Der Start heute Morgen ist mir etwas schwer gefallen. Ich war noch ziemlich müde als um 07:00 Uhr der Wecker geklingelt hat. Um 08:00 Uhr wollte ich aber an der OVIR sein und das Permit abholen. Also noch duschen, schön Kaffee trinken, lecker Müsli und dann los. Natürlich war die OVIR-Lucke noch zu. Heftiges Klopfen half, so hatte ich dann auch schnell mein Permit und machte mich zügig aus der Stadt. Der Regen der letzten Tage hatte die Strassen und  Vegetation staubfein gewaschen. Die Bäume strahlten frisch und grün. Ich genoss den Anblick. Am Strassenrand waren viele Obstver-kaufsstände mit Sauerkirschen, Pfirsichen, Äpfeln, Melonen und reichlich Gemüse aufgebaut. Das Wasser aus dem Pamir verwandelt diesen Landstrich in furchtbaren Acker. Gegen Nachmittag wandelte sich der Strassenbelag. Der Asphalt verschwand, übrig bleib der zerfahrene Belag, Steine und Staub auf der tüchtig ansteigenden Naturpiste. In kleinen Gängen mit 4 km/h strampelte ich auf der  Rüttelpiste bergan. Das Hinterrad fand bei den heftigen Steigungen im Schotter keinen Halt, drehte durch. Also an besonders schwierigen Stellen absteigen und schieben. Auch bergab konnte ich den Schwung nicht nutzen bzw. genießen. Der Schotter war einfach zu grob. Immer weiter trieb ich mich bergauf. Am Scheitelpunkt angekommen war durch die sommerlichen Temperatur völlig durchgeschwitzt. Die Autos, meistens nur noch PKW’s, jagen nach wie vor erbarmungslos über den Schotter. Hüllen mich durch den hochgewirbelten Sand in eine dicke Staubwolke. Gegen Abend, ich hatte glücklicherweise eine Flussebene erreicht, fand ich einen schönen Zeltplatz ca. 100 m vom Fluss entfernt. Das sollte ausreichend vor nächtlichen Überraschungen mit Wasser sein. Immer noch gehen mir viele Gedanken bezüglich des Highway durch den Kopf. Hauptsächlich natürlich die Frage, ob ich das schaffe. Zugleich wundern mich solche Gedanken auch wieder, da ich in den Alpen und den Anden auch schon einige hohe Pässe, den letzten Alpenpass im Winter, überwunden habe. Klar wird es eine ziemliche Quälerei, doch wie immer ist die dann meistens bei der Passüberfahrt schnell vergessen. Oben angekommen wiegt die Freude über das Geschaffte alles auf.

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Am Morgen trotten Kühe am Zelt vorbei. Zeit aufzustehen. Es ist 06:00 Uhr. Noch ist die Flussniederung im Morgentau gehüllt. Von der Feuchtigkeit ist alles ein bisschen klamm. Vor dem Frühstück breite ich Schlafsack, Isomatte und Aussenzelt in der Sonne aus. Dann sitze auch in der Sonne, genieße mein selbstgemixtes Müsli mit Milch und schaue auf die fernen Berge.

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Jeder Tag, jede Stunde bringt neue Erlebnisse, stellt mich immer wieder vor Entscheidungen, die ich schnell und absolut treffen muss. Zum Glück nun wieder für mich alleine. Das die eingeschlagenen Wege, die Entscheidungen bis jetzt immer positive Erlebnisse nach sich zogen, freut mich natürlich um so mehr.

Monate brauchte ich die Winterschuhe nicht. In den Sandalen fuhr es sich bei  der Hitze angenehmer. Nun erfordert die Piste einen festen Tritt und eine hohe Kraftübertragung auf die Pedalen. Also trotz Hitze die dicken Schuhe an. Schnell ist dann alles verstaut und ich schiebe das Rad eine steile Böschung hoch auf die Strasse.

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Nach ca. einer Stunde bin ich warm gelaufen, die Schmerzen hier und da lassen nach und ich finde meinen Rhythmus. Immer wieder weiss ich was mich auf den Touren erwartet. Die erste Woche ist fruchtbar. Jeden Tag schmerz etwas anderes. Bin ich dann allerdings nach der Woche mit allen Alterswehwehchen durch, bleiben nur noch die Gedanken was ich an Ausrüstung nicht wirklich brauche. Nach einem Monat, die Erfahrung habe ich auf meiner acht Wochen Südamerikatour gemacht, sind dann auch die Gedanken, der Kopf frei. Wie es dann nach einem Jahr ist, berichte ich später.

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Nun stand ich an der Kreuzung der Entscheidung. Auf der nördlichen Route direkt, auf kurzem Wege, zur kirgisischen Grenze oder rechts in die Berge Richtung Pamir.

Natürlich hatte ich die Entscheidung nach rechts Richtung Khorog abzubiegen schon längs getroffen. Sofort befand ich mich auf einer üblen Naturpiste. Jeder Meter bergauf, bergab brauchte volle Konzentration für die Strasse, das Rad, die Ausrüstung. In den Wegkehren wurde die Piste immer wieder von Wasser überspült, das aus den Bergen abwärst floss. Gegen Abend stand ich Ausgangs eines Dorfes und suchte den Weiterweg. Ich stand vor einem, besser in einem Flussbett und sah nur noch Geröllsteine. Von einer Piste, vom Highway war nichts mehr zu sehen. Hatte ich mich verfahren, einen Abzweig üb ersehen? Ein Geländewagen rumpelte durch das Steinfeld. Nein, das war wirklich der Highway. Na dann weiter bergauf, das Rad schiebend, tragend über die Felsen. Das Geröllfeld füllte sich mit braunem Schmelzwasser und ich versuchte trockenen Fusses voran zu kommen. Klappte das im unteren Teil noch ganz gut, musste ich das im oberen Teil irgendwann aufgegeben. So stand ich dann bis zu den Waden, das Rad bis zu den Achsen, im Wasser.

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Jetzt ist Sommer, dachte ich. Was geht hier wohl im Frühjahr ab, wenn die richtige Schneeschmelze einsetzt und der Fluss sich auf hundert Meter ausbreitet. Mit nassen Schuhen, Socken und dann auch schrumpligen Füssen, suchte ich mir mit eintretender Dämmerung einen geeigneten Platz für das Zelt. Das ist im Gebirge leider nicht immer ganz einfach. Auf der einen Seite die steil aufragenden Felswände und zur anderen Seite geht die Schlucht zum Fluss runter. Ist es mal grün und ein bisschen flach, dann sind auch gleich Siedlungen in der Nähe bzw. wird die Fläche als Acker genutzt. Ich finde einen Platz ziemlich dicht an der Straße hinter einem kleinen Bäumchen. Bald wird es dunkel. Stimmen dringen aus dem nahen Dorf zu mir herüber. Am Nachmittag hatte ich noch eine tschechische Reisegruppe getroffen und konnte mich endlich auch einmal wieder etwas unterhalten.

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