alltäglich spüren. Nun aber auch gegen Touristen, das war neu für mich. Nach einem über 10 km langen Aufstieg auf einen Höhenzug, sehen wir in weiter Entfernung die ersten Häuser von Kashgar und es setzt teilweise chaotischer Verkehr ein. Wir müssen auf einer vierspurigen Strasse weiterfahren und der nächste Schrecken lässt nicht lange auf sich warten. Ich in etwas voraus gefahren, drehe mich nach Ali um und sehe ihn in hundert Meter Entfernung auf der Strasse liegen. Was ist das denn, durchfährt es mich? Hat ihn jemand umgefahren? Autokolonne jagen an mir vorbei, egal ich muss zurück. Drehrauf dem Seitenstreifen um und fahre entgegen der Verkehrsrichtung zu Ali. Der sitzt mittlerweile an der Seitenplanke, neben steht das Rad, Teile davon liegen verstreut auf der Strasse. “Ali, was ist passiert? Hat dich jemand umgefahren?” rufe ich ihm zu. Er schüttelt den Kopf, sucht nach Worten und ist ziemlich geschockt, durcheinander.  Riesenglück im Unglück. Es war seine eigene Unaufmerksamkeit, keine Kollision mit einem Auto und nur das vordere Schutzblech ist defekt. Wir demontieren die defekten Teile, kontrollieren Lenker, Laufrad und Rahmen, alles ok, alles heil. Mit bis in die Haarspitzen geschärften Sinnen fahren wir in Kashgar ein. Sofort fällt mir die massive Militärpräsenz an jeder Kreuzung, jedem Parkplatz auf. Militär komplett in Kampfausrüstung behangen mit schweren Waffen und allem was schon beim Anblick Angst verursachen soll. China, die grösste Diktatur der Welt heisst uns auf ihre Art willkommen.

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kommunistischer Konsumkapitalismus

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leere Strassen, wieder eine Militärkontrolle

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Konsumtempel ud politische Parolen

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Machtdemonstration durch Monumentalgebäude der Einheitspartei

Im Hotel Seman finden wir nach langen Suchen endlich ein günstiges Zimmer. Ali ist draussen bei den Rädern. Wir stimmen uns kurz ab und ich gehe zurück um das Zimmer zu buchen. Und wer steht da an der Rezeption und erzählt der Empfangsdame vom Leben? Axel, da ist er wieder und was er alles erlebt hat will er uns am Abend beim Bier erzählen. Und auch den bayerischen Radler treffen wir in John’s Cafè , einem Hotspot für Chinareisende, wieder. Wir wundern uns ein wenig über seine Geschichte, seine gleichzeitige Anwesenheit und kommen überein, dass er die Strecke nicht mit dem Rad gefahren sein kann.

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Ali’s wirklich, ersten Versuche der Nahrungsaufnahme mit Stäbchen

Es ist wunderbar, es macht Spass mit Ali zu reisen. Wir verstehen uns mit jedem Tag besser. Jeder von uns ist Individualist, ist lange Zeit alleine für sich gefahren. Hat seinen Tag, seinen Rhythmus selber bestimmen können. Rücksichtnahme auf eine Partner war nicht notwendig. Jetzt aber sind wir verständnis-, ja rücksichtsvoll gegenüber dem Anderen. Unsere Tage verlaufen ruhig, ausgeglichen, wunderbar im gegenseitigen Verständnis. Wir fahren weite Strecken im ähnlichen Rhythmus, wenn es einmal nicht passt, finden wir schnell wieder ohne grosse Worte zusammen. Ich erfahre viel über Pakistan, seine Traditionen, die Zusammenhänge mit Indien. Wie wenig ich doch über diesen Teil der Welt weiß wird mir mit jeder Erzählung deutlicher. In Europa höre ich immer nur die Standart”Horror”Meldungen. Die Vorstellung, der Wunsch doch in diese Region zu fahren entsteht, entwickelt sich bei mir.

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hier finden sich Hunger und Gelassenheit in absoluter Harmonie

Zurück in die Gegenwart. Seit Tagen versuchen wir mit allem möglichen Tricks ins Internet zu kommen. Nichts geht. Die chinesischen Repressionen in diesem Bereich sind vollumfänglich. Sie haben jegliche Kommunikation ins Ausland gesperrt. Ausländische Seiten sind komplett geblockt, kein Emaildienst funktioniert, alle Googledienste sind gesperrt, keine Sozialen Netzwerke lassen sich aufrufen, NICHTS !!! Wir finden uns notgedrungen erst einmal damit ab.

In der Nacht hat es angefangen zu regnen und bis zum nächsten Abend hört es nicht mehr auf. Die Straßen stehen teilweise völlig unter Wasser, die Kanalisation läuft über, es stinkt an vielen Ecken. Die Menschen sehen mit Plastiktüten auf dem Kopf lustig aus. Die Elektroroller werden mit einer Hand gefahren, in der andere halten sie den Regenschirm. Es ist bei trockenem Wetter mit den Dingern schon gefährlich, weil man sie nicht hört, wenn sie hinter dir angerast kommen. Nun schauen die Lenker gar nicht mehr hin bzw. nehmen Rücksicht auf die Fußgänger. Chinesen sind rücksichtslos, selbstsüchtig und höchst unhöflich untereinander und zu uns.

Ein Besuch in einem Buchladen war für mich auch sehr ernüchternd. Gleich im Eingangsbereich glotzen uns Mao und Deng an. In den Regalen die üblichen Propagandapublikationen. Kaufwillig Kunden, Fehlanzeige. Ebenso wie in einem Mega-Store. Niemand da.

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acht Etagen ohne Kunden

Na fast ohne, zwei waren ja da. Acht Etagen modernster Verkaufsfläche mit internationalen u. chin. Marken-Shops und keiner da der etwas kauft!!! Im Restaurantbereich dann ein völliges Desaster, als ich zwei Eis kaufen möchte. Ich zeige auf ein Bild mit der Eissorte, deute mit den Finger die Zahl zwei an ….? Das Gesicht mir gegenüber zeigt jegliches Unverständnis. Ok, noch einmal ganz langsam. Wir sind in einem Eisladen, es gibt Bilder und das Zeichen für zwei sollte international sein.  Nein, sie weiß nicht was ich möchte. Vollblockade jeglicher Intelligenz. Ali liegt schreiend in der Sitzecke als ich mich zu ihm umblicke. Es ist für mich wirklich absolut unverständlich wie weit Dummheit reicht. Der Vorgang weich wahrscheinlich völlig von den eingepeitschten Richtlinien ab und da eigene Gedanken, Individualität unerwünscht ist, stirbt sie wahrscheinlich irgendwann. Erst als ich mir einen rumstehenden Vorgesetzten greife, über den Tresen lange, ihm eine Waffel in die Hand drücke und auf die Eismaschine deute, bekommen wir unser Eis.  In dem riesigen, natürlich ausschliesslichen Fast Food Bereich, stehen gelangweilte Gruppen von Angestellten rum, unterhalten sich oder, und das scheint normal zu sein, spielten auf ihrem Handy rum.  Ach ja und der Lieblingsbeschäftigung der Chinesen in der Öffentlichkeit, gehen natürlich auch viele nach.

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Auf dem Rückweg zum Hotel finden wir einen extrem leckeren Imbiss. Frisch zubereitete Nudelsuppe, dazu einen Burger mit Salat. Wirklich gut! Zurück im Hotel klopft dann Axel, der Deutsch-Ausi, an unsere Tür, bringt das erwähnte Bier mit und erzählte wieder unendliche Geschichten zu jedem Thema der Menschheits-geschichte.

Abends gehen wir zwei Ausgehungerten noch einmal in dem Restaurant gegenüber dem Hotel essen. Wir treffen viele Pakistani die, wie Ali erfährt, hier Geschäfte mit Kosmetik, Schmuck und Erzen machen. Wir verabreden uns für den nächsten Tag mit einem der Händler auf einer Messe.

Am nächsten Tag vor dem Messegelände die ersten Repressialien als wir vor einer Absperrung das Taxis verlassen müssen. Es sollten noch viele weitere Kontrollen folgen. Die 6 spurige Straße ist von zwei großen Feuerwehrlastzügen versperrt und wir müssen die 1000 m bis zum Eingang laufen. Auf den LKW’s und drum herum stehen viele Polizisten und Feuerwehrleute. Zivile Spitzel sind auf jedem Meer zu erkennen. Militärpolizei,  mit schweren Gewehren, Helmen, Schutzschilden und was weiß ich noch alles, ergänzen den “herzlichen Empfang”. Am Eingang angekommen erfahren wir, dass wir hier leider keine Karten erwerben können, da müssten wir die Hälfte der Strecke zurück zu einem Kartenhäuschen. Dort angekommen, gibt es noch keine Karten. Dafür aber eine Warteschlange von zig Metern. Alles klar, also gehen wir erst einmal etwas essen. Bei unserer Rückkehr zum Tickethäuschen herrscht dort ein leichtes Chaos. Standen die Chinesen vorher in zwei Reihen an, stürmen sie nun von allen Seiten auf die Fenster zu. Rücksichts-los wie sie anderen gegenüber sind, wird gedrängelt, geschubst und gestoßen. Ich ergattere dann auch unsere zwei Karten und wir machen uns wieder auf den Rückweg zum Einlass. Strenge Sicherheitskontrolle, viel Theater, Gasfeuerzeuge müssen in bereitstehende Kartons geschmissen werden, Metalldetektor-schleusen usw. Auf dem Gelände geht die Machtdemonstration weiter. Wie bereits draußen überall Militärposten mit dicken MP’s. Sie, die Machthaber, haben so eine Riesenschiss vor ihrem eigenen Volk, trauen keinem und können es wohl nur so einigermaßen unter Kontrolle halten.

Die Messe selber ist eine große Enttäuschung für mich. In Ideen klauen und kopieren macht den Chinesen ja keiner etwas vor.

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ne is klar, original Alpengold

und Ali traf seine Leute, unterhielt sich ausgiebig mit ihnen. Die Pakistani waren sehr freundlich.

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Ziemlich enttäuscht verließen wir das Messegelände. In mir hatte sich mittlerweile eine große Wut angestaut. Alles drehte sich nur um die Darstellung der Macht der Chinesen gegenüber dem Volk. Die Pakistani erzählten uns, dass ein Großteil der Besucher, und zwar über 60%, eh nur Partei-/Polizeispitzel seien und so die Geschäfte seit Jahren immer schlechter laufen. Ich empfand das alles als sehr schlimm und elendig. Und wie gesagt, mich machte es zugleich aggressiv.

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Endlich draußen suchten wir uns ein Taxi und fahren zum Bahnhof. Ab Kashgar will ich bis nach Xi’an mit dem Zug fahren. Im Sommer durch an der Taklamakan, auf hunderten Kilometer im Nichts, entlang zu fahren habe ich keine Lust und auch wirklich keine Zeit, da ich nur ein 30 Tage Visa habe. So werde ich drei Tage mit dem Zug unterwegs sein und dann in Zentralchina a Xi’an Richtung Ostküste fahren. Um keine grossen Überraschungen zu erleben, hatte ich mit Vorabbesichtigungen in vergangenen Situationen gute Erfahrungen gemacht. Weit war es nicht zum Bahnhof und wir find ein modernes Gebäude mit guter Beschilderung vor. Die Gepäckaufgabe für das Rad ist deutlich ausgeschildert und so sollte am Sonntag nichts schief gehen.

Gegenüber der Bahnstation befindet sich auch der Busbahnhof und entsprechend groß war die Menge der ankommenden Taxen. Nur kein Taxi will uns die 6 km bis zum “Alten Basar” für 10 Yuan fahren. Die Spanne der Preisvorstellung geht von 20-50 Yuan. Also laufen wir erst einmal los und finden dann in fussläufiger Entfernung doch ein Taxi.

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die Machthaber sind auch mal müde

Dann entdecken wir das wirkliche China, nein eigentlich das wirkliche Land der Uriguren, Kirgisen, Tadschiken usw. Hier auf dem Basar ist nicht viel von den Han-Chinesen zu sehen.

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Mädchen werden mit jungenähnlichem Aussehen vor bösen Geistern geschützt

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Vater & Sohn Business

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im Blick Skepsis & Neugierde

Die Menschen schauen freundlich, lächeln zurück und verstehen bzw. bemühen sich unsere Fragen zu verstehen. Gehandelt wird mit allem was denkbar ist.

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welche Farbpracht im Vergleich zur chinesischen Tristesse

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“original Markenware” aller Hersteller dieser Welt

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für Kinder geht es immer besonders bunt zu

 

Wir schlendern danach gemächlich durch die Altstadt und entdecken manch skurrile Dinge.

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jedes historische Gebäude muss die chinesische Flagge aufweisen

 

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Hufnägel macht er noch per Hand

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Melonen sind unverhandelt für 50 Eurocent zu haben

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Ruhe in der Altstadt

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der Duft von zig Gewürzen liegt in der Luft

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getrocknetes Tierallerlei

Durch einen Zufall landen wir danach in der Altstadt auf einem Marktplatz. Alle Stände verkaufen allerdings ausschließlich Essen. Der pure Wahnsinn, was hier los ist. Der ganze Platz brodelt vor Erwartung, kultureller Vielfalt und Triebsamkeit. Die Erwartung in Bezug auf den Sonnenuntergang, es ist Ramadan. Die kulturelle Vielfalt auf das nicht vorstellbare Angebot an verschiedensten Speisen. Alles wuselte umher, bereitete Berge vor Nudeln, Reis, Fleisch, Brot, Eis, Gemüse, Melonenstückchen, Kuchen und Früchten vor. Um jede Kochstelle stehen Tische mit Stühlen und Bänke, die allerdings schon von wartenden Moslems besetzt sind.

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Curryhühnchen mit Ei

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allerlei vom Schaf

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Schaf und / oder Ziege gegrillt

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Rinderinnereien

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…dazu gibt es Gemüsebrühe

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Speisen werden laut angepriesen

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Berge von frischen Grillspießen

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meterlange Grillkonstruktionen

Wer den Zeitpunkt für den Sonnenuntergang festlegt, wer den Startschuss für die Party gibt, können wir nicht erkennen. Plötzlich explodierte jedenfalls der Platz und das große Schmausen beginnt. In Brühe gekochte Schafsköpfe werden zerhackt , in Suppen-schüsseln auf Brühe ausgeteilt und die Köpfe bzw. das daran haftende Fleisch verschlungen. In einem Riesenwok werden Eier in Currysoße mit Hühnchen gegart. In einem anderen, flachen Wok sind sternförmig Holzspiesschen mit allerlei Fleisch- und Gemüsesorten angeordnet. Frisches Eis wird aus altertümlichen Eismaschinen verkauft. In langen, flachen Grills mit Gebläse werden Hähnchenschenkel, Fleischspiesse und Spieße mit Innereien gegrillt.

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warten auf den offiziellen Sonnenuntergang

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kalte Säfte mit “frischem” Wasser

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Fleisch jedweder Art

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Berge frischer Nudeln, freundlich, herzlich angeboten

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jeder freie Platz ist belegt

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alles wird leer gekauft

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schnell wird das Essen serviert

Frauen stellen mit einer verblüffenden Handfertigkeit frische Nudeln her. Nudelteig mit Fleischfüllung wird in heißem Öl gegart und mit überstreutem Zucker serviert, köstlich. Alle Arten von Teigtaschen, mit allen möglichen Füllungen, zubereitet in allen erdenklichen Arten des Garen sind sehr, sehr köstlich. Leider passt nach Stunden des Probieren irgendwann nichts mehr rein. Das ist China wie ich es liebe und schätze. Das sind die Menschen, die Traditionen bewahren und nicht alles dem Kommerz, der Einheitlichkeit und  der “Einheitsblödheit” unterordnen.

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immer wieder git es neue Gerichte zu entdecken

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es schmeckt köstlich

Natürlich werden wir ständig von chinesischen Spitzeln beobachtet, als wir dies alles fotografieren. In meiner Nähe steht ständig ein Typ in schwarzem Anzug. Zwischen all den traditionell gekleideten Uriguren ziemlich “unauffällig” wie ich fand. Als ich ihn aus nächster Nähe provokant fotografiere, natürlich ohne die Kamera anzuschalten, zieht er ab. Einige Minuten später taucht dann sein Nachfolger, ein dicker Chinese im Freizeitlook auf. Auch diesem Schnüffler habe ich demonstrativ gezeigt, dass ich ihn wahrnehme.

Ali erhielt irgendwie eine Nachricht, dass in den letzten Tagen bei Unruhen in und um Kashgar 30 Personen getötet worden seien. Sie haben so eine verdammte Schiss vor diesen stolzen Menschen, ihrem Willen sich nicht der verordneten Einheitlichkeit unterzuordnen, dass man drüber lachen könnte, wenn sie nur nicht mit einer solchen Brutalität gegen das Aufbegehren vorgehen würden.

Wir wollen noch versuchen durch den Kauf einer Mobilfunkkarte ggf. Kontakt mit der “Aussenwelt” aufzunehmen. Unsere Versuche eine SIM-Karte zu bekommen, sind von Beginn an wieder sehr frustrierend. Stundenlanges Suchen in zig Mobilläden die alle auf Doll gemacht sind, in denen mitunter 10 Verkäufer/-innen rumstehen, uns in keiner Weise verstehen. Ok, kurze Schilderung: Wir gehen in einen Handyladen, draussen sehen wir Reklame von grössten Mobilfunkanbieter in China. Ich zeige auf mein geöffnetes Handy, auf die SIM-Karte, auf die Reklame und versuche mit ein paar englischen Worten mich verständlich zu machen. Gut, was könnte ich wollen. Richtig, eine Waschmaschine! Haben sie leider nicht im Angebot. Dafür wollen sie meinen Reisepass sehen, öffnen ihr Handy zeigen auf ihren Pass und wissen nicht weiter. Das alles passiert wahrhaftig in mehreren Läden. Irgendwann nach dem 6/7 Laden schalten wir auf Komik um. Aber auch das hilft uns nicht weiter. Wenn einem Chinesen eine Situation nicht genau von ihrer Obrigkeit beschrieben wird, sind Chinesen einfach blöd, sie stehen um uns rum, glotzen nur, helfen nie weiter, sind unfreundlich, weltfremd und zum Teil sehr arrogant.

Wir finden dann doch noch in einem Bürokomplex in der dritten Etage eine moilfunkkarte, verkaufende Behörde. Vor uns in der Schlange zig geduldig wartende Chinesen. Es dauert ewig is wir alles erledigt haben und die Beschreibung der Abhandlungen würde Bücher füllen.

Wir wollen vor meiner Abfahrt noch zum Viehmarkt. Der liegt etwas ausserhalb der Stadt. Mit einem Taxi sind wir aber schnell vor Ort. Viele Händler sind natürlich bereits mit ihrem Vieh vor Ort. Ohne Unterlass rollen grosse und kleine LKW’s, Dreiradtransporter und von Esel, Maultieren oder Pferden gezogene Viehwagen auf den Platz.

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Zuvor müssen die Händler eine Gebühr bezahlen und dann wird ihnen, entsprechend der zu verkaufenden Tierart ein Bereich zu gewiesen.  Wie schon auf den anderen Märkten, so sind auch hier ausschliesslich Händler, also Verkäufer und Käufer chinesischer Minderheiten zu sehen. Han-Chinesen lassen sich zu solchen Dingen nicht her. Sie würden hier sicher auch nur auf Ablehnung stossen und setzen Zwischenhändler für ihre Geschäfte ein.

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erste Begutachtung der Ware

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hier gibt es keine Zimperlichkeiten

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perfekte Präsentation der Schafe

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Feintuning vor Ort

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in langen Reihen stehen die Schafe zum Verkauf bereit

Gleich nach dem Eingang standen an langen, metallene Anbindestangen zuerst Milchkühe, dann die Bullen. Die Vielfalt der unterschiedlichen Rindergattungen fällt sofort ins Auge. Bullen als Riesenfleischberge. Kleine, kompakte Mutterkühe mit Kälbern. Alles in Bereiche unterteilt.

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Dahinter dann der größte Bereich für die Schafe und ein kleinerer für die Ziegen. Auch hier Gattungen, die ich noch nie gesehen habe. Wollschale sind bis auf das hintere Fettpolster geschoren oder werden noch vor Ort gestylte. Ziegen mit vielleicht 3 Tage alten Lämmern.

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Kleiner Bereiche mit Kamelen, Maultieren, Pferden und Eseln ist im hinteren Bereich des Marktes angesiedelt. Da der Markt sich nach der lokalen Kashgar-Zeit richtet, ich aber für den Zug die Pekingzeit beachten musste, blieb nicht wirklich viel Zeit zum schauen, staunen und fotografieren.

Also mussten wir zeitig zum Hotel zurück. Meine Sachen hatte ich bereits fertig gepackt. Der Abschied von Ali ist herzlich und wir versprechen uns ein Wiedersehen zu einer weiteren, gemeinsamen Tour in Australien, Pakistan oder Südamerika. Ich würde mich wirklich freuen, mit Ali noch weitere Länder zu erleben.

Den Weg zum Bahnhof finde ich mit kleinen Umwegen. Unterwegs kaufe ich Getränke, Bananen, Tomaten, Zwiebeln und Brot. Dann zur Gepäckaufgabe für das Rad. Ich habe Glück und treffe auf eine Bahnangestellte die mitdenken kann und ein wenig englisch versteht. Ich hatte sie gestern bereits bei meinem Vorab-Besuch angesprochen. Sie erkennt mich wieder und auch gleich auch gleich meine Gepäckaufgabe. Die Formulare sind mit ihrer Hilfe schnell ausgefüllt. Der Abschluss einer Transportversicherung für das Rad scheitert an der Deckungssumme. Der Wert meines Rades ist mit keiner Versicherungssumme abzudecken. Sie versichert mir allerdings, dass in 99 % der Fälle das Rad unbeschadet ankommt. Na hoffentlich bin ich nicht das 1 % Verlustopfer. Sie teilt mir auch gleich mit, dass das Rad wohl 1-2 Tage später in Xi’an eintreffen wird. Puh, wichtig ist eigentlich nur, dass es überhaupt und heil eintrifft. Schnell mache ich noch ein paar Fotos zur “Ersten Trennung” seit Monaten.

 

Dann zum Check-In für den Zug. Drei Sicherheitskontrollen, eine Fahrkartenkontrolle, eine Personenkontrolle später und ich stehe vor dem nächsten Problem. Bei der Gepäck-Röntgenkontrolle finden sie mein großes Messer  und dies ist bei Bahnfahrten im Land verboten!!! Was nun? Über Lautsprecher wird der Fund dem “nächsten Uniform-Hampelmann” mitgeteilt. Drei Leute kommen angeflitzt und umstellen mich ganz aufgeregt. Also packe ich alles aus und zeige ihnen das Messer. Dem Entdecker steht die Freude im Gesicht, der Weisungserteiler ist einem Ohnmachtsanfall nahe. Was nun machen mit dem Tourist der sich weigert sein Messer in den Müll zu werfen? Fünf Leute beschäftigten sich mittlerweile mit dem Fund. Dann kommt ihnen die Idee, “…bringen Sie das Messer zur Gepäckaufgabe, dort kann es transportiert werden.” Also renne ich wieder den langen Weg zurück durch alle Sicherheitskontrollen zum Gepäckschalter. Ich versuche der Dame das mitzuteilen, was ich will. Und….? Der nächste Ohnmachtsanfall! ” Das geht hier nicht! Das dürfen wir hier nicht! Da sind wir nicht für zuständig.” Bitten und inständiges Lächeln helfen auch nicht weiter. Die Grenze des Machbaren ist für sie erreicht. Also wieder zurück zur Sicherheitskontrolle. Dort stehen mittlerweile noch mehr Uniformierte um den Messerfund herum. Wegschmeißen, Ihnen überlassen, will ich das Messer unter keinen Umständen. Also werde ich etwas lauter, entschiedener in meinen Argumenten und Widersprüchen. Lange, langes Palaver unter denen die auf gar keinen Fall etwas entscheiden möchten. Dann einigen sich die Befehlsempfänger auf meinen Vorschlag. Sie kennzeichnen das Messer, geben es einem Schaffner mit, der gibt es dann in Turpan einem Polizisten und der übergibt es mir. Puh, wenn das klappt und ich wirklich das Messer wiederbekomme, dann stifte ich ….. eine Kerze für chinesische Individualentscheider.

Ab 18:00 Uhr kommt Bewegung in die Wartenden. Koffer werden an die Ausgangsbarriere gerollt. Menschen bringen sich in vordere Positionen und Fahrscheine werden unter lautem Geschrei über die Wartereihen verteilt. Dann um 18:30 Uhr werden wirklich die Ausgänge geöffnet und der Zug fährt pünktlich um 19:02 Uhr los.

Ich kann mir das obere Bett in dem Viererabteil sichern. Ob das eine gute Idee ist wird sich rausstellen, denn die Klimalüftung donnert mir die ganze Zeit auf den Kopf. Ein kleines, unerzogenes Chinakind nervt ihre Eltern u. mich. Die Eltern kümmert es nicht. Den anderen Reisenden ist es sichtlich egal. Sie stopfen Chips, schlürfen Nudeln und viele Essen in sich rein. Eine Tür mit der das Abteil geschlossen werden kann, gibt es nicht. Auf dem Gang stehen viel Männer. Schnapsflaschen werden ausgepackt. Ich denke, es wird eine erlebnisreiche Nacht im Schlafwagenzug.

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