Zimbabwe / Botswana

28.01. – 08.02.2017 – 684. – 695. Tag 

Noch einmal muß ich eine lange Strecke zurücklegen. Es geht quer durch den National Park. Mehrfach wurde ich gewarnt nicht mit dem Rad alleine durch den park zu fahren. die Leute können sich einfach nicht vorstellen, wie man auf so eine abwegige Idee kommt. Immer wieder werde ich mit staunenden Blicken aus den Autos heraus angehalten. Nach dem Woher, Wohin befragt. Haben die Leute dann meine Antwort verarbeitet, sind sie dann auch nicht beruhigter, aber immer doch wieder interessiert, immer freundlich. Viel, sehr viele Elefantenspuren, Dung auf der Straße, niedergetrampelte Büsche, umgeknickte Bäume begleiten meinem Weg. Elefanten selber sehe ich leider oder zum Glück, nicht. Der erste Step durch Botswana war relativ kurz und so stehe ich bald wieder am nächsten Grenzübergang, an der Grenze zu einem weiteren neuen Land. Am Grenzübergang gibt es keine Probleme. Für 30 US$ bekomme ich das notwendige Visum. Unterhalte mich mit einem kanadischen Pärchen, die für ihr Visum pro Person 60 US$ plus 90 US$ für das Auto bezahlen müssen. Na da lohnt es sich ja mal wieder mit dem Rad unterwegs zu sein. 

Die letzten Kilometer bis in den Ort Victoria Falls lege ich dann wieder einmal im strömenden Regen, hin und wieder über kleine Anhöhen, zurück. Wieder grünt die Landschaft ringsum, wohltuend für das Auge und Seele. 

Auf einer langen Abfahrt geht es hinein in den Ort, der von den berühmten Falls seinen Namen erhalten hat. Und so dreht sich auch alles in dem Ort um diese weltberühmte Sehenswürdigkeit. Die Preis sind natürlich entsprechend. Hier macht sich der Diktator Mugabe und seine Vasallen richtig die Taschen voll. 

Der Backpacker liegt etwas abseits am Rande des Ortes, für eine Nacht werden unverschämt 18 US$ aufgerufen und das auch noch bei untersten Standart. Ohne, dies soll extra kosten, Frühstück und WiFi. Nach eigener Aussage soll dies bereits der günstigste Preis im Ort sein und sie lassen auch auf mehrfache Nachfrage nicht davon ab. Der Starkregen hat wieder eingesetzt und so ist es doch recht ungemütlich auf der Straße. Ich friere doch sehr und die Dusche mit kaltem Wasser, warmes gibt es natürlich auch nicht, kühlt meinen Puls etwas ab. Aufgebracht hatte ich zuvor ein Bett für zwei Nächte gebucht.

Auf langem Fußmarsch, vorbei an den Giant-Tree, mache ich mich am Morgen auf zu den Victoria Falls.  In Victoria Falls stehen einige der größten und höchsten Eukalyptus-Bäume unseres Planeten. Allerdings nicht so gewaltig wie die Riesenbäume die ich im Westen Australiens gesehen habe. In Zimbabwe erreichen sie eine Höhen von 100 m und mehr.  Der Umfang kann bis zu 20 m betragen. Während den ersten 50 bis 80 Jahren wachsen diese Bäume sehr schnell, dabei erreichen sie, so die Menschen sie gewähren lassen, durchaus ein Alter von bis zu 500 Jahren. Hier sind die noch vereinzelt vorhandenen Riesen eingezäunt und dicht von Souvenirverkäufern mit ihren üblichen Neppständen umlagert. Nach einer Stunde erreiche ich das Ufer des Sambesi, vielleicht auch nur das eines Nebenarms und versuche mal so aus Übermut, etwas weiter in den Fluß hineinzulaufen. Keine gute Idee, wie gesagt Übermut hat mich betrieben, denn bald wird die, von abwärts donnernde Wassermassen, begleitete Strömung doch sehr stark und schnell rette ich mich mit naßen Schuhen, Hose und Haaren wieder ans Ufer. Bald stehe ich vor dem ziemlich wuchtigen Victoria-Falls-National-Park-Zaun und dann auch bald den kleine Pfaden und einem asphaltierten Weg folgend, vor dem Haupteingang. Sofort werde ich von den Schleppern, Regenumhang-Verpächtern, auf hochgehaltenen Pappschildern sich erklärenden blinden, stummen, lahmen Bettlern umringt. Der Eintrittspreis für dieses Naturspektakel ist sehr, sehr frech. 30 US$ pro Person, die wohl auch wieder der unersättlichen Gier der Machthaber zugeführt werden. Für Pflege des National Parks oder für die Menschen wird es jedenfalls nicht verwendet, denn die Leute sehen ziemlich ausgemergelt aus. 

Nach wenigen Metern stehe ich an der linken Seite der Falls und die in die Tiefe donnernden Wassermassen beeindrucken mich von der ersten Sekunde an. Es hatte ja seit Wochen viel geregnet und so sind die in die Tiefe stürzenden Wassermassen äußerst imposant. Die Menschen nennen den Wasserfall hier Mosi-oa-Tunya. Was soviel wie donnernder Rauch bedeutet und diesem Namen werden die Falls sehr gerecht. Der Wasser-Sprühnebel hüllt die gesamte Umgebung in einen Schleier aus Wasser-Rauch. Die auf einer Breite von 1700 m in eine Tiefe von 110 m donnernden Wassermassen lassen den Sprühnebel in bis zu 300 m Höhe aufsteigt und bei günstigen meteorologischen Bedingungen ist der Wassernebel noch in bis zu 30 km Entfernung zu sehen. In unmittelbarer Umgebung der Falls gibt es, bedingt durch die Dauerfeuchtigkeit bei tropischen Bedingungen, sogar einen Regenwald. Damit sind die Victoriafalls der breiteste durchgehende Wasserfall der Erde. Ist der Sambesi nach der Regenzeit gut gefüllt schießen bis zu 10.000 m³/s Wasser über den Nordrand der Schlucht in die Tiefe.

Mit meinen Foto- und Videoannahmen muß es dementsprechend schnell gehen, denn schutzlos, auch ohne Schutzhütte, Zaun oder dergleichen Sicherungsmaßnahmen, stehe ich unter der Sprühnebelglocke. 

Noch einmal treffe ich die Kanadier mit denen ich mich bereits an der Grenze unterhalten hatte. Bekomme von ihnen noch einige gute, nützliche Hinweise für meinen weiteren Weg durch Südafrika. Scharen von, wie sollte es anders sein, rücksichtslosen chinesischen Reisehorden treiben mich immer wieder weiter. Leider geht es beim Bestaunen immer nur in eine Richtung. So richtig alleine zu sein bzw. in Ruhe die Gewalten auf sich wirken lassen, gelingt nicht. Durch den Ort, wieder am Spalier der Souvenirverkäufer, laufe ich zurück zum Hostel. 

Ich hatte den safarietauglich gestylte Toyota-Jeep bereits am Morgen gesehen. Nun sehe ich auch das Bamberger Kennzeichen und komme mit dem Besitzer im Inneren ins Gespräch. Der in Ruhestand gegangene Arzt ist seit 17 Jahren mit den Jeep in der Welt unterwegs und hat nun wohl das – vorläufige? – Ende seiner Reise erreicht. In einigen Wochen will er sich auf den Weg nach Cap Town machen, das Auto auf ein Containerschiff verschiffen und zurück nach Hamburg fahren. Nach der Ankunft will er das 25 Jahre alte Auto in Deutschland verschenken. Ich horche auf, empfehle mich für den Beschenkten und wir tauschen unsere Telefonnummern aus. Na da bin ich ja mal gespannt, ob er zu seinem Wort, zu der Absprache, steht.

Immer mal wieder sehe ich in einiger Entfernung ein paar Antilopen im Grün der Landschaft stehen. Von den großen Fünf läßt sich leider keiner blicken. Mugabes Vertreibung hat bereits viele Spuren hinterlassen. Viele leerstehende Farmhäuser, brachliegende Ackerflächen und niedergerissene Zäune sind von den zuvor intakten Struktur übrig geblieben. Nur kleine Flächen sind bewirtschaftet. Zeigen spärliche Pflanzen.

In den Siedlungen sitzen oder schlafen immer wieder Menschen im Schatten der Bäume. Müssiggang wird hier voll ausgekostet. Die Polizeikontrollen sind häufig, aber immer freundlich, immer neugierig. 

Stundenlang fahre ich durch ein Kohleabbaugebiet, durch geschwärzte Landschaft. Am späten Nachmittag wird es noch einmal sehr windig und warm. 

Ein langer, sehr anstrengender Tag geht in einem, leider wieder sehr runtergewirtschafteten Hotel zu Ende. Mir bleibt keine Wahl bei der Unterkunft. nur noch ein bißchen am Preis läßt sich feilschen. Zuvor hatte ich zahlreiche Hinweisschilder auf Hotels, Guesthouses und Lodge gesehen, doch leider waren diese alle veraltet. Keine Unterkunft wurde noch bewirtschaftet. Die Wege zugewachsen, die Tore/Gatter verschlossen. Aber auch runtergerissene Weidezäune, nackte Pfosten, ohne Draht und die Farmhäuser zeigten ein ruinenhaftes Bild. Leider ist der greise Mugabe nicht mehr daran interessiert, das Land weiter in einen demokratischen Zustand zu halten.

Über den Tag hinweg begleitete mich bewölktes Wetter und die Straße hatte es heftig in sich. Über mehrere Stunden geht es immer wieder stetig, in langen Anstiegen, bergan. Gefühlt selten bergab. Eine Straßenkehre nach der nächsten treibt mir wieder den Schweiß in Strömen vom Körper und so steigt mein Wasserbedarf wieder einmal heftig an, muß ich mich ständig nach Trinkwasserquellen umschauen. Der Verkehr bleibt, so mich mal ein vereinzeltes Auto überholte, sehr rücksichtsvoll. 

 

Der Morgen ist sehr trübe, durchgehend bewölkt. Schön zum Radfahren. Am frühen Morgen sind die Straßen noch leer, bewegen sich nur wenige Menschen ihren Zielen entgegen. 

Die Stunden verlaufen auf langen Geraden, gleichbleibende grüne Landschaftsbilder. Weiterhin sind nur die Rundhütten beidseitig der Straße zu sehen. Die kleine Ansiedlungen hinter den Kraleinfassungen wirken verlassen, ärmlich und geschmacklos.

Am frühen Nachmittag erreiche ich ein Dorf mit einigen Steinhütten und einem Bottleshop. Die männlichen Dorfbewohner habe bereits erkennbar, hilfsbereit und fürsorglich, den Umsatz der Shopbesitzers, gesteigert. Laute Musik, trunkene Männer kennzeichnen den ersten Eindruck. Ich brauche Wasser und machte deshalb Halt. Etwas skeptisch nähere ich mich, das Rad schiebend, dem Shop. Stelle mein Rad in der Mitte des Vorplatzes, im Blick behaltend und betrete den Bottleshop. Wie immer trennt ein Tresen und ein deckenhohes Gitter den Verkaufsraum vom Eingangsbereich. So hält der Betreiber die friedlichen Trunkenbolde auf Distanz.

Mit einer Flasche Wasser setze ich mich unter einem Baum auf eine Bank und sofort werde ich von zahlreichen Männern umringt. Leider verstehe ich nicht was sie an Redeschwall auf mich niederprasseln lassen. Doch wie so oft vermute ich, dass es um eine alkoholische Spende an die Durstigen geht. Ja und da hier gerade sehr schattige ist lasse ich mich breit quatschen. Zwei Liter einheimisches Bier kosten 1 US$. Trinken kann man das Zeug allerdings nicht wirklich. Es wird wohl aus vergorenen Mais hergestellt und der Geschmack ist sehr, sehr gewöhnungsbedürftig. Natürlich hatte ich es vorher bereit einmal probiert. Schmeckt ein wenig nach Moppelkotze. Die Leute sind echt lustig drauf und nehmen mich schnell in ihre Mitte. Nach einer weiteren Runde strahlen die Gesichter, ein paar erste Leute tanzen bereits und die Stimmung wird immer ausgelassener. 

Nach drei Stunden musste ich mich dann doch trennen, losreißen und jede weitere Bitte nach Bier abscheidend beantworten.

Schnell stehe ich wieder auf der Strasse. Beeile mich das Dorf hinter zu verlassen und schnell noch einen sicheren Rastplatz für die Nacht zu finden. 

Wieder hat es in der Nacht fast durchgehend geregnet. Grelle Blitze in der einsetzenden Dämmerung zeugen von einem fernen Gewitter. Schön das es nicht näher kam. Doch immer wieder zeugen die gewaltigen Blitze durch den Nachthimmel, gefolgt von gewaltigen Donnern. Meinen Schlafplatz hatte ich gut gewählt. Alles blieb ruhig und gemütlich. Lediglich ein großer Mistkäfer machte sich unter dem Zelt über lange Zeit daran die Fläche zu queren. Sorgte für einige Irritationen, als er meinen Kopfbereich erreichte und mich wach hielt.

An den Randgebieten von Bulawayo erkenne ich wieder einmal das Ausmaß an Verwahrlosung der unfreiwillig verlassenen Grundstücke. Viele Ruinen, niedergerissne Zäune, brachliegende Felder und vergilbte Hinweisschilder. Schlimm, schade das es mit diesem, zuvor wirtschaftlich gut darstellenden Land, nun ebenfalls so bergab geht. 

Durch ein Stadtgebiet mit prachtvollen Villen hinter hohen Mauern, dicht geflochtenen Stacheldraht fahre ich zu meinem Hostel. Ein freundlicher Empfang wird mir bereitet. Ich bekomme ein Zimmer in einer separaten Lodge. Gehe noch in einen nahen Supermarkt einkaufen und bin nach dem Essen schnell im Bett. Die Beine schmerzen doch sehr und so versuche ich schnell Schlaf zu finden. Mit dem Gedanken, wohl doch einmal wieder einen Tag Pause zu machen schlafe ich ein. 

Endlich einmal wieder bis 09 Uhr ausschlafen, ausgiebig in Ruhe frühstücken, obwohl es doch die seit langem aufregendste Nacht ever war. Da haben mich doch, nicht im Zelt, nicht im Dschungel, nicht im Busch, nein im Bett zwei Skorpione gestochen. Die kleine Angreifer sind wohl zuvor durch die offene Tür in das Zimmer und dann in das Bett gekrochen. Haben mich mehrfach am linken Ellenbogen attackiert. 

Sie sollen nicht lebensgefährlich sein, versichert mir die Frau von Adam, dem Besitzer der Lodge. Na und so hoffe ich mal, dass ich jemanden gefragt habe der sich damit auskennt. Allerdings war ja auch niemand anderes da, den ich hätte fragen können. Die Einstichstellen brennen ziemlich aber ich spüre keine Nervenlähmung, Beeinträchtigung oder dergleichen. Nach einigen Stunden setzt dann aber doch eine schwere Betäubung des Unterarms ein und mir ist auch so, als wenn ich unter Drogen stehe. Ok, allerdings weiß ich ja nicht wie sich das genau anfühlt. Ich verspüre Schwindelgefühl, der Kopf surrt und eine erhebliche Müdigkeit bereitet sich aus. 

Es ist eine unruhige Nacht, auch wenn ich zur Sicherheit einmal wieder mein Innenzelt imZimmer, auf dem Bett, aufgebaut habe. Wer weiß wo sich die Skorpione noch verkrochen haben. Glücklich, froh, erleichtert öffne ich am frühen Morgen die Augen und freue mich dies noch tun zu können.

Heute geht es über die nicht sehr weit entfernte Grenze nach Botswana, meine zweite Einreise, nun in das Zentralgebiet.

Botswana 

Na einige Stunden hat es doch noch gedauert bis ich die Grenze erreiche. Wieder standen einige staunende Leute hinter meinem Rad und begutachteten meine Übersichtskarte. Es ist immer wieder ein gutes Kommunikationsmittel um ins Gespräch zu kommen. Diesmal wollen die Grenzer von Botswana sogar in meine Taschen schauen. Das erste Mal einmal wieder nach langer Zeit an einer Grenze. Allerdings machen sie eher den Eindruck, dies aus Interesse am Rad und/oder aus langer Weile zu machen, als aus Pflichtgefühl. Schnell schwinge ich mich aufs Rad und jagte die Straße entlang in das Land. Am Abend finde ich eine Lücke im Zaun und husche, hoffend ungesehen, in die offene, spärlich bewachsene Landschaft. Es hatte zuvor wieder ein großes Gewitter gegeben und so steht bereits der Boden ziemlich unter Wasser und so ist es nicht ganz einfach einen trockenen Platz zu finden. Das Gelände ist sehr abschüssig. Ein gute Deckung für das Zelt finde ich allerdings nur in einer Senke. Dort läuft aber auch das Wasser zusammen. 

Im strömenden Regen baue ich das Zelt auf, schmeiße meine Sachen hinein. Das Regenwasser umspült meine Füße bis zu den Knöcheln und so muß ich zusehen wie in das Zeltinnere stetig Wasser durchsickert. Ungebremst prasselt der Regen auf das Zeltdach. Ich muß die Sicherheitsbestimmungen des Zeltherstellers mißachten und Wassersuppe ist ja weniger nahrhaft. So koche ich im geschlossenen Zelt, was sich etwas schwierig gestaltet, denn ich möchte meine Schutzhütte nicht abfackeln aber doch nicht noch mehr durchgewühlt werden.

Schnell beschlagen alle Innenflächen, Sachen und nun ist auch die Isomatte und der Schlafsack durchfeuchtet. Irgendwie quetsche ich mich auf eine noch nicht so feuchten Streifen auf der Isomatte. Lausche in die Dunkelheit  und den Regentrommeln auf das Zeltdach. 

Der nahe Fluss hat sich bis Mitternacht in einen schnell dahin strömenden Fluss verwandelt. Das Rauschen kommt bedrohlich näher. Ich muß das kontrollieren und krieche aus dem Zelt in die Dunkelheit. Bis zum Ufer sind es jetzt nur noch ca.2 m. Schnell steigt der Wasserstand weiter und prüfend schaute ich nun auf die Distanz zum Zelt. Das steht auch komplett in den abfließenden Rinnen im Wasser. Muß ich nun doch noch das Zelt umbauen? Doch wohin? Ich sehe keinen trockenen Fleck in der lehmbraunen Umgebung. In der Hoffnung das es ausreichen wird, ich nicht weggeschwemmt zu werden, krieche ich wieder ins Zelt. Nun ist wirklich alles patsche naß. Ich muß unbedingt meine Elektronik, Fotoapparat, MacBook, Telefon usw. trocken halten!!! Im Feuchtdunkeln verstaue ich die Sachen in eine dichte Packtasche und verstaue diese mit auf die Isomatte. So können wir ja dann ggf. gemeinsam wegschwimmen.

Irgendwann in der Nacht läßt der Starkregen, die Blitze und der Donner nach. Irgendwann schlafe ich ein und fühlte nur noch die sich breitmachende Feuchtigkeit des Schlafsack.

Alles ist völlig naß, vom Schwemmsand verdreckt und so muß ich am frühen Morgen erst die aufgehende Sonne abwarten, um die Sachen zu trocknen. So kann ich nichts verpacken. Die Landschaft liegt noch in feuchten Morgennebel. Es ist ein bißchen wie Waschküchenklima. Feucht schwüle Nebel wabern um mich herum. Nebenbei, diesmal also in umgekehrter Reihenfolge, genieße ich mein Frühstück und packte nach und nach alles zusammen. Die Säuberung von Matte, Schlafsack, Zelt muß warten. Die Sachen werden am Körper trocknen.

Die Straßenverhältnisse sind  ideal, der Wind kommt aus der richtigen Richtungen nun doch meine Sachen am Körper im Fahrtwind trocken. Francistown erreiche ich am frühen Nachmittag. Die Suche nach einer Unterkunft gestalten sich etwas schwierig. Einen Backpacker, ein Hostel gibt es nicht, die Lodges sind mir echt zu teuer und so lande ich irgendwann für doch immer noch 500 Pula in einem Hotel.

Einkaufen, Sachen säubern, trocknen und etwas essen, dann ab in die Kiste. Morgen geht es weiter.  

Bis zum täglichen Gewitter komme ich am nächsten Tag gut voran. Die folgenden 50 km lege ich wieder einmal im Starkregen ähnlich wie beim Wasserski zurück. Ich gleite über die Wasseroberfläche auf den Straßen. Nach ca. einer Stunde läßt der Starkregen wie jeden Tag etwas nach. Die Straße bleib allerdings weiter naß. Der Abzweig von der A1 auf die alternative Route nach Südafrika ist nicht erwähnenswert, außer das ich etwas warmes zu Essen fand und Wasser kaufen kann. Dann schieben sich wieder dicke Regenwolken zusammen und so setzt der Regen wieder um Stunden ein. Endlos geht es an beidseitigen Weide-/Farmzäunen entlang. Kein Tor, keine Möglichkeit auf die Weide zu kommen. An einem Bahnübergang finde ich dann doch eine Lücke im Zaun. Gegen Abend wird es trocken und so kann ich neben der Strasse im trockenen das Zelt aufbauen. Leider hat mein Provisorium für die defekte Zeltstange nicht lange gehalten und auch eine neue, größere Verstärkung hielt den erforderlichen Biegeradius nicht aus. Werde mir dann noch etwas einfallen lassen müssen. Noch ist es trocken und der Himmel sieht heute mal nicht nach einem abendlichen Gewitter aus. Na hoffentlich bleibt es dabei, denn das Überzelt hat nicht die beste Spannung. 

Durchgehender Regen in der Nacht. Dann am Morgen sehen ich nach Tagen einmal wieder die wärmende Sonne, die nun endlich das Zelt etwas abtrocknet. Doch schon ziehen sich wieder die dunklen, schweren Regenwolken zusammen und öffnen ihre Schleusen über mich. Also alles schnell zusammenpacken und dann ab auf die Wasserstraße. Wie war das noch mit den Puffottern? Die liegen eingegraben im Sand und warten auf ihr Opfer, flüchten nicht. Na hoffentlich gehöre ich an diesem Morgen nicht zu den Opfern, denn Sand ist genug unter meinen Füssen. Also achte ich doch etwas mehr auf meinen Weg bis zum Asphaltband. 

Dort erwartet mich ein starker Gegenwind und so ist die erste Stunde doch recht mühsam. Einige kleine Anstiege machen die Sache nicht leichter. Auch hier, wie überall auf der Welt, gibt es Idioten, die mich auf leerer, gerader Straße, es gibt keinen Gegenverkehr, zentimeterdicht überholen. Gibt es Leute, die genau neben mir auf die Hupe drücken, aus dem geöffneten Seitenfenster schreien, und sich in ihrer Karre wahrscheinlich riesig über meinen Schrecken freuen. Was für ein armseliges Dasein. Der Großteil jedoch ist, auch in Botswana, sehr sehr rücksichtsvoll. Das ist sehr sehr schön für mich.

Da mich der Vormittag viel Kraft gekostet hat, muß ich die verbleibende Strecke am Nachmittag mit schweren Beinen bewältigen. Immer mal wieder eine Pause einlegen und wenn sich die leeren Akkus melden, den Hunger mit einem trockenen Brötchen und einem Apfel bekämpfen. 

Die Strecke bietet nach der Abzweigung Richtung Bobonong noch weniger Abwechslung. Einmal tauchen am Rand wieder große Felsbrocken auf, doch sonst finde ich auf der Piste nur die “einhundert Meter Markierungen” und das ist nicht viel. Nervt mit der Zeit gewaltig.

Bei einem netten Gespräch mit der Betreiberin eines Bottleshops, die mich gerne für immer als Ernährer bei sich gehabt hätte, erfahre ich aber auch einige Neuigkeiten und Hinweise für die nähere Umgebung. Doch mache ich mich dann natürlich schnell raus aus der Stadt, weg von der Ernährersuchenden. Suche meinerseits nur einen ruhigen Platz zum campen. Irgendwie habe ich keine Lust auf eine feste Unterkunft, anderen Menschen in meiner Umgebung. Der Abend ist ruhig, schön und warm. Die Menschen in Botswana, so empfinde ich es, friedlich. Heute finde ich schnell einen Platz zwischen den Dornenhecken, die mir die Beine blutig kratzen. Vorsicht ist beim Aufbau des Zelts begonnen, denn immer wieder hänge ich mit dem Zelt an den super spitzen Dornen.

Meine Suche nach einer Reparaturmöglichkeit für das gebrochene Zeltgestänge war nicht wirklich erfolgreich, denn auch das Stück Kupferschlauch hält die Biegekraft nicht wirklich aus. Ach ja, irgendwie leidet jetzt doch alles sehr unter der langen Zeit des Reisens. Geht vieles in die Brüche, kaputt. 

Ein anstrengender Tag geht trotzdem trocken, friedlich und warm zu Ende. 

Im Laufe des Tages fahre ich durch den Limpopo Lipadi Private Game and Wilderness Reserve an imposanten Felsmassiven und einem Stausee vorbei. Neben der Strasse wird Kilometerlang an einer Wasserversorgungsleitung gearbeitet. Immer wieder grüßen mich die Leute schon von Weiten und ich winke freundlich und erleichtert zurück. Lieber ist es mir tausendmal zu winken, als einmal mit Steine beschmissen zu werden. 

Gegen Mittag komme ich an einem Bauplatz  vorbei und schon von Weitem winken mir zwei Leute zu. Gerne halte ich an und komme mit den beiden Südafrikanern, einem Bauleiter und seinem Assistenten ins Gespräch. Sofort sind mir die Beiden durch ihre freundliche, offene, interessierte Art sympathisch. Mehrfach bekomme ich kaltes Wasser angeboten und immer wieder werde ich nach Details meiner Reise ausgefragt. Sie helfen mir bei der Vervollkommnung meines Zeltprovisoriums und ich muss versprechen, wenn ich in Südafrika unterwegs bin, immer eine Email zu schreiben, wo ich mich gerade befinde. 

Froh, gekühlt und kraftvoll fahre ich weiter. Die Monotonie der Straße hat mich bald wieder eingefangen und so bekomme ich nicht wirklich gleich mit, dass mich ein alter Toyota-Pickup überholt und einige eher vor mir anhält. Doch als die beiden jungen Leute in ihren Rangerkleidung vor mir stehen, ahne ich sofort, dass da etwas Gutes auf mich zukommt. 

Mein Instinkt hatte mich wieder einmal nicht getrübt, denn Jens und Leo sind wirklich zwei ausgesprochen liebenswürdige Menschen. Wir kommen, als wir unsere gemeinsame Nationalität erkennen, sofort in ein herzliches Gespräch. Schnell erfahre ich, dass meine eingeschlagene Route in beiden, noch möglichen Richtungen an, im Moment unüberwindlichen Wasserläufen des Limpopo, enden wird. Biege ich nach rechts lande ich nach 60 km an einer Fährstelle an der der Betrieb bis auf weiteres eingestellt ist. Fahre ich in die linke Richtung ist auch hier nach 60 km Schluß da die Furt bei Hochwasser nicht zu benutzen ist. Der Limpopo bildet hier auf seiner Länge die Grenze zu Südafrika. Eine möglich Stelle an der ich offiziell nach Südafrika komme liegt noch weiter östlich. Dort soll es eine Kabelbahn über den Fluß geben. Ob die Benutzung mit dem Rad möglich ist im Moment nicht zu erfahren. Personen und Material sollen aber transportiert werden. 

Ich muß allerdings den halben Weg bis zur letzten Kreuzung wieder zurück fahren und dann eine Umgehungsstrasse zum Pont Drift Border Post fahren. Dazu habe ich heute allerdings echt keinen Bock mehr. Die Beiden laden mich und mein Rad nach einem kurzem Blickwechsel auf den Pickup und dann sitzen wir drei vorne und brausen, schaukeln, schlingern über die Buckel der Sandpisten zum Camp. 

Nach kurzer Rückfrage bei den Eigentümern steht meiner Übernachtung nichts im Wege, ich bekomme lecker Buletten, einen exzellenten Zeltplatz und die Möglichkeit einer kalten, erfrischenden Dusche. 

Lange sitzen wir zuerst beim Bier, dann beim gemeinsamen Abendessen zusammen und ich erfahre viel  von der Arbeit im Camp. Die Organisation der Projektgruppe Abroad. Diese vermittelt Voltaires die sich für den Umwelt-/Tierschutz engagieren. 

Selig schlafe ich mit gut gefülltem, dickem Bauch, frisch geduscht und in schützender Umgebung, ein. 

Am Morgen bekomme ich dann noch ein leckeres Frühstück. Viele gute, wertvolle Ratschläge für die Strecke zur Grenze. Die beiden Ranger bringen mich auch noch bis zur Kreuzung zurück und entsprechend herzlich bei all der Hilfe ist dann die Verabschiedung.

Gleich hinter dem Abzweig nach einer Kurve endet der Asphalt und ich befinde mich auf einer Rüttelpiste mitten im Busch. Sofort gibt es wieder viele Anzeichen, riesige Haufen, für die Anwesenheit von Elefanten. Der Busch beginnt unmittelbar am Rand der Piste und hier sind mehrfach brachial Schneisen durch das Dickicht getrampelt. Bäume von 20, 30 Zentimetern Durchmesser sind einfach umgeknickt. Die Sträucher sind kahl gefressen. Werde ich nun doch die gewaltigen grauen Berge in Natur sehen? Wird mir unverhofft ein Elefant aus dem Busch entgegentreten? Wie groß ist die Gefahr im Fall einer Begegnung? Leo gab mir noch den Hinweis mit auf dem Weg, dass man überhaupt nicht einschätzen kann, ob sich ein Elefant friedlich oder aggressiv verhält. Bei der Elefanten ist es wie bei den Menschen. Es gibt solche oder solche. Doch die friedlichen überwiegen doch. Also wie bei den Menschen.

Wieder komme ich an einem Checkpoint des National Parks und das Bewacher-Ehepaar ist entsetzt mich hier zu sehen. Also nicht mich als Person, sondern mich mit dem Rad. Gleich prasseln die Darstellung der zu erwartenden Gefahren auf mich nieder. Nein ich kann doch nicht alleine mit dem Rad hier weiter fahren! Wo ich denn jetzt herkomme? Von wo….???? Ich kann sie etwas mit der Beschreibung meines beisherigen Weges beruhigen. Erzähle ihnen, dass ich doch sehr schnell mit dem Rad kurze Sprints hinlegen kann. Ok, das wohl auch zur Beruhigung meiner selbst. Doch einige Minuten später weicht das Entsetzen aus den Gesichtern der Beiden und das immer währende Lächeln kehrt zurück. 

Also schwinge ich mich wieder auf die Piste, fahre durch das die Parkgrenze markierende, trockene Flußbett die Uferböschung hoch und winke von oben dem Grenz-Ehepaar zu. 

Weiter geht es auf, sich dahin windender Schotterpiste, durch die Trockenheit. Nahe der Piste in der Savanne stehen Giraffen, Zebras und viele Antilopen. Elefanten sehe ich nicht. 

Gegen Nachmittag werden die Hinweisschilder auf die grenznahe Lodge immer zahlreicher. Meinen Plan noch eine Nacht in Botswana zu bleiben und dann am frühen Morgen nach Südafrika einzureisen, verwerfe ich schnell, nachdem mir die Preis für eine Übernachtung in der SuperLuxusLodge übermittelt wurden. Für das Geld kann ich wohl auch einen Monat in einem Hostel bleiben. Also mache ich mich gleich auf den Weg zur Kabelbahn über den Limpopo. 

Mich erwartet ein einfaches Grenzgebäude mit freundlichen Grenzposten. Alles geht in Ruhe und mit vielen Fragen vor sich. Die Fragen beziehen sich aber auch nur wieder auf meine Reise. Ja und auch die Zusage, dass ich gemeinsam mit dem Rad in einem Gitterkorb über den Limpopo übersetzen kann, erhalte ich freundlichst. Schnell bezahle ich das Beförderungsentgeld und warte dann auf die Kabelbahn-Kabine, die noch auf der südafrikanischen Seite beladen wird.

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